Logo der Initiative 'Eine Schule für Alle'

Im Jahr 2000 wurde in der GEW darüber gestritten, ob die angestrebte „Eine Schule für alle“ eine Abkehr von der Gesamtschule als Utopie und als Schule für alle bedeute: Es gebe mehrere Wege dahin, Gesamtschule sei nur einer neben anderen. Die Gesamtschule werde „von der Last befreit, Utopie zu sein“.

Die Hamburger Initiative „Eine Schule für alle“ warb seit 2007 für längeres gemeinsmes Lernen. Die für eine Volksinitiative erforderlichen Stimmen wurden entsprechend den Vorgaben der Hamburger Volksgesetzgebung erbracht, doch das sich anschließende Volksbegehren scheiterte, weil nicht genug Unterschriften gesammelt werden konnten. Ursachen dafür waren ein enormer Gesprächs- und Informationsbedarf sowie eine allgemeine Skepsis in Bezug auf die Anerkennung von Volksentscheiden durch die Politik (vorausgegenagen waren in Hamburg Volksentscheide, die von der Politik ignoriert worden waren.)

„Weil es sehr viel mehr als nur drei Begabungungstypen gibt, sollen Kinder und Jugendliche gemeinsam in der 'Einen Schule für alle' lernen.“ (GEW-Kalender Hamburg, 2007/2008, Stamm Verlag, Essen, März 2007, Seite 185)

„Die GEW hält an 'Eine Schule für Alle' als zentraler bildungspolitischer Zielsetzung fest. Sie fordert von den Landesregierungen Entwicklungspläne für ein inklusives Schulsystem. Zudem sollen die Pädagoginnen und Pädagogen qualifiziert werden, damit sie ein längeres gemeinsames Lernen aller Kinder in heterogenen Gruppen gestalten können. Zusätzlich müssen die Ressourcen erhöht werden, um kleinere Klassen, eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung und gezielte Fortbildungsmaßnahmen innerhalb der regulären Arbeitszeit zu ermöglichen. ... Konsequente Reformen mit dem Ziel 'Eine Schule für alle' sind jedoch bisher in keinem Bundesland beabsichtigt. (Erziehung und Wissenschaft 6/2009, Seite 16 - S. 16-19: Beschlüsse des 26. Gewerkschaftstages der GEW Ende April 2009 in Nürnberg)“

„Gesamtschule ist eine Schule für alle, aber nicht alle gehen dort hin.“ (Gert Rauschning, ehemaliger Leitender Oberschulrat, Schulaufsicht Gesamtschulen B33 der BBS)

„... Gesamtschule ist eine Schule für alle. Die Dimension zielt auf eine menschliche Grundhaltung gegenüber allen Kindern und Jugendlichen: Alle sind willkommen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Muttersprache, ihrem Geschlecht, ihren Leistungen, ihren Behinderungen, ihren Begabungen, ihrer sexuellen Orientierung, ihren Erfahrungen, ihren Ansichten, ihrem Temperament. Andersheit wird wahrgenommen und geachtet. Die Heterogenität der Schulgemeinde, der Klassengemeinschaft und der Lerngruppe wird als Vielfalt wertgeschätzt. Sie prägt die Gestaltung des Schullebens und des Unterrichts. Die Heterogenität der Lerngruppe ist Ausgangspunkt des fachlichen und sozialen Lernens. Die Vielfalt der Milieus und Lebensstile führt zu einer Vielfalt kultureller Leistungen. Die eine Schule für alle verabschiedet sich von der Hierarchisierung dieser Leistungen, insbesondere von einem Übergewicht der mathematisch und sprachlich akzentuierten Leistungen. Praktische und künstlerische Leistungen verdienen stärkere Förderung und Berücksichtigung.“ (Alternative Schulpolitische Positionen, AntragstellerInnen: Bundesfachgruppe Gesamtschulen, Bundesfachgruppe Gymnasien, Landesverband Nieders, Gewerkschaftstag der GEW vom 05. bis 09.05.2001)

„Die Studie kann nachweisen, dass eine hohe Bildungsbeteiligung in der gymnasialen Oberstufe keineswegs zu einer ‚Leistungsnivellierung‘ führt ... In diesem Zusammenhang wird auf Schweden und Norwegen verwiesen. Dort wechseln 70 beziehungsweise über 80 Prozent eines Jahrgangs zur gymnasialen Oberstufe. Beide Länder haben als ‚Unterbau‘ Gesamtschulsysteme und erzielen im Gegensatz zu Deutschland Spitzenergebnisse. ... TIMSS/III liefert hervorragende Grundlagen, um gegen diese Irrtümer deutscher Selektivitätsideologie [„Schnellläuferklassen, Turbo-Gymnasien“] vorzugehen. Das deutsche Schulsystem produziert deshalb zuwenig wissenschaftliche, technische, kulturelle und politische Eliten, weil es sie nicht aus der Fülle wachsen lässt, sondern sich die Unvernunft leistet, bereits für zehnjährige Kinder die Prognose abzugeben, ob sie sich zur ‚Elite‘ eignen oder nicht. Dass unser hierarchisch gegliedertes Schulsystem nicht ‚begabungsgerecht‘ fördert, das belegen die vielen Jugendlichen ohne Schulabschluss zudem eindringlich.“ (Marianne Demmer, GEW, in Erziehung und Wissenschaft 2/2001, Seite 17)

