Atomenergie –
Kernenergie – Tschernobyl – Gorleben
Harrisburg
27. März 1979: Im amerikanischen Atomkraftwerk Three
Mile Island bei Harrisburg/ Pennsylvania kam es zu einer
„Verstopfung“. Durch Bedienungsfehler verschlimmerte sich dieser Zustand, und das
Kühlsystem des zweiten Blocks setzte aus. Ein Viertel der hochradioaktiven
Brennelemente schmolz.
Quelle: www.kgh.snbh.schule-bw.de/HP/Projekt-Wolke/Themen/harrisburg.htm
Tschernobyl
Am 26. April 2016 gibt es ein trauriges
30-jähriges Jubiläum: 30 Jahre zuvor, am 26. April 1986 um 2.00 Uhr
Ortszeit, im Ort Pripjat in der Nähe der heutigen ukrainischen Hauptstadt Kiew
kam es zum Super-GAU, jenem Unfall, der restrisikomäßig eigentlich nur
für einmal in Millionen Jahren (oder pessimistischer alle 10.000 Jahre)
vorgesehen war. Der hochradioaktive Kern des Blocks 4 des Atomkraftwerks
Tschernobyl schmolz nach einem Stress-Test durch seinen Mantel. Es treten
aus: Jod 129 und 131, Plutonium, Cäsium, Strontium. Viele der Helferinnen und
Helfer, die die Katastrophe bekämpften, starben später. Die Auswirkungen sind
auch nach zwanzig Jahren noch nachweis- und –messbar, und es sterben und
erkranken auch weiterhin Menschen, darunter viele Kinder, an der Vergiftung der
Natur. In allen, insbesondere aber auch den jüngeren Altersgruppen sind weniger
als 20% ohne Krankheitsbefund. Zwei Drittel aller Kinder der Region kommen
krank zur Welt. Eine der Schätzungen geht von 25.000 Folgetoten aus.
Teile des radioaktiven Materials zerfallen, andere wandern ins Erdreich und
verbinden sich dort mit tonhaltigen Schichten, wieder andere bewegen sich
unkontrolliert weiter abwärts. Dadurch ist in einigen Bereichen Tschernobyls an
der Oberfläche keine Radioaktivität mehr zu messen (NDR4 Info Radio,
26.4.2001). Über die langfristigen Auswirkungen gibt es keinerlei Kenntnisse.
Wirtschaftlichkeit: Die Ausgaben für den Atommeiler überschreiten bei weitem
die Einnahmen. Weitere Milliarden Dollar fallen für eine neue Schutzhülle an.
Der Katastrophen-Reaktor ist 2005 immer noch nur notdürftig gesichert. Bis 2008 soll er eine neue Schutzhülle bekommen - Kostenpunkt: 700.000.000 Euro. (Hamburger Abendblatt, 27.04.05, Seite 32)
Fazit nach 20 Jahren: 200 000 km2
verstrahlter Grund und Boden, 350 000 Menschen heimatlos, 4 000 Tote(?), 7 000
000 Strahlen-Opfer, bis zu 800 000 vergiftete KatastrophenhelferInnen
(„Liquidatoren“), ein Sperrgebiet („strahlenökologischer Forschungspark“) für
mindestens weitere 100 Jahre (Hamburger Abendblatt, 29.03.06, Seite 3)
„Mehr als 23% der Fläche Weißrusslands (mehr als 46,5 Tausend km²) wurden ...
der Verseuchung von über 1 Ci/m² ausgesetzt. Über 2 Mio. Menschen, darunter 500
000 Kinder, waren betroffen. (...) Unter den Folgen von Tschernobyl leiden in
Weißrussland, Russland und der Ukraine insgesamt 7-8 Mio. Menschen, obwohl die
Gebiete rund um den Reaktor nicht dicht besiedelt waren. In Deutschland ist die
Bevölkerungsdichte ungefähr 5x höher. Bei einem vergleichbaren Unfall ist davon
auszugehen, dass 30-40 Mio. Menschen direkt betroffen wären. (...)
Da Befürworter der Atomkraft oft ökonomisch argumentieren, auch hierzu eine
Zahl: Der wirtschaftliche Schaden, der Weißrussland ... entstanden ist,
übersteigt die Summe von 235 Mrd. US-Dollar. Dies entspricht 32 nationalen
Jahreshaushalten der damaligen Sowjetrepublik Weißrussland des Jahres 1985.“
(Prof. Vassilij Nesterenko, Minsk/Belarus, in: Kulturelle Landpartie, 2006,
Seite 6-8)
„Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“ (IPPNW:
"International Physicians for the Prevention of Nuclear War"): Nach
dem Tschernobyl-GAU starben bis 2006 zwischen 50 000 und 100 000
Aufräumarbeiter, 540 000 bis 900 000 wurden Invaliden. (Hamburger
Abendblatt, 07.04.06, Seite 4)
Sarkophag in Tschernobyl droht der Einsturz
20 Jahre nach dem Unfall im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl ist der
seinerzeit errichtete Sarkophag um die Reaktorruine vom Einsturz bedroht. Zu
diesem Ergebnis kommt die Umweltschutzorganisation Geenpeace in einem Bericht.
Von acht Projekten, mit denen die Schutzhülle aus Stahl und Beton stabilisiert
werden sollte, seien nur drei umgesetzt worden. Ursprünglich sollten die
Maßnahmen bis 2006 abgeschlossen sein. Bis heute gebe es jedoch kein
Gesamtkonzept zur langfristigen Absicherung der Ruine.
Das Unglück von Tschernobyl jährt sich am 26. April zum 20. Mal. „In den
letzten 20 Jahren ist viel zu wenig geschehen, um die Region vor dem explodierten
Reaktor zu sichern“, erklärte Thomas Breuer, Atomexperte von Greenpeace. Auch
die Atomindustrie und der Einsatz von Milliarden an Steuergeldern aus den
Industrieländern hätten keine Lösung gebracht. Die Schutzhülle sei im ersten
halben Jahr nach der Reaktorkatastrophe hastig und unter schwierigsten
Bedingungen errichtet worden. Die Konstruktion sei instabil. „In der Außenwand
klaffen Löcher, durch die der Wind radioaktiven Staub herausbläst und
Regenwasser eindringt.“
Würde der Reaktor einstürzen, würde eine radioaktive Staubwolke die Menschen in
der Region erneut bedrohen und zusätzlichen Strahlenbelastungen aussetzen.
Dieser Gefahr wolle das Konsortium aus 28 Geberländern und der ukrainischen
Regierung mit der Stabilisierung des Sarkophags und der Errichtung einer neuen
Schutzhülle begegnen. Dieses Projekt weise aber schwere Mängel auf. Es biete
keine Lösung für das Hauptproblem, die hochgradig radioaktive Masse, zu der die
Brennstäbe mit dem Baumaterial des Reaktors verschmolzen sei.
Quelle: GMX, 12. April 2006, Link
„... Es wäre daher unverantwortlich, weiter in
eine Energie zu investieren, die nicht fehlerfreundlich ist in dem Sinne, dass
Menschen immer wieder Fehler machen und solche Fehler im Bereich der
Atomenergie katastrophale, Leben zerstörende Folgen haben können. Tschernobyl
hat uns das als Warnung gezeigt. Als Warnung, für die Tausende von Menschen bis
heute mit dem Leben bezahlen. Christinnen und Christen haben ein sehr
realistisches Menschenbild. Sie wissen, dass Menschen verführbar sind, dass sie
Fehler machen. Gerade deshalb brauchen wir Energien, die nachhaltig sind und
mit jener Fehlerhaftigkeit rechnen. Vielleicht ist dieser Transport mit alle
den heftigen Auseinandersetzungen deshalb auch eine Motivation, den Ausstieg zu
beschleunigen, in regenerative Energien verstärkt zu investieren und auch neu
über Energiesparen nachzudenken.“ (Dr. Margot Käßmann, damalige Landesbischöfin
der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, Presseerklärung in
Dannenberg, 27. März 2001)
siehe auch www.gsf.de/OA/tscher3.html
Fukushima
oder: So schnell vergehen weitre 10.000 Jahr’.
