Globalisierung
Wortbedeutung
: von lat. globus (="Kugel, Ball"), indoeuropäisch glembh ("zusammenballen", verwandt mit "Klumpen", "Klub"), von englisch, französisch global (="auf die gesamte Erdoberfläche bezüglich, weltumfassend, -umspannend, weltweit"; "ballförmig")"Schon im ersten, 1994/95 im Rahmen der World Trade Organization (WTO) abgeschlossenen GATS-Abkommen sind Wasser, Gesundheit, Bildung, Kultur, Umweltschutz, Infrastruktur, Verkehr als Waren definiert." (hlz 12/03, Seite 46-48)
Globalisierung = Amerikanisierung der Welt? "Denn was Globalisierung genannt wird, hat mit Verbrüderung wenig zu tun: Es ist nichts anderes als die Amerikanisierung der Welt, das heißt die Unterwerfung des Globus unter die wirtschaftliche und politische Hegemonie der USA. Die einzige Nation, die sich unter der Globalisierung nicht zu ändern braucht, sind die Vereinigten Staaten. Es ist die Welt, die sich Amerika anpassen muss." (Heinrich Jaenecke, Stern 50/2000, Seite 62)
Globalisierung = Verlust der kulturellen und demokratischen Identität? "(All dem...) entspricht das unbestimmte Gefühl, daß trotz des Wirtschaftsbooms und des globalen Vormarsches der Demokratie etwas Grundlegendes falsch läuft (...), von der weltweit wachsenden Umweltverschmutzung (bis zu den) teilweise verheerenden Folgen der Globalisierung für indigene Völker und ihre Kulturen (und) zum Verlust der marketing-freien Lebenswelt hier im Westen (...). Jedes zwischenmenschliche Gefühl, jeder Ort wird in eine Ware verwandelt." (Naomi Klein, Greenpeace-Magazin 2/2001, Seite 18)
Soziale Globalisierung tut Not: "Eine globale Welt, die Freiheit haben will, muss teilen." (Joschka Fischer, deutscher Ex-Außenminister, auf dem Evangelischen Kirchentag in Hannover, im Mai 2005)
www.mcplanet.com
Soziale und sozialpolitische Globalisierung kann etwas gegen weltweites und regionales Lohndumping tun.
Wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Globalisierung kann etwas für Umwelt- und Klimaschutz tun.
"Bildung ist kein ... handelbares und überall vergleichbares Produkt wie Eisenerz oder Benzinvergaser (‚Bildung ist Bürgerrecht‘ lautete der Titel eines Buches von Ralf Dahrendorf). Doch wenn die GATS-Regeln Anwendung finden, wird aus Bildung ein Allerweltsprodukt, dessen Qualität mit global vergleichbaren Zertifikaten bestätigt wird. Bildung ist ein öffentliches Gut, das allen Bürgerinnen und Bürgern unentgeltlich zugänglich sein muss. Doch schon heute gibt es bestimmte Bildungsangebote nur gegen Gebühren, und diese Regelung wird auf alle Bildungsgüter ausgedehnt, die vom GATS-Abkommen abgedeckt werden." (Elmar Altvater, Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, in E&W 4/2002, Seite 2)
"Jeder Mensch hat das Recht auf internationalen Schutz, damit er die Menschenrechte genießen kann, die ja schon sämtlich formuliert sind. Sie in die Praxis umzusetzen, darum geht es. Nicht darum, die Verantwortung für die Durchsetzung dieser Rechte abzugeben an den Internationalen Währungsfond oder die WTO. Die Realisierung dieser Menschenrechte, besonders der sozialen Rechte, des Rechts auf Arbeit, auf Bildung, auf würdige Existenz, auf gesundheitliche Vorsorge oder auf Wohnung - die Realisierung dieser Rechte aus der Menschenrechtserklärung kann nur durch die Menschen selbst erzwungen werden, nicht durch internationale Vereinbarungen, die von denen unterzeichnet werden, die die Menschen ausbeuten, ob sie nun in Genf oder in Washington sitzen." Deutschlandfunk: Albrecht Kieser, Redaktion Gode Japs: "No markets are free" Die neue Liberalisierungsrunde der Welthandelsorganisation WTO (Manuskript vom: 4.11.1999 * 18:40) (c) Deutschlandfunk 1999 (präsentiert auf http://www.massenmensch.de durch WeltWirtschaftsGruppe)
