Arbeitszeit der LehrerInnen / Unterrichtsverpflichtung / Arbeitszeiterhöhung
"... keiner Lehrerin und keinem Lehrer
fällt ein Zacken aus der Krone, wenn er eine dreiviertel Stunde mehr arbeiten
muss." (Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust, CDU, Hamburger
Abendblatt, 7. Mai 2002, Seite 12) Erklärung: Jedem Adelstitel entspricht
ein Wappen mit einer Krone mit einer bestimmten Anzahl von Zacken. Insofern hat
Ole von Beust schon recht: Wer mangels Adelstitel keine Zacken aufzuweisen hat,
kann auch keine einbüßen.
"Ein Schüler wird nicht automatisch schlechter, wenn der Lehrer 25 statt
24 Stunden arbeitet." (Günter Frank, schulpol. Sprecher der SPD 1998, zit.
nach Hamburger Abendblatt, 15./16. Januar 2005, Seite 12)
Von der Arbeitszeitverkürzung im öffentlichen Dienst 1989/1990 wurden die
LehrerInnen als einzige Berufsgruppe ausgenommen. In den 90er-Jahren wurden die
Wochenpflichtstunden dann sogar heraufgesetzt. (Hamburger Abendblatt, 25.9.02,
Seite 14)
"Wenn auch die hiesigen Lehrer gut bezahlt werden, so sank in den letzten
Jahren ihr Gehalt – wie in den meisten OECD-Ländern – im Vergleich zum
Bruttoinlandsprodukt. Der Lehrerberuf müsse wieder attraktiver werden, sagen
die Experten (in der OECD). Sie schlagen mehr Geld, aber auch bessere
Arbeitsbedingungen, etwa in Form kleinerer Klassen, vor." (Jeanne Rubner, "Die
Lust am Lesen lernen", Süddeutsche Zeitung, 20.11.2002)
"... Grundlage des Modells ist die 40-Stunden-Woche, die im öffentlichen
Dienst außerhalb der Schule bereits seit 2002 gilt (Lehrer bislang 38,5)."
(Hamburger Abendblatt, 24./25.5.2003, Seite 17: "So wird die
Arbeitszeit berechnet")
"Der gesamte öffentliche Dienst arbeitet bereits 40 Stunden in der Woche,
Hamburgs Lehrerinnen und Lehrer sind die einzigen Beamten der Stadt, die noch
bis zu den Sommerferien 38,5 Stunden pro Woche arbeiten." (Aus einem
Faltblatt der Hamburger Schulbehörde zur Information der Eltern über das
Arbeitszeitmodell, 2003)
"1998 ist die wöchentliche Arbeitszeit im öffentlichen Dienst von 40 auf
38,5 Stunden abgesenkt worden. Die Hamburger Lehrerschaft ist als einzige
Berufsgruppe an dieser Arbeitszeitverkürzung nicht beteiligt worden. Im
Gegenteil: 1995 wurde für alle LehrerInnen die Unterrichtsverpflichtung um eine
Stunde erhöht. 2000 wurde die Altersermäßigung gestrichen, und 2001 wurde die
Unterrichtsverpflichtung der GymnasialkollegInnen an Gesamtschulen um zwei
Stunden erhöht. Die 1. Hamburger Lehrerarbeitszeitkommission kommt 1999 zu
dem Ergebnis, dass die Jahresarbeitszeit der Hamburger Lehrerschaft
durchschnittlich bei 1800 Stunden liegt (siehe auch Bericht der 2. Arbeitszeitkommission
vom 17.2.2003, Seite 27/28). Bei einer 40-Stunden-Woche beträgt die
Jahresarbeitszeit aber 1770 Stunden." (Ilona Wilhelm, "Lange
verbreitet Lügen", in hlz 9/03, Seite 9)
