Lehrermangel; Lehrerinnenmangel

Mol wedder "(nich) noog Schoolmesters" (aus dem plattdeutschen Infoblatt der ARGE)

Klaus Klemm (emeritierter Professor der Universität Duisburg-Essen) kommt in einer Untersuchung zum Ergebnis, dass Hamburg bis 2015 jährlich zwischen 200-300 mehr NachwuchslehrerInnen benötigt, als derzeit ausgebildet werden. Laut Prognose wird die Schülerzahl in Hamburg am wenigsten sinken: bis 2020/21 um 6,5% (zum Vergleich: Schleswig-Holstein minus 20,8%, Niedersachsen minus 16,3%, Mecklenburg-Vorpommern minus 15,9%, Bremen minus 9,4%). Gleichzeitig hat Hamburg zusammen mit Bremen die ältesten Lehrerkollegien, 40% sind älter als 55 Jahre. Ohne Neueinstellungen würde ihre Zahl bis 2015 von 15.999 auf 8801, bis 2020 auf 6396 zurückgehen, das heißt, bis 2020 gehen 60,1% aller LehrerInnen in Hamburg in Pension (wieder zum Vergleich: 43,4% in Mecklenburg-Vorpommern, 46,3% in Schleswig-Holstein). Um den aktuellen Stellenstand zu halten, gibt es nach Prof. Klemm zwei Varianten: Wenn bis 2015 899 LehrerInnen pro Jahr neu eingestellt werden, gebe es zusätzlich noch Spielraum für pädagogische Verbesserungen, bei der "auskömmlichen" Variante (also keine Verbesserungen, sondern durchwursteln wie bisher) müssten jährlich 786 LehrerInnen neu in den Schuldienst aufgenommen werden. Tatsächlich schließen aber nur 670 LehramtsstudentInnen in Hamburg pro Jahr ihr Studium ab. Hamburg wird also nicht umhin können, Lehrkräfte aus anderen (ärmeren) Bundesländern abzuwerben, um den Bedarf zu decken. (Hamburger Abendblatt, 18.6.2009, Seite 14)

Zu Beginn des neuen Schuljahres 2006/2007 will Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig die Zahl der LehrerInnenstellen von bisher 13 268 um 244 auf jetzt 13 512 erhöhen. Die zusätzlichen Kosten in Höhe von 6,5 Mio. Euro werden aus dem laufenden Haushalt bestritten.
Diese Erhöhung ist in erster Linie dem Ganztagsschulprojekt geschuldet. Das heißt, die Stellen fließen in das Kapitel der Gymnasien, es wird dort mehr oder weniger spurlos verschwinden (nicht nur weil ein neuer SchülerInnenjahrgang hinzukommt), ohne dass dies mit einer merklichen Verbesserung der Rahmenbedingungen in dieser Schulform einhergeht. Auch weiterhin gilt: GTS ist zu übersetzen mit "Gymnasium trifft Suppenküche".
Die Stellen-Inventur im Mai 2006 erbrachte laut Schulausschuss der Bürgerschaft dieses Ergebnis: Zum Stichtag 1. August 2005 waren 13 331 Stellen besetzt, obwohl der rechnerische Bestand 13 785 Stellen auswies - das bedeutet 454 Stellen (Wertstellung ca. 25 Mio. €) waren unbeabsichtigt und unbemerkt unbesetzt geblieben. (Hamburger Abendblatt, 13./14.5.2006, Seite 12)

Die Zahl der AbsolventInnen eines Lehramtsstudiums ist von 28 256 im Jahr 1998 auf 22 545 im Jahr 2004 gesunken.
Von derzeit 800 000 LehrerInnen in Deutschland werden gut 300 000 in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen.
Gute Berufsaussichten für LehrerInnen: an Berufs- und Hauptschulen allgemein und an Realschulen und Gymnasien in den Fächern Latein, Mathematik, Musik, Physik und Religion. (siehe aber Lehrerstellen-Statistik weiter unten)
"Die Zahl der Studienanfänger für Lehramtsstudien ist von 1999 bis 2004 ständig gestiegen", sagt Johanna Wanka [Vorsitzende der Kultusministerkonferenz - KMK, Kultusministerin von Brandenburg]. "Fingen 1999 noch 22 500 junge Menschen ein Lehramtsstudium an, waren es 2004 bereits 32 400. Das zeigt, dass unsere Angebote erfolgreich waren." Jetzt gebe es einen Rückgang von sechs Prozent, also eine leichte Verringerung auf hohem Niveau. (Hamburger Abendblatt, 6.10.2005, Seite 2)

