ARGE

Arbeitsgemeinschaft der
Elternräte der Gesamtschulen in Hamburg

Rosemarie Wilhelm

Klaus-Peter Schiebener

Hamburg, 29.02.96

 

 

Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung
z. Hd. Herrn Altendorf / Herrn Becker
Postfach 76 10 48

22060 Hamburg

 

 

 

Polychlorierte Biphenyle (PCB)
Ermittlung von PCB-Belastung in Schulgebäuden
Presseerklärung des Pressereferats der BSJB vom 19.12.95

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu der o.a. Presseerklärung nehmen wir wie folgt Stellung:

  1. Berechnung des kritischen Wertes
    Wir ElternvertreterInnen in der Arbeitsgemeinschaft der Elternräte der Gesamtschulen in Hamburg - ARGE lehnen es ab, die Vorsorge- und Eingreifwerte von 300 und 3.000 ng/m³ Raumluft zu erhöhen. Dafür gibt es keine schlüssige wissenschaftliche Grundlage.
  2. Es ist nicht auszuschließen, dass die Kinder auch in Wohn- bzw. anderen öffentlichen Gebäuden ebenfalls einer PCB-Belastung ausgesetzt sind.

    Wir Eltern gehen vielmehr mit der Ansicht konform, dass diese Werte gesenkt werden müssen, und zwar auf 100 und 1.000 ng/m³ Raumluft (wie in den USA sowie entsprechend dem Beschluss des Verwaltungsgerichtes Wiesbaden - AZ: III/1G1011/91 -).

  3. Gesamtbelastung
    Die Erklärung der Behörde nimmt in keiner Weise Stellung dazu, wie die Gesamtbelastung der Kinder mit Umweltgiften zu bewerten ist.
  4. VDI-Richtlinie
    Aus der Presseerklärung geht nicht hervor, dass die VDI-Richtlinie 4300 (Regelung zur Entnahme von PCB- Innenraumluftproben) geändert wurde. Hiernach sind jetzt eine halbe Stunde vor Beginn der Messungen die Räume 15 Minuten lang intensiv durch weites Öffnen aller Fenster zu lüften.
  5. Wir fordern, die Messungen nach dem »Worst case«-Prinzip, d.h. gemäß dem schlimmsten anzunehmenden Fall (Montag morgen, ohne zu lüften, nach Staubaufwirbelung), durchzuführen. Allenfalls ist für uns die alte VDI-Richtlinie akzeptabel. Erst dann ist auch die geforderte Vergleichbarkeit mit Messungen in anderen Bundesländern gewährleistet (wie z.B. Hessen und Schleswig-Holstein), wo schon Konzentrationen bis zu maximal 8.000 ng/m³ Raumluft gemessen wurden.

  6. Maßnahmen zur Gefahrenbeseitigung
    Die empfohlenen Maßnahmen, selbst bei 5.000 ng/m³ Raumluft nach den neuen VDI-Richtlinien lediglich eine Grundreinigung durchzuführen und zu lüften, sind völlig inakzeptabel. Die Konzentrationen können demnach um ein Vielfaches höher sein als nach der alten VDI-Richtlinie, bis der Eingreifwert von 3.000 ng/m³ Raumluft erreicht wird.

Der Senatsbeschluss konkretisiert in keiner Weise ausreichende Maßnahmen für den Fall, dass der Eingreifwert überschritten wird.

Wir bitten Sie eindringlich, bei Ihren Entscheidungen der Gesundheit unserer Kinder absoluten Vorrang zu geben. Nach der bisherigen Behandlung der PCB-Problematik - insbesondere mit der Erhöhung der Eingreifwerte und der Änderung der VDI-Richtlinie - sehen wir diese Priorität in Frage gestellt.

 

Mit freundlichen Grüßen

Rosemarie Wilhelm

Klaus-Peter Schiebener

 

 

Nachrichtlich an

  1. Frau Senatorin Raab
  2. den Hamburger Senat
  3. die Fraktionen der Bürgerschaft: SPD, CDU, GAL, STATT
  4. die Umweltbehörde
  5. die Elternkammer

 

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ARGE-Information zu diesem Brief:

PCB (polychlorierte Biphenyle) ist ein Ultragift, das sich im Körper anreichert und nicht abgebaut wird.

Das Hamburger Abendblatt schrieb dazu am 14. Juni 1999: "... eine farblose bis gelbe Flüssigkeit mit extrem niedriger elektrischer Leitfähigkeit und hoher chemischer Stabilität. Als flammfeste Isolierflüssigkeit findet man PCB in Hochspannungs-Transformatoren und Kondensatoren, in Hydraulikölen und Kühlflüssigkeiten. Bei der Verbrennung von PCB können Dioxine entstehen.
Für Menschen und Tiere ist PCB stark gesundheitsschädigend. Wegen ihrer hohen Beständigkeit und Fettlöslichkeit besteht die Gefahr der Anreicherung in Nahrungsketten. Man findet es in Fettgeweben von Tieren, aber auch in Butter und Käse. Eine chronische PCB-Vergiftung äußert sich in Chlorakne. Außerdem schädigt der Stoff die Leber, das Nervensystem, das Immunsystem und gilt als krebserregend. In Deutschland ist die Produktion von PCB 1983 eingestellt worden. Die Beseitigung aller bekannten PCB-Bestände ist für 2000 vorgesehen, europaweit bis 2010."