Burnout, Burnout-Syndrom

engl. to burn out ausbrennen, ausgehen, durchbrennen (=kaputt gehen), den Treibstoff verbraucht haben, to burn oneself out sich kaputtmachen, sich völlig verausgaben

"Burnout - Die Symptome
Besonders vom sich schleichend entwickelnden Burnout-Syndrom bedroht sind Berufstätige in Berufen mit hohem sozialen Status und extremen Anforderungen sowie so genannte High-touch-Berufe mit engem und belastendem Kontakt zu anderen. Dazu gehören Ärzte, Lehrer und andere helfende Berufe, etwa in der Pflege. Zum Burnout, dem geistigen und körperlichen Ausbrennen, führt insbesondere die Fokussierung auf die Arbeit ohne Ausgleich im Privatleben. Typische Symptome sind körperliche und psychische Erschöpfung, Negativismus und Zynismus. Betroffene verspüren oft ein Gefühl der Leere und Sinnlosigkeit. Das Burnout-Syndrom ist unabhängig vom Alter und kann zu Schlafstörungen, Kopf- oder Rückenschmerzen, Schwindel, Bluthochdruck, Hörsturz, Schlaganfall und Infarkt führen.
Bei Verdacht auf ein Burnout-Syndrom sollten Betroffene versuchen, das Gleichgewicht zwischen Berufsleben und Privatsphäre wieder herzustellen. Bei starkem Leidensdruck ist unbedingt ein Betriebsarzt, ein Arbeitsmediziner, Psychologe oder Psychotherapeut zu konsultieren." (Hamburger Abendblatt, 27.3.2004. Seite 73)

"Kurzfristig senkt Mehrarbeit vielleicht die Kosten, mittel- und langfristig jedoch können dauernd gestresste Angestellte für die Firma sehr teuer werden. Ab einem bestimmten Punkt leistet der überforderte Mitarbeiter immer weniger, bis er ganz ausfällt - und das meist für längere Zeit ...
[betroffen sind] helfende Berufe wie Ärzte und Pflegepersonal, aber auch Lehrer, Selbstständige und Führungskräfte ...
[Symptome für Burn out:] Unzufriedenheit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Muskelverspannungen, Tinnitus, Hörstürze ...
[Abhilfe durch] weniger Arbeit, genügend Schlaf, gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung, die individuelle Work-Life-Balance finden." (Werner Fürstenberg, Fürstenberg-Institut, Aachen: "Dauerstress ist teuer", Hamburger Abendblatt, 18./19.12.04, Seite 64)

"Lehrer unter Druck
Ausgebrannt: Immer mehr Pädagogen leiden am so genannten Burnout-Syndrom
Von Chan Sidki-Lundius
... 'Es wird immer schwieriger, die Schüler zum Lernen zu motivieren. Die Klassen werden immer größer, der Lärmpegel ist kaum auszuhalten', sagt (eine Grundschullehrerin). Durch das neue Lehrerarbeitszeit-Modell seien mehr Stunden zu leisten. Doch das Schlimmste sei das zunehmend auffällige Verhalten der Kinder. 'Viele sind gewaltbereit, aggressiv und nicht in der Lage, sich in die Klassengemeinschaft einzufügen', sagt die Lehrerin
... Nach Erkenntnissen des Hamburger Zentralinstituts für Arbeitsmedizin fühlen sich rund 20 Prozent aller Lehrer wie 'ausgebrannt'. Zum Vergleich: Bei Akademikern insgesamt beträgt die Rate durchschnittlich 14 Prozent. Die Untersuchungen des Instituts belegen zudem, dass das Lebensalter keinen Einfluss auf die Erschöpfungszustände hat. Außerdem sind Lehrer häufiger krank und gehen öfter in die Frühpension als Angehörige vergleichbarer Berufe
... vor allem weibliche Lehrkräfte (seien) vom Burnout-Syndrom bedroht. (Ihnen wird geraten,) ihre Arbeits- und Freizeit strikt zu trennen und bei ersten Anzeichen von Erschöpfung sofort Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Eine Anlaufstelle für betroffene Hamburger Lehrer ist das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung ... der Arbeitsbereich für Lehrergesundheit (vermittelt Betroffene) an den Arbeitsmedizinischen Dienst, an Psychotherapeuten oder Kliniken.
Dabei geht es in erster Linie um Prävention durch Methoden der Stressbewältigung, Arbeitsorganisation und Zeitmanagement ... Deutlich zugenommen jedoch habe die Nachfrage im vergangenen Jahr, nachdem die Arbeitszeiten der Lehrer verändert wurden
... 'Mehr denn je macht sich unter Lehrern Hilf- und Ratlosigkeit breit. Sie sind extremen Anforderungen ausgesetzt und werden immer häufiger mit gewaltbereiten und verhaltensauffälligen Schülern konfrontiert. In ihren Kompetenzen sind sie vielfach überfordert', sagt (eine Anbieterin von Coaching- und Trainingsmaßnahmen.
In Veranstaltungen) lernen Lehrer wieder, klar denken, entscheiden und handeln zu können. 'Die Teilnehmer der Lehrgänge sollen ihre Regenerationsfähigkeit und Belastbarkeit zurückerlangen'
... Gezieltes Coaching sei notwendig, betonen die Experten einhellig. Denn ist das Burnout-Syndrom erst einmal eingetreten, hilft eine Auszeit durch Krankschreibung oder Urlaub allein nicht mehr - man muss sich aktiv mit dem Problem beschäftigen." (Hamburger Abendblatt, 27.3.2004. Seite 73)

