PISA (Programme/Program for International Student Assessment) 

heißt übersetzt etwa "Programm zur Beurteilung von Schülerinnen und Schülern auf internationaler Ebene", Schülervergleichsstudie im Auftrag der OECD, 1998-2006, vergleicht Fähigkeiten und Fertigkeiten im Leseverständnis, in Mathematik und Naturwissenschaften sowie fächerübergreifende Kompetenzen (Cross Curricular Competencies: CCC) bei 15-jährigen SchülerInnen aus allen Schulformen.
Seit 2000 werden alle drei Jahre die Leistungen dieser Schülergruppe in diesen Bereichen untersucht.
Eine andere Übersetzung lautet Programme/Program on Information on School Assessment ("Programm zur Beurteilung von Schulen").
Untersucht werden das Wissen und der soziale Hintergrund der Jugendlichen.
PISA E vergleicht Schulen auf Bundesebene in Deutschland.
32 OECD-Staaten nehmen teil.
Was PISA untersucht: 2000/01 wurde der Bereich Lesekompetenz (reading literacy) unter die Lupe genommen, 2003 folgte Mathematik (mathematical literacy), 2006 wurden Naturwissenschaften (scientific literacy) getestet - letztere unter Federführung des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften der Universität Kiel, 2009 wie 2000 wieder Lesen und Textverständnis.
Die internationalen Ergebnisse von PISA 2006 sind 2007, der innerdeutsche Vergleich der Bundesländer im November 2008 veröffentlicht worden.

Die zentrale Frage: Wird strukturell Ungleiches/Unähnliches oder Gleiches/Ähnliches verglichen? Es wird zunehmend deutlicher, dass PISA Unvergleichbares vergleicht.

Was will PISA?
"Generelle Zielsetzung des Projekts ist es, OECD-Staaten Indikatoren für Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten von 15-jährigen Schülern in den Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften in Zeitreihen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus werden bereichsübergreifende Basiskompetenzen ("cross-curricular competencies") aus den Bereichen fachunabhängiges Problemlösen, Aspekte von Kooperation und Kommunikation, die für methodisches, selbstreguliertes und kooperatives Lernen bzw. Arbeiten notwendig sind sowie zentrale motivationale Kennwerte erfasst. Die Ergebnisse werden unter Berücksichtigung soziodemographischer Merkmale von Schülern und Schulen sowie der Lerngelegenheiten und Instruktionsprozesse in Schulen interpretiert."
"Parallel zur Veröffentlichung der internationalen Ergebnisse soll auch in Deutschland ein erster Kurzbericht erscheinen, der die Resultate aus nationaler Sicht beschreibt und kommentiert. Darin geht es allerdings nur um die deutschen Ergebnisse im Rahmen der internationalen Schulleistungsstudie PISA I ... Die Ergebnisse PISA E, der deutschen Erweiterung zum Zwecke des Bundesländervergleichs, sind erst für Ende 2002/Anfang 2003 angekündigt." (GEW-Zeitschrift "Erziehung und Wissenschaft" 11/2001, Seite 20)

"PISA-E (Erweiterung) auf dem Hintergrund zweier Beschlüsse: 1. Es sollen regelmäßig Vergleichstests zwischen den Ländern durchgeführt werden (wie von Baden-Württemberg und Bayern gefordert, die anderen sollen "auch endlich Leistung bringen"). 2. Dies soll durch PISA geschehen. Es gab einmal Lebenscurricula, schulunabhängig. Hier sind Curricula aus dem Niederlanden zugrunde gelegt (Ansätze ähnlich der Reformpädagogik). Daraus ist ein Mischcurriculum entstanden. International sind die Chancen der deutschen SchülerInnen per definitionem schlecht. Dies liegt am Testdesign! Das Handicap: Die untersuchten 15-Jährigen haben in anderen Ländern ein Jahr länger Schule gehabt! Schulverweildauer aber ist konstitutiv für die Leistung. Der innerdeutsche Ländervergleich: "Wie schlau sind unsere SchülerInnen?" Das PISA-Konsortium sagt: Ein Vergleich ist nicht möglich und nicht sinnvoll! Dennoch wird geschlussfolgert: Die deutschen Jugendlichen seien so gut wie A und beide schlechter als B." (Gesagt auf der Veranstaltungsreihe Schulentwicklung an Gesamtschulen, Hamburg, 6.4.2000)

PISA International: Am 4.12.2001 wurden die ersten Auswertungen dieses bisher größten internationalen Tests veröffentlicht. Wie erwartet, haben die SchülerInnen in Deutschland ähnlich wie bei der TIMS-Studie (Third International Mathematics and Science Study) nicht gut abgeschnitten. Bei TIMSS dümpelte Deutschland im unteren Mittelfeld herum. Auch bei PISA belegt Deutschland bei der Lesekompetenz mit Platz 21 und bei der mathematischen Grundbildung mit Platz 20 von jeweils 35 Ländern Plätze im unteren Mittelfeld (die Tabellen im Hamburger Abendblatt vom 5.12.2001, Seite 3, verfälschen das Ergebnis.).