*
11. März 2011, Japan: Nach einem Erdbeben der Stärke 9,0 und einem genauso
verheerenden Tsunami fallen in der Folge in Fukushima und anderen Orten auf der
größten japanischen Insel Honshu Atomkraftreaktoren aus. In Fukushima sind vier
plus zwei Atommeiler betroffen. Sie sind durch Wasserstoff-, also
Gasexplosionen teilweise zerstört, Radioaktivität tritt aus. Der Unfall
erreicht Mitte März die 5 der INES-Skala (siehe unten). Anfang April 2011
vermutet man, dass in drei der vier Meiler in Fukushima die Kernschmelze
(„meltdown“) eingesetzt hat, der Pazifische Ozean vor Japan wird verseucht. Ein
Super-GAU in Fukushima, heißt es, werde schlimmer als der in Tschernobyl, weil
die Brennstäbe länger in Betrieb seien und größere Hitze entwickelten. Am 12.
April 2011 erreicht der Unfall die höchste Stufe 7 der INES-Skala (Super-GAU).
Mit Hilfe des Minerals Zeolith, das in Säcken im Meer abgesenkt wird, wird
versucht, die radioaktiven Stoffe im Wasser zu binden (16.4.2011).
Kritik an schlechter Informationspolitik: Die Lektion von Tschernobyl sei nicht
gelernt worden, moniert ein ukrainischer Experte.
Der Betreiber von Fukushima Tepco hatte bereits früher Vorfälle
verschwiegen und jeweils nur das zugegeben, was nicht mehr zu leugnen war. 2002
hatte Tepco Sicherheitsprotokolle gefälscht. Sicherheitskontrollen
wurden nicht ordnungsgemäß durchgeführt. (ARD text, 17.4.2011, Seite 140)
Im Mai 2011 wird bekannt, dass in den Meilern 1, 2 und 3 schon 16 Stunden nach
dem Erdbeben eine Kernschmelze stattgefunden hat. Die deutsche Gesellschaft für
Reaktorsicherheit (GRS) hatte dies lange bestritten. Es kann zu neuen
Wasserstoff-Explosionen kommen, und hochgiftiges Material wie Plutonium kann
ins Grundwasser gelangen (und tatsächlich wird im Juni 2011 Strontium in
erhöhter Menge im Grundwasser gefunden). Mit einer hohen radioaktiven Belastung
der Lebensmittel ist zu rechnen. Die japanische Regierung erhöht die Grenzwerte
für Strahlenbelastung und gefährdet damit laut Greenpeace die Gesundheit der
dort lebenden Menschen. (Hamburger Abendblatt, 25.05.11, Seite 4, 2)
Tatsächlich ist der schleichende Super-GAU von Fukushima nicht die unmittelbare
Folge von Erdbeben und Tsunami, obwohl es dadurch Beschädigungen gab. Ursache
ist der Ausfall der Elektrizität und damit der Kühlwasserpumpen. Wenn es also
in Deutschland zu einem Ausfall der Pumpen (aufgrund Verschleiß, schlechter
Qualität, schlechter Wartung) und/oder zu einem Stromausfall (Überlastung des
Netzes, Blitzeinschlag, Schäden an Überlandleitungen, z.B. durch Eisregen)
kommt, droht dasselbe Szenario. Ferner sind Unglücke, menschliches Versagen
(„einfach vergessen“, siehe unten) oder Anschläge denkbar.
Die Bundesregierung unter Angela Merkel beschließt ein dreimonatiges Moratorium
für Deutschland: Die sieben/acht ältesten Atommeiler werden „vorübergehend“ vom
Netz genommen, und die Regierung setzt eine Ethik-Kommission ein. Die
Sicherheit der AKWs sollen mit „Stress-Tests“ überprüft werden.
Moratorium (vertraglich gewährter Zahlungsaufschub, befristete Stundung,
Aussetzung) – lat. morari verzögern, aufschieben, aufhalten <
indoeurop. *(s)mer- erinnern („memorieren“)
Morituri te salutant: „Die Todgeweihten grüßen dich“ (Gruß der
Gladiatoren im antiken Rom) < lat. mori sterben < indoeurop. *mer-
sterben, sich aufzehren, verzehren („Mörder“)
Die Assoziation ist nahe liegend, aber wie zu sehen falsch.
Die Bundesregierung beschließt Mitte 2011 einen stufenweisen Atomausstieg bis
2022. Die abgeschalteten Uralt-Meiler werden nicht wieder in Betrieb genommen.
* Analyse eines Kabarettisten (im April 2011): „Deshalb sehen die Regierungen so alt aus.“
Gorleben
Kleine Geschichte Gorlebens
Zwischen 1907 und 1929 wird der Salzstock bei Bergbauarbeiten angebohrt. Es
gibt mindestens acht Tiefbohrungen. Das verlängere die ohnehin schon lange
Liste der Mängel als Endlager, sagt die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg.
(Hamburger Abendblatt, 16./17.4.11, Seite 14)
Februar 1977: Niedersachsens Regierung unter Ernst Albrecht (CDU) beschließt,
in Gorleben ein Atom-Endlager zu bauen. Geplant sind eine Atommüll-Deponie und
eine Wiederaufbereitungsanlage (nukleares Entsorgungszentrum).
März 1977: Atomkraftgegner aus der Region gründen die Bürgerinitiative
Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.
April 1977: Nach einer Protestkundgebung von 100.000 Menschen in Hannover lässt
Ministerpräsident Albrecht den Beschluss, eine Wiederaufbereitungsanlage zu
bauen, fallen.
Mai 1980: Die Tiefbohrungen zur Erkundung des Salzstocks beginnen. Gegner bauen
auf dem Bohrgelände (Bohrloch 1004) das Camp „Freie Republik Wendland“, das
durch die Polizei gewaltsam geräumt und zerstört wird.
1982: Die Bauarbeiten für das Zwischenlager beginnen.
Dezember 1983: Das oberirdische Zwischenlager wird fertiggestellt. Mit einer
schwach-radioaktiven Atommüll-Ladung wird es im Oktober 1984 in Betrieb
genommen.
Juni 1990: Aus Protest gegen das Endlager besetzen 14 AKW-Gegner Fördertürme
des Bergwerks.
April 1995: Von Protesten begleitet trifft der erste CASTOR-Behälter in
Gorleben ein. Es ist der größte Polizeieinsatz in der Geschichte der BRD. Die
Protestaktionen bei den nun Jahr für Jahr folgenden Transporten werden immer
umfangreicher. Die Kosten für die Polizeibegleitung steigen.
November 2000: Die rot-grüne Bundesregierung Schröder/Fischer beschließt den
Ausstieg aus der Atomenergie und setzt die Erkundungen in Gorleben aus. Die
Transporte rollen weiter.
2005: Umweltminister Trittin (Bündnis 90/Grüne) legt ein Gesetz vor, nach dem
auch Alternativ-Standorte untersucht werden.
2008: In Gorleben lagern 91 Atom-Container.
September 2010: Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) hebt den Erkundungsstopp
auf und erklärt Gorleben zum Endlager-Standort mit „oberster Priorität“. Am
1.10.10 beginnen die Arbeiten offiziell wieder. Nach fünf bis sieben Jahren
soll dann entschieden werden, ob bzw. eher dass Gorleben Endlager wird (viele
höhere Politiker haben sich darauf bereits festgelegt). Ein neues
Enteignungsgesetz soll dafür sorgen, dass die Kapazität des Bergwerks
ausgedehnt werden kann.
November 2010: Demonstrationen verzögern den CASTOR-Transport erheblich. Bei
Dahlenburg kommt es zu einem zwischenzeitlichen Transport-Stopp. Am 9.11.10
trifft der Atommüll in Gorleben ein. Die Polizei beklagt die Überlastung ihrer
Einsatzkräfte (hohe Einsatzzeiten, schlechte Versorgung).