„... allen eine grundlegende Bildung zu ermöglichen und in der Praxis so vorzugehen, dass auch alle sich eine Vielfalt an Fähigkeiten (in diesem und nicht im enzyklopädischen Sinn ist alles gemeint) aneignen können. Wenn dieses Bildungsverständnis bei der Organisation von Bildungsprozessen leitend ist, erweist sich die frühe Aufspaltung der Bildungswege als obsolet. Von der inhaltlichen Seite her (was alle Kinder und Jugendliche lernen sollten) ist das nur zu verwirklichen, wenn es eine Schule für alle gibt und nicht eine erste, zweite und dritte Kategorie von allgemeinbildender Schule. Vorbilder gibt es genug in anderen Ländern, wo es entweder die ersten neun bis zehn Jahre eine gemeinsame Schule gibt (skandinavische Länder, Frankreich, Italien, Spanien, USA usw.) oder wie in Japan ca. 97% das Abitur als Bildungsabschluss haben ...“ (Stephanie Odenwald, „Welche Bildung wollen wir“, in: Sozialismus, 1/2002, Seite 20-27)

„Wenn man das deutsche Schulsystem aber im internationalen Vergleich sieht, dann stellt man fest, dass es die Schule für alle längst gibt. Es gibt sie praktisch überall. Deutschland, Österreich, Schweiz mit ihrem dreigliedrigen Schulsystem und der frühen Form der Selektion sind Ausnahmen. Ich glaube außerdem, dass die Integration in Europa dafür sorgen könnte, dass unser duales Ausbildungs- und das dreigliedrige Schulsystem zusammenbrechen werden, und es dann die Schule für alle von der Grundschule bis zum Gymnasium, inklusive Berufsschule geben wird.“ (Prof. Barbara Schenk, Erziehungswissenschaftlerin, Universität Hamburg, im Interview mit Sandra Wilsdorf, „Eine Schule für immer und alle“, taz Hamburg Nr. 6619 vom 6.12.2001, Seite 22, 116)

Schuljahr 2008/09, Schleswig-Holstein: Schulbeginn im Hamburger Umland für 16 Gemeinschaftsschulen,
Landesweit starten die ersten 38 Regional- und weitere 49 Gemeinschaftsschulen (bisher 7). In der gesetzlich eingeführten Gemeinschaftsschule lernen die SchülerInnen bis zur Klasse 10 gemeinsam. Im Hamburger Umland werde sich wohl die Gemeinschaftschule durchsetzen. (Hamburger Abendblatt, 05.02.08, Seite 16)

 

 

"‘Nach wie vor entscheidet die soziale Herkunft wesentlich über den Schulerfolg. Die Schulen selber sind immer weniger in der Lage, diese Unterschiede auszugleichen. Die Hauptschule verkommt zur Restschule für die, die es nicht schaffen. Die Bildungseinrichtungen hinterlassen eine breite Spur von Schulschwänzern, Bildungsunwilligen, Resignierten ...‘ (...)

‘Im Jahr 2015 verfügt NRW über eine völlig neue Schule, nämlich ganztags.‘

In dieser Schule, die schlicht Schule für Alle genannt wird, lernen die Kinder, treiben Musik und Sport, leben zusammen und lernen zu teilen.

‘Ziel von Bildung ist es, jedem Kind die Chance zu geben, seine Begabungen zu entfalten und Kompetenzen zu entwickeln, die eine Gesellschaft braucht. Ob Mädchen oder Junge, ob aus deutschen oder Zuwandererfamilien, aus bildungsnahen oder bildungsfernen Schichten, ob Stadt oder Land.‘

... Es ist eine Schule ohne Selektion. Knapp und klar räumt der Zukunftsrat mit den konservativen Konzepten der immer ausgefeilteren Ausgrenzung und Auslese auf, nach denen von Hessen bis Bayern oder Sachsen bisher auf die PISA-Studien geantwortet wird.

‘Fördern durch Selektion‘? Im Gegenteil! Das gegliederte Schulwesen – in Hauptschule, Realschule und Gymnasium – weist in die falsche Richtung (...) Wer das falsche Los zieht und in der Hauptschule landet, für den bleiben viele Türen endgültig geschlossen.‘

Lehrer (ohne Beamtenstatus), Eltern, Kommunen und Politiker mahnen die Zukunftsrätler zum Umdenken. Ohne Scheu und ideologische Scheuklappen.

‘Die Schule für Alle ist etwas Neues, sie verlangt nicht nur ein anderes Bildungsverständnis, sondern auch eine andere organisatorische Struktur. Das dreigliedrige Schulsystem wird durch den neuen Schultyp ersetzt. Und zwar für die gesamte Pflichtschulzeit, von der ersten bis zur zehnten Klassenstufe. Man muss sie wollen, ganz oder gar nicht. Scheibchenweise ist sie nicht zu haben.‘ Wer glaubt zu träumen:
www.agenda21nrw.de "

Jutta Roitsch über die Empfehlungen und den Bericht des "Zukunftsrats NRW" "NRW 2015 - Ressourcen nutzen, Regionen stärken" vom 18.03.04, in: Erziehung & Wissenschaft 5/2004, Seite 24: "Rat aus Zuneigung – Oder: Wie auch über Schulstrukturen geredet werden kann"

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„Eine Schule für alle“ - keine neue Erfindung

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