Die BildungspolitikerInnen reagieren prompt und ziehen genauso prompt wieder die falschen Schlüsse oder missbrauchen PISA, um die eigenen Ideen durchzusetzen: mehr Druck, mehr Selektion, Wissen pauken anstatt Wissen sinnvoll einordnend erwerben, mehr Prüfungen, mehr Gängelung, weniger Zeit zum Lernen: Beispiele:

Hamburgs "Bildungssenator Lange sieht seine eigene Schulpolitik durch (PISA) ... bestätigt. ... Doch die GEW kritisiert zutreffend, dass die Politik von Schulsenator Lange in vielen Punkten der PISA-Studie zuwiderläuft. So will Lange das Sortieren der Schüler auf die einzelnen Schulformen strenger handhaben. PISA zeigt nun aber gerade, dass Länder, die die Kinder länger in einer Lerngruppe zusammen lassen, insgesamt wesentlich besser abschneiden als Deutschland." (Alexander Heinz, NDR 90,3 Aktuell, 5.12.2001)
Als Konsequenz aus PISA will Lange die Schulen vom "organisatorischen Wust" befreien. (NDR 4 Info, 18.12.2001)
Ein 18-Maßnahmen-Papier der Bildungsbehörde Hamburg (BBS) listet unter anderem auf: Sprachtests für Grundschulkinder, Einführung von teils zentral vorgegebenen Abschlussprüfungen in 2004, Einrichtung von Ferienakademien für Hamburgs SchülerInnen, obligatorischer Vorschulbesuch für Fünfjährige. (Alexander Heinz, NDR 90,3 Aktuell, 2.3.2002)
Lesetipp zu PISA und der Schieflage des deutschen Schulsystems: Heft 53 aus der Blauen Reihe der GGG: "Fachleistung – Schulstruktur – Verteilung von Chancen (Ergebnisse neuerer Schulleistungsuntersuchungen)", zum Beispiel Jürgen Baumert, Wilfried Bos und Rainer Lehmann: TIMSS / III - "Hohe Selektivität der Schule schadet allen!" Das Heft kostet DM 5,00. Zu beziehen bei der Hamburger GGG, Homepage: www.ggg-hamburg.de
"Alle Länder mit Spitzenleistungen haben ... Ganztagsschulen. Auch werden dort die Kinder nicht wie in Deutschland üblich als Zehnjährige auf verschiedene Schulformen verteilt. Sie besuchen mindestens (!) bis zur neunten Klasse gemeinsam die Schule." (Hamburger Abendblatt, 3.12.2001, Seite 4)
"Die Gewinner von PISA sind Länder, die in integrierten Ganztagsschulen lehren und dabei die Abschlüsse so lange wie möglich offen lassen. Die Studie macht klar: Die Leistungsschwachen werden in Deutschland nicht ausreichend gefördert, soziale Benachteiligungen im deutschen System zementiert statt aufgehoben, viel zu früh wird auf bestimmte Abschlüsse hin gelehrt und gelernt:" (Sandra Wilsdorf, taz, 5.12.2001: "Schulsenator sieht sich von PISA-Studie bestätigt - obwohl sie ihn widerlegt")
"Eines lässt sich aus der PISA-Studie nicht ableiten, nämlich die Gesamtschulen so zurückzufahren, wie vom neuen Schulsenator angekündigt. Statt SchülerInnen- und LehrerInnenschelte und das Jammern um fehlende Eliten ist echte Bildungspolitik gefordert, die die Anregungen der Studie aufnimmt und in Hamburg Reformen an Schulen vorantreibt." (Aus einem Leserbrief der Reformschule Hamburg, im Dezember 2001)
"Nichts zeigt PISA deutlicher: Das dreigliedrige Schulsystem hat keine Fehler, es ist der Fehler! Eine moderne Volkswirtschaft, die im internationalen Konzert in vorderster Reihe mitspielen will, wird sich auf Dauer ein System mit einer derart sozialen Diskriminierung nicht leisten können ... Solange das System darauf ausgerichtet ist, die Bildungschancen nach sozialer Herkunft zu verteilen, wird es keine richtige Maßnahme im Falschen geben." (Joachim Geffers, hlz 10/02, Seie 3)