Zeitungsartikel (Auszug):
Die Kritik der Lehrer wird oft als „Jammern“ abgetan. Der DLH holte sich gestern Rückendeckung von der Universität Potsdam, wo Professor Uwe Schaarschmidt mit einem Team von Medizinern und Psychologen die Lehrerbelastung erforschte. „Lehrer vollbringen eine unglaubliche Konzentrationsleistung“, erklärte Schaarschmidt Mitarbeiter Ulf Kieschke. Schaarschmidt unterscheidet in vier Risikomuster von „G“ für gesund, über „S“ für schonendes Verhalten bis hin zu „A“ für starke Verausgabung und „B“ für Burnout. Bei einer mehrjährigen Befragung von über 12.000 Personen aus dem Bundesgebiet stellte sich die Gruppe der Lehrer als jene heraus, die mit je 30 Prozent im höchsten Maße den „Risikomustern“ A und B zuzuordnen sei. Ähnlich belastet seien danach nur noch Sozialamtsmitarbeiter in sozialen Brennpunkten. Polizisten, Pfleger oder Existenzgründer gehörten dagegen zu den Gesünderen. Am schonendsten gingen Feuerwehrleute mit sich um.

„Die Verhältnisse, unter denen Lehrer heute ihrem Beruf nachgehen, gehören generell auf den Prüfstand“, sagte Kieschke. Keinesfalls jedoch dürfte die Belastung durch größere Klassen und höhere Stundenzahl vergrößert werden.“ KAIJA KUTTER

taz Hamburg Nr. 7037 vom 24.4.2003, Seite 21, 93 Zeilen (TAZ-Bericht), KAIJA KUTTER „B wie Burnout

„Lehrer haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als "faul", freizeitverwöhnt, unterfordert. Zu unrecht, wie Bremer Schulforscher jetzt mit objektiven Fakten belegen. In einer Studie im Auftrag des Senators für Bildung und Wissenschaft haben die Wissenschaftler vom Institut für Interdisziplinäre Schulforschung im Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen den Arbeitsalltag von Lehrern analysiert und dabei ihren Verdacht bestätigt gefunden: Lehrerinnen und Lehrer sind hohen und nicht ausreichend kompensierten psychischen und körperlichen Anforderungen ausgesetzt; über wenige Berufsjahrzehnte hinweg führen diese Bedingungen zu einem Verschleiß an psychischer und physischer Leistungsfähigkeit und zwingt den größeren Teil aller Lehrkräfte zur vorzeitigen Beendigung des Berufslebens. ... einer der wichtigsten Belastungsfaktoren (ist) "... der Lärm, den Schülerinnen und Schüler machen". ... Auffällig ist der geringe Erholungswert von Unterrichtspausen, so dass die ... Leistungsfähigkeit der Lehrer im Laufe eines Tages erheblich abnimmt. ... Druck und unberechtigte Kritik ... sind ungeeignete Mittel, die berufliche Leistung ... (also den Unterricht und seine Ergebnisse) zu verbessern. Gute pädagogische Arbeit setzt gute Arbeitsbedingungen voraus ...“ (hlz, 12/03, Seite 8-9)

