Bildung
Definition:
Entfaltung der geistig-seelischen Werte und Anlagen (=Aktien?) eines Menschen
durch Formung und Erziehung und ihr Ergebnis (der
gebildete/ungebildete/übergebildete/halbgebildete Mensch); die Gesamtheit der
erworbenen Bildungsgüter
(wir sehen – bildhaft - eine Lokomotive mit mehr oder weniger gut beladenen
Wagons in einem Güterbahnhof).
Bildung < mhd. bildunge Bildnis, Gestalt, sinnliche Vorstellung < ahd. bilidunga Schöpfung, Schein, Widerschein, Abbild, Vorstellung(skraft)
Jede Person hat das Recht auf Bildung sowie auf Zugang zur
beruflichen Ausbildung und Weiterbildung. (Art. 14 Abs. 1 Grundrechte-Charta
der EU)
Jeder hat das Recht auf Bildung und Ausbildung gemäß seinen Fähigkeiten. (Art.
16 Abs. 1, Europäisches Parlament: Erklärung der Grundrechte und
Grundfreiheiten, 12.04.1989)
Die Eltern haben ein vorrangiges Recht, die Art der Bildung zu wählen, die
ihren Kindern zuteil werden soll. (Art. 26 Abs. 3, Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte der UN)
Das Recht auf Bildung darf niemandem verwehrt werden. Der Staat hat bei der
Ausübung der von ihm auf dem Gebiet der Erziehung und des Unterrichts
übernommenen Aufgaben das Recht der Eltern zu achten, die Erziehung
entsprechend ihren eigenen religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen
sicherzustellen. (Art. 2 Abs. 1, Erstes Zusatzprotkoll zur Europäischen
Menschenrechtskonvention (EMRK) )
Nachschlagen im Internet:
WiKi Infobörse für Bildungsfragen
http://wiki.bildungsserver.de/infoboerse/index.php/Hauptseite
Wiki-Lexikon für Bildungsthemen
http://wiki.bildungsserver.de/index.php/Hauptseite
Artikel Bildungssystem
http://wiki.bildungsserver.de/index.php/Bildungssystem
Hamburger Bildungsserver: Schulfächer
www.hamburger-bildungsserver.de/index.phtml?site=faecher
Hamburger Bildungswiki: Neuer Begriff von Bildung
http://wiki.bildung-schadet-nicht.de/index.php/Neuer_Begriff_f%C3%BCr_%22Bildung%22
Glossar zum Bildungswesen der Bundesrepublik Deutschland
www.bildungsserver.de/glossar.html
Bildungsportal Harburg:
www.harburg-aktiv.de
Körber-Stiftung: Körber Forum „Hamburger Bildungsdiskurs“
www.koerber-stiftung.de/nc/koerberforum/programm/reihen/termine/termin/hamburger-bildungsdiskurs.html
taz Dossier „Bildung lernen“
www.taz.de/1/archiv/dossiers/dossier-lernen/
Handelsblatt Artikel „Was heißt Bildung heute?“
www.handelsblatt.com/politik/deutschland/zwischen-goethe-und-google-was-heisst-bildung-heute/4347690.html
Die Frage, was Bildung ist oder sein sollte, ruft regelmäßig die Forderung nach einem „Bildungskanon“ auf den Plan (=Zusammenstellung all dessen, was zur „richtigen“ Bildung gehören soll). Wird dann ein solcher Bildungskanon erstellt und zur Begutachtung freigegeben, wird umgehend seine Allgemeingültigkeit, Relevanz und vor allem seine Vollständigkeit in Zweifel gezogen.
Ein Versuch, einen solchen Kanon
auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften zustande zu bringen, ist z.B.
Dietrich Schwanitz’ „Bildung – alles, was man wissen
sollte“, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 1999, 540 Seiten,
44,00 DM. Das Buch teilt Bildung auf in „Wissen“, sprich Fakten, und
„Können“, sprich wie wir mit dem Wissen umgehen.