Erziehungswissenschaftler Prof. Peter Struck, Hamburg, hält PISA für wertlos: "Da werden Äpfel mit Birnen verglichen ... (z.B.) Finnland und Korea werden mit Deutschland verglichen", obwohl es in den ersten beiden Ländern kaum Ausländerkinder gebe, "während Deutschland diesbezüglich Weltmeister ist". Bemerkenswert: Mit der Allgemeinbildung der PISA-Leute ist es nicht weit her; in der deutschen Ausgabe von PISA wimmelt es von Fehlern bei der Rechtschreibung und der Kommasetzung. So werde "durchgehend darüber (geschrieben), was die Studie alles so ‚wiederspiegelt‘. Ein Blick in den Duden hätte den Bildungsexperten gezeigt, dass es ‚widerspiegeln‘ heißt." (Hamburger Abendblatt, 8./9.12.2001, Seite 12) Bei anderer Gelegenheit (Veranstaltung des Elternvereins Hamburg am 24.1.2001) hat Peter Struck es noch drastischer formuliert: "Leistungsvergleiche sind alle Schrott. Sie messen ‚die alte Schule‘." Fazit: Ohne eine gründliche Kritik der Erhebungsmethoden werden wir mit den PISA-Ergebnissen wohl kaum viel anfangen können und bei kritischer Beleuchtung vielleicht gar nichts mehr.
Petra Stanat (Projektkoordinatorin für den deutschen PISA-Test, vorgeblich "Bildungsexpertin", Statistikexpertin trifft's wohl eher): Einerseits: Es sei nötig, in der Grundschule mehr Wissen zu vermitteln. Andererseits: "Wir müssen weg vom reinen Fakten- und Routineunterricht hin zum mehr verstehens- und anwendungsorientierten Unterricht." Einerseits: Der Test habe gezeigt, dass in der LehrerInnenausbildung noch einiges getan werden müsse; nur einer Minderheit der Lehrkräfte gelinge es herauszufinden, welche SchülerInnen "ernsthafte Leseschwierigkeiten" hätten. Der Stundenablauf müsse ständig analysiert werden, um die Qualität zu verbessern. Andererseits: "Das darf aber keine Überwachung sein. (Der Schule) muss Vertrauen entgegengebracht werden, man muss ihr Professionalität zugestehen." (Hamburger Abendblatt, 12.12.2001, Seite 4)
SchülerInnen setzen ihre Kräfte ökonomisch ein: PISA - "Wir haben das alles nicht so ernst genommen." "Für die Tests gab es keine Noten und anonymisiert waren sie auch" und "Wir konnten dann eher nach Hause gehen." "Hätten wir gewusst, wie wichtig das ist, hätten wir uns mehr angestrengt." "Ich hab gedacht ‘Schreibste halt irgend etwas hin‘, wenn ich nicht weiterwusste." PISA - "eine reine Nebensache". (Hamburger Abendblatt, 6./7.4.2002, Seite 11)
"Obwohl meine Klasse zum dritten Mal an der Schülerstudie LAU ... teilgenommen hatte und wir eigentlich keine Lust mehr auf Testfragen hatten, ließen wir uns überreden, an der PISA-Studie ... teilzunehmen. Wir opferten mehrere wertvolle Unterrichtsstunden ... versuchten natürlich, die Aufgaben der Studie so gut wie möglich zu lösen. Als wir schon gar nicht mehr an den Test dachten, holten uns ... die negativen Schlagzeilen ... ein. Von allen Seiten - Eltern, Verwandte, Freunde - wurde ich angesprochen: Ob wir denn wirklich so schlecht, ob die Fragen so schwer gewesen seien. Sämtliche negativen Zuordnungen ... wurden plötzlich auf mich persönlich übertragen." (Hamburger Schüler, Hamburger Abendblatt, 30.01.02, Seite 31)