Warum ausgerechnet ein Salzstock als End- oder Zwischenlager? Es war der Tunnelblick der handelnden Personen. Die mit der Suche nach einem geeigneten Lager Beauftragten, der Präsident und der Vizepräsident der damaligen Bundesanstalt für Bodenschutz waren Salzgeologen. CDU-Ministerpräsident Ernst Albrecht kam dienstbeflissen nur zu gern dem „dringenden Wunsch“ der Bundesregierung nach, „zumindest auf dem Papier“ so etwas wie ein Endlager vorweisen zu können. Am 22. Februar 1977 entschied sich Albrecht für Gorleben als Endlager. 1983/84 war durch wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem auch der Physikalisch Technischen Bundesanstalt in Braunschweig (Vorgängerin des Bundesamts für Strahlenschutz, BfS, des jetzigen Betreibers des Bergwerks Gorleben), eindeutig nachgewiesen, dass Salzstockwerke im Allgemeinen und Gorleben im Speziellen als Endlager ungeeignet sind. So fehlt ein Deckgebirge, das den Salzstock zuverlässig vor Wassereinbrüchen schützt (tektonische Veränderungen; Gase, Laugen, Risse, Klüfte, andere Gesteinsformen). Daneben wurden auch Naturschutzinteressen artikuliert. Die Entscheidung fiel nicht sachbezogen, sondern politisch (kaum zu erwartender Protest in einem dünn besiedelten Raum; ein Druckmittel gegen die DDR in deren Grenzbereich; Arbeitslosigkeit im damaligen Zonenrandbezirk).
Erkundung und Verritzung:
Um ein Salzlager zu erkunden, müssen viele Bohrungen vorgenommen werden. Bei
diesen Bohrungen, die schwer abzudichten sind, kommt es zu „Verritzungen“, das
heißt, Schmelzwasser kann tiefer laufen, als gebohrt werden darf. Sind
Verritzungen vorhanden, ist der Salzstock als Standort ungeeignet. Mit anderen
Worten: Entweder wird gebohrt, dann geht der Salzstock zu Bruch, oder es wird
wenig gebohrt, dann wissen wir nichts über seine Eignung.
(Elbe-Jeetzel-Zeitung, 30. April 1988, Seite 5, „Subrosionsgefahr bleibt
umstritten“)
Gorleben sei als Standort für die Atomendlagerung ungeeignet, so der
umweltpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Niedersachsens Uwe Bartels
(Elbe-Jeetzel-Zeitung, 23. Oktober 1989, Seite 4).
Die Bundesregierung halte Gorleben als Endlager für ungeeignet
(Bundesumweltminister Jürgen Trittin, Hamburger Abendblatt, 28./29. April 2001,
Seite 5).
„Wie sicher sind die Castor-Behälter, wenn innen der Strahlenbeschuss auf die
Hülle trifft und von außen das aggressive Salz diese ‚Backformen‘ angreift?“
(Leserbrief, Elbe-Jeetzel-Zeitung, 28. April 2001, Seite 8)
„Das Wirtsgestein darf kein Wasser führen, das Deckgebirge darüber soll
zuverlässig ausschließen, dass es eindringt. Das Deckgebirge in Gorleben
erfüllt ... diese Funktion nicht zuverlässig.“ Unterdessen gebe es „ein neues
Suchverfahren und neue Auswahlkriterien“. (Hamburger Abendblatt, 28./29. April
2001, Seite 5)
„Weite Regionen des norddeutschen Flachlandes ... scheiden wegen der großen
Wärme im Untergrund und der guten Wasserdurchlässigkeit tiefer Erdschichten für
ein Atommüll-Endlager aus.“ Im Untergrund „pieksen ... zahlreiche
Salzstöcke durch die Kalk-, Sand- und Tonschichten hindurch und verändern die
Durchlässigkeit der Wasser führenden Schichten schon auf kurze Distanzen“.
(Hamburger Abendblatt, Wissen Journal, 15. Mai 2001, Seite 4)
Die Aufbewahrungs- oder Lagerzeiträume von mehreren zehntausend Jahren
überschreiten bei weitem die von Menschen zusicherbaren oder garantierbaren Gewährleistungsfristen.
Für „Gorleben als Endlager von hoch-radioaktivem Abfall gilt noch für zwei bis
neun Jahre ein Erkundungsstopp, um auch andere Standorte zu prüfen. Kritiker
befürchten, dass die Bundesregierung am Ende doch wieder die Weichen für den
Standort Gorleben stellt“. (Hamburger Abendblatt, 15. Oktober 2001,
Seite 6)
Zusätzlich zu der fest vereinbarten Rücknahme von 160 CASTOR-Behältern ist
Deutschland verpflichtet, von 2008 an weitere 300 Atommülleinheiten zurückzunehmen
(„Glas-Kokillen“, Kokille von französisch „coquille“ =Schale). Das
Umweltministerium versicherte („dies zu verhindern, da es der Bevölkerung nicht
zuzumuten sei“?), dass die Regierung dieser Verpflichtung nachkommen werde.
(Hamburger Abendblatt, 30.08.01, Seite 6)
Kosten für CASTOR-Transporte: März 2001 28.400.000 Euro, November
2001 31.300.000 Euro, November 2002 24.800.000 Euro. Niedersachsens
Innenminister Heiner Bartling (SPD): „Das Konzept hat sich finanziell
ausgezahlt, und es lohnt sich wegen der geringeren Belastung der Polizei.“ Er
gehe davon aus, dass auch weiterhin Jahr für Jahr ein Transport mit zwölf hoch
radioaktiven CASTOR-Behältern nach Gorleben komme. (Hamburger Abendblatt,
16.12.02, Seite 6)
Kapazität: Das Transportbehälterlager (TBL) ist 5.000 m² groß. 420
CASTOREN finden Platz. Es lagern 20 (2001), bis 2011 kommen 166 hinzu. Die
Genehmigung für das TBL ist bis 2034 befristet. (Hamburger Abendblatt,
15.11.01, Seite 6) Das Bergwerk ist 900 Meter tief.
Atommüll-Menge: Allein Deutschland AKWs produzieren jedes Jahr über
500 Tonnen Atommüll. (Hamburger Abendblatt, 23.9.10, Seite 8)
Enteignung („ein Angebot, das man nicht ablehnen kann“?): Bei
freiwilliger Abtretung der Salzrechte wurden 3 DM pro Quadratmeter
gezahlt, bei Enteignung nur 0,60 DM. 2010 werden pro Hektar
(=10.000 Quadratmeter) 50.000 € geboten, also 5 € pro
Quadratmeter. Normalerweise kostet ein Quadratmeter Ackerland 1 €, Wald
0,50 €. Enteignung kann nur aus Gründen öffentlichen Interesses erfolgen.
Sind die Interessen der Energiekonzerne, hoch radioaktives Material
einzulagern, damit deckungsgleich? (Hamburger Abendblatt, 23.9.10,
Seite 8)
Die Bevölkerung (nicht repräsentativ): „Dass die Akzeptanz all dieser
‚Aktivisten‘ im Wendland nicht groß ist, zeigen die Ergebnisse der
Kommunalwahlen. Die gebetsmühlenartige Wiederholung des ‚gewaltfreien
Widersetzens‘ ist pure Heuchelei. Die Mehrheit der Wendländer verurteilt die
Aktivitäten einer Minderheit.“ „Es ist schon erstaunlich, wie wenig die
Widerständler ... mit dem Recht ihres Staates vertraut sind. Die sollten sich
hin und wieder mit den Landfriedensbruch-Paragraphen vertraut machen. Die
strategische Organisation einer Nötigung ... kann untersagt und bei Ungehorsam
sanktioniert werden durch ein Zwangsgeld. Der Aufruf der BI ... ist nichts
anderes, als zum Rechtsbruch aufzurufen.“ „Die Polizei ist zum Schutz der
Bevölkerung vorgesehen. Die Polizeibeamten müssen ihren Gewerkschaftlern
klarmachen, dass sie sich nicht mehr missbrauchen lassen wollen. Die
Mehrheitsentscheidungen der Politik seien zu akzeptieren. Was ist aber, wenn
diese Entscheidungen falsch sind? ... die nachhaltig Mensch und Umwelt
zerstörende Atomenergie (kann) selbst in einer Demokratie auch durch
Mehrheitsentscheidung gar nicht legitimiert werden. Die Politiker fordern die
Menschen immer wieder auf, Zivilcourage zu zeigen.
