Kindertagesstätten (Kitas, Krippen) in Hamburg

Kita oder Vorschule?
Eltern Fünfjähriger haben in Hamburg die Wahl. Sie können ihr Kind im Jahr vor der Einschulung in der Kita behalten oder in eine Vorschule wechseln lassen. Die Stadt hat die Vorschulangebote weiter ausgebaut. Elimar Sturmhoebel vom Alternativen Wohlfahrtsverband Sozial&Alternativ (SOAL) hält die Vorschulkinder in den großen Gruppen der Ganztagsgrundschulen für überfordert und hält dies für eine Verschlechterung gegenüber der Betreuungsqualität in den Kitas. Die Kita-Träger haben verbindliche Qualitätslinien festgelegt, um den Übergang von der Kita in die erste Klasse zu erleichtern („Kita-Brückenjahr – garantiert gut vorbereitet in die erste Klasse!“). Mathematische und naturwissenschaftliche Grundkenntnisse, Sprachkompetenz sollen vermittelt und die Motorik, die musische und soziale Kompetenz verbessert werden – enger Kooperation mit den Grundschulen.
Es geht dabei auch um die materielle Existenz der Kitas. Für ein Vorschulkind, das acht Stunden betreut wird, bekommt eine Kita im Durchschnitt 697 €.
Ein Pluspunkt ist der bessere Personalschlüssel der Kitas: dort sind zwei PädagogInnen für 23 Kinder zuständig, während in den Vorschulen 19 bis 23 Kinder in der Regel nur von einer Fachkraft betreut werden.
Für die Behörde sind beide Angebote gleichrangig: „Das Vorschulangebot an Kitas und die Vorschulklassen an Schulen sind gleichwertige, aber unterschiedlich geprägte Angebote. Eltern entscheiden, welches der Angebote besser passt“, sagt Behördensprecher Peter Albrecht. Die Vorschulklassen befänden sich am Ort der Schule und seien in ihrer Arbeitsweise der Grundschule ähnlicher. „Der Übergang in die 1. Klasse kann den Kindern daher leichter fallen.“ (Hamburger Abendblatt, 02.12.11, Seite 15)

Eine der positiven Neuerungen im neuen
Kindertagesbetreuungsgesetz (KibeG),
das seit 01.01.2005 gilt, ist die stärkere Einbeziehung der Eltern über den Landeselternausschuss.
Das KibeG schreibt für die Bildung des Landeselternausschusses (LEA) ein formales Verfahren vor: Zunächst müssen die Elternbeiräte in den Kitas eine/n Vertreter/in sowie eine/n Stellvertreter/in für den jeweiligen Bezirkselternausschuss (BEA) bestimmen.
Obwohl das Gesetz die Eltern von Kitas, die weniger als drei Gruppen haben, eigentlich von diesem Verfahren ausschließt, hat die Behörde bereits signalisiert, dass sie dies in das Ermessen der Elternausschüsse stellen möchte.
Die in den Kitas gewählten Vertreter/innen treffen sich dann in den Bezirkselternausschüssen und wählen dort ihre Vertreter/innen für den Landeselternausschuss. Damit ihr euch auch wählen lassen könnt, müsst ihr darauf achten, dass in euren Kitas rechtzeitig vor den Bezirkselternausschüssen Vertreter/innen benannt werden können.
Achtung Elternbeiräte: Fragt bei euren Kita-Leitungen nach, falls noch keine Elternbeiratssitzungen zu diesem Thema angesetzt sind. Ihr habt ein gesetzliches Recht darauf! Zeigt der Behörde durch zahlreiches Erscheinen bei den Bezirkselternausschüssen, dass ihr euer Mitwirkungsrecht auch wirklich wahrnehmt!

Am 20. September 2010 startet der Landeselternausschuss Hamburg (LEA) eine
„Volksinitiative für kostenfreie Kita-Betreuung“.
Die Forderungen: Eine sechsstündige kostenfreie Betreuung vom vollendeten zweiten Lebensjahr an bis zum Schulbeginn und ohne Familieneigenanteil (derzeit ist nur das letzte Kita-Jahr, fünf Stunden, gebührenfrei). Nur die über sechs Stunden hinausgehende Betreuung sollen Eltern bezahlen, und zwar entsprechend dem derzeit gültigen Eigenanteil. Pauschalbeträge wie Essensgeld sollen nicht mehr erhoben werden dürfen. Sie seien sozial ungerecht. Ferner sollen Kitas eine Zusatzzuwendung in Höhe von 25% erhalten, um damit Eltern- und Planungsgespräche zu finanzieren. (Hamburger Abendblatt, 20.09.10, Seite 8)
Im ersten Schritt der Volksgesetzgebung, der Volksinitiative, müssen 10.000 Unterschriften gesammelt werden.
www.lea-hamburg.de/der-lea

