Lernen

 

lernen sich etwas als Kenntnis, Fähigkeit, Fertigkeit aneignen, etwas geistig erfassen, etwas als geistigen Besitz erwerben („Was du ererbt von deinen Vätern hast,/ Erwirb es, um es zu besitzen“, J. W. Goethe, „Faust“, 1. Teil), und im Gedächtnis bewahren < ahd. lernen (zu einer Vergangenheitsform mit der Bedeutung „ich habe etwas erfahren, ich weiß“, also eigentlich wissend werden) < goth. laisjan lehren < indoeurop. *leis-, Spur, Pfad, Furche

engl. to learn, frz. apprendre, span. aprender (beide eigentlich: „ergreifen“, „erfassen“), ital. imparare, apprendere, lat. discere (der jüngere Seneca: „Homines, dum docent, discunt“, „Non vitae, sed scholae discimus“ – sic!, „Longum iter est per praecepta, breve et efficax per exempla“ - wir lernen am schnellsten durch Beispiele: „Der Weg über die Theorie ist lang, über Beispiele kurz und wirksam“, Igor Strawinsky: „Ich habe im Laufe meines Lebens als Komponist hauptsächlich durch meine Fehler und das Verfolgen falscher Annahmen gelernt und nicht dadurch, dass ich mich inmitten von Quellen der Weisheit und des Wissens befand“)

 

 

Konfuzius:

Was du mir sagst, das vergesse ich.

Was du mir zeigst, daran erinnere ich mich.

Was du mich tun lässt, das begreife ich.

 

(Dies wäre zu ergänzen durch

Was ich anderen erkläre, das verstehe ich, dafür interessiere ich mich, und das erforsche es weiter.)

 

 

„Alles wie gehabt: Die Befürworter des mehrgliedrigen Schulsystems zeigen sich unbelehrbar. Es hat sie nicht beeindruckt, dass bei Pisa die Länder am besten abgeschnitten haben, die konsequent auf gemeinsames Lernen setzen. Ihr Vorurteil, in Deutschland sei erfolgreiches Lernen nur möglich, wenn Kinder »begabungsgerecht« in homogene Gruppen sortiert werden, konnte auch die Grundschulstudie Iglu nicht erschüttern. (…) Warum nicht endlich den deutschen Sonderweg beenden und eine gemeinsame Schule für alle Kinder einrichten – so wie es weltweit üblich ist? Weil damit die heilige Kuh der deutschen Bildungslandschaft angetastet würde: das Gymnasium.
Um dies zu verhindern, propagiert nun der Aktionsrat Bildung ein zweigliedriges Schulsystem. Doch wenn dessen Vorsitzender Dieter Lenzen argumentiert, das Gymnasium sei »schließlich die beliebteste Schulform«, zeugt das von wenig geistiger Anstrengung. Mit derselben Logik ließe sich behaupten, eine Suche nach Alternativen zu fossilen Brennstoffen wäre unnötig, weil die Gasheizung schließlich die beliebteste Heizmethode in Deutschland sei. (…) Von heterogenen Gruppen profitierten dabei nicht nur die schwächeren, sondern auch die leistungsstarken Schüler, sagt Anne Ratzki, Expertin für internationale Bildungssysteme. Sie hat eine einleuchtende Erklärung für dieses auf den ersten Blick verblüffende Phänomen: »Wenn ich etwas gelernt habe und es jemand anderem erklären muss, verstehe ich es noch besser.« “ (Andrea Teupke, aus dem Publik-Forum, online, 2007).

Der ganze Artikel www.ggg-hamburg.de/Inhalt/Endlich-gemeinsam-lernen.html

 

„Bei den Demokratischen Schulen … ist die unverzichtbare Grundlage des Lernens der Kinder deren Selbstbestimmung. Das ist in denjenigen Ländern möglich, wo sich Schulen auf das Bildungsrecht des Individuums berufen können. Das gibt es in Deutschland nicht, weshalb die vier hierzulande beantragten Demokratischen Schulen bisher von den Kultusministerien abgelehnt wurden. (…allzu viele) Menschen haben einen so großen Teil ihrer Schulzeit in dem Kampf zugebracht, sich Wissen anzueignen, das sie nicht interessiert, und Fertigkeiten zu entwickeln, die für sie nicht von Bedeutung sind, dass sie häufig jegliches Vertrauen in den Wert ihrer eigenen wahren Interessen und Talente verloren haben. (…) Menschen, die eine demokratische Bildung genossen haben, sind oft sehr anders. Sie kennen ihre Talente und Interessen gut und wollen sie in positiver Weise nutzen. Die Werte an diesen Schulen sind Rücksicht, Begeisterungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, Toleranz, Kooperationsfähigkeit und Entschlossenheit. Diese Schulen wollen keine Konformisten hervorbringen, sondern Menschen, die ihre eigene Eigenschaften und Prinzipien gut entwickelt haben, die sich um andere kümmern, weil man sich um sie gekümmert hat. (David Gribble „Demokratisch lernen“, Quelle: Kurskontakte Nr. 139, www.bvnl.de/aktuell.html )

David Gribble ist Mitbegründer der Sands School, nach Summerhill die zweite Demokratische Schule in England. Er lebt in South Devon, England, zwischen Dartmoor und dem Meer.