Dies scheint aber nur dann zu gelten, wenn es den jeweiligen Politikern passt.“
„Sich der Atomtechnik zu widersetzen, macht sie für unsere Generation sicherlich
etwas teurer. Sich der Atomtechnik nicht zu widersetzen, macht sie für unsere
Kinder unbezahlbar.“ „Jedem Menschen steht das Recht von Notwehr gegen eine
Lebensbedrohung zu. Der Umgang mit radioaktiven Stoffen ist lebensbedrohlich.“
„Wir wollen keine zusätzlichen Castoren in Gorleben oder anderswo – wir wollen
den Atomausstieg sofort. Das ist weder ein technisches noch ein rechtliches
oder gar wirtschaftliches Problem.“ „Wir wünschen unseren Kindern ein Leben
ohne atomare Gefahren und atomare Angst. Wir wünschen unseren Kindern einen
Alltag ohne polizeiliche Truppenaufmärsche.“ (Elbe-Jeetzel-Zeitung, 10.11.2001,
Seite 10, Seite 36)
„Schon ein Millionstel Gramm des giftigen Bombenstoffes Plutonium (im
Trinkwasser oder in der Luft) kann im menschlichen Körper Krebs erzeugen. Der
als Endlager für solche hochradioaktiven Abfälle aus Atomkraftwerken
vorgesehene Salzstock Gorleben weist an mehreren Stellen Kontakt zum
Grundwasser auf.“ (Bierdeckel Info Nr. 2 der BI Lüchow-Dannenberg, anlässlich
der "Kulturellen Landpartie" 2003)
Wer vor dem Atomlager im Wäldchen bei Gorleben steht, dem fällt es sofort auf:
das Schild, aus dem hervorgeht, dass es sich hier um ein „Privatgrundstück“
handelt. Also alles Privatsache? Wird die Polizeibegleitung der
Gorleben-Transporte privat bezahlt? Und was ich auf meinem Privatgrundstück
mache, ist allein meine Sache und geht niemanden etwas an (?).
Siehe auch
www.salinas-gorleben.de
www.geophysik.rwth-aachen.de,
www.akend.de
aktuelle Fotos www.inamillionyears.com
Große Koalition und Atomausstieg ... „Die Polizei begeht bei der
Durchsetzung der Atommülltransporte permanent Rechtsbruch. Polizeibeamte müssen
sich inzwischen von Demonstranten belehren lassen, die auf das
Sitzblockadenurteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) vom 10.1.1995 verweisen
oder aus der Brokdorf-Entscheidung des BVG vom 14.5.1985 zitieren, während sie
im Polizeikessel verharren.“ (Wolfgang Ehmke, Sprecher der BI Umweltschutz
Lüchow-Dannenberg, in: Kulturelle Landpartie, 2006, Seite 10-13)
„Schwarzbau“: Nach dem Bergrecht zulässig, nach dem hier erforderlichen
Atomrecht jedoch illegal wurde Gorleben für 1.500.000.000 Euro
klammheimlich zum Endlager ausgebaut. Wird jetzt der „Rückbau“ erzwungen
und werden die Verantwortlichen strafrechtlich zur Verantwortung gezogen? Der
Sprecher des Bundesumweltministeriums Michael Schroeren bestätigt: „Man hat in
Gorleben tatsächlich ein fertiges Endlager hingestellt und erwartet, dass es
auch später genehmigt wird.“ (Hamburger Abendblatt, 29.05.09, Seite 20)
„Wer auf Gorleben setzt, endet in einer Sackgasse.“ (Jürgen Trittin, ehemaliger
Bundesumweltminister, am 29.05.09 auf NDR Info)
Ende August 2009 kommt heraus: Die Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut
Kohl hat 1983 politisch Einfluss genommen auf die von Experten der
Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) erstellten Studien über die
Eignung des Standortes Gorleben als Endlager. Aufgrund dieser Intervention
wurde die Bewertung umgeschrieben, die dargelegten massiven fachlichen Bedenken
fielen unter den Tisch. Die CDU/CSU-Fraktion bleibt trotz dieser Tatsachen bei
ihrer Auffassung: Alle bisherigen Erkenntnisse hätten „die Eignung von (...)
Gorleben gezeigt“. Eine alternative Standortsuche in Bayern und Baden-Württemberg
lehnen CDU und FDP ab (mit anderen Worten, es gilt das Sankt-Florians-Prinzip).
(Hamburger Abendblatt, 26.08.09, Seite 20)
Die CDU will Gorleben als Atommüll-Endlager. (Hamburger Abendblatt,
2./3./4.10.09, Seite 21)
Schwarz-gelbes Endlager: 2010 liegen im Zwischenlager Gorleben 91
Castorbehälter mit hochradioaktivem Atommüll aus alten Brennelementen nicht nur
aus deutschen AKWs. Nur hier und nicht im NRW-Zwischenlager Ahaus können stark
strahlender Müll umgepackt und beschädigte Castoren/Kokillen repariert werden.
Anfang 2009 sorgte der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel dafür, dass
auch Atomrecht gilt. Die Öffentlichkeit erfuhr teilweise erst nach Jahrzehnten
von den Pannen und Gefahren durch Wassereinbrüche im Salzstock, und
Gorleben war auch ohne Nachweis der Eignung für eine spätere Endlagernutzung
ausgebaut worden. Die Regierung Merkel/Westerwelle will nun Gorleben zum
Endlager ausbauen. Dabei erfolgt die weitere Erkundung nach Bergrecht, nicht
nach Atomrecht, um die Beteiligung der Öffentlichkeit möglichst gering zu
halten. (Hamburger Abendblatt, 3.3.2010, Seite 18)
Greenpeace erstreitet die Herausgabe von Geheimakten: Im Salzstock
Gorleben ist ein Wasser- bzw. Laugenreservoir von einer Million Kubikmeter
eingeschlossen. Wasser gilt als größte Gefahr für eine sichere Endlagerung,
weil es gefährliche Strahlung an die Erdoberfläche transportieren kann. Das
Wasser befindet sich in 800 Meter Tiefe, genau dort ist auch der
Erkundungsbereich. Das Wasser wandert zu Hitzequellen, und abgebrannte
Brennelemente entwickeln große Wärme. Ministerpräsident Ernst Albrecht (siehe
oben) entschied sich 1977 gegen den Rat von Fachleuten für Gorleben als
Endlager. Die Politik stand unter Zeitdruck: Ohne Nachweis eines Endlagers
hätte man die Atomkraftwerke abschalten müssen. So wurde Gorleben nachträglich
handschriftlich in Dokumente des TÜV Hannover eingefügt. Atomexperte Mathias
Edler: „Das Auswahlverfahren war nie ergebnisoffen, geologische Kriterien …
spielten in allen Studien eine untergeordnete Rolle.“ (Hamburger Abendblatt,
14.4.2010, Seite 18: Gorleben als Atom-Endlager ungeeignet)
„Ohne Nachweis eines Endlagers hätte man die Atomkraftwerke abschalten
müssen.“ (Siehe oben)
„… damit diese fiktive Endlager in Gorleben noch möglichst lange als
Entsorgungsnachweis dient (ohne den kein Kernkraftwerk in Deutschland betrieben
werden dürfte), will ER [Dr. Norbert Röttgen] jetzt reden und reden und reden
…, währenddessen immer mehr Atommüll produziert und produziert werden darf,
autorisiert von einem Entsorgungsnachweis, den es real nie gegeben hat.“
(Kulturelle Landpartie 2011, Seite 6-9)
Erkundung (was soll …): Nach zehn Jahren Pause lässt die
CDU/CSU/FDP-Regierung in Berlin das Bergwerk in Gorleben wieder untersuchen.
