Informatik

Informatik = Wissenschaft über alle Bereiche der Informationstechnologien (Telekommunikation, Hard- und Software, Dienste, systematische Verarbeitung von Informationen mit elektronischen Hilfsmitteln)

Informatik < Information + Automatik

Information < lat. informatio Abbild, Darstellung, Vorstellung, Begriff, Belehrung < lat informare bilden, darstellen, Gestalt geben < in- hinein + forma Gussform

Automatik < engl. automatic < griech. automaton sich selbst bewegende Maschine < automatos selbst bewegend, selbst denkend < griech. autos selbst + mnasthai erinnern

 

Geschichtsdaten

Blaise Pascal (1623-1662) konstruiert 1641 eine mechanische Rechenmaschine.

 

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646- 1716) entwickelt den Binärcode (Dualsystem), der aus zwei Zeichen besteht. So können später Zeichen (Zahlen, Buchstaben) in elektrische Signale umgesetzt werden (Strom aus=0, Strom an=1):
1=1=1x2°,

2=10=1x21+0x2°,

3=11=1x21+1x2°,

4=100=1x2²+0x21+0x2°,

5=101=1x2²+0x21+1x2°,

6=110=1x2²+1x21+0x2°,

7=111=1x2²+1x21+1x2°,

8=1000=1x2³+0x2²+0x21+0x2°, usw.

 

Joseph-Marie Jacquard (1752-1834) erfindet einen Webstuhl, der durch Lochkarten gesteuert wird. Er setzt dabei den Binärcode ein.

 

Charles Babbage (1792- 1871) entwirft ein Konzept für einen ersten Computer (1838), der mittels Lochkarten gesteuert werden sollte.

 

George Boole (1815-1864) erfindet die Boolesche Algebra (mit den Operatoren UND, ODER, NICHT, Aussagenlogik und Mengen-Verknüpfungen).

Beispiel

Konjunktion

 

 

 

Disjunktion

 

 

 

Negation

 

\land

 

0

1

 

\lor

0

1

 

 

\neg

0

 

0

0

 

0

0

1

 

0

1

1

 

0

1

 

1

1

1

 

1

0

 

 

 

Herman Hollerith (1860-1929) setzt die Idee von Charles Babbage 1886 um: Erfassung und Speicherung von Daten mittels Lochkarten. Aus Holleriths 1896 gegründeter Tabulating Machine Company entsteht durch Fusionierung später die Computing Tabulating Recording Corporation (CTR). 1924 schließlich benennt sich die CTR um in International Business Machines Corporation (IBM).

 

1918: Der Berliner Ingenieur Arthur Scherbius (1878-1929) meldet die elektrische „Rotor-Verschlüsselungsmaschine“ „Enigma“ (= griech. „Rätsel“) zum Patent an.

 

Alan Mathison Turing (1912-1954) entwickelt die theoretischen Grundlagen für die Informations- und Computertechnologien. Die nach ihm benannte Turing-Maschine ist ein mathematisches Modell einer Rechenmaschine, eine „theoretische Maschine“. Nach ihm benannt sind der Turing-Preis, eine Auszeichnung in der Informatik, und der Turing-Test zum Nachweis künstlicher Intelligenz. Praktische Verwertung finden diese Grundlagen während des 2. Weltkrieges. Mithilfe der Rechenmaschine „Turing-Bombe“ gelingt es britischen und polnischen Mathematikern, den Code der deutschen Chiffriermaschine „Enigma“ zu knacken.

 

1941: Konrad Zuse (1910-1995) konstruiert 1937 eine noch mechanische Rechenmaschine, die Zuse Z1. 1941 entsteht mit der Z3 der erste Computer. Er besitzt elektrische Relais, Befehls- und Datenspeicher und ein Ein- und Ausgabepult.

 

1944: Howard Hathaway Aiken (1900-1973) konstruiert den Automatic Sequence Controlled Calculator (ASCC) bzw. Mark I.

 

1946 wird der Electronic Numerical Integrator and Computer (ENIAC) der Öffentlichkeit vorgestellt. Der ENIAC ist der erste elektronische digitale Universalrechner. Im Auftrag der US-Armee wird er von 1942 an von J. Presper Eckert und John W. Mauchly an der Pennsylvania Universität entwickelt.

 

1949: Maurice V. Wilkes präsentiert den britischen Hochleistungsrechner Electronic Delay Storage Automatic Calculator (EDSAC).

 

1957: Karl Steinbuch (1917-2005) prägt den Begriff „Informatik“. Er ist später Erfinder des ersten brauchbaren künstlichen neuronalen Netzes der Welt, der Lernmatrix.

 

1982: Die Firma Commodore stellt mit dem C64 einen PC für einen Massenmarkt vor.

 

 

 

 

 

Was ist eigentlich Informatik?

Sie hat milliardenschwere Industrien hervorgebracht, neue Kommunikationswege geschaffen und bildet den Grundstein unserer Informationsgesellschaft. Kaum eine Disziplin hat sich in den vergangenen 40 Jahren so rasant entwickelt wie die Informatik. „Grundsätzlich ist Informatik die Wissenschaft von der systematischen Informationsverarbeitung mit Computern“, erläutert Professor Matthias Jarke, Präsident der Gesellschaft für Informatik. Der Begriff setzt sich aus den Wörtern Information und Automatik zusammen.