Der Verfassungsrechtler Prof. Dr. Ulrich Karpen zweifelt die Rechtmäßigkeit der Initiative an, da es sich bei den Kita-Gebühren um öffentliche Abgaben handelt, und die können gemäß Artikel 50 der Verfassung nicht per Volksinitiative angegriffen werden. Andererseits gilt bei allen öffentlichen Aufgaben und Projekten immer der „Haushaltsvorbehalt“ (etwas, für das kein Geld vorhanden ist, kann auch nicht erzwungen werden).
Der LEA argumentiert, es handele sich nicht um Abgaben, da die Gebühren nicht an die Stadt, sondern an die Kita-Träger abgeführt werden. Karpen meint dagegen, Kitas würden, auch bei privaten Trägern, eine staatliche Aufgabe wahrnehmen. Der erste Schritt, die Volksinitiative, könne rechtlich nicht belangt werden; beim zweiten, dem Volksbegehren, könne jedoch das Verfassungsgericht zu einer Prüfung veranlasst werden. (Hamburger Abendblatt, 21.09.10, Seite 10)

Gabi“ (ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot)
Mindestens drei Tage in der Woche werden Kinder bis 16 Uhr betreut, ein kleiner Teil länger. Bis 13 Uhr sind Lehrer da, von da am übernehmen Betreuer (Erzieherinnen) und Honorarkräfte.
Verlässliche Betreuung an den Schulstandorten
Von 8 bis 16 Uhr ist die Betreuung in der Schulzeit kostenlos, ansonsten werden Pauschalbeträge fällig. In der Zeit von 6 bis 8 Uhr kostet jede Stunde monatlich 20 € (ermäßigt 5 €). In der Zeit von 16 bis 18 Uhr insgesamt 30 € (ermäßigt 10 €). In den Ferienzeiten werden für die Kernzeit 30 € pro Woche fällig. Vor 8 und nach 16 Uhr gilt ein Zuschlag von 7,50 € pro Woche. (Hamburger Abendblatt, 28.09.10, Seite 12)

Hamburger Investitionsprogramm Krippenausbau
Dafür wurden von Bund und Land 52,8 Millionen Euro bereitgestellt, Hamburg trägt davon 5,3 Millionen. Von 2008-2010 wurden 4100 Krippenplätze in Kitas geschaffen, dazu 500 in der Tagespflege. Es wurden Zuwendungen in Höhe von 29 Millionen Euro bewilligt. Für 2011 liegen Anträge für weitere 550 Krippenplätze in Kitas vor. Das damit verbundene Fördervolumen liegt bei 8 Millionen Euro. Vom Gesamtinvestitionsbudget für den Krippenausbau sind damit noch 15,8 Millionen Euro übrig. 14 750 Krippenkinder werden in Kitas oder Kindertagespflege betreut. (Hamburger Abendblatt, 11.02.11, Seite 7)

„Kita 21 – Die Zukunftsgestalter“
93 Kindertageseinrichtungen in Hamburg und in der Metropolregion haben sich zu diesem Auszeichnungsverfahren angemeldet. In den Bildungsprojekten befassen sich die Kinder mit Zukunftsfragen wie „Woher kommt eigentlich der Strom. und wie können wir das Klima schützen?“. (Hamburger Abendblatt, 02.12.11, Seite 15)

Mehr Kinder in Kitas
Etwa 70 000 Kinder in Hamburg besuchen eine Kindertageseinrichtung. Die größte Gruppe sind nach Angaben des Statistikamts Nord mit 39 890 die Drei- bis Sechsjährigen. Dies entspricht einer Quote von 85,1 Prozent. Auch die Zahl der Krippenkinder wächst. Fast jedes dritte Kinder unter drei Jahren wird täglich betreut, insgesamt 16 036 Kleinkinder. Die höchste Besuchsquote hat der Bezirk Eimsbüttel mit fast 40 Prozent, in Harburg sind es dagegen nur knapp 25 Prozent.
Derzeit gibt es 1118 Kitas in der Hansestadt – rechnet man die Pädagogischen Mittagstische mit. 2012 sollen 24 neue Einrichtungen entstehen. 2011 gab es 42 neue Kitas im Gutscheinsystem, 38 davon von nicht staatlichen Trägern. (Hamburger Abendblatt, 20.02.12, Seite 8)