"Die G–7* sind der treibende Motor hinter der neoliberalen Globalisierung, und damit auch hinter dem GATS. G–7 ist ein Kürzel für die sieben reichsten Industrienationen – USA, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Sie haben sich Institutionen geschaffen, die für sie die Globalisierung durchsetzen. Allen voran die Welthandelsorganisation. Sie wurde 1995 als Abschluss der Uruguay-Runde aus der Taufe gehoben. 134 Staaten sind Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO). Aber beherrscht wird sie von einem kleinen, auserwählten Club, den Quads. Die Quads sind die USA, die EU, Japan und Kanada, also wieder nichts weiter als die G–7. Sie sind diejenigen, die als einzige die Tagesordnung der Verhandlungen innerhalb der WTO bestimmen können. Innerhalb der WTO gibt es sogenannte ‚inbuilt agendas‘ – festgelegte Tagesordnungen. Das sind Abkommen, die ständig neu verhandelt werden müssen. Dazu gehören unter anderem das TRIPs, Abkommen über geistiges Eigentum, das AoA, Abkommen über Agrarhandel, und vor allem das GATS. Die abschließende Erklärung des G–7 Gipfels in Halifax 1995, enthält folgende Passage: ‚Wir begrüßen die letzte GATS–Übereinkunft ...‘ Diese Gipfel finden jährlich statt. Die Tagesordnungen sind geheim. GATS, das steht für ‚General Agreement on Trade in Service‘ – ‚allgemeines Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen‘. Das GATS ist ein internationales Abkommen der Mitgliedstaaten der Welthandelsorganisation, und besteht seit 1995. Über hundert Staaten der Welt haben sich geeinigt, einen Teil ihres öffentlichen Dienstes zur Privatisierung freizugeben. Das Besondere am GATS: Das Vertragswerk beinhaltet die Verpflichtung, die Verhandlungen fortzuführen, und seine Reichweite zu vergrößern. Die Verhandlungen laufen ständig weiter, hinter den verschlossenen Türen des Büroturms der Welthandelsorganisation in Genf. Das Ziel der derzeit laufenden Verhandlungen ist, kurz gesagt, den öffentlichen Dienst privaten Konzernen zu öffnen – ohne Ausnahmen, und weltweit. Man könnte sogar sagen, den Sinn und Zweck des öffentlichen Dienst, ein Dienst am Menschen ohne Profitgedanken, für illegal zu erklären. Eine stille Lobbymaschine ist angelaufen, um dieses Ziel zu verwirklichen. Die treibenden Kräfte sind die amerikanische Koalition der Dienstleistungsunternehmen und ihr europäischer Zwilling, das Europäische Dienstleistungsforum – European Services Forum, ESF. 47 Firmen tummeln sich im europäischen Lobbyverband, darunter die Allianz, Telekom, Daimler-Chrysler und Bertelsmann. Sogar die öffentlich-rechtliche ARD. Bevor die Verhandlungen begannen, fragten die amerikanische Regierung und die EU ihre Lobbyverbände, an welchen Bereichen sie denn Interesse hätten. Die entstandene Liste ist alles andere als kurz: die Gesundheitsversorgung, das Bildungswesen, die Trinkwasserversorgung, die Energieversorgung, Umweltschutzmaßnahmen. Weiterhin Museen, Rundfunk, Bibliotheken, Kindergärten, und so weiter. Als die profitabelsten Bereiche schälen sich heraus, die Gesundheitsversorgung, ein 3,5 Billionen Dollar Markt weltweit, der Bildungsbereich, zwei Billionen Dollar jährlich, und die Wasserversorung, mit einer Billion. Das markiert eine Wende ... Viele Länder der Dritten Welt wurden von Internationalen Währungsfonds bereits dazu gezwungen, Teile ihres öffentlichen Dienstes freizugeben, darunter die Trinkwasserversorung. Über eine Milliarde Menschen, die in der Dritten Welt leben, können kein sauberes Wasser mehr trinken. Menschen leiden, während eine Handvoll Firmen Profite einstreicht. Täglich sterben über fünf Millionen an Krankheiten, die durch brackiges Trinkwasser übertragen werden. Die meisten Opfer sind Kinder. Auch in England