"Allein 2005 fehlen laut Deutschem Philologenverband zum Schuljahresbeginn bundesweit etwa 10 000 Lehrer. Gemäß Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) werden von derzeit 750 000 Lehrkräften in den kommenden sieben Jahren 50 Prozent in den Ruhestand gehen. An den Universitäten würden aber etwa nur halb so viele Lehrer ausgebildet, wie die Schulen bräuchten." (Hamburger Abendblatt, 12.9.2005, Seite 4)

Hamburg steuert auf einen dramatischen Lehrermangel zu, sagen zwei Dekane des Fachbereichs Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg im Oktober 2002. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 25.10.02)

Die Zahl derjenigen, die sich für den Hamburger Schuldienst bewerben, sei stark gesunken, steht in der Senatsantwort auf eine Große Anfrage der GAL. Die Fakten: 1998 bewarben sich noch über 5.000 LehrerInnen für den Schuldienst in Hamburg, 2002 waren es gerade mal 1.500. Weil in den kommenden Jahren zwischen 600 und 800 Lehrkräfte pro Jahr in Pension gehen, ist ein dramatischer Lehrermangel absehbar. Darüber hinaus will der Senat 400 Referendarsstellen streichen. Das sei wegen der Verkürzung des Referendariats um ein halbes Jahr möglich. Dadurch könnten auf weniger Stellen genauso viele LehrerInnen ausgebildet werden. Genaue Zahlen will die Bildungsbehörde im Januar 2003 mitteilen: eine aktualisierte Prognose der Schülerzahlen und den daraus resultierenden Lehrerbedarf. "Die Zahl der Bewerber für den Schuldienst ist nach unserer Ansicht immer noch ausreichend", sagt BBS-Sprecher Kai-Olof Tiburtius. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 2.1.03, 3.1.03)

Die ehrgeizigen schulpolitischen Pläne bis 2005 sollen mit einem Plus von insgesamt 150 Lehrerstellen, tatsächlich aber einem Minus von 45 LehrerInnen umgesetzt werden (Staatsrat Behrens am 17.5.02).
2002 wird der Lehrerstellenbestand in Hamburg von 14.057 auf 13.974 reduziert, bis 2005 bis auf 13.900. Erst danach soll er wieder ansteigen. Wegen des Anstiegs der Schülerzahlen um 6.000 (=460 Stellen mehr), der Schulzeitverkürzung (=344 Stellen), der dritten Sportstunde (=170 Stellen) kommt es aber gleichzeitig zu einem Mehrbedarf von rund 1.000 Stellen. (Zahlen aus dem Artikel von Ilona Wilhelm "Chaos hat Methode", hlz 10/02, Seite 10)

"Nach Ansicht des Dekans Prof. Meinert Meyer müsste die Kapazität des Fachbereichs um knapp ein Drittel erhöht werden. Dies sei auch deshalb nötig, weil in den kommenden 12 Jahren jedes Jahr zwischen 600 und über 900 Lehrer in Hamburg in Pension gehen würden. Dem stünden nur 400 bis 500 Hamburger Absolventen gegenüber. Bildungs- und Wissenschaftsbehörde würden vor dieser absehbaren dramatischen Situation die Augen verschließen." (Alexander Heinz, NDR 90,3, 25.10.2002)