Zwölf gute Gründe, sich nicht an solchen Tests zu beteiligen: Protest gegen Test
Kritik an PISA erfolgreich: Die Studie in Hamburg ist nicht repräsentativ! Die Teilnahmequote der nach Zufallsprinzip ausgewählten 112 Hamburger Schulen lag mit 70% deutlich unter dem bundesweit vereinbarten Quorum von 80%. Nur die Gymnasien erfüllten mit 81% knapp die Testanforderungen, die Realschulen lagen bei 70%, die Hauptschulen bei 64%, die integrierten Gesamtschulen bei 61%. (Hamburger Abendblatt, 3.4.2002, Seite 1)
PISA-E-Nacherhebung 2002: Mindestens 2.170 SchülerInnen werden nach den Pfingstferien getestet. Es wurden ausgelost und nehmen teil: 25 Gesamtschulen, 25 Hauptschulzweige von Haupt- und Realschulen und zwölf integrative Haupt- und Realschulen (die Realschulquote lag bei 70%, und trotzdem wird nicht nacherhoben?). Die Tests dauern einen Tag, und Leute vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung machen die Aufpasser. Daneben sind Fragen zu Lernbedingungen zu beantworten. Auch die Eltern werden abgefragt: Sie erhalten Fragebögen zur familiären und sozialen Situation. "Die Teilnahme der Schüler sei nunmehr verpflichtend, erklärte Staatsrat Behrens" (wer nicht mitmacht, wird abgeschult?). Ergebnis und Auswertung für die Schulformen sollen im November vorliegen. Bei den Ergebnissen der Gymnasien im Juni 2002 möchte Staatsrat Behrens dabei sein. Für die Nacherhebung will Senator Lange 80.000 Euro ausgeben. BildungswissenschaftlerInnen bestreiten die Aussagefähigkeit dieser Nacherhebung: Es werde eine "ganz andere Schülergeneration" befragt, und durch die öffentliche PISA-Diskussion werde ein "testorientierterer" Unterricht die Vergleichbarkeit nahezu ausschließen. (Insa Gall, "PISA-Studie: Hamburgs Schulen ziehen nach", Die Welt, 26. April 2002)
PISA-E-Nacherhebung 2002: Rechtzeitige Antragsabgabe verbaselt: Hamburg und Berlin sagen die Nacherhebung ab. Der Sprecher des Senators: Die OECD habe keine Zusage für die Studie gegeben. Hamburg und Berlin werden deshalb nur mit ihren Gymnasien vertreten sein. Die Bögen für die Nacherhebung seien schon gedruckt. Doch am Ende fehle das grüne Licht der über 30 Länder, die an PISA teilnehmen. Nur mit der Zustimmung eines internationalen Kontrollgremiums der OECD sei eine Nacherhebung möglich gewesen. Der PISA-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher, sieht das anders: Der vollständige Antrag Hamburgs sei erst spät, Mitte Mai, eingegangen, doch die Nacherhebung stünde jetzt unmittelbar vor der Genehmigung. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 3.6. und 4.6.2002)
Hamburg nimmt nun doch mit Gymnasien und Realschulen an PISA-E teil. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 17.10.2002)
Die wegen der verbaselten Antragsabgabe abgesagte Nacherhebung kostet die HamburgerInnen trotzdem 20.000 Euro. Der Senat will sich bemühen, dass Hamburg an PISA 2003 und 2006 teilnimmt und dabei vordere Plätze belegt. (Hamburger Abendblatt, 19.9.02, Seite 14)

Teilnahmequoten 2001 im Vergleich (PISA-E)

Hamburgs Gymnasien

Hamburgs Realschulen

Hamburgs Hauptschulen

Hamburgs Gesamtschulen

Hamburg insgesamt

Großbritannien
(Gesamtstudie)

USA
(Gesamtstudie)

81%

70% (75%?)

64%

61%

70%

61,27%

56,42%

nehmen teil

Nehmen teil

nehmen nicht teil

Nehmen nicht teil

nimmt ein bisschen teil

nimmt teil

nehmen teil

Teilnahmequoten 2003 (es liegen unterschiedliche Zahlen vor)

Baden-Württemberg

Bayern

Berlin

Hamburg

Deutschland

USA

86%

85,7%

94,6%

89,4%

85-96%
98,8%

68,1%

 