Dazu Literatur

Gribble, David: Auf der Seite der Kinder. Welche Reform braucht die Schule?, Beltz-Verlag, 1991.

Gribble, David: Schule im Aufbruch, Arbor-Verlag, 2001.

 

 

„Wir haben es in der Schule mit drei schulischen Gruppen zu tun, die unterschiedliche, sich dabei ergänzende Rollen haben, die miteinander umgehen, kommunizieren sollen, idealer­weise auf gleicher Ebene, nicht vom Wissen oder Befugnissen ausgehend, sondern als Per­sönlichkeiten mit unterschiedlichen Hintergründen; eben demokratisch. Jede dieser drei Gruppen hat etwas beizutragen: Die LehrerInnen als ‚Professionelle’, d.h. als diejenigen, die damit ihre Brötchen verdienen, die sich Inhalte wissenschaftlich angeeignet haben und Me­thoden gelernt haben, diese Inhalte in bestimmter Weise (pädagogisch) rüberzubringen; die SchülerInnen, sowohl als ExpertInnen für Schule als auch als ExpertInnen für ihr eigenes Lernen, die idealerweise wissen, was für sie von Belang ist; und eben nicht zuletzt die Eltern, die biographisch (wie die LehrerInnen) Erfahrungen mit Schule haben und die ExpertInnen für die praktischen Angelegenheiten des Lebens sind: als Berufstätige, als Ehrenamtliche, als Arbeitslose, als so genannte Nichtberufstätige, als Alleinerziehende, als sich Weiterbildende, usw. kurz als außerschulische ExpertInnen, die keine einseitigen Interessen vertreten, sondern vielfältige, uneinheitliche, lebensechte. (…)

Projektlernen ist eben deshalb gesamtschulspezifisch, weil in der Gesamtschule, so fordert es die ARGE, ein gegenseitiger Austausch zwischen Beteiligten stattfinden soll: zwischen Leh­rerInnen/SchülerInnen/Eltern, zwischen Gesamtschulen, also auch auf verschiedenen Ebenen zwischen Lehrkräften und Lehrkräften, zwischen Schü­lerInnen und SchülerInnen, zwischen Eltern und Eltern, zwischen Lehrkräften und Eltern usw. (…)

Bewertungen:

1.      Äußere Differenzierung ist Unfug, weil das Postulat, es gebe homogene Gruppen, letzten Endes eine Illusion ist.

2.      Wenn wir fortschrittliche erfolgreiche Schulversuche, die es bereits gibt (von der übri­gens die Öffentlichkeit weitgehend kaum Notiz nimmt), wenn wir von solchen Schulen lernen wollen, muss projektorientiertes Lernen ein fester Bestandteil nicht nur der Wo­chen, sondern der Jahresplans der Schule sein, und das heißt, Projektlernen muss ein fes­ter Bestandteil im täglichen Lernen sein, einen festen Platz im Stundenplan haben (der dann allerdings aufhört, Stunden zu planen). (…)

Effektives Lernen besteht darin, dass im Prozess ein meinetwegen sogar messbarer Lernzu­wachs für den Lernenden entsteht, und nicht darin, dass etwa eine Aufgabe aufgeht. Wenn dieser Lernzuwachs aber tatsächlich gemessen werden soll, müssen wir uns erst einmal über Instrumentarien verständigen. (Ich verweise auf vergangene und zukünftige Veranstaltungen dieser Veranstaltungsreihe.)

Effektivität, Motivation und die Aussage ‚Hier macht das Lernen Spaß’ gehören zusammen. Dieser Lernspaßfaktor gilt für alle: Lehrkräfte, SchülerInnen und Eltern. (…)