"Das Staatliche Studienseminar (zuständig für die Lehrerausbildung) warnt davor, die Zahl der Ausbildungsplätze für Referendare zu kürzen. Durch die Pensionierungswelle steige der Bedarf an jungen Lehrern in den kommenden Jahren noch weiter an. In einer Resolution appellieren rund 100 Seminarleiter an Bildungssenator Rudolf Lange (61, FDP), die Versorgung der Schulen mit Lehrern nicht durch eine kurzfristige Haushaltssanierung zu gefährden.
Das Studienseminar steht ganz oben auf Langes Kürzungsliste: Der Bildungssenator will hier 4,89 Millionen Euro einsparen. Dazu will er unter anderem bis zum Jahr 2004 die Ausbildungsplätze für Lehrer um rund 34 Prozent kürzen - dann stehen den Referendaren nicht mehr 1220, sondern nur noch 810 Plätze zur Verfügung. Auch die Seminarleiterstellen verringern sich um fast 40 Prozent.
‘Wir werden in ein dickes Lehrerloch laufen, denn in den nächsten Jahren gehen 750 Kollegen in Pension, ohne dass wir genügend Nachwuchskräfte haben‘, warnt Birgit Zeidler. Vor allem in Fächern wie Mathematik oder Physik fehlen dann qualifizierte Pädagogen.
Bleibt Lange bei seinem Plan, stünden im Jahr 2013 979 Pensionierungen nur etwa 500 Absolventen gegenüber. Und aus anderen Bundesländern, so Zeiler, ließen sich kaum neue Lehrer rekrutieren: ‘Die brauchen ihre Lehrer selber.‘ gen" ("Warnung vor Lehrermangel", Hamburger Abendblatt, 22.11.2002, Seite 12)

Stichworte Arbeitsbelastung, Arbeitsverdichtung, Stellenvernichtung, Bildungsabbau:
Geplante Entwicklung der LehrerInnenstellen 2002 – 2008

1.4.2002

1.8.2002

1.8.2003

1.8.2004

1.8.2005

2007

bis 2008

1.8.2009

14.083

13.600

13.700

13.800

13.900

13 553

13.819

13 937  

(aus einem Info der Personalräte Gesamtschulen, im November 2002, Pressemeldungen Mai 2004)

Tabelle mit den IST-Zahlen

 

1.8.2001

1.8.2002

1.8.2003

Bestand
Plus/Minus

1.8.2004

2008

31.12.2008

LehrerInnenstellen

14.083

13.974

13.700

- 383

13.766

13.819

 

Anzahl der Lehrkräfte

16.205

15.906

15.815

- 390

15.500

?

15.486

SchülerInnen

219.829

222.554

223.200

+ 3.371

225.000

228.000 bis
230.000

Dies entspricht einem Mehrbedarf von 431 LehrerInnenstellen.

 

hlz – Zeitschrift der GEW Hamburg 9/03, Seite 11, Pressemeldungen Mai 2004, Hamburger Abendblatt, 9.6.04, Seite 13, Hamburger Abendblatt, 5.8.04, Seite 9

 

2001

2002

2003

2004

2005

2006

LehrerInnenstellen

14.083

13.974

13.700

13.667

13.540

13.111

Kürzungen

 

- 109

- 383

- 416

- 543

- 972

Quelle: http://www.gesamtschule-hamburg.de/News.htm (7.3.06)

 

 

1997

 

2001

 

2007

2008

2009

 

 

 

Anzahl der Vollzeit-Lehrkräfte

15.584

15.567

14.947

 

 

 

 

 

SchülerInnen

230.013

235.994

240.700

224 400

225 400

 

 

 

Quelle: Hamburger Abendblatt, 22.01.08, Seite 12 (Drucksache 18/7829)

 

Die Teilzeitquote (freiwillige Reduzierung der Unterrichtsstundenverpflichtung bei geringerer Entlohnung) bei den Lehrern und Lehrerinnen in Hamburg liegt bei 46,1% (bundesweit 42,1%). In Zahlen: 7152 Lehrkräfte arbeiten Teilzeit, davon 80,2% (!!) Frauen. (Hamburger Abendblatt, 24.09.09, Seite 18)

 

Siehe auch
Rotstift 2002
Rotstift 2004
Rotstift 2006
Arbeitszeit
Klassengröße

Zurück zur vorigen Seite