Das Land Niedersachen (CDU/FDP) hat am 21.9.10 die Genehmigung erteilt. Nach
dem Willen des niedersächsischen FDP-Umweltministers soll es eine „gläserne
Erkundung“ werden (passt gut zu den Glas-Kokillen). Internationale Experten
sollen die Erkundung begleiten. Bürger und Kommunalpolitiker sollen auf dem
Laufenden gehalten werden, und alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch die
kritischen, sollen auf den Tisch. Die Erkundungen sollen sieben Jahre lang
dauern, alle Behälter sollen rückholbar sein. Die Einlagerung werde
50 Jahre lang dauern. Durch ein transparentes Verfahren solle die
Akzeptanz in der Bevölkerung verbessert werden. („verbessert“? War sie denn
jemals gut?) (Hamburger Abendblatt, 22.9.2010, Seite 14)
Und weiter kein Ende in Sicht: „Erkundungsarbeiten in Gorleben können
weitergehen.“ AKW-Gegner sind mit ihrem Antrag auf vorläufige Unterbrechung der
Erkundung von Gorleben als Endlagerstandort für radioaktive Abfälle vor Gericht
gescheitert. Das teilte das Verwaltungsgericht Lüneburg mit. „Die dem Bundesamt
für Strahlenschutz erteilte Verlängerung des Rahmenbetriebsplans und der zur
Durchführung der Arbeiten für zwei Jahre zugelassene Hauptbetriebsplan
verletzen die Antragsteller nicht in ihren subjektiven Rechten“, entschied die
2. Kammer. Weder seien dadurch die Schützgüter Leben und Gesundheit
tangiert, noch seien die Salzabbaurechte der Antragsteller betroffen. Für das
Erkundungsbergwerk sei zudem eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht
erforderlich. (dpa) (Hamburger Abendblatt, 15.04.11, Seite 16)
Mit den objektiven Rechten befasst sich das Gericht lieber nicht. Entweder sind
sie den Robenträgern egal, oder sie befürchten, sie könnten dann zu anderen
Schlüssen kommen. Dass die Richter selbst in ihren Rechten auf Leben und
Gesundheit betroffen sind – so weit ist Gorleben von Lüneburg nämlich nicht
entfernt –, scheint ihnen noch gar nicht aufgefallen zu sein.
Baustopp oder Beruhigungspille? Die Bundesregierung nimmt „vorerst“
Abstand von einer weiteren Erkundung des Salzstockes Gorleben als Atomendlager.
Gorleben soll nur dann wieder erkundet werden, wenn es nötig werde, den Salzstock
mit anderen Standorten zu vergleichen. Im Erkundungsbergwerk soll stattdessen ein
Forschungslabor entstehen. (NDR-Text, 23.03.12, Seite 122)
Schacht Konrad
„in Salzgitter ist ein ehemaliges Erzbergwerk und gilt als ideales Endlager ... für schwach- und mittel-radioaktiven Abfall.“ Fertigstellung bis 2010. (Hamburger Abendblatt, 15. Oktober 2001, Seite 6)
Asse, Schacht Konrad und Gorleben
„Der Schacht Konrad ist 20 Jahre lang intensiv
nach dem strengen Atomrecht untersucht worden“, sagt Werner Nording vom
Bundesamt für Strahlenschutz: „Gorleben wurde nach dem weniger strengen
Bergrecht erkundet. Es würde noch mindestens 15 bis 20 Jahre dauern, bis
Gorleben einen Nachweis für eine Eignung als Endlager bekommen könnte. Danach
würde dann das Planfeststellungsverfahren beginnen.“
Die Leckagen im Salzstock von Asse (Landkreis Wolfenbüttel) zeigten,
welche Folgen es habe, wenn ein Endlager nicht gründlich genug erkundet wird,
sagt Nording. In den Stollen in Asse fließt seit Jahren Salzlauge hinein, sie
könnte die eingelagerten Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll
angreifen. Auch drohen Teile der Salzformation einzustürzen.
Weltweit existiert 50 Jahre nach dem Beginn der zivilen Atomkraftnutzung kein
einziges Endlager für hochradioaktiven Müll aus Reaktoren. In Deutschland
wurden die abgebrannten Brennelemente früher in die oberirdischen Zwischenlager
Ahaus und Gorleben gebracht, seit einigen Jahren stellt man sie in Castor-Behältern
neben die Kraftwerke. Einen Fahrplan unter die Erde gibt es für sie noch lange
nicht.“ (Hamburger Abendblatt, 12. Juli 2008, Seite 19, Wie Fliegen
ohne Landebahn)
„Die Asse ist von Anfang an als Entsorgungsanlage [als Endlager]
geplant worden.“ Es ging um „kostengünstige Entsorgung“, Forschung spielte
keine Rolle, sagt der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS)
Wolfram König. Da es sich um ein altes ausgehöhltes Salzbergwerk handelt, sind
Wassereinbrüche nicht auszuschließen, wodurch alle Pläne für eine sichere
Endlagerung zunichte gemacht wären. Über den Wasseraustritt kann Radioaktivität
ins Grundwasser gelangen. Den Wasseraustritt gibt es bereits seit 1988. Die
Schließung der Asse kostet Milliarden. Rechnen wir alle Kosten in den Energiepreis
aus Atomkraftwerken ein, wäre diese Energie wohl mit Abstand die uneffektivste
und teuerste. (Hamburger Abendblatt, 5. Juni 2009, Seite 20, Bei der
Asse hat der Staat versagt)
Asse ist eine umweltpolische Zeitbombe, weil jederzeit unkontrollierte Wassereinbrüche passieren können (Shit happens?). Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sagt, man wisse zudem nicht, wie gefährlich der eingelagerte Müll sei. Seit einer Serie von Pannen und Verstößen gegen Sicherheitsvorschriften werde jetzt nicht mehr das Bergrecht, sondern das strengere Atomrecht angewandt. Für den Fall des Volllaufens gebe es jetzt Notfallpläne. Wegen der Betonummantelung des strahlenden Mülls könne man die tatsächliche Belastung nicht mehr durch Messung ermitteln. Außerdem gebe es ein weiteres Gefährdungspotential durch giftige Abfallbestandteile wie Arsen, Blei und Cadmium. Diese Stoffe bleiben auch toxisch (=giftig), wenn die radioaktive Strahlung abklingt. BfS-Präsident König: In die Asse hätte „niemals radioaktiver Abfall … eingelagert werden dürfen“. (Hamburger Abendblatt, 16.4.2010, Seite 20)
Fazit des Grünen-Politikers Stefan Wenzel aus dem Asse-Untersuchungsausschuss: Kumpanei [der Politik] mit der Atomwirtschaft: Der Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium verdiente nach 1998 sein Geld bei einem Atomstromkonzern und wurde 2010 vom CDU-Umweltminister wieder als Chef der Abteilung Reaktorsicherheit installiert. Die Bundesregierung mache den Bock zum Gärtner. Entgegen den Forderungen des Bundesrechnungshofes werde die Atomindustrie nicht an den Kosten der Atomforschung in der Asse beteiligt. Viele Fehler wären nicht passiert, wenn Politik, Industrie, Ministerialbürokratie und Wissenschaft nicht systematisch die Öffentlichkeit ausgeschlossen hätten. (Hamburger Abendblatt, 01.02.11, Seite 16)
In Asse erhöhen sich die Werte von radioaktivem Cäsium (240 000 Becquerel pro Liter). (Hamburger Abendblatt, 16./17.4.11, Seite 14)
Beim maroden Salzstock Asse geht es nur noch darum, ob die eingelagerten Fässer und ihr teilweise ausgeströmter Inhalt zurückgeholt werden oder ob das Bergwerk geflutet wird. Der Inhalt besteht aus radioaktivem Material und genauso gefährlichen Giftstoffen wie Blei, Arsen, Cadmium und Quecksilber, die bei Freisetzung in die Biosphäre zu einer erheblichen Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung führen. (Hamburger Abendblatt, 9.1.12, Seite 14)
Lubmin
(oder: Lass uns mal ein bisschen die Ostsee
verseuchen)
Das so genannte Zwischenlager Lubmin liegt bei Greifswald in
Mecklenburg-Vorpommern.