Arbeitszeit-Entlastungen für Hamburger Lehrkräfte: LehrerInnen in einer 4. Klasse der Primarschule dürfen eine Unterrichtsstunde in der Woche weniger arbeiten (AZM-Faktor wird von 1,35 auf 1,4 heraufgesetzt); das gleiche gilt für die an einer Stadtteilschule Beschäftigten (von 1,45 auf 1,5). In den Klassen 1-3, 5-6 und in den Klassen 7-10 der Gymnasien ändert sich nichts. Die wöchentliche Arbeitszeit von LehrerInnen über 60 Jahre wird um 2 Stunden auf 44,57 abgesenkt, das entspricht einer Entlastung von etwas mehr als einer Unterrichtsstunde pro Woche. Für die Maßnahmen sind 191 Lehrerstellen und vorübergehend 130 Stellen erforderlich. (15. Dezember 2009/bsb15, Hamburger Abendblatt, 16.12.09, Seite 18)
Noch ist Hamburg Spitze ... was die Arbeitszeit der Lehrerinnen anbelangt und baut diesen Vorsprung durch das 2003 eingeführte Lehrerarbeitszeitmodell (LAZM, AZM) (mit fest eingebauter Mehrarbeit) und Arbeitszeitverdichtungen nach Schulform (Gesamtschulen), Fächerkombination und Alter weiter aus:
Übersicht Altersteilzeit, Altersentlastung, Alterszeitermäßigung in den Bundesländern
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Bundesland |
Regelung |
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Baden-Württemberg |
1 Stunde ab dem 58. Lebensjahr und 2 Stunden ab dem 60. Lebensjahr |
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Bayern |
Im Bereich der Hauptschule 1 Stunde ab dem 58. und 2 Stunden ab dem 62. Lebensjahr. Für die restlichen Schularten 1 Stunde ab dem 58., 2 Stunden ab dem 60. und 3 Stunden ab dem 62. Lebensjahr. |
Berlin |
Nur für angestellte Lehrkräfte, die vor dem 1.3.2005 eingestellt wurden und das 50. Lebensjahr vor dem 1.9.2008 erreicht haben: ab dem 55. Lebensjahr 1 Stunde, ab dem 60. Lebensjahr 2 Stunden. |
Brandenburg |
1 Stunde ab dem Schulhalbjahr, das auf die Vollendung des 60. Lebensjahres folgt |
Bremen |
1 Stunde ab dem auf die Vollendung des 58. Lebensjahrs bzw. 2 Stunden ab dem auf die Vollendung des 60. Lebensjahrs folgenden Schuljahr. |
Hamburg |
1999 wurde die
Abschaffung der Altersermäßigung beschlossen. Die Bestandsschutzfälle endeten
im Laufe des Jahres 2004 |
Hessen |
Altersentlastung: ab dem 55. Lebensjahr 1 Stunde, ab dem 60. Lebensjahr 2 Stunden. |
Mecklenburg-Vorpommern |
Ab dem auf die Vollendung des 60. Lebensjahres folgenden Schuljahr 2 Stunden |
Niedersachsen |
Altersermäßigung: ab 60 Jahre 1 Stunde |
Nordrhein-Westfalen |
Altersermäßigung: ab 55 Jahre 1 Stunde, ab 60 Jahre 3 Stunden |
Rheinland-Pfalz |
Ab 63 Jahre 3 Stunden mit Beginn des Schuljahres, in dem das 63. Lebensjahr vollendet wird. |
Saarland |
Altersermäßigung: ab 57 Jahre 1 Stunde, ab 60 Jahre 3 Stunden |
Sachsen |
Ab 55 Jahre 1 Stunde, ab 60 Jahre 2 Stunden mit Beginn des Schulhalbjahres, in dem sie das jeweilige Lebensjahr vollenden |
Sachsen-Anhalt |
Altersermäßigung: ab 60 Jahre 2 Stunden |
Schleswig-Holstein |
Altersermäßigung: ab 58 Jahre 1 Stunde |
Thüringen |
Bei Vollendung des 55. Lebensjahres 2 Stunden, bei mindestens 50 Prozent Einsatz im Unterricht 1 Stunde |
Hamburger Abendblatt: „So halten es die anderen Länder mit älteren Lehrern“, 25.09.09, Seite 16
Quelle ist die Statistik der Kultusministerkonferenz über die Pflichtstundenzahlen
der Bundesländer für das Schuljahr 2001/2 (Alexander Heinz NDR 90,3, Aktuell,
13.5.02)
Alterszeitermäßigungen: Übersichttabelle aller Bundesländer in Erziehung &
Wissenschaft (Zeitschrift der GEW) 5/2003, Seite 20.
Hamburgs Schulbehörde geht von einer Wochenarbeitszeit von 44 Stunden aus.
