Das ist kein Wunder, denn Soft Skills sind schwer fassbar. Soziale und methodische Kompetenzen gehören dazu, organisatorische und konzeptionelle Fähigkeiten sind gefragt und Motivation ist ohnehin Pflicht. Soft Skills sind keine einzeln abgrenzbaren Eigenschaften: Sie erfordern bestimmte Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die sich überschneiden oder auch gegenseitig ausschließen können. Und sie zeigen sich immer erst in konkreten Situationen.
Eine vollständige Liste der wichtigen Soft Skills zu erstellen ist fast unmöglich - aber einige Fähigkeiten werden heute von den meisten Arbeitgebern gefordert:
· Belastbarkeit: Wer belastbar ist, muss nicht jeden Ärger in sich hineinfressen. Belastbare Personen behalten vielmehr in Stresssituationen einen kühlen Kopf und arbeiten auch unter Zeitdruck qualitativ hochwertig. Sie können auch Niederlagen verkraften und gehen nicht immer den Weg des geringsten Widerstandes. Selbstdisziplin, geistige Konzentration, Stressresistenz und Ausgeglichenheit zeichnen den belastbaren Arbeitnehmer aus.
· Durchsetzungsvermögen: Sie arbeiten zielgerichtet auf ein bestimmtes Ergebnis hin und erreichen es auch unter widrigen Umständen. Dazu brauchen Sie den Willen, sich gegen Widerstände zu behaupten, Sie müssen Angst und Unsicherheit überwinden und beharrlich sein. Das allein reicht aber nicht aus: Wer sich durchsetzen will, braucht fundierte Kenntnisse über geeignete Instrumente, Abläufe und mögliche Widerstände. Und er muss bereit sein, Konflikte durchzustehen.
· Einfühlungsvermögen: Brauchen Sie für eigentlich alle sozialen Vorgänge im Job. Gemeint ist die Fähigkeit, auf Gedanken, Gefühle und Ziele anderer einzugehen, ohne Rücksicht auf Ihre eigenen Interessen und ohne Wertung. Hilfreich dazu sind z.B. bestimmte Fragetechniken und Kenntnisse über die Signale der Körpersprache.
· Flexibilität: Neben der räumlichen Mobilität gehört zur Flexibilität auch die Bereitschaft, sich ungewohnten Situationen auszusetzen und gewohnte Pfade zu verlassen. Flexible Menschen sind offen für Neues, können aber auch ihre Meinung vertreten, wenn eine Veränderung ihnen nicht sinnvoll erscheint.
· Gewissenhaftigkeit: Dabei geht es nicht nur das gewissenhafte Ausführen von Aufträgen. Es geht auch darum, sich selbst Qualitätsstandards zu setzen, über die direkte Aufgabe hinaus zu denken und Schwachstellen aufzudecken, bevor sie sich am Ergebnis zeigen. Neben dem Aufzeigen von Fehlern sollten aber auch immer konstruktive Lösungen angeboten werden - sonst wirkt gewissenhaftes Arbeiten schnell wie bremsende Erbsenzählerei.
· Konfliktmanagement: Zum konstruktiven und reflektierten Umgang mit Konflikten gehört zunächst die Bereitschaft, überhaupt Konflikte einzugehen und sie offen zu legen, denn nur so sind sie auch lösbar. Ein guter Konfliktmanager sucht nicht nach Schuld, sondern nach einer Lösung. Er vertritt seine Auffassungen deutlich aber nicht rechthaberisch und diskutiert sachlich, statt auf die persönliche Ebene zu gehen. Er kann den Standpunkt der Gegenseite ermitteln und darauf eingehen, kann eigene Fehler eingestehen und hat den grundsätzlichen Willen zur Einigung, ohne seine eigene Position zu verleugnen.
· Kundenorientierung: Freundlichkeit und Aufmerksamkeit sollten selbstverständlich sein. Am wichtigsten sind aber die Fähigkeit und der Wille, Bedürfnisse und Wünsche des Kunden zu erkennen und soweit wie möglich zu erfüllen. Das bedeutet auch Entgegenkommen über vertraglich vereinbarte Leistungen hinaus und kompetente Beratung statt besserwisserischer Belehrung. Kunden müssen übrigens nicht unbedingt extern sein: Auch Kollegen, denen Sie zuarbeiten, sollten Sie als Kunden betrachten.