Der CASTOR-Transport mit 2.500 Brennstäben kommt am 16.12.2010 bei
Diedrichshagen nahe Greifswald zu einem zeitweiligen Halt. Der Grund sind
Blockaden von AKW-Gegnern. Eingelagert werden soll dort eigentlich nur
„deutscher“ Atommüll aus einer Forschungsanlage bei Karlsruhe. (NDR Videotext
16.12.10, Seite 135)
Krümmel
AKW Krümmel bei Geesthacht vor den Toren Hamburgs
(„Pannenreaktor“)
Krümmel ging 1983 ans Netz, war der größte Siedewasserreaktor der Welt. Bis
2007 produzierte das AKW 200 Milliarden Kilowattstunden Strom. 1986 stellte ein
Gutachten fest, dass im Falle einer Kernschmelze die Sicherheitshülle
beschädigt und innerhalb von nur drei bis fünfzehn Stunden Radioaktivität
austreten würde. 300 meldepflichtige Störfälle sind verzeichnet. Am 4. Juli 2009
kam es wegen eines Transformatorbrandes zu einer Notabschaltung. Chlorgas trat
aus. In Hamburg kam es daraufhin zu Wasserrohrbrüchen und Stromschwankungen,
Teile des Stromnetzes brachen zusammen. Seitdem ist der Reaktor abgeschaltet.
Die Betreiber behaupten, bei keinem der Störfälle sei Radioaktivität
ausgetreten. Allerdings erkrankten zwischen 1990 und 2009 19 Kinder in der
Umgebung an Leukämie. Das ist dreimal so hoch wie der zu erwartende Mittelwert.
Mit den angewandten wissenschaftlichen Methoden konnte ein Zusammenhang nicht
nachgewiesen werden. (Siehe dazu das Stichwort Leukämie auf dieser
Seite) (Hamburger Abendblatt, 31.05.11, Seite 6)
Am 11. Juni 2001 um 19.30 Uhr unterschreiben in
Berlin die betreibenden Energiekonzerne ("Mix it, baby!") die
Vereinbarung für den Ausstieg aus der Atomkraft. Genauer: Die AKWs in
Deutschland haben eine Gesamtlaufzeit von 32 Jahren und sind von 2001 an
gerechnet noch durchschnittlich 13 Jahre in Betrieb. 2022, 2021 oder 2018 (in
den Medien werden unterschiedliche Zahlen genannt) wäre das letzte Betriebsjahr
aller AKWs. Mit den Gefahren, die von diesen technologischen Zeitbomben
ausgehen, müssen wir eben noch ein bisschen leben.
Allerdings: Der Vertrag, sagen die Konzernvertreter, werde nur erfüllt,
solange „das jetzige Gesetz gilt“. „Unter einer anderen Regierung könne die
Atomkraftnutzung dann [noch vor ihrem Tod] eine Wiedergeburt erleben.“ Und
bereits der Wirtschaftsminister der rot-grünen Bundesregierung Werner Müller
schließt den Neubau von AKWs nicht aus. Laut Novelle des Atomgesetzes gilt
dieser Neubau eigentlich als gesetzlich verboten, aber ... (Hamburger
Abendblatt, 11.6.2001, Seite 2). „Dieser Atomkonsens ist Volksverdummung.“
(Umweltaktivist im ZDF am 11.6.2001)
„Wer ... die Laufzeiten von Kernkraft verlängert, ... riskiert, dass Geld
gebunden wird, das dringend für den Einstieg in eine sichere Energiezukunft
gebraucht werde.“ (Hamburger Abendblatt, 21.05.07, Seite 20)
Auf wie wackeligen Beinen diese Energieform steht, zeigt deutlich der bemühte, aber aussichtslose Versuch einer „Pflichtverteidigung der Atomkraft“ im Hamburger Abendblatt (nur allzu bekannter Inhalt: Angstmache: „hohe Kosten“, „Blackout“, „Importlüge“, „Deindustrialisierung“ etc.). Alle diese Argumente lassen sich widerlegen bzw. sind schon widerlegt: Beispiel: „Deindustrialisierung“: Der AKW-Ausstieg bringt Arbeitsplätze durch neue Technologien (Forschung und Entwicklung, Bau, Installation, Wartung; Wachstumschance: Deutschland als Avantgarde ausbaufähiger Zukunfts-Technologien). Die AKW-Gegner werden als putzige (männliche) Gartenzwerge dargestellt. Ob das diffamierend ist, sei dahingestellt. Nur: Die Befürwortung der Atomkraft ist männlich, die Gegnerschaft dagegen sowohl männlich als weiblich. Und das Motto „Und wenn alle dafür sind, ich bin dagegen“ am Ende des Artikels taugt eher als Motto der jahrzehntelangen, unermüdlichen, sich trotz der finanziellen Übermacht der Konzerne, die dadurch lange Zeit die Debatte bestimmen konnten, und der Sturheit der Politik sich nicht entmutigenden „Davide“ der Anti-AKW-Bewegung. (Hamburger Abendblatt, 27.05.11, Seite 6)
„Weiter so mit der kernigsten aller Energien“: www.kernenergie.de .
„Lieber nicht“: www.x1000malquer.de,
www.bi-luechow-dannenberg.de,
www.widersetzen.de.
„Erst mal – im Durchschnitt – 13 Jahre weiter so, aber dann ist garantiert
Schluss – vorausgesetzt, wir bleiben an der Regierung. Außerdem: Nur Italien
ist in dieser Frage weiter als wir.“: www.gruene.de bzw. www.energie-ist-gruen.de
„Wir haben einen Auftrag. Unsere politische Meinung behalten wir für uns: die
Polizei.“: www.castor2001.de
Belastungen (Institut für Hygiene und Umwelt: Broschüre: „Überwachung der
Radioaktivität – Sicherheit für Hamburg“, 2006): www.hu.hamburg.de
„Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges“: www.ippnw.de
Kurz-Studie „Atomausstieg und Versorgungssicherheit“ des
Umweltbundesamtes (UBA) (März 2008): Der Atomausstieg gefährde nicht die
Versorgung Deutschlands mit Strom: www.uba.de/uba-info-presse/hintergrund/atomausstieg.pdf
Längere Atomlaufzeiten verhindern Öko-Energie (2009): Studie des
Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, siehe www.bmu.de → Studie
„Hindernis Atomkraft“
CASTOR-Widerstand 2002 (am 14. November
2002 rollten zwölf CASTORen in Gorleben ein): Ein Bürger berichtet von
Vermummten in einem Bus des Bundesgrenzschutzes: „Ich wundere mich über die
Vermummung. Zwei festgenommene Demonstranten? Das kann nicht sein, ihnen hätte
man die Vermummung entfernt ... (er erfährt,) dass die beiden Vermummten eine
Gruppe von Demonstranten angestiftet hätten, Polizeifahrzeuge zu beschädigen.
Diese Gruppe sei festgenommen worden, die beiden aber seien in ein Polizeiauto
gestiegen ... Einer der Beamten sagt schließlich auf meine Frage, ob er dieses
Vorgehen der Polizei in Ordnung finde: ‘Was sollen wir denn tun?‘ “
Die CASTORen müssen halt zügig durchgebracht werden.
