Fördern

fördern < mhd. vürdern vorwärts bringen, beschleunigen < ahd. furdir fürderhin, ferner, eine Komparativform zu fort (englisch forth weg)

fordern < ahd. fordaron verlangen, dass etwas hervorkommt, vorwärts geht (vorder- wie in „Vorderrad“), Komparativform zu vor (englisch fore)

 

 

Konzept Fördern statt Wiederholen (oder: Nachhilfe statt Sitzenbleiben)
auch: „Verordnung über die besondere Förderung nach §45 des Hamburger Schulgesetzes“ (VO-BF)
Nach Abschaffung des Sitzenbleibens im Schuljahr 2010/11 wurde dieses Konzept mit der Schulreform eingeführt.

Mit diesem Konzept werden alle Kinder gefördert, deren Leistungen den Mindestanforderungen nicht genügen.

·        Für Kinder in der Grundschule, Jahrgänge 0-3:
wenn die im Bildungsplan Grundschule für ihre Jahrgangsstufe aufgeführten Beobachtungskriterien nicht erfüllt werden.

·        Für Kinder der Jahrgangsstufen 4, 5 und 6, sowie im Gymnasium:
wenn die Leistungen in einem oder mehreren Fächern mit der Note 5 oder schlechter benotet werden.

·        Für Kinder an der Stadtteilschule in den Jahrgangsstufen 7 bis 10:

·        wenn die Leistungen in einem oder mehreren Fächern mit der Note G5 (*) oder schlechter benotet werden.

·        Bei Kindern, die den mittleren Bildungsabschluss anstreben:
wenn die Leistungen in einem oder maximal drei Fächern mit der Note G3 (*) oder schlechter benotet werden.

·        Bei Kindern, deren bisherige Leistungen die Versetzung in die Oberstufe ermöglichen:
wenn die Leistungen in einem oder mehreren Fächern mit der Note G2 (*) oder schlechter benotet werden.

·        Durchführung: in der Regel beschließt die Zeugniskonferenz des Vorhalbjahres über die Förderung. Die Förderung findet zusätzlich zum Unterricht statt und kann durch integrierte Maßnahmen ergänzt werden. Sie wird im Rahmen einer Lern- und Fördervereinbarung zwischen Lehrern, Eltern und Schülern beschlossen.

·        Verschlechtert sich das Leistungsbild einer Schülerin bzw. eines Schülers im Verlauf eines Schulhalbjahres erheblich, kann die zusätzliche Förderung auch im laufenden Schulhalbjahr einsetzen.

·        Die Lern- und Fördervereinbarung kann auch auf Antrag der Sorgeberechtigten geschlossen werden.

Das freiwillige Wiederholen einer Jahrgangsstufe aus besonderem Grund ist gem. § 45 Abs. 2 HmbSG auf Antrag durch die Sorgeberechtigten weiterhin möglich, wenn so eine bessere Förderung der Leistungsentwicklung und der sozialen Integration der Schülerin oder des Schülers zu erwarten ist.
(*) in den Jahrgangsstufen 7 bis 10 der Stadtteilschulen werden die bisherigen A- und B-Noten der Gesamtschule durch Noten auf erweitertem Niveau (E-Noten) und Noten auf grundlegendem Niveau (G-Noten) ersetzt.
Quelle: Kurzinfo der Elternkammer Hamburg 7/2011

 

 

Zu diesem Förderkonzept legt die Schulbehörde im Dezember 2011 nachfolgende Zahlen vor:

Insgesamt werden 7689 Schüler und Schülerinnen an 280 von 299 stattlichen Schulen gefördert, davon sind in

Grundschulen

Stadtteilschulen

Gymnasien

Auslaufenden HR-Schulen

Sonderschulen

38,5%

40,5%

16,4%

2,1%

2,4%

 

Lernförderung durch

Grundschulen

Stadtteilschulen

Gymnasien

Lehrkräfte

28%

31%

44%

Honorarkräfte*

66%

42%

50%

Gewerbliche Anbieter

6%

27%

6%

 

* Aufteilung der Honorarkräfte

Pensionierte Lehrkräfte

Schüler/innen

Student/innen

Sonstige

9%

18%

34%

39%

 

So viele Kurse wurden im Rahmen der Lernförderung nach Fächern durchgeführt

Mathematik

Deutsch

Englisch

Andere Sprachen

Sonstige

Naturwissen­schaften

Geisteswissen- schaften

1918

1867

620

192

132

65

12

 

So viele Schüler/innen erhalten Lernförderung, nach Jahrgangsstufen aufgeschlüsselt:

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

90

812

983

1078

315

819

830

974

797

614

122

156

99

Auffallend sind die beiden „Peaks“ in Jahrgang 4 (Übergang zu Sek1) und 8 (Abschluss-Selektion) und die niedrigen Zahlen der Oberstufenjahrgänge (Selektion nach den ersten beiden Abschlüssen und weniger Schüler/innen insgesamt pro Jahrgang).