· Präsentationsstärke: Zum einen kommt es darauf an, sich auf die wesentlichen Inhalte zu konzentrieren und die Kernaussagen schlüssig, klar und prägnant darzustellen. Zum anderen muss die Verpackung stimmen: Informationen sollen verständlich und unterhaltsam aufbereitet sein. Die Präsentation sollte eine Dramaturgie haben und durch den sinnvollen Einsatz verschiedener Medien unterstützt werden. Präsentationsstärke ist auch eine Frage der richtigen Vorbereitung: Wer seine Inhalte kennt, braucht nicht nervös zu sein und kann frei sprechen.
· Teamfähigkeit: Wer teamfähig ist, kann sich in eine Gruppe einordnen, ohne die eigene Individualität aufzugeben. Er nutzt seine Stärken, um die Gruppe voranzubringen, kennt seine Schwächen und akzeptiert die anderen Gruppenmitglieder. Er tauscht sich mit den anderen aus, sieht die Notwendigkeit gemeinsamer und kooperativer Konfliktlösung und ist am Erfolg des Teams interessiert.
· Überzeugungskraft: Die brauchen Sie, wenn Sie auf andere Einfluss nehmen wollen, ohne Druckmittel einzusetzen. Wer überzeugend ist, kann Menschen mitreißen und seine Argumentation so verständlich und einsichtig vorbringen, dass andere ihr gerne folgen und von selbst in der gleichen Richtung weiterdenken.
· Umsetzungsorientierung: Eine konsequente Umsetzung hängt stark mit Pragmatismus zusammen. Eine umsetzungsorientierte Person arbeitet konzentriert, lösungsbezogen und lässt sich nicht so leicht von ihrem Ziel ablenken. In Projektgruppen wird sie oft als Antreiber angesehen.
· Verhandlungskompetenz: Wer sie hat, kann bei Verhandlungen die eigene Position optimal vertreten. Dazu brauchen Sie eine überzeugende Rhetorik und sollten unterschiedliche Verhandlungstaktiken kennen. Wer gut vorbereitet in die Verhandlung geht und sich in seinen Verhandlungspartner hineinversetzen kann, kann Gegenargumente kontern - das erfordert Sensibilität. In Verhandlungen ist derjenige besonders überzeugend, der die Interessen aller Parteien berücksichtigt und ein Ergebnis vorschlägt, das für alle gut vertretbar ist.
· Zeit- und Selbstmanagement: Ein geordnetes Zeitmanagement hilft Ihnen, komplexe Aufgaben zu strukturieren. Ein guter Zeitmanager hat stets den Überblick über Dinge, die bereits erledigt oder noch zu erledigen sind und kann Arbeiten nach ihrer Priorität sortieren. Voraussetzung ist die gute Selbstorganisation: Das Setzen erreichbarer Ziele, die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren und die stetige Kontrolle, wie weit man seine Ziele auch erreicht hat.
Oh Gott, werden Sie jetzt vielleicht denken, wie soll ich das nur hinbekommen? Die lange Liste der Soft Skills ist aber kein Grund zur Panik: Nicht jede Fähigkeit ist auch für jeden Job gleich wichtig. (…)
Die eigenen Stärken und Schwächen erkennen
Bei der Einschätzung Ihrer Stärken und Schwächen sollten Sie ehrlich mit sich umgehen. Nur wenn Sie Ihre Kompetenzen anhand konkreter Beispiele belegen können, haben diese etwas in Ihrer Bewerbung verloren.
Und wer seine Schwächen kennt, kann sich schon vor dem Vorstellungsgespräch überlegen, wie er sie möglichst positiv verkauft.
1. Richten Sie den Blick zurück: Erinnern Sie sich an problematische und an erfolgreiche Projekte: Was war die konkrete Aufgabe oder das Problem? Wie sah die Lösung aus? Was war Ihr spezifischer Beitrag dazu? Wahrscheinlich fallen Ihnen die Kompetenzen, die Sie zur Lösung des Problems gebraucht haben, sofort ins Auge.