ARGE-Sitzung am 11. Dezember 2001 zur Veranstaltung im Hamburger Instituts für Lehrerfortbildung (IfL) "PISA - Wo stehen Deutschlands Schulen?" mit Prof. Dr. Jürgen Baumert (Nationales PISA Konsortium) am gleichen Tag: Konkrete Erfahrungen mit den Bildungssystemen in Kanada und Australien lassen keinen anderen Schluss zu: Die Ranking-Listen von PISA sind fehlerhaft! Damit stellt sich aber auch die Frage nach Validität und Reliabilität (Gültigkeit und Verlässlichkeit) der Ergebnisse als solche. Der Verzicht auf Hinterfragen und Kritik wissenschaftlicher Ergebnisse macht sie wertlos.
Das Argument, es gebe erfolgreiche und erfolglose integrierte Systeme und daher seien sie ungeeignet, ist unlogisch, denn wenn laut PISA-Ergebnis erfolgreiche Systeme integriert sein müssen, wäre ihre ersetzende Einführung zwingend. Die erfolglosen integrierten Systeme gäben lediglich Fingerzeige darauf, was dabei zu vermeiden ist.
Die Behauptung, es gebe homogene Gruppen in integrierten Systemen und es habe sich gezeigt, dass auch diese sie nicht richtig fördern können und daher seien sie abzulehnen, ist Unfug. Dies zeigt allenfalls, dass integrierte Systeme ihre Vorzüge am besten bei heterogenen Gruppen entfalten können und homogene Gruppen nicht angestrebt werden sollten. International erfolgreiche integrierte Systeme zeichnen sich durch Heterogenität aus, und das wäre nur ein weiterer Beleg für die Schädlichkeit des Bildungs-Selektierens.

PISA-Tagung der GEW Hamburg (22./23.2.2002): Die Hamburger GEW-Vorsitzende Anna Ammonn wirft der Hamburger Schulbehörde (BBS) vor, die Ergebnisse der Schulvergleichsstudie PISA zu ignorieren. Die Verkürzung der Schulzeit, Notenzeugnisse in der Grundschule und weniger Teilungs- und Förderunterricht seien Maßnahmen, die im direkten Gegensatz zu PISA stünden. "In Deutschland entscheidet die soziale Herkunft stärker als in anderen Ländern über den weiteren Bildungsweg. Das frühe Sortieren der Schülerinnen und Schüler nach der vierten Klasse, begünstigt diese Tendenz, sagt der Bildungsstatistiker der OECD in Paris, Andreas Schleicher. In erfolgreichen Ländern wie Finnland oder Schweden gehen die Kinder neun Jahre gemeinsam zur Schule. ... Deutschland müsse sich an erfolgreichen Gesamtschulmodellen wie Finnland, Schweden oder Kanada orientieren." (Alexander Heinz NDR 90,3 Aktuell, 24.2.02)
"(In Schweden werden) Noten erst ab der achten Klasse verteilt und Sitzenbleiben gibt es auch nicht. Könnte es sein, dass das dreigliedrige Schulsystem schuld ist an der Ineffizienz des deutschen Bildungswesens? [OECD-Statistiker Schleicher:] ‘Im PISA-Vergleich schneiden integrierte Systeme besser ab. Aber eines muss man deutlich sagen: Das ist kein Plädoyer für die deutsche Gesamtschule [die ihre Vorteile nicht entfalten kann, wenn sie sich am dreigliedrigen System orientiert und nur eine Schulform neben anderen ist. KPS.] , sondern für die finnische, schwedische, kanadische Gesamtschule.‘ Leistungsschwache und -starke Schüler werden in integrierten Gesamtschulsystemen besser gefördert. Und noch eines haben die Spitzenreiter der PISA Studie gemeinsam: Sie fördern die Kinder schon im Vorschulter intensiv und statten auch die Grundschulen besser aus." (Alexander Heinz NDR 90,3 Aktuell, 25.2.02)

Die kleinkarierten Schuldzuweisungen unter Berufung auf PISA setzen sich fort: Nachdem erst von den "doofen Schülern" in Deutschland (Der Spiegel 50/01) die Rede war, werden nun Eltern und LehrerInnen an den Pranger gestellt. "Eine Begleitbefragung" zeige, "dass deutsche Eltern weitaus weniger mit ihren Kindern über Schule und Persönliches reden als Eltern in anderen Industriestaaten". Nur 40% redeten regelmäßig mit ihnen. Die Befragung der SchülerInnen habe ergeben, dass "deutsche Lehrer ... zu wenig Interesse" am Lernerfolg der Kinder zeigten. Vermisst würden Hilfen beim Lernen und ein Eingehen auf die individuelle Lern- und Lebenssituation. (ProSieben-Text, 17.12.01, Seite 116; Hamburger Abendblatt, 17.12.01, Seite 3) Wer garantiert die Vergleichbarkeit der Befragungen und der Skalen?
Eine Haupterkenntnis aus PISA könnte am Ende sein, dass statistische Zahlen – ähnlich wie Zensuren – nur beschränkt aussagefähig sind.

