Die Grundschule
(Elementarbereich, Primarbereich)(Grund = von grinden, mahlen, zerreiben, malmen, < griech krinein, teilen, lat. cernere, teilen, sichten, also "körniger Boden, Sandboden"
Elementar = lat. elementarius, zu den Anfangsgründen gehörig, lat. elementum, Urstoff, Grundbegriff, griech. hyläma Stoff, Erzeugtes, griech. hyein zeugen, hervorbringen
Primar = lat. primarius, einer der ersten, lat primus der erste; anfänglich, ursprünglich, Grund-
Schule = lat. schola, griech. scholä, die Ruhe, die Muße, das Verwenden der Muße, Beschäftigung, Ort der Muße, von griech schein, halten, anhalten, inne halten)
Die Grundschule umfasst die Klassenstufen 1 bis 4 bzw. 0 bis 4, wenn die Vorschulklassen (VSK) mit hinzugenommen werden. Eine Eingangsstufe kann die Stufen 0-1 oder 0-2 umfassen. Dort werden die Kinder von Lehrerinnen und Sozialpädagoginnen gemeinsam unterrichtet. Wird die VSK abgespaltet, unterrichten dort in der Regel nur die Sozialpädagoginnen. In einer Eingangsstufe können Sozialpädagoginnen und Lehrerinnen viel voneinander lernen. In Hamburg wurde die Verlässliche Halbtagsgrundschule (VHGS) eingeführt. Sie bietet ein durchgehendes Betreuungsangebot von 8 bis 13 Uhr.
Die sechsjährige Grundschule (Primarschule( wurde propagiert, um Kindern ein längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen.
Die
"Zeitgemäß ist nach Angaben aus der Wirtschaft die Fähigkeit, im Team und in heterogenen Gruppen zu lernen. Dies wird nur in der Gesamtschule und der Grundschule praktiziert. (...)
Die gesellschaftlichen Zustände aber fordern eben gerade, sich vom Einzelkämpfertum zu lösen, also davon, was derzeit das gegliederte Schulsystem immer noch heranbildet. Die gesellschaftlichen Bedingungen (idealtypisch und real) sind weit davon entfernt, die Bedingungen des gegliederten Systems zu sein. Demokratie kann nur in demokratischen Verhältnissen gelernt werden. Demokratische Gruppen sind heterogen. Nur die Grundschule und die Gesamtschule haben solche Gruppen." (aus einem Papier im ARGE-Vorstand von 1995)
"1. Bildungspolitik im internationalen Vergleich
Im internationalen Leistungsvergleich - so die Ergebnisse der so genannten TIMSS-Studie (Third International Mathematics and Science Study), - schneiden Deutschlands Schulen höchst unbefriedigend ab. Unter 45 an der Studie beteiligten Ländern belegt die Bundesrepublik lediglich einen schwachen Mittelplatz (vgl. TIMSS über
http://www.gesamtschule-hamburg.de.). Einer der Gründe dafür wird in der höheren Bildungsbeteiligung in den meisten Industrienationen gesehen. Bildung müsse deshalb auch in Deutschland in der Sekundarstufe II zum "Massensport" werden und dürfe nach Auffassung von Interpreten der TIMSS-Studien nicht einer Minderheit vorbehalten bleiben.In den USA absolvieren schließlich 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs die High-School (wobei die intensive Diskussion um Verbesserung des Schulsystems nicht unter dem Gesichtspunkt einer verkürzten Bildungsbiografie geführt wird!!), Frankreich strebt eine entsprechende Quote an, (in den letzten 10 Jahren hat sich die Zahl der Abiturienten dort verdoppelt), England will nach Ankündigung von Tony Blair fünfzig Prozent eines Jahrgangs ein Hochschulstudium ermöglichen. In Schweden wechseln 70% in Norwegen 80% eines Jahrgangs auf die allgemeinbildende Oberstufe Hierzu auch die jüngst veröffentlichten TIMSS III Ergebnisse (E&W 2/2001, S. 17).