Dieser Kanon wurde denn auch prompt als „negativ“ und „restriktiv-konservativ“
kritisiert. Auf jeden Fall muss er mindestens ergänzt werden durch
Ernst Peter Fischer, „Die andere Bildung. Was man von den Naturwissenschaften wissen sollte“, Ullstein Verlag, München 2001, 464 Seiten, 24,00 EUR
Wer sich jetzt aber auf der sicheren Seite wähnt, sieht sich schnell getäuscht, denn europäische Autoren neigen halt dazu, Bildung europazentriert festzulegen.
Weiter müssen wir uns davor hüten, Wissen und Bildung gleichzusetzen.
Da die Schulen Wissen, Bildung und Werte vermitteln und die SchülerInnen zu „bildungsnahen Erwachsenen“ „heranbilden“ sollen, die sich später dann nach Möglichkeit zu bildungsnahen Familien zusammenschließen sollen, geht es in der Bildungspolitik vor allem darum, auf welche Weise dies am besten erreicht werden kann. Es gibt unterschiedliche Konzepte, und es gibt heftige Auseinandersetzungen darüber, welche Konzepte und Wege die geeignetsten sind. Deshalb schreibt zum Beispiel die Bildungsgewerkschaft GEW Hamburg in ihrer Broschüre „Schulentwicklung braucht qualitätsfördernde Schulevaluation“ (Seite 11): Treten die Regierenden nicht jenen Kräften entgegen, „die wenig im Sinn haben mit besserer Allgemeinbildung für alle, ... wird dies Land weiterhin bildungsfeindlichen Intentionen folgen: mehr Ranking und Selektion, mehr Ignoranz und Missachtung, weniger Demokratie, weniger Personalressourcen für die Bildung“.
Was ist Bildung? Hier ein paar Antworten:
„Echte Bildung ist nicht Bildung zu irgendeinem Zwecke,
sondern sie hat ... ihren Sinn in sich selbst.“
„Ihr Ziel ist nicht Steigerung einzelner Fähigkeiten und Leistungen, sondern
sie hilft uns, unserm Leben einen Sinn zu geben.“ (Hermann Hesse, Lektüre für
Minuten -Anthologie, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977, Seite 114)
„Bildung ist mehr als bloße Wissensvermittlung. Bildung meint den ganzen
Menschen: sein Wissen und sein Verhalten, die Neugier auf Unbekanntes, die
Freude am Vertrauten, das Staunen über das Wachsen von Blumen und Bäumen auch
im kalten Sommer; vor allem die Sorge für andere Menschen sowie die
Bereitschaft, Verbindungslinien zwischen all dem zu ziehen. Als Mensch gebildet
zu sein heißt, ein Gespür sowohl für die Fülle des Lebens als auch für die
Begrenztheit unseres Daseins zu entwickeln. Der Mensch ist nicht für das
Wissen, sondern das Wissen ist für den Menschen da." (Friedrich
Brandi-Hinnrichs, Pastor der Friedenskirche Altona, in: Hamburger Abendblatt,
13.08.2005)
„Bildung ist ein individuelles Menschenrecht (Motto einer Montagsdemo vor
der Hamburger Schulbehörde 2002) - Bildung ist keine Ware.
„Bildung ist kein ... handelbares und überall
vergleichbares Produkt wie Eisenerz oder Benzinvergaser.“
„Bildung ist Bürgerrecht.“ (Titel eines Buches von Ralf Dahrendorf)
Bildung ist ein öffentliches Gut.
Wenn Ziele und Kriterien (=die Maßstäbe) von Bildung und Leistung nicht kritisch untersucht werden, läuft ein unreflektiertes Leistungsdenken die Gefahr, zu sozialdarwinistischer, kultur- und lebensfeindlicher Barbarei zu verkommen.
Hamburger Bildungsdiskurs, »Bildung in der
Wissensgesellschaft« (Veranstaltung am 1.6.2006 im KörberForum,
Kehrwieder 12
Der Münchener Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Armin
Nassehi sprach mit Reinhard Kahl im KörberForum - Kehrwieder 12 über den
Stellenwert von Bildung in der Wissensgesellschaft.
»Zuviel Wissen schadet nur«. Mit dieser kühnen
These wagt sich Armin Nassehi in den Hamburger Bildungsdiskurs. Herrscht nicht
in vielen Schulen und Hochschulen Informationsbulimie? Wird nicht häufig
schneller vergessen, als zuvor gepaukt worden ist?