Was sich ändern sollte im Bildungswesen (Spiegel-Thesen): 1. Zu wenig Integrationsdruck auf nichtdeutsche SchülerInnen (das heißt: Ghettobildung vermeiden, Sprachförderkurse, ein flächendeckendes Angebot gebührenfreier Kindergartenplätze, aber: Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe); 2. Lange schon überfällig: Kindergartenplätze für alle (siehe 1) (das heißt: Spracherwerb, auch mehrsprachiger gelingt am einfachsten, je jünger die Kinder sind, nicht Zurückstellung, sondern Fördern und Fordern, Ressourcen für Höherqualifizierung der Erzieherinnen sind bereitzustellen); 3. Auch Disziplin ist eine Schlüsselqualifikation (das heißt: wir beachten die gemeinsam erarbeiteten Regeln, die für alle gelten; nicht Erziehung zum Kadavergehorsam, sondern Erziehung zur Demokratie und zur Zivilcourage; Kritik und Selbstkritik); 4.  Mit Ganztagsschulen gegen Elternversagen (das heißt: Erziehung ist ein wichtiges Element der heutigen Schulen, Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen sind die Schulgemeinde, sie unterstützen sich und nehmen gemeinsam Verantwortung wahr; Ganztagsschule ist keine Verwahrschule und bedeutet nicht "mehr vom Selben", sondern erfordert ein Konzept); 5. Die Starken können von den Schwachen lernen (das heißt: Abkehr von der frühen Trennung, nicht selektierend, nicht ab- oder hochstufend, sondern durchlässig, abschlussoffen, lernen in heterogenen, auch altersgemischten Gruppen, integrierte Bildungsgänge); 6. Deutschland braucht eine neue Schulkultur (das heißt: der Pädagoge wird vom Belehrer zum Begleiter, praxisorientiertere Lehrerausbildung, Öffnung der Schule für Expertenwissen von außen, projektorientierter, themen- statt fächerzentrierter Unterricht; aber Vorsicht vor: Neuen Steuerungsmodellen, Wettbewerb der Schulen zuungunsten der Chancengleichheit; Privatisierung statt gesellschaftlich kontrollierter gleicher Rahmenbedingungen); 7. Hochschulen brauchen mehr Autonomie und Wettbewerb (erstes Problem: zu viel aus dem Bildungsbudget fließt in die Universitäten, zu wenig in die Grundschulen; zweites Problem: noch immer gelingt es nicht, mehr Menschen aus "bildungsfernen" Schichten zu akademischen Abschlüssen zu führen. Es ist jedoch irrig zu fordern, die Studiengebührfreiheit abzuschaffen, weil angeblich die Kinder der Mittelschicht auf Kosten aller studieren. Tatsächlich würde der Abschreckungseffekt zu einer weiteren Verschärfung dieses Problems führen. Deutschland braucht mehr, nicht weniger AkademikerInnen. Wettbewerb ist in Ordnung, damit Hochschulen Profile entwickeln, Autonomie, damit sie ihre Angelegenheiten selbst regeln, aber: Auch diese Bildungseinrichtungen sind gegenüber der Gesellschaft rechenschaftspflichtig, auch hier sind gleiche Rahmen zu sichern. Und Vorsicht ist geboten vor schwammigen Begriffen wie: Effizienz, Flexibilität, Risikobereitschaft, einer angeblichen Diskreditierung von Leistung, Tabuisierung von Elite. Auch für die Forschung gilt: In heterogenen Gruppen entfaltet sich Kreativität am besten, und Kreativität und Intelligenz sind nicht gekoppelt.) (Spiegel 20/2002. Seite 99-123)

