PISA 2003 (fast nur Statistik)

 
Statistik = Fakten oder Daten numerischer Art werden zusammengeführt, klassifiziert, kategorisiert, tabellarisch angeordnet, analysiert, durch Diagramme illustriert, um so signifikante Informationen bzw. Grundlagen für eine Diagnose zu einem vorgegebenen Gegenstand oder einem Thema zu liefern; wissenschaftliche Methode und Lehre der zahlenmäßigen Erfassung und Untersuchung von Massenphänomenen; „auf Massenbeobachtung beruhende Klärung gesellschaftlicher und staatlicher Erscheinungen“; „Staatswissenschaft“
neulat. statisticus staatswissenschaftlich < lat. status Stand, Stellung, Verfassung, Beschaffenheit, Zustand, Verhältnisse, Rang in der Gesellschaft < stare stehen (ebenso: Staat, Statue, Stativ, Station)

 

·               Vorbemerkung: PISA-Ländervergleich: Hamburger CDU gesteht indirekt das Scheitern des gegliederten Schulsystems ein: Sie will die Hauptschule abschaffen und bei der Gelegenheit das integrierte Schulsystem Gesamtschule gleich mit. Schulsenatorin Dinges-Dierig (CDU): „Eine Zweigliedrigkeit, wie etwa in Sachsen, wäre vorstellbar.“ Der (angeblich) hohe Leistungsstand in Bayern wird erkauft durch das ungerechteste System in Deutschland (Chancenungleichheitsfaktor 6,7). Chancengleichheit ist am größten in Brandenburg (ländlich, Faktor 2,4, niedriger Migrantenanteil 6,0). Hamburg (urban, hoher Migrantenanteil, mit Gesamtschulen) liegt im Mittelfeld (3,6). Nordrhein-Westfalen (Flächenland, dicht besiedelt, hoher Migrantenanteil, mit Gesamtschulen) schneidet etwas schlechter ab (4,4). Fazit: Ein niedriger Migrantenanteil kann sich günstig auf Chancengleichheit auswirken, Gesamtschulen können soziale Ungleichgewichte ausgleichen. (Hamburger Abendblatt, 4.11.05, Seite 1 und 2)

·               Vorbemerkung: PISA-Ergebnisse nichts wert? „Die bereits bei PISA 200 von den Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm, Essen, geäußerten Zweifel haben durch eine Dissertation an der FU Berlin neue Nahrung erhalten. Klemm hatte darauf hingewiesen, dass nahezu 15 Prozent der 15-Jährigen, die in Bayern berufliche Schulen besuchen, nicht durch zwei oder drei berufliche Schulen in der Stichprobe angemessen repräsentiert sein können. Bei ähnlichen Schüleranteilen sind im Falle integrierter Gesamtschulen 25 Schulen in die Stichproben aufgenommen worden, um Verzerrungen zu vermeiden. Zudem hält sich hartnäckig das Gerücht, nach dem in der bayerischen Stichprobe nur Hauptschulen aus ländlichen Regionen beteiligt seien. Schließlich ist in Bayern nachweislich (siehe Homepage des Kultusministeriums) die Beteiligung an den PISA-Tests freiwillig. … (Ein Indiz ist auch die IGLU-Studie:) Am Ende des vierten Schuljahres liegt Bayern teilweise weit hinter Baden-Württemberg. In Mathematik sind es immerhin 18 Punkte, umgerechnet ungefähr ein halbes Schuljahr. Dass sich dann in den Schuljahren fünf bis neun die Verhältnisse zugunsten Bayern dramatisch verbessern, kann eigentlich nur drei Gründe haben: geniales pädagogisches Personal, ein geniales Schulsystem – oder eben eine genial verzerrte Stichprobe.“ (Marianne Demmer, E&W 11/2005, Seite 18) Andreas Schleicher, PISA-Koordinator der OECD: Die deutschen Stichprobengrößen seien zu klein, um repräsentativ zu sein. (Interview, E&W 11/2005, Seite 19)

·               Vorbemerkung: „‚Die Schulformen in Deutschland sind mit Ausnahme der Gymnasien so unterschiedlich strukturiert, dass ein seriöser Vergleich nicht möglich ist,’ sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. In manchen Bundesländern wie Sachsen gebe es keine Haupt- und Realschulen mehr. In anderen faktisch keine Gesamtschulen - etwa in Bayern und Baden-Württemberg. Zudem variieren die Schüleranteile an Hauptschulen zwischen knapp 40 Prozent eines Jahrgangs in Bayern und zehn Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. ‚Schulformbezogene Mittelwerte ... sagen weder etwas über die pädagogischen Anstrengungen der einzelnen Schule noch über die Leistung einzelner Schüler aus’, betonte Demmer. Sie zeigten lediglich, wie hoch der Schüleranteil in den Schulformen ist bzw. welchen Anteil schwache Schüler ausmachen. Die Veröffentlichung der Daten führe dazu, Schülerinnen und Schüler zu etikettieren - unabhängig davon, welche Leistung sie tatsächlich und individuell erbringen.“ (Erziehung & Wissenschaft 10/2005, Seite 4)

·               Buch: PISA-Konsortium Deutschland (Hrsg): PISA 2003. Der zweite Vergleich der Länder in Deutschland - Was wissen und können Jugendliche? Münster: Waxmann-Verlag, ISBN: 3-8309-1560-8, ca. 400 Seiten, Preis: 19,90 €.