Die Informatik erforsche, welche neuen Chancen diese Technik bietet. „Sie benennt aber auch die Risiken, die mit diesen neuen Chancen verknüpft sind und diskutiert, wie diese beherrschbar sind“, sagt der Wissenschaftler. Denn längst ist der Computer mehr als nur eine Arbeitsmaschine.

Vielmehr eröffnet die Informatik der Forschung und Technik völlig neue Dimensionen. Beispielsweise gewinnen Wissenschaften neue Erkenntnisse mehr und mehr nur dadurch, weil es effizientere Rechner und Programme gibt. So wäre die Entzifferung des menschlichen Erbgutes oder die Erfassung von biometrischen Daten an Ländergrenzen ohne Informatik nicht möglich.

Darüber hinaus erlaubt die Informatik das Experimentieren in virtuellen Laboren. Mit ihrer Hilfe werden Klimaentwicklungen modelliert oder das Bevölkerungswachstum simuliert.

Informatik ist heute sowohl eine eigenständige Wissenschaft wie eine Hilfswissenschaft. Ein Schicksal, das sie mit der Mathematik teilt.

ang

 

Geschichte: Eine Idee vor 350 Jahren

Der Name „Informatik“ tauchte zum ersten Mal 1957 beim Deutschen Karl Steinbuch auf - einem der Pioniere dieser Wissenschaftsdisziplin. Deren Entwicklung prägten drei Disziplinen besonders: die Mathematik, die Mechanik und später die Elektronik. Basierend auf der Idee des deutschen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646- 1716), der die Bedeutung des Dualsystems und das Rechnen in diesem entwickelte, entstand die Idee, ein binäres Zahlensystem als Basis einer Rechenmaschine zu nutzen. Das war lange vor dem ersten Computer.

Ein Mathematiker erwies sich mehr als 150 Jahre nach Leibniz als Computerpionier. Der Engländer Charles Babbage (1792- 1871) entwarf das Konzept des ersten Computers. Seine „Analytical Engine“ (Analytische Maschine) enthielt bereits alle fundamentalen Elemente eines heutigen Computers. Babbage schaffte es allerdings nicht, seine Maschine zu bauen.

Den ersten programmierbaren Computer konstruierte der Deutsche Konrad Zuse (1910-1995) und nannte ihn Z3. Er entwarf die so genannte Schaltalgebra, deren Grundlage das Binärsystem ist. Um sie elektrisch umzusetzen, braucht es zwei Zustände - eins und null, Strom an und Strom aus. Zuse stellte den Rechner 1941 fertig. Es folgten Computer so groß wie Einbauküchen. In Forschung und Industrie fanden sie zunehmend Einsatz. Den Sprung in die Haushalte schafften die PCs erst Anfang der 1980er Jahre.

Jeder Computer verrichtet seine Arbeit scheinbar automatisch, doch ohne Programme könnten Roboter nicht laufen, Geldautomaten nichts auszahlen, und der PC-Bildschirm bliebe schwarz. Die Software-Entwicklung gewann somit immer mehr an Bedeutung.

ang, dpa

Quelle: beide Artikel Hamburger Abendblatt, 19.1.06, Seite 29 („Wissen“)

 

 

 

Wissenschaftsjahr 2006: „Das Jahr der Informatik“
www.informatikjahr.de
www.informatik.uni-hamburg.de

www.it-fitness.de (Lehrer/innen Computer-fit machen)

 

 

Das Internet

-          1958: Die US-Forschungsbehörde ARPA (Advanced Research Projects Agency) wird gegründet, als Agentur des US-Verteidigungsministeriums.

-          August 1962: Joseph Carl Robnett Licklider von der Firma Bolt, Beranek and Newman (BBN) beschreibt in einer Folge von Memos sein „Intergalactic Computer Network“-Konzept.

-          Oktober 1963: Licklider wird zum Leiter des „Behavioral Sciences and Command and Control“-Programms bei ARPA ernannt.

-          1967: Licklider, Wissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT), und Bob Taylor, Direktor des ARPA Information Processing Techniques Office, verfassen das Papier „The Computer as a Communications Device“.

-          1969: ARPA vergibt den Auftrag für den Bau eines Prozessors („Interface Message Processor“, IMP) an BBN. Der IMP wird der wichtigste Bestandteil des späteren Netzwerks.

-          1. September 1969: An der University of California, Los Angeles (UCLA) wird ARPANET in Betrieb genommen.

-          29. Oktober 1969: US-Forscher vernetzen zwei Computer per Fernleitung. Hilfsmittel sind Modems und eine Telefondauerleitung.

-          1971: Ray Tomlinson von BBN sendet die erste Netzwerk-E-Mail.

-          1973: Die Einzelheiten des „File Transfer Protocol“ (FTP) sind definiert und einsetzbar. Dadurch ist die Übertragung von Dokumenten über ARPANET möglich. Auch ein Stimmenprotokoll wird beschrieben („Network Voice Protocol“, NVP), aus technischen Gründen war es jedoch noch nicht einsetzbar.

-          13. März 1989: Der britische Informatiker Tim Berners-Lee formuliert in der Schweiz, in der Großforschungsanlage Cern bei Genf, die Grundlagen für das World Wide Web. Sein Thesenpapier heißt „Informationsmanagement: Ein Vorschlag“.

 

Siehe auch unter dem Stichwort
Internet-Portale

 

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