Bei 63 Ferientagen pro Jahr und einem tatsächlichen Urlaubsanspruch von 30
Tagen ergeben sich dann aufs Jahr gerechnet 38,5 Arbeitswochenstunden. Hier
werden willkürlich so Zahlen festgelegt, dass am Ende das
gewünschte Ergebnis herauskommt. Das ist nicht seriös und hat mit der
Schulwirklichkeit nichts zu tun. (Nebenbei: Aufgrund des Beamtenstatus
müssen LehrerInnen fünf Überstunden pro Monat – gleich drei
Unterrichtsstunden plus Vorbereitung – unentgeltlich ableisten. Erst
Überstunden, die darüber hinaus anfallen und die nicht "abgebummelt"
werden können, werden bezahlt.) (Hamburger Abendblatt, 15.5.02, Seite 2)
Technokratischer Ansatz: Draufsatteln: "Die Anzahl der
Unterrichtsstunden der Lehrer ist noch viel zu gering.
Rationalisierungspotenziale werden kaum genutzt. Lehrerteams können zum
Beispiel in der unterrichtsfreien Zeit - Schulferien genannt - Unterricht
vorbereiten. Die Konzepte könnten dann von den Kollegen [und natürlich auch von
gewitzten SchülerInnen] bundesweit aus dem Internet zur eigenen Verwendung
heruntergeladen werden. Klassenarbeiten könnten zum Teil standardisiert und
ihre Auswertung automatisiert werden. Fachunterricht könnte teilweise durch
interaktive computergestützte Systeme ersetzt werden. Weiterbildung der Lehrer
sollte in den Schulferien stattfinden. Außerdem sollte für die Lehrer
Präsenzpflicht in den Schulräumen während der Arbeitszeit bestehen - bis auf
die ca. 32 echten Ferientage." Siehe auch Neoliberalismus
und Neue Steuerungsmodelle
"Rechnet [Hamburgs Bürgermeister von Beust] damit, dass immer ältere
Lehrer in immer größeren Klassen immer mehr Stunden mit immer größerem
inhaltlichem wie pädagogischen Bemühen geben werden?" (Zwei Leserbriefe
in: Hamburger Abendblatt, 18./19. Mai 2002, Seite 12)
Der technokratische Ansatz hat mit Schulwirklichkeit und tatsächlicher
Arbeitszeit von Lehrkräften nichts zu tun. Die methodisch-didaktische
Unterrichtsvor- und -nachbereitung bleiben unverändert erhalten (alles, was im
Unterricht geschieht, muss gesichtet und auf die jeweiligen Klassen und die
SchülerInnen zugeschnitten werden. Sollen in Zukunft individuelle
Förderkonzepte, individuelle Fehlerdiagnostik unter den Tisch fallen?).
Tatsächlich erfordert dieser Ansatz sogar zusätzliche materielle und personelle
Ressourcen: Wer sammelt, sichtet und bewertet (in Absprache, in Teamarbeit) das
Material, stellt das aufbereitete Material ins Netz, beantwortet Anfragen dazu
und aktualisiert in regelmäßigen Zeitabständen die entsprechenden Webseiten ?
Der Deutsche Lehrerverband DL-H ruft zur Abwehr zunehmender Arbeitsbelastung zu
einer Aktion "Dienst nach Vorschrift" auf. Die Lehrkräfte
sollen dabei nach dieser "Giftliste" vorgehen:
OECD-Bericht "Bildung auf einen Blick 2005" (e&w 10/2005, Seite 23-24):
Annäherung an die Schulrealität: In Arbeitszeitmodellen für Schulen in Skandinavien (erfolgreiche PISA-Länder) wird mit Pauschalen und einer errechneten Jahresarbeitszeit gearbeitet. In früheren Aktionen "Gläserne Schule" hat sich gezeigt, dass LehrerInnen, die Ferien eingerechnet, im Durchschnitt auf eine Wochenarbeitszeit von 54,5 Stunden kommen. Eine Schulstunde beträgt zwar 45 Minuten, in den restlichen 15 Minuten leisten LehrerInnen jedoch in der Regel weitere schulische Arbeiten: Besprechungen, Beratungen, Schulhofaufsichten, etc.
Änderungen der Lehrerarbeitszeit www.schulreform.hamburg.de/aktuell/2022056/2009-12-15-bsb-lehrerarbeitszeit.html
Siehe Stichwort Arbeitszeitmodell