Damit haben Sie neben Ihren fachlichen Qualifikationen auch Ihre Soft Skills identifiziert - und später für Ihr Bewerbungsschreiben gleich die passenden Beispiele parat. Und nicht nur berufliche Situationen sind Belege für Soft Skills: Gute Quellen sind auch ehrenamtliche Tätigkeiten oder Beispiele aus Ihrer privaten Praxis.
2. Holen Sie sich Feedback: Bitten Sie Familie, Arbeitskollegen und Freunde um eine ehrliche Rückmeldung zu Ihren Stärken und Schwächen. Oft werden sie an Stellen, an denen Sie selbst besonders kritisch mit sich selbst umgegangen sind, milder sein - das macht Mut. An anderen Stellen dämpft die Fremdeinschätzung vielleicht Ihr etwas zu positives Urteil über die eigenen Fähigkeiten.
3. Anpassung: Nein, Sie sollen nicht Ihre Persönlichkeit an die gewünschte Stelle anpassen, das wirkt unecht. Übertragen Sie vielmehr Ihre eigene Kompetenzeinschätzung auf das Anforderungsprofil der Stellenanzeige, auf die Sie sich bewerben wollen. Auf diese Weise bieten Sie Ihrem Wunscharbeitgeber eine klare Beschreibung Ihrer Kompetenzen an - und können dabei auch gleich überprüfen, wo Ihre Grenzen liegen und ob die angestrebte Position wirklich zu Ihnen passt.
So verkaufen Sie sich richtig
Der nächste Schritt auf dem Weg zur neuen Stelle ist Ihre Bewerbungsmappe. Hier haben Sie mehrere Möglichkeiten, Ihre Soft Skills einzubringen.
Ihr Anschreiben hält der Recruiter als erstes in der Hand. Hier sollten Sie zumindest auf diejenigen Soft Skills eingehen, die in der Stellenanzeige erwähnt werden - und zwar nicht nur in einer Aufzählung à la " ich bin teamfähig, belastbar und kommunikationsstark". Wollen Sie wirklich von sich überzeugen, müssen Sie mit Belegen in Form von Beispielen aufwarten - mit Hilfe Ihrer bereits erstellten Selbstanalyse ist das ja ohnehin kein Problem.
Daneben könnten Sie sich natürlich darauf verlassen, dass ein erfahrener Personaler Ihre weiteren Fähigkeiten schon aus Ihrem Lebenslauf oder Ihren Zeugnissen herauslesen wird. Das ist allerdings riskant, denn zur Durchsicht jeder Mappe bleiben meist nur wenige Minuten - und so kann es passieren, dass Ihre Bewerbung auf dem Stapel mit den Absagen landet, obwohl Sie eigentlich sehr gut für die Stelle geeignet waren.
Sie sollten sich deshalb die Gelegenheit nicht entgehen lassen, Ihre Pluspunkte auch im Lebenslauf anzubringen: Wenn Sie Ihre praktische Erfahrung auflisten, sollten Sie zusätzlich zu den Stationen auch Ihre Hauptaufgaben nennen. Dort können Sie dann neben Ihren fachlichen Qualifikationen auch einige Soft Skills einfließen lassen.
Das als dritte Seite neben Anschreiben und Lebenslauf beiliegende Profil vermittelt dem Leser schnell einen Eindruck davon, ob der Bewerber ins Unternehmen und zur fraglichen Aufgabe passt. Formal besteht ein Qualifikationsprofil aus drei Spalten: In der ersten Spalte «Tätigkeiten» werden die Stationen aufgeführt, die die Kompetenz für die angestrebte Stelle am besten belegen.
Zu jeder Station werden in der zweiten Spalte drei fachliche Qualifikationen aufgeführt, die bei dieser Tätigkeit erworben wurden. In der dritten Spalte werden je drei persönliche oder soziale Stärken angegeben, die den Bewerber bei der angegebenen Tätigkeit ausgezeichnet haben.
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Arbeitsstationen |
Qualifikationen (je 3) |
Soft Skills (je 3) |
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