„... beim internationale Hearing zur unlösbaren Endlagerproblematik in
Dannenberg (mit Vertretern aus Australien, Frankreich, Finnland, Schweden und
den USA) wurde in großer Übereinstimmung festgestellt, dass ‘Endlager‘ weltweit
eine Alibifunktion für weitere Atommüllproduktion haben, solange wie
Kernenergie weiter genutzt wird: vom Uranbergbau bis zur Atommüllvermehrung in
den so genannten ‘Wiederaufarbeitungs‘-Anlagen, einschließlich der
Weiterentwicklung von Atomwaffen und neuen ‘Fusions‘-Techniken. Die Atomtechnologie
kann weltweit nur mit polizeistaatlichen Methoden, mit Rechtsbruch, Täuschung
und Verharmlosung, mit geistiger wie materieller Korruption aufrechterhalten
werden. Wenn überzeugende Argumente gegen Atomkraft geholfen hätten, wenn das
Leiden und der Tod durch die Umweltverseuchung nicht zynisch als
‘kapitalverträglich‘ einkalkuliert würden, dann gäbe es seit Jahrzehnten
weltweit nur noch nachhaltige
Energieformen. Der internationale Widerstand gegen Atomkraft bedeutet
Widerstand gegen diese menschenverachtenden Herrschaftsstrukturen. Ein Teil
davon ist der Castor-Widerstand. Er ist kein ‘regionales Problem‘, auch wenn
der niedersächsische Umweltminister Jüttner und der Kanzler das immer wieder
behaupten und Medien auf ihre Weise mit an dieser Lüge arbeiten.“ (Zwei
Leserbriefe, Elbe-Jeetzel-Zeitung, 23. November 2002, Seite 10)
Gefahren durch Terrorismus und Fluzeugunglücke
„Ältere Reaktoren wie Brunsbüttel (Baujahr 1976) sind ... gegen Luftangriffe
gar nicht geschützt oder wie das nachgerüstete Stade (Baujahr 1972) allenfalls
auf mittlere Flugzeuge angelegt. Neuere Kraftwerke, darunter Krümmel (1983) und
Brokdorf (1986), sollen den Absturz von Kampfflugzeugen zwar aushalten; Basis
der Berechnungen ist aber offenbar ein Unglücksfall mit einem Militärjet und
nicht ein gezielter Sturzflug auf den
Reaktor. In einem Industrieland wie Deutschland gebe es immer ein Restrisiko
...“ (Hamburger Abendblatt, 15./16.9.2001, Seite 6) „‚Gegen große Jumbos ist
kein Kernkraftwerk geschützt‘. An einen solchen Schutz habe man beim Bau der
Reaktoren ‚aus Wahrscheinlichkeitsgründen‘ nicht gedacht. Eine Nachrüstung sei
praktisch nicht machbar. Das gelte nicht nur für die 19 Kernkraftwerke in Deutschland,
sondern alle 430 Reaktoren in der Welt. Bei einer Kernschmelze sei ein
Katastrophenschutz faktisch nicht möglich ... (es) müssten demnach binnen
Stunden mehrere Hundert Quadratkilometer geräumt werden. Im schlimmsten Fall,
wenn der Wind Richtung Hamburg weht, träfe die radioaktive Wolke mehr als 500
000 Menschen. [Die Chancen für den Wind stehen gut, da es in allen Richtungen
um Hamburg herum AKWs gibt.] Bis zu 200 000 von ihnen würden sofort oder an
Spätfolgen sterben. (Zum) Vorschlag, die Kernkraftwerke vorerst
herunterzufahren ... Im Ernstfall würde zwar weniger Radioaktivität austreten,
eine Kernschmelze sei aber auch dann nicht auszuschließen. Auch eine
Stilllegung würde das Problem nur begrenzen, aber nicht aus der Welt schaffen.
Zurück bliebe der Atommüll, für den es derzeit kein terrorsicheres
Zwischenlager und erst recht kein Endlager gibt.“ (Hamburger Abendblatt,
18.09.2001, Seite 6)
Der Sicherheitsbericht über alle deutschen AKWs bleibt unter Verschluss.
(„45 Min – Risiko Atomkraft“, Sendung am 23.03.11, NDR Text, 23.03.11,
Seite 397)
Mangelnde Sicherheit: Norbert Röttgen (CDU, Bundesumweltminister): Die
Atommeiler Biblis A und B, Brunsbüttel, Philippsburg I genügten
nicht einmal den einfachsten Sicherheitsanforderungen (sie hielten nicht einmal
bei einem Absturz eines kleinen Flugzeuges stand). Kein einziges AKW in der
Bundesrepublik halte den Absturz eines schweren Flugzeuges aus. Diese Tatsachen
seien seit Langem bekannt. (Tele 5 Text, 17.5.11, Seite 121,
Hamburger Abendblatt, 18.5.11, Seite 1 und 3)
Polizeigewerkschaftler Gerhard Vogler appelliert an die WendländerInnen, wegen
der prekären Sicherheitssituation auf Proteste zu verzichten („Stell dir vor,
es ist CASTOR-Transport und keine/r geht hin ...“): „Wenn nicht so viele da
sind, kann man die Einsatzkräfte schnell wieder abziehen.“
Polizeigewerkschaftler Konrad Freiberg hält Transporte für verantwortungslos.
SPD-Fraktionen in Rheinland-Pfalz und Saarland fordern einen befristeten Stopp
der Transporte. Greenpeace Frankreich: „Die Behörden lassen ein perfektes Ziel
für einen Terroranschlag halb Europa durchqueren.“ „Rigoroser Legalismus
muss die Antwort des Rechtsstaates auf jede [!] Form von Rechtsbruch sein ...
Der Castor-Widerstand gewinnt auch dadurch nicht an Legitimität, dass er
plötzlich mit einer angeblichen terroristischen Bedrohung argumentiert.“ „Mit
dem Mut der Verzweiflung haben todgeweihte Passagiere am 11. September offenbar
einen atomaren Terroranschlag unfassbaren Ausmaßes verhindert: Die Entführer
der Boeing 757 der United Airlines, die bei Pittsburgh zerschellte, wollten die
Maschine als Lenkwaffe gegen den Kernkraftkomplex Three Mile Island einsetzen,
eine aus drei großen Atomkraftwerken bestehende Anlage in Philadelphia ... die
Folgen wären ‚mindestens eine Million Tote‘ und eine ‚schlimmere Katastrophe
als Tschernobyl‘ gewesen.“ (Hamburger Abendblatt, 11.10.01, Seite 6 und
12.10.01, Seite 6, 26.10.01, Seite 2, 3./4.11.01, Seite 4)
Nichts Neues: AKWs sind die gefährlichste Art, Strom zu erzeugen. Ab welchem
Zeitpunkt werden „Restrisiken“ inakzeptabel?
Leukämie (Blutkrebs, Vermehrung der weißen
Blutkörperchen)
< griech. leukos weiß + -aimia < haima Blut
Laut einer Studie ist in der Region um das Atommülllager Asse die Zahl der
Leukämieerkrankungen bei Männern doppelt so hoch wie im Durchschnitt (12 statt
5,2). Die Erkrankungsrate für Schilddrüsenkrebs bei Frauen habe sich sogar
verdreifacht. Ausgewertet wurde der Zeitraum von 2002 bis 2009. Angeblich gebe
es keine Erkenntnisse über Ursachenzusammenhänge. Wegen Leukämie- und
Krebsfällen bei früheren Asse-Bergleuten hat das Bundesamt für Strahlenschutz
für 2011 ein „Bevölkerungsmonitoring“ angekündigt. (NDR-Videotext, 25.11.10,
Seite 122, Hamburger Abendblatt, 26.11.10, Seite 18)
In Bezug auf angebliche Leukämie-Cluster, Häufungen von Leukämiefällen
auch an Orten, an denen es keine AKWs gebe, wird die Öffentlichkeit getäuscht
(„Sittensen“ ist kein Gegenbeispiel, die Ursache ist geklärt). Tatsächlich gibt
es einen eindeutigen, statistisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen
Leukämiehäufung und AKW-Standorten. („45 Min – Risiko Atomkraft“, Sendung am
23.03.11, NDR Text, 23.03.11, Seite 397)
Friedliche Nutzung?
Mindestens 2285 tennisballgroße Brennelemente aus dem stillgelegten Reaktor im
Forschungszentrum Jülich (FZJ) sind spurlos verschwunden. Nach Berechnungen von
Grünen-Politikern enthalten sie zusammen mehr als 2,2 Kilogramm
Uran 235 und 23 Kilogramm Thorium. Uran und Thorium eignen sich für
den Bau von Bomben.. (Hamburger Abendblatt, 4.4.11, Seite 14) Die
radioaktiven Kugeln, stellt sich schließlich heraus, befinden sich im
Zwischenlager des FZJ. (NDR Text, 5.4.11, Seite 122)
Zukunftsfähig, nachhaltig?