Fakten und Zahlen
In Hamburg sind 2012 16 000 Kinder unter drei Jahren in einer öffentlichen geförderten Tagespflege untergebracht-
Die Betreuungsquote von 32,4% liegt damit über dem Bundesschnitt von 25,4%.
In Niedersachsen (19,1%) und Schleswig-Holstein (21,8%) liegt die Betreuungsquote niedriger.
Spitzenreiter ist Berlin mit einer Betreuungsquote von 41,9%.
Bis zum Jahr 2013 soll bundesweit für jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Betreuungsplatz vorhanden sein.
Im Hamburg sollen Eltern von zweijährigen Kindern bereits in diesem Jahr ab 1. August ein Recht auf Kindertagesbetreuung haben.
Quelle: Statistisches Bundesamt, März 2011

Wichtige Fragen
Viele Kinder haben am Anfang Probleme, sich an den Kindergarten zu gewöhnen. Diese Phase geht allerdings zumeist sehr schnell vorbei, wenn das Kind bereits „kindergartenreif“ ist. Um das herauszufinden, helfen zum einen die so genannten „Schnuppernachmittage“, an denen die Eltern mit ihrem Kind den Kindergarten „ausprobieren“ können. Zum anderen helfen folgende Fragen:
- Kann sich das Kind bereits mit sich selbst beschäftigen?
- Ist das Kind neugierig auf neue Spiele, auf Märchen oder andere kreative Angebote?
- Kann sich das Kind bereits gut verständigen?
- Ist das Kind bereits weitgehend „trocken“ (wobei gewisse Ausrutscher vor allem bei Jungen völlig normal sind) ?
- Gerät das Kind in Panik, wenn es ein paar Stunden getrennt von den Eltern/einem Elternteil verbringt?
Quelle: Hamburger Tagesmütter- und –väter-Verein

Daran erkennt man eine gute Betreuung
Personal: Möglichst zwei Erzieherinnen für maximal 25 Kinder
Räume: Hell, gut zu lüften und leise
Platz: Mindestens 2,5 Quadratmeter pro Kind plus eine Kuschelecke
Garten: Klettergeräte, Schaukeln sowie Sand- und Wasser-Spiele
Freundlichkeit: Persönliche Begrüßung und Verabschiedung der Kinder
Teamgeist: Wie versteht sich das Erzieherinnen-Team?
Kommunikation: Gibt es einen regelmäßigen Stuhlkreis?
Startphase: Gibt es eine Schnupperphase für Kinder und Eltern?
Essen und Trinken: Können die Kinder jederzeit trinken? Gibt es gesunde Snacks? Werden die Mahlzeiten frisch gekocht?
Hygiene: Wie ist der Zustand der Waschräume und Toiletten? Sind sie jederzeit zugänglich? Werden regelmäßig die Zähne geputzt?
Toben: Mindestens ein Drittel des Tagesablaufs sollten die Kinder selbst bestimmen dürfen.
Quellen: http://liga-kind.de, www.bertelsmann-stiftung.de
Quelle für „Fakten und Zahlen“, „Wichtige Fragen“ und „Daran erkennt man eine gute Betreuung“: Hamburger Abendblatt, 21./22.04.12, Seite 10 und 11: „Kinder in der Kita: Je früher, desto schlauer – und was die Eltern dabei beachten sollten“
http://liga-kind.de/aktuelles/dokumentation.php  

 

Adressen

 

Quelle: VEREINIGUNG Hamburger Kindertagesstätten e.V.
www.kitas-hamburg.de/kitas_zur_auswahl/index.php,

Informationen
Paritätischer Wohlfahrtsverband Hamburg, Tel. 41 52 01-51
www.paritaet.org/hamburg
SOAL – alternativer Wohlfahrtsverband, Tel. 43 25 84-0
www.soal.de
Stiftung Kindergärten Finkenau, Tel. 298 30 31
www.kindergaerten-finkenau.de
Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten e.V., Tel. 421 09-0
www.kitas-hamburg.de

Internet
Termine der Elternvertreter www.lea-hamburg.de
Überblick www.hamburg.de/kita-finden

Tagesmutter/Tagesmütter
Tagespflegebörse des zuständigen Bezirksamtes www.hamburg.de/jugendaemter
www.betreut.de
www.kinderbetreuung-suche.de
www.tagesmutter-suche.de
www.tagesmutterzentrale.de

 

Siehe auch die Stichwörter (auf dieser Website)
Bilinguale Kitas
Grundschule
Kita-Gutscheine
SOAL
Vorschule

 

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