Bildungsausgaben in Deutschland und in Hamburg

"Money makes the world go round ..." oder
»Hast du keine Kröten,
geht die Bildung flöten.« (Demo-Spruch aus Niedersachsen, im Juni 2005)

 

6.1 In Deutschland wird zu wenig für die Bildung ausgegeben

Bei allen Vorbehalten gegenüber international vergleichenden Statistiken wird hier deutlich, dass insbesondere die öffentlichen Bildungsausgaben in Deutschland hinter dem OECD-Durchschnitt und teilweise erheblich hinter fast allen vergleichbaren Industrienationen zurückbleiben – das ist kein statistisches Problem.
Die Entwicklung der Bildungsausgaben am Bruttosozialprodukt seit 1975 zeigt, dass diese – mit Ausnahme einiger Jahre nach der Vereinigung – stetig bis 1998 (letzte verfügbare Zahlen) gesunken sind.

"Die öffentlichen Ausgaben für Bildung und Wissenschaft sind geringer, als wir uns das leisten können."

ehem. Bundespräsident Johannes Rau

Mit der Reichtumsentwicklung in Deutschland, ausgedrückt im Bruttoinlandsprodukt, konnte die Entwicklung der Bildungsausgaben nicht Schritt halten. Seit Beginn der 90er-Jahre kommt erschwerend hinzu, dass wieder steigende SchülerInnenzahlen zusammen mit relativ sinkenden Ausgaben zu verminderten Ausgaben pro Schüler führen. Qualitätsverschlechterungen in der Ausstattung an den Schulen und ein schlechter gewordenes Verhältnis LehrerInnen zu SchülerInnen sind die Folgen.

Bildungsausgaben in Prozent des
Bruttoinlandsprodukts
in ausgewählten Ländern
(Angaben für 1997)

Land

Öffentliche Bildungsausgaben in % des Bruttoinlandsprodukts (BIP)

Öffentliche und private Bildungsausgaben in % des Bruttoinlandsprodukts (BIP)

     

OECD

5,1

5,8

Schweden

6,8

6,9

Dänemark

6,5

6,8

Finnland

6,3

6,3

Neuseeland

6,2

6,2

Österreich

6,0

6,5

Frankreich

5,8

6,3

Polen

5,8

6,1

Portugal

5,8

5,8

Kanada

5,4

6,5

Schweiz

5,4

6,0

USA

5,2

6,9

Belgien

4,8

5,2

Spanien

4,7

5,7

Italien

4,6

4,8

Tschechische Republik

4,5

5,2

Deutschland

4,5

5,7

Ungarn

4,5

5,2

Irland

4,5

5,0

Korea

4,4

7,4

Niederlande

4,3

4,7

Japan

3,6

4,9

Griechenland

3,5

4,9

Quelle: OECD 2000

 

Entwicklung der Bildungsausgaben in Deutschland

Öffentliche Bildungsaisgaben in % des BIP

Öffentliche Bildungsausgaben in % der Gesamtausgaben des Staates

Ausgaben je Schüler/in in DM (in Preisen von 1975)

           

1975

4,9%

1975

15,2%

1975

2.600

1990

3,5%

1990

12,5%

1990

3.900

1995

4,1%

1995

13,1%

1995

3.900

1998

3,8%

1998

14,7%

1998

3.640

Bildungsbericht 1998/1999 der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung vom 01.03.2000

 

Die Statistik (siehe Punkt 7 hinten) zeigt, dass die SchülerInnenzahlen in Hamburg in den 90er-Jahren bis heute wieder gestiegen sind. Die Entwicklung der LehrerInnenzahlen in dieser Zeit hat damit nicht Schritt gehalten, was zu einer wieder verschlechterten Schüler-Lehrer-Relation führt: Streichung von Förderunterricht, Doppelbesetzungen in der Klassenführung, Fortbildung etc. sowie größere Klassen sind die Folge gewesen.
Diese Entwicklung ist Ausdruck davon, dass die staatlichen Ausgaben für Schule und für den Bildungsbereich insgesamt – bei steigendem Bedarf – seit Mitte der 90er-Jahre stagnieren bzw. rückläufig waren. Der Zusammenhang mit dem gesamten Hamburger Landeshaushalt in diesen Jahren zeigt sehr deutlich, dass die Bildungsausgaben in Abhängigkeit vom Hamburger Gesamthaushalt sich entwickelt haben, der in diesen Jahren ebenfalls stagniert.

 

6.3 Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten

Nicht fehlender Reichtum insgesamt ist die Ursache dafür, dass in Hamburgs Haushalt "Sparen zum Volkssport" werden musste, sondern eine ungleiche Verteilung des Reichtums.
Hamburg ist die reichste Region in der EU. Nach den letzten Zahlen der EU (Euro-News Nr. 2/97, S. 2) beträgt das Brutto-Inlandsprodukt bei einem Durchschnitt von 100 Punkten in allen 15 Staaten der EU in

Hamburg

196

Brüssel

183

Luxemburg

169

Ile de France

161

Oberbayern

161

Azoren

48

Ipeiros (Griechenland)