Viele Gesamtschulen haben sich auf den Weg gemacht, sich als Stadtteilschulen zu öffnen, sich so besser darzustellen, ihre Attraktivität deutlich zu machen, sich zu präsentieren. Den Stadtteil in die Schule zu holen, wie soll das anders vonstatten gehen als über projektorien­tiertes Lernen. Und schließlich: Projektlernen sorgt dafür, dass der herkömmliche Leistungs­begriff (ergebnisorientiert oder handlungsorientiert, individuelle und Gruppenleistung, wie messe ich, welches Gesellschaftsbild liegt meiner Messerei zugrunde), das gegliederte Ab­schlusssystem (worum soll es gehen, was wollen wir: Tauschwertabschlüsse oder mündige, sich kritisch, auch selbstkritisch verhaltende Staatsbürger in einer demokratischen und soli­darischen Gemeinschaft, Chancengleichheit und –gerechtigkeit einfordernde Menschen auch jenseits schulischer Veranstaltungen); dass der herkömmliche Leistungsbegriff und das ge­gliederte Abschlusssystem also einer berechtigten Kritik unterzogen werden. (Veranstaltungsreihe der GEW, GGG, ARGE und Elternverein Hamburg e.V. „Schulent­wicklung an Gesamtschulen- Projektlernen“, Auszüge aus dem Beitrag von Klaus-Peter Schiebener für die ARGE-Konzeptgruppe, 23.03.2000)

 

 

Stichwörter
das Lernen lernen
demokratisches Lernen
dialogisches Lernen (http://de.wikipedia.org/wiki/Dialogisches_Lernen)
Sokratisches Gespräch (Mäeutik)
forschendes Lernen
gemeinsames Lernen
globales Lernen (Werkstatt 3: Info per E-Mail info(at)openschool21.de)
individualisiertes Lernen
individuelles Lernen
intergenerationelles Lernen
kooperatives Lernen
kulturelles Lernen
längeres gemeinsames Lernen
lebenslanges Lernen
Lernen in heterogenen Gruppen
natürliches Lernen
selbstbestimmtes Lernen
selbstreguliertes Lernen *
selbstständiges Lernen
soziales Lernen
vernetztes Lernen

 

 

*Selbstreguliertes Lernen

 

Traditionell wird nach dem diesem Muster gelernt: Input – Speicherung/Verarbeitung – Output.

Ähnlich wie bei der Schulentwicklung und Schulprogrammentwicklung wird dagegen beim selbstregulierten Lernen
ein Zyklus durchlaufen:

-          Einschätzung des eigenen Lernstandes und des eigenen Lernens (Bestandsaufnahme, Bilanzierung)

-          Selbstständiges Setzen von Lernzielen (Entwicklungsschritt)

-          Auswahl geeigneter Lernstrategien zur Erreichung dieser Lernziele

-          Beherrschung der Lernstrategien

-          Überwachung des eigenen Lernprozesses (begleitende Evaluation)

-          Selbstständige Korrektur ineffektiver Lernprozesse  (Evaluation)

-          Abschätzung des Lernertrags (Evaluation)

 

Bei diesen Teilkompetenzen handelt es sich um die einzelnen Schritte eines Lernzyklus’. Mit der Abschätzung des Lernertrages schließt sich ein Zyklus selbstregulierten Lernens – und ein weiterer Zyklus kann durchlaufen werden. Dieser beginnt wieder damit, dass die Lernenden erneut ihren Lernstand einschätzen und ein weiteres Ziel ins Auge fassen.

 

Jedes Durchschreiten des Lernzyklus’ dient somit nicht nur dem Erreichen des Lernziels, sondern verbessert gleichzeitig auch die Lernkompetenz.

 

 

Literatur:

Albert Ziegler, Heidrun Stöger: „Trainingshandbuch selbstreguliertes Lernen I.“, Lernökologische Strategien für Schüler der vierten Jahrgangsstufe zur Verbesserung mathematischer Kompetenzen,

Pabst, ISBN 978-3-89967-234-3

Heidrun Stöger, Albert Ziegler: „Trainingshandbuch selbstreguliertes Lernen II.“, Grundlegende Textverständnisstrategien für Schüler der 4. bis 8. Jahrgangsstufe

Pabst, ISBN 978-3-89967-499-6

 

Quelle: hlz 6-7/09, Seite 30

 

 

Internet

Die Neue Lernkultur“: „Alle leistungsstarken und leistungsschwachen Schülerinnen
und Schüler in einer Klasse – das geht!!!www.lernen-hh.de

 

 

Zitat

Also lautet der Beschluss,

Dass der Mensch was lernen muss.

Nicht allein das Abc

Bringt den Menschen in die Höh’;

Nicht allein in Schreiben, Lesen

Übt sich ein vernünftig Wesen;

Nicht allein in Rechnungssachen

Soll der Mensch sich Mühe machen,

Sondern auch der Weisheit Lehren

Muss man mit Vergnügen hören.

Dass dies mit Verstand geschah,

War Herr Lehrer Lämpel da.

(Wilhelm Busch, „Max und Moritz“, Vierter Streich)

 

 

 

Siehe auch

Eine Schule für Alle

Gesamtschule

Leistung

Messen

Stadtteilschule

 

 

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