Krankenstände bei LehrerInnen, Unterrichtsausfall, Burn-out

 

Im Schuljahr 2008/09 lag die krankheitsbedingte Fehlzeitenquote in Hamburg bei 5,3%, im Schuljahr davor bei 5%.
Den höchsten Krankenstand hatten 2008/09 die Sonderschulen mit 7%, gefolgt von GHR-Schulen mit 5,6%. Nicht überraschend: Am niedrigsten lag die Fehlquote an den Gymnasien mit 4,3%. Die Lehrkräfte waren im Schnitt seltener krank als die anderen öffentlich Beschäftigten, deren Quote bei 7,1% (2008 6,9) lag. (Hamburger Abendblatt, 25.01.11, Seite 9)


„...
Dabei kam heraus, dass es nicht der überdurchschnittliche Krankenstand der Lehrerschaft war, der den Ausfall bedingt, sondern - wie schließlich von Fachleuten festgestellt wurde - nicht besser lösbare organisatorische Probleme bei der allerorts zu knapp kalkulierten Lehrerkapazität. Und ein Teil dieses knappen Kontingents von Lehrerstunden wird auch noch für andere Aufgaben als das Unterrichten zweckentfremdet, wie z.B. für die Finanzierung von Lehrerfortbildung und Schulentwicklung. Gegen Mauern gelaufen sind wir bis heute mit der Forderung, dass bei geplanter Fremdnutzung, kalkulierbarem Organisationsdefizit und natürlichem Krankenstand mindestens 105% der nach den Stundentafeln festgelegten Lehrerstunden einschließlich Förder- und Teilungsstunden finanziert werden müssen. Im krassen Gegensatz zu dieser Forderung mutet die Schulbehörde den Schulen zu, ihren Unterricht mit 96% der eigentlich erforderlichen Lehrerstunden zu planen, um dann - wenn es gut geht - mit 98 oder maximal 99 % ausgestattet zu werden. So ist bereits planerisch ein Unterrichtsausfall von über 5 % festgelegt.“ (Peter Riedel, ehem. Vorsitzender der Hamburger Elternkammer, Kurzinfo 10/2000 der Elternkammer Hamburg). Siehe auch Lehrermangel, Rotstiftpolitik
„Der Unterrichtsausfall ist auch meine größte Sorge.“ Doch es gebe noch Reservepotentiale, wie die Arbeitszeitkommission herausgefunden habe. (Hamburgs ehemaliger Bildungssenator Rudolf Lange auf dem Schulforum am 28.1.03)

"Man könne nicht einerseits kostenlose Bildung für alle fordern und auf der anderen Seite teure vom Staat bezahlte Unterrichtsstunden ausfallen lassen." (der schulpolitische Sprecher der CDU in Hamburg Robert Heinemann, Hamburger Abendblatt, 17.6.05, Seite 11) Will das jemand?

 

Lehrerinnen und Lehrer erleben offenbar "Führungsmängel" als größte Belastung. Was belastet, was wird als belastend erlebt? Was macht den Lehrerberuf zum Stressberuf?
Einem bei RUDOW (1994) veröffentlichten Befragungsergebnis werden folgende Merkmale oder Begleitumstände der Lehrertätigkeit als belastend erlebt:

Rang-
platz

Tätigkeitsmerkmale

Häufig-
keit

01

Unzufriedenheit mit Führungsstil der Schulleitung bzw. akute Konflikte mit der Leitung

78,3 %

02

eingeschränkter Entscheidungs- und Handlungsspielraum

75,0 %

03,5

zeitweise Überforderung durch Häufung von Anforderungen in best. Zeitabschnitten des Schuljahres

70,0 %

03,5

keine Identifikation mit einzelnen Anforderungen im außerunterrichtlichen Bereich

70 %

05,5

Fehlende bzw. unzureichende soziale Hilfe

66,6 %

07

Überforderung durch langandauernde psychomentale Belastung

63,3 %

08

Angreifbarkeit und Rechtfertigungspflicht hinsichtlich getroffener Entscheidungen