Fazit: Es muss nach wie vor unser Ziel sein, alle Begabungsreserven der nachwachsenden Generation voll auszuschöpfen. Dieses Ziel ist längst nicht erreicht und bekommt im Zeitalter der internationalen Konkurrenz zunehmend größere Bedeutung.
(...)
3. Maßnahmen
3.1 Grundschule
Der sehr unterschiedliche Entwicklungsstand der Kinder bereits bei der Einschulung hat den Gedanken geboren, die Kinder die Grundschule unterschiedlich schnell durchlaufen zu lassen. So soll nach einigen Vorschlägen eine jahrgangsübergreifende Struktur eingeführt werden, und zwar in den Klassenstufen 0 bis 2 und 3 bis 4.
Mit der jahrgangsübergreifenden Struktur könnte - so ein weiterer Vorschlag - eine Lernstanderhebung verbunden werden, um so die Kinder umso treffsicherer auf Grund ihrer Lernerfolge in der Klassenstufe 0 bis 2 zeitgerecht in die Klassenstufe 3 bis 4 übergehen zu lassen.
Mit diesen Vorschlägen sind allerdings erhebliche Probleme verbunden: So bedürfte es zur Umsetzung sehr gezielter Differenzierungsmaßnahmen und einer höchst anspruchsvollen unterrichtlichen Konzeption. Darüber hinaus müsste gleichzeitig das Entmischungsproblem, das sich aus der Parallelität von Kitas und Vorschulklassen ergibt, strukturell gelöst werden. Hinzu kommt die Schwierigkeit der Lernstandserhebung zum Schuleintritt, die u.U. nichts anderes feststellen würde als die Existenz von unterschiedlichen Kenntnisständen und sozialer Unterschiede der Elternhäuser wahrscheinlich in Bindung an die verschiedenen Stadtquartiere.
Eine weiterer Reformversuch ist die in Erprobung begriffene 6jährige Grundschule. Sie ist derzeit nicht geeignet, als ausgereifter Reformschritt in Erwägung gezogen zu werden, wiewohl die längere gemeinsame Beschulung aller Schüler dem Grundanliegen der Gesamtschule entsprächet, wenn nicht anschließend ein umso deutlicheres Entmischungskonzept droht.
Fazit: Die Einführung jahrgangsübergreifender Klassen in der Grundschule bedarf der sehr gründlichen Vorbereitung und müsste in einem Schulversuch an einigen wenigen Standorten erprobt werden. Auf absehbare Zeit kann dieser Vorschlag keine Maßnahme zur flächendeckenden Einführung sein.
Notwendig ist allerdings ein gezielteres Angebot vorschulischer Bildungsangebote für Kinder benachteiligter Regionen, mit dem ein stärkeres Auseinanderdriften der Entwicklungsstände bei Einschulung gebremst wird.
(...)
3.3 Steuerung der Schülerströme nach der Grundschule
Obwohl die jährlichen Anmelderunden jeweils das Ergebnis der Summe der einzelnen freien Elternentscheidungen ausweisen, gibt es zumindest zwei wichtige Faktoren, die dieses Wahlverhalten beeinflussen. Erstens ist es die Beratung der Eltern durch die Grundschullehrer, und zweitens - damit zusammenhängend der Status der jeweiligen Grundschule.
Die Beratung der Grundschullehrer ist so gut, wie ihre Einschätzung auf Grund des zur Verfügung stehenden Instrumentariums sein kann. Die Instrumente bestehen in den Aufzeichnungen über die Leistungen der Schüler während der Grundschulzeit und einer prognostischen Einschätzung der Lehrerin oder des Lehrers. Hier sprechen die Wissenschaftler von einer hohen Sicherheit der ad hoc Einschätzung verbunden mit einer hohen Unsicherheit der Prognose. Ob eine Empfehlung stärker in Richtung auf eine Gesamtschule oder eine andere weiterführende Schule orientiert, hängt von der subjektiven Beurteilung des Pädagogen ab, insbesondere dann, wenn –im Regelfall die Grundschullehrer über keine persönlichen Erfahrungen mit Gesamtschulen verfügen, sondern die eigene GHR – Langform-Schule oder aus eigener Bildungsbiographie das damalige Gymnasium kennen.
