LAU 9 - Lernausgangslangenuntersuchung

LAU 9 - Ergebnisse liegen vor

Aspekte der Lernausgangslage und der Lernentwicklung von Schülerinnen und Schülern an Hamburger Schulen

1996 wurde an Hamburger Schulen eine empirische Untersuchung mit dem Ziel eingeleitet, Erkenntnisse über die Lernentwicklung in der Sekundarstufe I zu gewinnen (siehe Lau 5 und 7). Jetzt - unmittelbar nach der Veröffentlichung der PISA-Studie - liegt die Auswertung des dritten Durchgangs (LAU Jahrgang 9) vor. Die Ergebnisse sind "durchwachsen"; aber die Schülerinnen und Schüler in den integrierten Systemen haben dabei in den Tests sehr gut abgeschnitten.

Lernen in heterogenen Gruppen ist effizienter

Um das entscheidende Ergebnis vorweg zu stellen: Die Strukturdebatte lässt sich nach diesem empirischen Durchlauf nicht mehr vermeiden. Zu deutlich wurden die Probleme der Auslese - Klassenwiederholung und Abschulung - in der Langzeituntersuchung. Die Wissenschaftler formulieren es so:

Als Fazit ergibt sich, dass Lernmilieus - seien dies Schulformen oder Kursniveaus -, die durch die Anwesenheit leistungsstarker Schülerinnen und Schüler geprägt sind, in der Regel für alle dort Lernenden leistungsmäßig Vorteile bieten. Gleichzeitig ist gerade in positiv ausgelesenen Lerngruppen zu beobachten, dass besonders leistungsstarke Schülerinnen und Schüler offenbar nicht ihrem Potenzial entsprechende Lernfortschritte erzielen.

Im Einzelnen: Getestet wurden die Schülerinnen und Schüler aller staatlichen allgemeinbildenden Hamburger Schulen in

Die Ergebnisse in

Mathematik
  1. In Mathematik liegt ein hoher Prozentsatz der Schülerinnen und Schüler der Realschulen, der Realschulkurse der IHR-Schulen und der Kurse I an den Gesamtschulen im sog. typisch gymnasialen Bereich.
  2. In den Gesamtschulen der Kurse I liegen die Leistungen in Mathematik zu 18,5 Prozent über dem gymnasialen Durchschnitt.
  3. Die Testleistungen entsprechen insgesamt einer Normalverteilung. Nur wenige Schüler haben extrem schwache bzw. sehr hohe Leistungen. Damit liegt das Ergebnis offenbar quer zu dem Deutschlands in der Pisa-Studie.
  4. Am Ende der 8. Klasse gibt es in den Mathematik-Leistungen eine auffällige Homogenität innerhalb der Schulformen aber auch innerhalb des Gesamtsystems.
Leseverständnis
  1. Die Ergebnisse zum Leseverständnis waren insgesamt über alle Schulformen erfreulich.
  2. 73,6 Prozent der Gesamtschüler der Kurse I lagen mit ihren Leistungen im sog. typisch gymnasialen Bereich, 22,6 lagen oberhalb des Durchschnitts des gymnasialen Bereichs.
  3. Die getesteten Gymnasialschüler erreichten mit 68 Prozent oberhalb des gymnasialen Durchschnitts (Standardwert 50 Prozent) ebenfalls ein präsentables Ergebnis.
Sprachverständnis
  1. Die Schulformüberschneidungen in Deutsch (Sprache, Sprachverständnis) sind insgesamt deutlich geringer ausgeprägt als in Mathematik und im Leseverständnis.
  2. Immerhin erreichten 12,1 Prozent der Gesamtschüler Kurs I Leistungen oberhalb des gymnasialen Leistungsdurchschnitts.
Rechtschreiben
  1. Die Schulformüberschneidungen in Deutsch (Rechtschreibwissen) sind ebenfalls deutlich geringer ausgeprägt als in Mathematik und im Leseverständnis.
Textproduktion
  1. Bei diesem Test lagen die Gesamtschüler der Kurse I mit dem Mittelwert von 54,6 vor dem der Gymnasialschüler (53,1).
  2. Das Testergebnis in der Textproduktion brachte 60 Prozent der Schüler der Kurse I der Gesamtschule auf das Niveau oberhalb des gymnasialen Leistungsdurchschnitts.
Englisch
  1. Der Leistungsstand der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten weist im Englisch-Test den größten Abstand zu den anderen Schulformen auf.
  2. Im Englisch-Test erreichten nur 52,6 Prozent der Gesamtschüler das so genannte gymnasiale Leistungsniveau; aus den Kursen II schafften es nur 6 Prozent.
Zusammenfassung
  1. Die Überschneidungen zwischen den Schulformen sind groß. Sehr viele Schülerinnen und Schüler nicht nur aus den Gesamtschulen, sondern auch aus Realschulen und integrierten Haupt- und Realschulen zeigen Leistungen, die den Anforderungen auf "gymnasialem Niveau" entsprechen (siehe Ziffer 4.7).
  2. Durchlässigkeit ist im Grundsatz gegeben; in der Praxis erfolgt sie allerdings zwischen Gymnasium, Realschule und Hauptschule weitestgehend von oben nach unten.
  3. Es findet eine Homogenisierung der Leistungen, ein Trend "zur Mitte" statt. Dies gilt besonders für die Gymnasien.
  4. Bei der Bewertung der Lernentwicklung seit dem Jahrgang 5 schnitten Hauptschulen und Gesamtschulkurse II besonders gut ab. Der mit Abstand geringste Lernzuwachs zeigte sich in den Gymnasien (siehe Kurzfassung, Überblick).
  5. Die Untersuchung hat die Bildungsbarrieren auf Grund der sozialen Herkunft der Eltern einmal mehr bestätigt.
  6. Das Leistungsbild von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund ist ungünstiger als das ihrer deutschen Mitschüler.
  7. Mädchen bringen durchschnittlich nach wie vor relativ bessere Leistungen in Deutsch und Englisch als Jungen. In Mathematik liegen die Jungen mit ihren Leistungen durchschnittlich vorn.

 

 

Quelle: http://www.spd-bildungsserver.de/forschung/lau_9.htm

 

 

Ende März bis Mitte April 2005, Hamburg: LAU 13: Wie schon in der 5., 7., 9. und 11. Klasse lösen in diesem Zeitraum die verbliebenen Oberstufen-SchülerInnen (die dann mitten in den Abitursprüfungen stecken) fünf(!!) Stunden lang nicht für sich und ihren Abschluss, sondern für den höheren Zweck der Wissenschaft Aufgaben. Mit der Studie wird die Entwicklung der SchülerInnen in den Bereichen Deutsch, Mathematik und Englisch erfasst. Auch die soziale Herkunft wird in die Forschung einbezogen. Möglich wird ein Vergleich zwischen Gymnasien und Gesamtschulen. Eingebunden ist auch die Untersuchung des Abiturs, das 2005 erstmals in Hamburg zentral geschrieben wird. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 05.02.05)

Ergebnis von LAU 13: Leistungsfähige SchülerInnen sind auch ohne „eine bessere pädagogische Praxis“ am leistungsfähigsten; die Lernfortschritte sind an Gymnasien, Technischen Gymnasien und Gesamtschulen überproportional hoch. (Hamburger Abendblatt, 13.1.06, Seite 11)

Siehe Lernstandserhebungen

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