43

Dabei liegen ganz Spanien, Griechenland und Portugal insgesamt unter dem Durchschnitt. Und in Ost- und Südosteuropa ist das Brutto-Inlandsprodukt noch geringer!
Hamburg ist auch die Stadt der Millionäre: Nach den letzten Veröffentlichungen des Statistischen Landesamtes 1999 für 1995 (die statistische Aufarbeitung dauert immer etwas, vgl. HA 26.8.99) besagt: Gab es noch 1992 1140 Einkommensmillionäre, so waren es 1995 901. In "erheblich größerem Umfang (wurden) legale Wege der Steuervermeidung genutzt", so das Statistische Landesamt. 1989 gab es "erst" 878 Einkommensmillionäre in Hamburg. 51% der Steuerpflichtigen hatten weniger Einkommen als 50.000 DM. Wohlgemerkt: Millioneneinkommen, nicht Vermögen – das ist noch viel größer. Denn Hamburg hat 5898 Vermögensmillionäre. 0,28% der Hamburger Bürger besitzen 70% des Privatvermögens, das sind 22 Mrd. DM!
Dieser Reichtum kommt dem Staat zunehmend weniger zugute:
Seit Beginn der 90er-Jahre haben sich die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen um etwa 50% erhöht, die Zahl der Einkommensmillionäre ist ebenfalls um die Hälfte gestiegen, und die Zahl der Vermögensmillionäre hat die Million überschritten – gleichzeitig ist das Aufkommen aus der veranlagten Einkommenssteuer stark gesunken.

Jahr

1960*

1992

1997

1998

1999

Veranlagte Einkommenssteuer

9 Mrd. DM

42,7 Mrd. DM

6 Mrd. DM

9,5 Mrd. DM

21 Mrd. DM

Lohnsteuer

8 Mrd. DM

230 Mrd. DM

249 Mrd. DM

257 Mrd. DM

261,7 Mrd. DM

* nur Westdeutschland, Quelle: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank

Quelle: "6. Bildungsökonomie", ein Papier aus der Info-Mappe des ARGE-Seminars 2003

 

 

Hamburg: Ausgaben für die Schulformen in Euro:

Schulform

2002

Grundschulen

5800

Gesamtschulen

7100

Haupt- und Realschulen

6300

Gymnasien

6100

Quelle: Hamburger Abendblatt, 28.04.05, Seite 14

„Integrativer Unterricht ist nicht teurer
Als ein wesentliches Argument gegen die integrative Beschulung wird in Deutschland oft auf die Geldmittelknappheit hingewiesen. Dabei hat Ulf Preuss-Lausitz, Professor für Erziehungswissenschaften an der TU Berlin, schon Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in seiner äußerst umfassenden Studie „Vergleichende Kostenanalyse bei integrierter und separater sonderpädagogischer Unterrichtung in unterschiedlichen Regionen“ nachgewiesen, dass die integrative Beschulung kostengünstiger ist, wenn man nicht nur die Personalkosten vergleicht, sondern auch die Beförderungs-, Betriebs- und Verwaltungskosten hinzuzieht. Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass in den beiden Landkreisen Oder-Spree im Land Brandenburg und Segeberg in Schleswig-Holstein der integrative Unterricht erheblich kostengünstiger und im Berliner Bezirk Neukölln nicht teurer ist als die Beschulung in der Sonderschule. „Bei Kostengleichheit der Gesamtkosten sind in der Regel bei Gemeinsamem Unterricht die Personalkosten höher, die Beförderungs-, Betriebs- und Verwaltungskosten geringer als in Sonderschulen. Der Berliner Bezirk Neukölln könnte jährlich ca. 1,3 Millionen DM Beförderungskosten einsparen. Im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg wäre durch die Integration eines »körperbehinderten« Kindes im Jahr eine Einsparung von ca. 10.000,- DM möglich. Wenn man diese Summe auf 10 Schuljahre hochrechnet, hätte man durch die nicht aussondernde Förderung nur eines »körperbehinderten« Kindes 100.000,- DM erwirtschaftet, die etwa für nötige Umbaumaßnahmen an einer Schule (Rampen, rollstuhlzugängliche WC, Treppenlifte etc.) verwendet werden könnten. Und im schleswig-holsteinischen Landkreis Segeberg konnten bei sechs »integrierten Förderschülern« (ein »lernbehindertes«, fünf «geistig behinderte« Kinder) sogar ca. 20.000,- DM durchschnittlich pro Kind und Jahr eingespart werden.“ Wichtig ist es nur, Planungen zu entwickeln, an denen alle Kostenträger beteiligt sind, damit man gegebenenfalls Kostenverschiebungen durch Ausgleichsvereinbarungen regeln kann. Um noch mehr Kosten zu sparen, wäre es sinnvoll, langfristig alle Sonder-/Förderschulen umzuwandeln. „Die gegenwärtige Doppelstrategie ist das Teure. – Integrative Systeme flächendeckend umgesetzt (wie dies derzeit in den Niederlanden geschieht) – ist nicht teurer als das bisherige Sonderschulsystem“, bestätigt Jutta Schöler, Professorin für Erziehungswissenschaften an der TU Berlin, die Meinung Preuss-Lausitz.“
Quelle: http://bildungplus.forum-bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=460

Bildungsausgaben: Bundesländer im Vergleich (Statistik)

Kinderfreundlichkeit: www.prognos.com/familienatlas (Bundesländer im Vergleich, Oktober 2007)

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