Dieser Beratungsspielraum wird empirisch durch einen Vergleich der Übergänge von Klasse 4 der eigenständigen Grundschulen auf die weiterführenden Schulen mit denen der an Gesamtschulen oder an Haupt- und Realschulen angebundenen Grundschulen sichtbar: Im August 2000 gingen 21,3 Prozent der Kinder der eigenständigen Grundschulen auf die Beobachtungsstufe der Haupt- und Realschule über. Waren die Grundschulen an einer Haupt- und Realschule angebunden, dann wechselten 47,3 Prozent der Grundschüler auf diese Schulform über. Gleiches gilt für die Gesamtschulen: Hier gingen durchschnittlich 53,7 Prozent der Kinder der Grundschulabteilung auf die jeweils weiterführende Gesamtschule über.
Fazit: Das den Grundschullehrerinnen und -lehrern für die Beratung zur Verfügung stehende Instrumentarium sollten durch die Entwicklung diagnostischer Instrumente ergänzt werden, eine schlichte Schullaufbahnempfehlung ("Gymnasium/Haupt- und Realschule") sollte unterbleiben.
Darüber hinaus sollte Wettbewerbsgleichheit zwischen den Schulformen dadurch hergestellt werden, dass auch alle Gesamtschulen, deren Raumkapazität dies zuläßt, als Langformschulen geführt werden, d.h. ihnen eine Grundschulabteilung zugeordnet wird." (aus einem Papier des Initiativkreises Gesamtschule, IkG, 25. Februar 2001, "Vorschläge zur Lösung schulpolitischer Probleme")
Statistik zum Grundschulbereich
Bildungsausgaben je Schüler/in in
kaufkraftkorrigierten US-Dollar (1999)
|
Länder |
Primarbereich |
|
Deutschland |
3818 |
|
Finnland |
4138 |
|
Frankreich |
4139 |
|
Schweden |
5736 |
|
Schweiz |
6663 |
|
Vereinigtes Königreich |
3627 |
|
OECD Ländermitteö |
4148 |
(Hier ist Hamburg Spitze!)
|
Länder |
Wochenpflichtstunden |
|
Baden-Württemberg |
90 |
|
Bayern |
99+3 |
|
Berlin |
86 |
|
Brandenburg |
87 |
|
Bremen |
88 |
|
Hamburg |
108 |
|
Hessen |
90 |
|
Mecklenburg-Vorpommern |
91 |
|
Niedersachsen |
88-92 |
|
Nordrhein-Westfalen |
87-91 |
|
Rheinland-Pfalz |
96 |
|
Saarland |
89 |
|
Sachsen |
93 |
|
Sachsen-Anhalt |
90-98 |
|
Schleswig-Holstein |
89 |
|
Thüringen |
97-99 |
Lehrer/innen nach Alter (2001/02)
|
Insgesamt |
unter 40 |
40 bis |
über 50 |
|
|
Deutschland |
263 657 |
21,1% |
30% |
48,2% |
Quelle: Erziehung und Wissenschaft 4/2003, Seite 26-27, "Auf dem richtigen Weg"
Ratgeber für Schule und Kita
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Allen Kindern gerecht werden
Acht Forderungen zur Bildungsgerechtigkeit und drei Grundsätze:
Acht Forderungen
Siehe auch die Stichwörter
Chancengerechtigkeit
Ganztagsschule
Primarschule
Schreiben
Schullaufbahn-Empfehlung