56,6 %

09

unzureichende Wertschätzung der eigenen Tätigkeit

50,0 %

10

Selbstwertbedrohung durch Schülerverhalten

48,3 %

11

Verantwortungsdruck

46,6 %

 

Arbeitsunfähigkeitstage je AOK-Mitglied

Gärtner, Gartenarbeiter

30,6

 

 

 

 

Waldarbeiter, Waldnutzer

30,4

 

 

 

 

Hauswirtschaftliche Betreuer

30,2

 

 

 

 

 

Strassenreiniger, Abfallbeseitiger

30,1

 

 

 

 

 

Hilfsarbeiter

29,4

 

 

 

 

 

Straßenbauer

28,7

 

 

 

 

 

 

Maler, Lackierer (Ausbau)

28,6

 

 

 

 

 

 

Maurer

28,6

 

 

 

 

 

 

Soldaten, Grenzschutz, Polizei

28,2

 

 

 

 

 

 

 

Köche

27,5

 

 

 

 

 

 

 

 

Durchschnitt der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung

22,6

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heimleiter, Sozialpädagogen

12,9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leitende Verwaltungsfachleute

12,9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Real-, Volks-, Sonderschullehrer

12,7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Datenverarbeitugsfachleute

12,3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fachschul-, Berufsschul-, Werklehrer

10,1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gymnasiallehrer

8,2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Facharbeiter/innen

7,9

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lehrer für musische Fächer

5,8

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hochschullehrer, Dozenten

4,7

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sonstige Arbeitskräfte

2,2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01

02

03

04

05

06

07

08

09

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

 

In den Schulen unseres Landes besteht in dieser Sache offensichtlich erheblicher Handlungsbedarf. Dafür sprechen auch das seit Jahren sinkende Frühberentungsalter bei Lehrern und die überhäufig auftretenden psychischen bzw. psychosomatischen Schäden als Ursachen krankheitsbedingter Frühberentung.

Vorzeitige Pensionierung wegen Dienstunfähigkeit in Niedersachsen 1996

 

1996 wurden in Niedersachsenpensioniert:

davon vorzeitigwegenDienstunfähigkeit

Lehrkräfte

1200

677

56,5 %

übrige Landesbeamte

979

261

26,7 %

Diese Differenz ist aufzuklären und durch wirksame Maßnahmen zu bekämpfen

Anteile der psychischen und physischen Leiden vorzeitig pensionierter Lehrkräfte in vier Bundesländern

Kategorien

Bayern
N = 311

Hamburg
N = 126

Baden-Württemberg*)
N = 562

Niedersachsen
N = 365

Psychische, psychosomatische Erkrankungen

51,2

39,7

44,0

53,2

Organische Erkrankungen

36,7

47,5

39,0

41,6

Unbekannte, sonstige Krankheitsbilder

12,2

12,8

17,0

5,2
("nur" Alkohol)

*) Anmerkung: Die Kategorie "Sowohl organische als auch psychische Leiden" mit 9,5 % wurde nicht mit eingerechnet

Wenn man bedenkt, was die Ausbildung eines Lehrers den Steuerzahler kostet, und wenn man sieht, dass immer weniger Lehrer ihre Lebensarbeitszeit voll ausschöpfen können, weil sie krankheitsbedingt vorzeitig aus dem Schuldienst ausscheiden, dann erzwingt auch dieses Kostenargument erhöhte Aufmerksamkeit.

Quelle: http://www.learn-line.nrw.de/angebote/gesundids/medio/service/hin1/betr.html

Angesichts der Tatsache, dass bei der Lehrerarbeitszeit in der Vergangenheit immer nur draufgesattelt wurde, dann erzwingt das obige Argument an erster Stelle Maßnahmen zu Verbesserung der personellen Ausstattung der Schulen. Wer nicht investiert, verspielt dauerhaft die Chancen der Zukunft der Kinder und der Gesellschaft.

Siehe
Burnout
Unterrichtsausfall

Zurück zur vorigen Seite