 

Nach Aussage eines Schulleiters habe etwa die Hälfte der Schüler/innen mit Lernschwierigkeiten das Problem der mangelnden Lernmotivation. Der Zwang, an der Nachhilfe teilnehmen zu müssen, helfe da weiter.

 

Die politische Opposition kritisiert den hohen Anteil der gewerblichen Anbieter: Stefanie von Berg (GAL): Dabei handele „es sich um eine staatliche Subventionierung des Nachhilfesektors“.

 

Ties Rabe, Schulsenator: „Für Eltern bedeutet (die Lernförderung) weniger Laufereien, weniger Sorgen, weniger Kosten.“

Quelle: Hamburger Abendblatt, 16.12.11, Seite 1 und 9

 

 

 

Die Hamburger Schulbehörde will jede/n Schüler/in, die/der die Leistungsanforderungen in einem oder mehreren Fächern nicht erfüllt, mit 48,- € pro Jahr fördern. Dies ist Teil des KonzeptsIndividuelle Förderung statt Klassenwiederholung“. Das Konzept sieht vor, dass Schüler in Hamburg bis zur zehnten Klasse nicht mehr sitzen bleiben, nicht umgeschult werden und bei Bedarf besonders gefördert werden. Im Februar 2011 schreibt die Schulbehörde den Schulleitern, dass künftig jede Schule pro zu förderndem Schüler eine zusätzliche Wochenarbeitszeit von 0,045 Stunden (= 2 Minuten 42 Sekunden) erhält. Umgerechnet ergeben sich daraus die eingangserwähnten 48 Euro im Jahr. Dieses Fördermodell entspreche einer Kürzung von 4,3 Millionen Euro pro Jahr, meint eine FDP-Politikerin und rechnet vor: Jeder Wiederholer koste die Stadt bisher 6000 Euro pro Jahr, im Schnitt rechne man bei 12 000 Schülern pro Jahrgang mit 2% Sitzenbleibern. Bei drei Jahrgängen (Klasse 3, 4 und 7) seien das insgesamt etwa 720 Schüler, die mit 48 Euro gefördert würden.
Rechnung; 720x48=34 560 statt 720x6000=4 320 000, macht 4 285 440 Euro Ersparnis.
Die Schulbehörde stellt klar: Diese Rechnung sei falsch. Tatsächlich erhielten die Schulen für jede/n Schüler/in, unabhängig vom Förderbedarf, eine Ressource von 48 Euro pro Jahr. Da dieses Geld nur für die Förderkinder eingesetzt werde, liege die tatsächliche Summe pro Kopf deutlich höher.
Die Schulbehörde vertraut auf die bewährten Konzepte der Schulen. Das neue Konzept solle diese Konzepte ergänzen. Oft reiche eine kurze, aber intensive Förderung aus. Die Förderung könne auch in kleinen Gruppen durchgeführt werden. (Hamburger Abendblatt, 02.02.11, Seite 12, 04.02.11, Seite 13)
7,8 Millionen Euro investiert der Hamburger Senat für die kostenlose Lernförderung. Drei Millionen davon stammen aus dem Bildungspaket des Bundes, das sich an bedürftige Kinder (zum Beispiel von Hartz-IV-Empfängern) richtet. Dabei werden als Nachhilfelehrkräfte auch Honorarkräfte für 15,97 € die Stunde beschäftigt. Gefördert werden die Kinder in der Schule. Berechnungen zufolge sind pro Klasse zwei Wochenstunden Extra-Unterricht möglich. (Hamburger Abendblatt, 21.10.11, Seite 10)

 

Nur Theorie?
„Erziehung vom Kinde aus“ soll die Kinder dort abholen, wo sie stehen (fordern und fördern).

 

Stadtteilschule heute - das ist:

·               eine Schule für alle Kinder;

·               eine Schule, in deren Mittelpunkt die Förderung von Kindern und Jugendlichen steht;

·               eine demokratische Schule;

·               eine lebendige Schule;

·               eine offene Schule;

·               eine alternative Schule.

Weiteres ist nachzulesen im GGGinfo 2/99, Landesverband Hamburg, Seite 9-21 (in diesem Heft ging es um die Vorzüge der Integrierten Gesamtschule)

 

Von je 100 leistungsschwachen SchülerInnen, 15 Jahre alt, können in ihrer Schule Förderangebote nutzen:

Deutschland: im Fördern schwach!

Quelle OECD, Abbildung im Hamburger Abendblatt, 7.12.05, Seite 21

 

 

Link

Vereinigung für Interdisziplinäre Frühförderung e. V., Seidlstraße 18, 80335 München
www.fruehfoerderung-viff.de

 

 

Siehe die Stichwörter
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