wurde die Wasserversorgung bereits verkauft. Die Konzerne erhöhten die Preise um bis zu 40 Prozent, und verdoppelten so ihren Gewinn. Sie sparten auch beim Umweltschutz. In England gibt es heute keine Wasserschutzgebiete mehr. Kaum jemand weiß, dass hinter der derzeit ablaufenden Privatisierungswelle in Deutschland, das GATS, oder zumindest der vorauseilende Gehorsam der rot-grünen Regierung steht. Wohlgemerkt: Die Massenentlassungen nach der Privatisierung der Deutschen Bahn fanden in einem Dienstleistungssektor statt. Vor acht Monaten gab das Bundeswirtschaftsministerium ein Gutachten in Auftrag, das die ‚Chancen‘ zur ‚Marktöffnung‘ der Trinkwasserversorgung ausleuchten sollte. Das Ergebnis: Die Wasserwirtschaft soll privatisiert werden. Das neue GATS wird nicht nur den bisherigen Handlungsspielraum der Konzerne erweitern, sondern es ihnen auch leichter machen, sich den öffentlichen Dienst unter den Nagel zu reißen. Die Vorschläge beinhalten einen ‚Notwendigkeitstest‘, der die Beweislast umdreht. Die Regierungen, sollen zukünftig nachweisen müssen, dass alle ihre Gesetze und Vorschriften auf keinen Fall handelsbeschränkend sind. Wenn sie nicht beweisen können, einen Dienst ebenso ‚effizient‘ bereitzustellen, muss privatisiert werden. Das ist das Ende des Dienstes am Menschen, ohne Profitgedanken. Das neue GATS wird außerdem vorschreiben, dass die privaten Dienstanbieter Zugang zum Geld der öffentlichen Hand bekommen. Die Konzerne würden direkt mit unseren Steuergeldern Profit machen, auf Kosten unserer Lebensqualität. Das GATS ist schon heute weitreichend. Über vierzig Länder, darunter Deutschland, haben ihr Bildungswesen im GATS zur Privatisierung freigegeben. Über einhundert Länder haben dasselbe mit ihrer Gesundheitsversorgung getan." (Linksruck Nr. 110, 1. Juni 2001)
* G-6 (=Gruppe der Sechs): 1975 mit USA, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Japan, in Rambouillet bei Paris
G-7: 1976 mit G-6 plus Kanada, in San Juan/Puerto Rico
G-8: 1991 luden die G-7 Russland ein, in London, seit 1998 (Birmingham) ist Russland Vollmitglied
Einschränkung: die FinanzministerInnentreffen finden immer noch im G-7-Kreis statt.
Die G 8-Staaten vertreten 13,5% der Weltbevölkerung, allerdings 65,7% der Weltwirtschaftsleistung (2007).
www.g-8.de
www.g8-alternative-summit.org/de/
www.attac.de/g8
www.move-against-G8.de
www.block-g8.org
www.venro.org
www.deine-stimme-gegen-armut.de
www.g8-2007.de
www.kircheundG8.de
Presseerklärung der GEW zum Gipfel und zur Bildung:
www.gew.de/GEW_Bildung_weltweit_hoehere_Prioritaet_geben.html
Unterrichtsbausteine zum Gipfel:
www.gew.de/Binaries/Binary25473/Unterrichtsbausteine_G8.pdf
Unterrichtsmaterialien zum Gipfel:
www.gew.de/Die_Welt_goes_Heiligendamm.html
Lesetipps:
"Zur globalen Regulierung des Bildungswesens", Zeitschrift "Widersprüche", Heft 83, März 2002, 22. Jg., 1. Quartal 2002, ISBN 3-89370-365-9, 128 Seiten, € 11,00, bestellbar auch beim Kleine Verlag, Postfach 10 16 68, 33516 Bielefeld, E-Mail
KV[at]Kleine-Verlag.de oder über den Buchhandel
Jean Ziegler, Das Imperium der Schande. C. Bertelsmann Verlag, München 2005, 320 S., geb., 19,90 €
www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Globalisierung/ziegler.html
Links zu "Globalisierung":
Bildungsbausteine/Materialien zum Thema bei attac: www.attac.de
"Globalisierung und Entwicklung" in Asien, Afrika und Lateinamerika: www.nordsuednetz.de
Unterrichtseinheit "Globalisierung" Sek2 bei IG Metall: www.igmetall.de
Universität Kassel: www.uni-kassel.de/fb5/frieden/themen/Globalisierung/Welcome.html
"Globalisierung und Discountierung im Einzelhandel" bei WEED (World, Economy, Ecology & Development): www.weed-online.org
Siehe auch
Bildung,
Privatisierung