PISA konkret: Ein erfolgreiches Schulsystem zeichnet sich laut PISA durch Folgendes aus: Soziales Lernen, Projektunterricht, Spaß und Spiel inbegriffen, Lernen mit neuen Medien, Chancengleichheit ("allen Bürgern eine gleichwertige Schulbildung"), kostenlose Lernmittel, kostenloser Gesundheitsdienst, schulpolitische Entscheidungen vor Ort durch Gemeinde und Eltern (Schulgemeinde), langes gemeinsames Lernen (das heißt: keine Selektion, keine abgetrennte Mittelstufe), Leistungsbewertung so lange wie möglich durch Berichte statt durch Zensuren, hohe Übergangsquote an die zum höchsten Abschluss führende Oberstufe. (Hamburger Abendblatt, 17.12.2001, Seite 3 - Schule in Finnland)
PISA konkret Nr. 2: Die GGG Hamburg dokumentiert Texte aus der taz zum schwedischen Bildungssystem: www.ggg-hamburg.de/Inhalt/taz-Schweden-2002.html
PISA konkret Nr. 3: Nägel mit Köpfen: "Hamburgs SchülerInnenkammer fordert als Konsequenz aus der Schulvergleichsstudie PISA eine grundlegende Bildungsreform. ‘Es reicht nicht, eine Sportstunde mehr und ein Schuljahr weniger einzuführen‘, sagt der Vorsitzende der Kammer, Hanno Schulz. Haupt-, Realschulen und Gymnasien sollen zugunsten einer neunjährigen Schule für alle Kinder abgeschafft werden. Alle Schulen müssten zudem Ganztagsschulen sein, in denen auch Sozialpädagogen beschäftigt werden. Nach neun Jahren gemeinsamer Schulzeit könnte eine dreijährige Schule zur Vorbereitung auf das Studium stehen. Dort soll es auch wie in Schweden berufliche Bildungsgänge geben, die die Hochschulreife in Kombination mit einer Berufsausbildung ermöglichen. Die klassischen Fächer sollen den Vorschlägen zufolge zugunsten von Lernfeldern wie Naturwissenschaften oder Sprachen aufgelöst werden." (Alexander Heinz, NDR 90,3, 28.3.2002)
PISA konkret Nr. 4: Die neunjährige Grundschule in Brandenburg: " ‘PISA widerlegt eindeutig, dass eine frühzeitige Trennung von leistungsstärkeren und leistungssschwächeren Schülern zu bestmöglichen Lernergebnissen führt.‘ ... ‘Wir wollen ein integratives Modell mit einem ganz neuen Anspruch einführen - exzellenten Schülerleistungen, wie wir sie in Finnland sehen‘, sagte der Sprecher der SPD-Fraktion, Ingo Decker. Die finnische Schule in Brandenburg würde zu einem Stufenplan gehören: Man will sofort die Bildungsqualität von Kindergärten und Grundschulen erhöhen. In einem zweiten Schritt soll dann geprüft werden, ob die sechsjährige Grundschule auf neun Jahre ausgedehnt werden könnte. Wie in Finnland würden deshalb die Gymnasien nicht etwa abgeschafft. Sie würden sich künftig an die neunjährige Schule anschließen." (Christian Füller, "Finnland für alle", taz Nr. 6746 vom 11.5.2002, Seite 9)
PISA konkret Nr. 5: Schulen, Schülerinnen und Schulen in Deutschland sind Spitze. Es gibt Schulen, die nach PISA-Kriterien "beim Lese- und Textverständnis und in den Naturwissenschaften Werte weit über dem deutschen Durchschnitt (erreichen und) ... sogar bessere Ergebnisse als Finnland, Kanada und Südkorea (erzielen)". Schulen in Bayern? So genannte Elitegymnasien? Wohl kaum, denn obwohl deutsche Gymnasien "stets das bessere Drittel gymnasial-empfohlener Schüler (erhalten)", bleiben sie ja laut PISA weit hinter den Ergebnissen der skandinavischen, demokratisch orientierten "Lernwerkstätten" mit heterogenen Lerngruppen zurück. Es sind die Laborschule in Bielefeld und die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden. Es sind Integrierte Gesamtschulen, es sind Ganztagsschulen, sie haben ein integratives Konzept, und sie regeln ihre Angelegenheiten weitgehend selbst (autonom). (Peter Struck, "Deutsche Schüler sind Spitze", Hamburger Abendblatt, "wissen", 3.12.2002, Seite 5)