Atomenergie ist nicht nur gefährlich, risikovoll, die Technologie nicht nur
schwer beherrschbar, der Atomenergie-Rohstoff Uran ist auch nur in begrenzter
Menge vorhanden. Bei gleich bleibender Uranförderung reichen die Vorräte bis
ca. 2070, bei erhöhtem Abbau bzw. Verbrauch entsprechend kürzer. Neben Kanada
und Australien befinden sich die Uranvorkommen in politisch eher unsicheren
Regionen wie Südafrika, Namibia, Kasachstan, Brasilien und Russland.
Nach Schätzungen des Weltklimarates IPCC reichen die Reserven bei konstant
bleibendem Verbrauch (womit nicht zu rechnen ist) für 285 Jahre (ab 2007?).
(Hamburger Abendblatt, 21.05.07, Seite 20)
Sicherheit und Wahrscheinlichkeitsrechnung
(Stochastik)
Bei einem deutschen Atomkraftwerk kommt es bei einer Betriebszeit von rund 40
Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent zum Super-GAU. In der
Europäischen Union sind mehr als 150 Atomkraftwerke in Betrieb. Das heißt: Die
Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU liegt bei 16 Prozent - trotz aller
Sicherheitstechnik. Das ist genauso wahrscheinlich, wie beim Würfeln auf Anhieb
eine gewünschte Zahl (z.B. die Sechs) zu bekommen.
Verbieten wir jetzt das Würfelspielen? Als besonders gefährlich/gefährdend ist
demnach das Spiel „Mensch-ärger-dich-nicht“ einzuschätzen. Da wird mit dem
Restrisiko gespielt.
Mit jedem neuen Atommeiler steigt das Risiko. Werden weltweit 10 000 Atomkraftwerke
betrieben, explodiert jedes Jahr statistisch gesehen immer eins.
Statistisch betrachtet geschieht eines Tages jeder Fehler, der passieren kann.
(TV Hören und Sehen, 12.01.07, Seite 10-12)
Auch „redundante“ Systeme (gleiche Systeme mehrfach hintereinander angeordnet)
können versagen und haben schon versagt. („45 Min – Risiko Atomkraft“, Sendung
am 23.03.11, NDR Text, 23.03.11, Seite 397)
Sicherheit und öffentliche Vorsorge
In der Umgebung von Atomkraftwerken wie Krümmel, insbesondere in Kitas und
Schulen, gebe es keine Notfallpläne, keine Notfallübungen (wie sie z.B. in
Japan üblich sind) und, obwohl dies eigentlich vorgeschrieben sei, keine
Jod-Tabletten. („45 Min – Risiko Atomkraft“, Sendung am 23.03.11, NDR Text,
23.03.11, Seite 397) Gegen Cäsium hilft de Einnahme des Farbstoffes
Preußisch-Blau.
www.tschuess-vattenfall.de/kruemmel0.html
Sicherheit und Politik
Günther Oettinger (CDU), ehem. Ministerpräsident von Baden-Württemberg: „Unsere
[seine?] Kernkraftwerke sind sehr sicher.“ Wie die Rente. „Für alle
Kernkraftwerke, die dem Stand der Technik entsprechen, werden wir die
Laufzeitbeschränkungen aufheben.“ (Hamburger Abendblatt, 7.07.09, Seite 1,
2, 3). Bei AKWs wie Krümmel, die vor einigen Jahren noch als neu galten (siehe
oben), kann es da schon einmal passieren, dass die vorgeschriebene Installation
einer Überwachungsanlage für Transformatoren „einfach vergessen“ wird.
(Bayerntext, 7.07.09, Seite 117) Folge für Hamburg: Wasserrohrbrüche und
Stromschwankungen. Von den angerichteten Schäden in sechsstelliger Höhe in
Betrieben braucht der Betreiber pro Unternehmen nur 2.500,- € zu zahlen.
Nicht zuletzt deshalb zahlen sich AKWs für die Betreiber aus. Nun heißt es,
laut Auskunft der Bundesregierung seien viele deutsche AKWs technisch
„rückständig“. (NDR Info, 8.07.09)
Bisheriges Fazit Atomkraft
Nicht sicher (kein einziges AKW hält den Absturz eines Flugzeuges aus), nicht
billig (wenn man alle anfallenden Kosten einbezieht - mehrere hundert
Milliarden Euro), nicht umweltfreundlich (Verseuchung der Umwelt), nicht sauber
(zwar unsichtbar, aber hochgiftig, durchdringend, anhaftend), nicht effizient
(es entstehen Müllberge), nicht klimafreundlich (was die Umwelt schädigt und
vergiftet, nützt dem Klima nicht; dass kein Kohlendioxid entsteht, ist
angesichts der Nachteile irrelevant), nicht beherrschbar (technisch
unausgereift, nicht fehlerfreundlich)
nicht billig, nicht effizient → nicht ökonomisch
zerstört die Biosphäre, nicht nachhaltig → nicht ökologisch
Atomausstieg
Nach Berechnungen von Greenpeace ist in der Bundesrepublik ein Atomausstieg
bis 2015 möglich. Es gebe bereits Überkapazitäten. Ferner seien 51 neue Kraftwerke
in Planung, darunter 20 Erdgaskraftwerke und 10 Offshore-Windparks. (phoenix
Text, 7.04.11, Seite 126)
Alternativen
Energie-Effizienz durch dezentrale Erzeugung statt in Großanlagen
Sonnenlicht (Photovoltaik, solar), Sonnenwärme (thermosiphon),
Wind (Schifffahrt, Mühlen, Windräder, Wind-Wasserstoff-Technologie, äolisch),
Gezeiten (Tide, Ebbe und Flut, engl. tidal), Wasser (Mühlen, Turbinen, aquatisch,
hydrotechnisch), Wasserfall (schwed. vattenfall), Wärmetausch
(Wärmepumpen, thermal), Erdwärme (geothermal),
Meereswärmekraftwerk, Fernwärme (als Abwärme von Industrieanlagen; GuD),
intelligente Stromnetze (smart grid), Bloom Box, Kleinkraftwerke,
Strom-Einsparung durch energieeffiziente Systeme, Niedrigenergie- und
Passiv-Häuser, Energie durch einheimische, natürliche, nachwachsende Rohstoffe
(u.a. Hanf als Dämmungsmaterial statt Glasfaser), Holzheizkraftwerke,
Biogasanlagen, …
INES Skala
Die Schwere von Atomunfällen werden u.a. nach der englischen INES-Skala (International Nuclear Event Scale) eingeteilt:
· INES 0: Deviations (events which have no saftety significance are classified below scale, or level 0) (Abweichungen: Ereignisse, die keine Bedeutung für die Sicherheit haben, werden als „unterhalb der Skala“ (sub omni canone) klassifiert oder als INES 0)
· Incidents (INES 1-3) (Zwischenfälle)
· INES 1: Anomaly (Unregelmäßigkeit)
· INES 2: Incident (Zwischenfall)
· INES 3: Serious incident (ernster Zwischenfall))
· Accidents (INES 4-7) (Unfälle)
· INES 4: Accident without significant off-site risk (Unfall ohne deutliche Auswirkung auf die Umgebung)
· INES 5: Accident with off-site risk (Unfall mit Auswirkung auf die Umgebung)
· INES 6: Serious accident (ernster Unfall)
· INES 7: Major accident (größerer Unfall)
Quelle: www.avn.be/uk/4_nucleaire/6_4_INES.asp
Zitat
„Wir können mit der Technik von gestern nicht die Probleme der Zukunft lösen.“
International müsse Deutschland technologisches Vorbild (sprich: innovativer
Vorreiter) sein. (Prof. Dr. Mojib Latif, Hamburg, Meterologe)
Stichwort
Glühbirne
Nachhaltigkeit
Privatisierung