Quelle: http://www.taz.de/pt/2003/04/24/a0293.nf/text

Siehe Krankenstände

 

Adresse:
Institut für Lehrergesundheit, Ulmenstr. 29, 22299 Hamburg, Tel. 4135 7403, E-Mail info[at]lehrerinstitut.de

www.lehrerinstitut.de

Bücher:
Matthias Burisch: „Das Burnout-Syndrom“, Springer, 305 Seiten, 27,92 Euro
Hans-Peter Unger, Carola Kleinschmidt: „Bevor der Job krank macht“, Kösel, 200 Seiten, 16,93 Euro

Internet:
www.lifeline.de Tipps zum Thema
www.swissburnout.ch unter anderem mit einem Burnout-Fragebogen

Seelische Gesundheit: http://www.psychotherapie-prof-bauer.de/titelframe.htm

 

Wissenschaftliche Betrachtung

Was ist Burnout?

FREUDENBERGER, ein amerikanischer Psychoanalytiker, beschreibt 1974 in seinem Aufsatz über Staff Burnout den psychischen und physischen Abbau ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen in sozialen Einrichtungen.
Diese Personen verwandelten sich oft innerhalb kurzer Zeit von glühenden Idealisten, denen keine Anstrengung zu groß war, in deprimierte, erschöpfte, misstrauische und leicht reizbare Zyniker, die ihre Klientel zunehmend gleichgültig und abweisend behandelten.
Gerade die engagiertesten wurden die ersten Opfer ihrer enttäuschten Erwartungen. Nach FREUDENBERGER sind "Ausbrenner" Menschen "im Zustand der Ermüdung, der Frustration. Dieser Zustand wird hervorgerufen, wenn sich die Betroffenen auf einen Fall, eine Lebensweise oder eine Arbeitsbeziehung einlassen, die den erwarteten Lohn nicht bringt".
FREUDENBERGER sieht also eine Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität als auslösenden Faktor für Burnout.
Mittlerweile gibt es viele Studien zum Phänomen Burnout für viele unterschiedliche Berufe und gesellschaftliche Gruppen, sodass festzustellen ist, dass keineswegs nur Menschen in helfender Tätigkeit ausbrennen können.
Aber: Helfer bzw. Menschen, die in sozialen Berufen arbeiten, sind besonders gefährdet.
Nach FREUDENBERGER tritt Ausgebranntsein vor allem bei Personen auf, die durch großes persönliches Engagement und hohe Leistungserwartungen an sich auffallen. Sie haben zudem eine starke emotionale Bindung an ihre Arbeit, ein großer Teil ihrer Selbstwertregulation bzw. ihres Selbstbildes wird aus dem Erfolg im Beruf gespeist oder aber über ihre berufliche Stellung.
Wenn es nun zu Konflikten oder Enttäuschungen in der Arbeit kommt oder aber die Arbeit nicht mehr hinreichend befriedigt, wenn unrealistische Erwartungen oder eigene Größenvorstellungen enttäuscht werden und diese nicht im Sinne realistischer Zielsetzungen korrigiert werden können, investieren Menschen, die zum Ausbrennen neigen, noch mehr Zeit in die Arbeit und erschöpfen sich, sie brennen aus.
Wenn trotz des erhöhten zeitlichen Aufwandes weiterhin die gewünschte Befriedigung oder Bestätigung in der Arbeit ausbleibt - Burnout ist ein Prozess und kein Zustand, den man hat oder nicht hat - folgt als Erstes die Phase des reduzierten Engagements:
Die vielen wissenschaftlichen arbeits-, sozial- und persönlichkeitspsychologischen Ansätze, Burnout als eigenständiges Phänomen exakt zu definieren und von verwandten Konstrukten abzugrenzen, haben zwar die Bekanntheitskurve dieses Begriffes steil ansteigen lassen, die Frage nach einer wissenschaftlich überzeugenden, handhabbaren bzw. operationalen Definition ist damit jedoch bis heute noch nicht beantwortet.