·               Internet: http://pisa.ipn.uni-kiel.de
http://pisa.ipn.uni-kiel.de/PISA2003_E_Zusammenfassung.pdf

 

 

 

 

 

 

Bundesland

Chancenungleichheitsfaktor*

Migrant/innenanteil

Anteil der integrierten Gesamtschulen im Schulwesen

 

Baden-Württemberg

4,4

31,6%

knA**

 

Bayern

6,7

20,5%

knA**

 

Berlin

2,7

26,1%

27,3%

 

Brandenburg

2,4

6,0%

50,1%

 

Bremen

2,8

35,8%

15,5%

 

Hamburg

3,6

34,6%

25,4%

 

Hessen

2,7

30,4%

16,6%

 

Mecklenburg-Vorpommern

3,5

4,7%

Regionale Schulen: 53,2%

 

Niedersachsen

2,6

24,1%

knA**

 

Nordrhein-Westfalen

4,4

29,6%

24,7%

 

Rheinland-Pfalz

4,6

23,4%

Regionale Schulen/duale Oberschulen: 12,8%

 

Saarland

3,5

19,9%

13,5%

 

Sachsen

2,8

5,9%

15-jährige Mittelschulen: 61,3%

 

Sachsen-Anhalt

6,2

4,4%

Sekundarschulen: 60,9%

 

Schleswig-Holstein

2,9

17,3%

6,5%

 

Thüringen

3,2

3,6%

15-jährige Regelschulen: 57,6%

 

Deutschland

4,0

22,2%

 

 

 

*Ein/e 15 Jahre alte/r Schüler/in aus der Oberschicht hat eine so viel höhere Chance, ein Gymnasium zu besuchen, als ein/e gleichaltrige/r Schüler/in aus einer Facharbeiter/innen/familie.

 

**kein nennenswerter Anteil

 

 

 

 

 

PISA Deutschland (Kurzfassung)
Ergebnisse der 15 Jahre alten Schüler und Schülerinnen in Punkten

 

Mathematik

 

Lesen

 

Naturwissenschaften

 

Problemlösen

 

 

Baden-Württemberg

512

 

Baden-Württemberg

507

 

Baden-Württemberg

513

 

Baden-Württemberg

521

 

 

Bayern

533

 

Bayern

518

 

Bayern

530

 

Bayern

534

 

 

Berlin

488

 

Berlin

481

 

Berlin

493

 

Berlin

507

 

 

Brandenburg

492

 

Brandenburg

478

 

Brandenburg

486

 

Brandenburg

504

 

 

Bremen

471

 

Bremen

467

 

Bremen

477

 

Bremen

491

 

 

Hamburg

481

 

Hamburg

478

 

Hamburg

487

 

Hamburg

505

 

 

Hessen

497

 

Hessen

484

 

Hessen

489

 

Hessen

507

 

 

Mecklenburg-Vorpommern

493

 

Mecklenburg-Vorpommern

473

 

Mecklenburg-Vorpommern

491

 

Mecklenburg-Vorpommern

502

 

 

Niedersachsen

494

 

Niedersachsen

481

 

Niedersachsen

498

 

Niedersachsen

506

 

 

Nordrhein-Westfalen

486

 

Nordrhein-Westfalen

480

 

Nordrhein-Westfalen

489

 

Nordrhein-Westfalen

500

 

 

Rheinland-Pfalz

493

 

Rheinland-Pfalz

485

 

Rheinland-Pfalz

497

 

Rheinland-Pfalz

508

 

 

Saarland

498

 

Saarland

485

 

Saarland

504

 

Saarland

500

 

 

Sachsen

523

 

Sachsen

504

 

Sachsen

522

 

Sachsen

527

 

 

Sachsen-Anhalt

502

 

Sachsen-Anhalt

482

 

Sachsen-Anhalt

503

 

Sachsen-Anhalt

501

 

 

Schleswig-Holstein

497

 

Schleswig-Holstein

488

 

Schleswig-Holstein

497

 

Schleswig-Holstein

509

 

 

Thüringen

510

 

Thüringen

494

 

Thüringen

508

 

Thüringen

511

 

 

Deutschland

503

 

Deutschland

491

 

Deutschland

502

 

Deutschland

513

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass die arithmetischen Mittel der angegebenen Zahlen nicht 503, 491, 502 und 513, sondern 498, 487, 499 und 508 betragen, darf nicht verwundern. Möglicherweise hat es mit der Gewichtung der Bevölkerungsanteile zu tun. Oder auch nicht.
Quelle: PISA-Bericht 2003 (siehe Link oben), Hamburger Abendblatt, 4.11.05, Seite 2

 

 

Mark Twain: “There are three kinds of lies – lies, damned lies and statistics.” („Es gibt drei Arten von Lügen: Lügen, verdammte Lügen und Statistik.”)

Das Zitat „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“ bzw.  „Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.“, englisch: 'I only trust the statistics I've made up myself.', wird oft, speziell in Deutschland, Winston Churchill zugeschrieben. Er scheint aber nicht der Urheber zu sein. Vielmehr sieht es so aus, als ob ihm dieses Zitat während des zweiten Weltkrieges von NS-Propagandaminister Dr. Joseph Goebbels in den Mund gelegt worden ist.

 

Siehe auch PISA, PISA-Gegenüberstellung, PISA-Testaufgaben, PISA Zahlen Bundesländer, Durchlässigkeit

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