Pisa
PISA
Der italienische Botschafter Silvio Fagiolo wendet sich gegen den schludrigen Umgang mit der Sprache: Pisa ist eine italienische Stadt, PISA dagegen ein Akronym, das heißt eine Abkürzung, ein Kunstwort, das aus Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildet wurde.
(Akronym < griech. akros an der Spitze, oberste/r + onyma Name, Wort)
PISA (»Indagine Pisa«) und Pisa (»città«)
"Die Geschichte des berühmten Schiefen Turmes ist ja ein Beispiel dafür, dass Dinge, auch wenn sie instabil aussehen, durchaus von Dauer sein können. Daran sollten sich die Bildungspolitiker orientieren, die jetzt Alarm schlagen
Die Instabilität, in diesem Fall das schlechte Abschneiden in der Studie, könnte sich schon bald als Chance herausstellen. Vor dem Einsturz des Turmes wurde immer wieder gewarnt. Auch deshalb hat man sich so intensiv um seine Erhaltung gekümmert.
In Pisa wurde schließlich Galileo Galilei geboren, einer der Begründer der modernen Wissenschaft. Die Bewegungen eines Kerzenleuchters an der Decke des Domes von Pisa halfen ihm, die Gesetze zur Pendelschwingung zu entwickeln.
Auch fehlerhafte Konstruktionen können zu großem Ruhm gelangen, bewundert und im kunsthistorischen Sinne gar unsterblich werden. Insofern ist die Geschichte Pisas und seines Turmes Trost und Hoffnung für all jene, die irgendwann in ihrem Leben den Anforderungen nicht genügen, auch für jene, die schlechter in der Schule sind als andere.
Fest steht: Pisa wird bleiben, die Studie wird man irgendwann vergessen."
(Silvio Fagiolo, Botschafter Italiens in Deutschland)
Moritz Müller-Wirth, "Was wir von Pisa lernen können", in: Die Zeit, 28. Februar 2002