Fraglos wächst die Bedeutung des Wissens. Aber kommt es nicht ebenso darauf an,
dessen Gegenpol, das Nicht-Wissen, zu stärken? Es scheint nur auf den ersten
Blick paradox, dass man sich in der aufziehenden Wissensgesellschaft um diesen
Gegenpol sorgt und überlegt, wie er kultiviert werden könnte. Denn setzen nicht
Schulen und Hochschulen schon wieder ängstlich, ja zuweilen panisch auf einen
Sicherheitskokon aus Standards und Stoffkatalogen? Und graben sie damit der
Bildung nicht die Muße ab? Große Pädagogen wie Hartmut von Hentig wussten immer
schon, dass zu viel Wissen das Denken bedroht. Vor fast einem halben
Jahrtausend forderte Johan Amos Comenius die Lehrer auf, „lehret weniger, damit Eure Schüler mehr lernen können!“
Armin Nassehi formuliert diese Erkenntnisse in einer aktuellen, übrigens sehr
geistreichen und witzigen Sprache, die u.a. von der Systemtheorie eines Niklas
Luhmann geprägt ist. Er überrascht auch mit anderen Thesen, die zunächst
irritieren und nach einem Lachen gern ins Inventar unseres Wissens übernommen
werden. Schließlich ist Nassehi davon überzeugt, dass die Irritation zum
Lernprozess gehört.
„Bildung in Deutschland. Ein
indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration“ - Der
Bericht wurde von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für
Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam in Auftrag gegeben und von einem
Konsortium unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale
Pädagogische Forschung (DIPF) erarbeitet. Am 2. Juni 2006 wurde er erstmals
vorgestellt.
Er stellt Stand und Entwicklung des deutschen Bildungswesens im
Gesamtzusammenhang dar - von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und
Erziehung bis hin zum Lernen im Erwachsenenalter.
Der Bildungsbericht, der künftig alle zwei Jahre erscheinen soll, ist eine
problemorientierte Analyse auf der Grundlage von Indikatoren, die auf
fortschreibbaren Datensätzen basieren, die - soweit möglich - länderspezifische
und internationale Vergleiche zulassen.
Einen besonderen Akzent setzt der erste Bericht mit dem Schwerpunktthema
„Migration“, das die Bedeutung der Zuwanderung für das Bildungswesen in den
Mittelpunkt rückt.
Unter der Internetadresse
www.bildungsbericht.de
steht der Bericht vollständig als PDF-Dokument (Adobe Acrobat Dokument) zum Download
zur Verfügung. Zudem sind die einzelnen Kapitel gesondert aufrufbar und werden
durch vielfältige Hinweise zu den beteiligten Partnern, den Datenquellen und
zur Bildungsberichterstattung ergänzt. Die Homepage des Bildungsberichtes wird
auf der Plattform des Deutschen Bildungsservers zur Verfügung gestellt.
Zitat: „Unser Bildungswesen darf niemanden aufgeben und zurücklassen.“ (Horst Köhler, Bundespräsident, 17.6.08)
Zitat: „Wohlstand für alle heißt heute Bildung für alle.“ (Angela Merkel, Bundeskanzlerin, Hamburger Abendblatt, 13.6.08, Seite 1 und 2)
Zitat: „Bildungsschancen sind Lebenschancen - sie dürfen nicht von der Herkunft abhängen.“ (Horst Köhler, Bundespräsident, 21.9.06)
Zitat: "Education is a human right and a foundation for a better life. The 2006 Global Action Week will help convince the world's leaders to give every child the chance to go to school." (Angelina Jolie, Schaupielerin, 2006, Quelle: www.campaignforeducation.org)
Zitat: „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen.“ (Francois Rabelais, 1494-1553, Mönch, Arzt, Satiriker, Dichter)
Zitat: „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein, 1879-1955, Physiker)
Siehe
auch
Bildungsbeteiligung-Hamburg,
Bildungsbeteiligung-Deutschland,
Bildungsbeteiligung
international,
Bildungssysteme,
Elite,
Erziehung,
Kultur,
Leistung,
Leistungsuntersuchungen,
Messen,
PISA,
Zensuren zensiert,