Im Gegenteil: Mit der Popularisierung des Begriffes und seinem zunehmenden umgangssprachlichen Gebrauch besteht die Gefahr, dass das ohnehin weiche Konstrukt Burnout jegliche Trennschärfe verliert, zu einem Schlagwort verkommt, das kaum noch etwas erklärt.
Trotz der Vielfalt der Definitionsversuche in der zum Teil sehr heterogenen Burnout- Forschung herrscht jedoch weitgehende Übereinstimmung, dass es das Erleben des Ausgebranntseins gibt. Es ist verbunden
Dabei wird Burnout als Prozess mit regelhaften Phasen verstanden. Die eingeschränkte Fähigkeit, die mit der Arbeit verbundenen Belastungen zu bewältigen, führt dazu, dass auch außerberufliche Bereiche wie persönliche Interessen, Familie und Freundeskreis von dieser malignen Entwicklung berührt werden.
Bei dem Versuch, eine handhabbare, wissenschaftlich überzeugende und praktische Definition von Burnout zu erarbeiten, ist es von Bedeutung,
Individuumsspezifische Ansätze gehen letztlich von der Annahme aus, dass die Schüler und die Schulen so bleiben, wie sie sind, und dass es am einzelnen Lehrer liegt, etwas innerhalb dieser Bedingungen für sich zu verändern, z. B. in Selbsterfahrung oder Psychotherapie.
Vielleicht liegt es daran, dass viele der Forscher auf diesem Gebiet Psychotherapeuten sind und - wohl berufsbedingt - dazu neigen, Persönlichkeitsvariablen zu überschätzen und damit strukturelle Arbeitskonflikte zu individualisieren.
Stellt man ausschließlich die Arbeitsbedingungen bzw. die Schule in den Mittelpunkt der Betrachtung, so verkennt man die Tatsache, dass nicht alle in einer Burnout-fördernden Arbeitsatmosphäre tatsächlich ausbrennen. Offensichtlich verfügen viele über Bewältigungsstrategien oder Ressourcen, die vor Verletzungen im Sinne eines Burnout in Arbeit schützen.
Vorwiegend kulturelle oder gesellschaftliche Veränderungen als Verursachung für Burnout anzusehen, bietet zum einen kaum konkrete Ansätze für Bewältigungsstrategien. Zum anderen sind die Aussagen dieses Ansatzes in der Regel zu allgemein und verlieren sich in einer pessimistisch getönten globalen Kulturkritik.
Ausgehend von den zentralen Fragen der Arbeitspsychologie nach den Auftrags- und Erfüllungsbedingungen der Arbeit, den Dimensionen der Arbeitstätigkeit und der eigentlichen Tätigkeitsanalyse erscheint mir insbesondere der Beitrag der organisationspsychologischen Stress- und Arbeitsforschung als fruchtbar zum Verständnis von Burnout-Prozessen.
Rudow zeigt dieses in seinem Gutachten zum "Arbeits- und Gesundheitsschutz im Lehrerberuf", das er im Auftrag der Max-Traeger-Stiftung der GEW Baden-Württemberg 1999 erstellt hat:

Peter Berger
Diplom-Psychologe
c/o Hardtwaldklinik II
-Privatstation-
34596 Bad Zwesten

Quelle: http://www.hardtwaldklinik2.de/burnout/index.html

Hier finden sich auch Beschreibungen unterschiedlicher Arbeitsstile bei Lehrkräften, z.B. "Der Grandiose", "Der Philosoph", "Der Gute Kumpel", "Der Buchhalter" usw.
http://www.hardtwaldklinik2.de/burnout/klassifikation.html#Klassifikation

„Wir wollen lernen!“ oder „Büffeln, bis der Arzt kommt“:
„Macht Auslesedruck in Schulen krank?
Pädagogen und Mediziner befürchten, dass Zeit- und Leistungsdruck in der Schule immer häufiger zu gesundheitlichen Problemen führen“
Und warum die Warnung vor Gesamtschulen des bayerischen Philologenverbandes wissenschaftlich nicht zu belegen ist ...
www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27390/1.html

Siehe dazu auch das Stichwörter
Krankenstände
Stress

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