Kritik an PISA: 1) Die Ergebnisse der PISA-Studie taugen für keine wirklich seriös geführte Standortdebatte. Vielmehr lässt sich ein "Null-Zusammenhang" zwischen wirtschaftlicher Wachstumsrate eines Landes und Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler feststellen, Beispiele USA (niedrige Lesekompetenz, Platz 2 im Brutto-Inlandsprodukt), Deutschland liegt wirtschaftlich mit dem "PISA-Gewinner" Finnland gleichauf. 2) Die PISA-Studie ist in ihrem Untersuchungszugriff notwendig unterkomplex, d.h. die komplexe Einbettung der untersuchten Schülerinnen und Schüler in bereits national seht unterschiedliche regionale und schulische sowie gesellschaftlich-kulturelle Kontexte wird einem schematischen Vergleich des oder der "15-Jährigen" geopfert - ein Vergleich, der zudem die notwendige Ausschnitthaftigkeit des Betrachteten nicht ausreichend problematisiert. Können die ausgewählten 219 Schulen wirklich ein repräsentatives Bild der Kompetenzen in den untersuchten Bereichen abbilden? 3) Die PISA-Untersuchung vergleicht Unvergleichbares, sie problematisiert die Frage der Zurechenbarkeit der ermittelten Kompetenzunterschiede ebensowenig wie die Einbettung schulischer Lern- und Leistungskulturen in gesellschaftliche Kontexte mit ihren je eigenen prägenden Kompetenzbildungsimpulsen. Was herauskommt, ist ein Rankíng-Konstrukt, das so lange plausibel bleibt, so lange wir die aufgeworfenen Fragen nicht stellen und so lange wir überzeugt sind, aus der Kenntnis des relativen Leistungsstandes deutscher 15-Jähriger im Vergleich zu denen in anderen Ländern wirklich wegweisende bildungspolitische Konsequenzen ableiten zu können.
PISA zeigt uns nichts Neues und wird nicht zu einem Konsens darüber führen, was jetzt zu tun sei. "Was also ‘bringt‘ die PISA-Studie wirklich? Die Antwort ist: Nichts! Eine Politik, die sich nicht zu einer eigenständigen Vision moderner und zeitgemäßer Bildung durchzuringen vermag und auch nicht den Mut und die Kraft hat, alles auf den Prüfstand zu stellen und sich mit den Interessengruppen, die die Fächerstruktur und die inhaltliche Überfrachtung der Lehrpläne mit Zähnen und Klauen verteidigen, tatsächlich ‘anzulegen‘, braucht geradezu solche Untersuchungen, über die man trefflich streiten kann. Diskussionen über Prozentwerte und Rankings aber sind ein symbolischer Streit, der den eigentlichen politischen Streit über Sinn und Unsinn unserer schulischen Inhalte und Lernformen ersetzt und die Politik entlastet." (stark verkürzte, deshalb bis auf das Zitat am Ende leicht umformulierte Wiedergabe der Thesen des Artikels von Rolf Arnold, Erziehungswissenschaftler, Universität Kaiserslautern, "Der Elefant kann zwar nicht tanzen, ist aber trotzdem stark", in: hlz - Zeitschrift der GEW Hamburg 1/02, Seite 22-25)
PISA-Ergebnisse nichts wert? „Die bereits bei PISA 2000 von den Bildungsforscher Prof. Klaus Klemm, Essen, geäußerten Zweifel haben durch eine Dissertation an der FU Berlin neue Nahrung erhalten. Klemm hatte darauf hingewiesen, dass nahezu 15 Prozent der 15-Jährigen, die in Bayern berufliche Schulen besuchen, nicht durch zwei oder drei berufliche Schulen in der Stichprobe angemessen repräsentiert sein können. Bei ähnlichen Schüleranteilen sind im Falle integrierter Gesamtschulen 25 Schulen in die Stichproben aufgenommen worden, um Verzerrungen zu vermeiden. Zudem hält sich hartnäckig das Gerücht, nach dem in der bayerischen Stichprobe nur Hauptschulen aus ländlichen Regionen beteiligt seien. Schließlich ist in Bayern nachweislich (siehe Homepage des Kultusministeriums) die Beteiligung an den PISA-Tests freiwillig. … (Ein Indiz ist auch die IGLU-Studie:) Am Ende des vierten Schuljahres liegt Bayern teilweise weit hinter Baden-Württemberg. In Mathematik sind es immerhin 18 Punkte, umgerechnet ungefähr ein halbes Schuljahr. Dass sich dann in den Schuljahren fünf bis neun die Verhältnisse zugunsten Bayern dramatisch verbessern, kann eigentlich nur drei Gründe haben: geniales pädagogisches Personal, ein geniales Schulsystem – oder eben eine genial verzerrte Stichprobe.“ (Marianne Demmer, E&W 11/2005, Seite 18) Andreas Schleicher, PISA-Koordinator der OECD: Die deutschen Stichprobengrößen seien zu klein, um repräsentativ zu sein. (Interview, E&W 11/2005, Seite 19)
Ein Buch zur Kritik an PISA: Allan Guggenbühl: Die PISA-Falle, Verlag Herder 2002, 187 Seiten, 19,80 Euro: Bildung ist mehr ist als die Anhäufung von Wissen. Wer Schule auf Leistung reduziert, wird das, was falsch läuft, nicht verändern können.

 

Ein Buch zur Kritik an PISA: "Wie ist es um die geistige Verfassung junger Menschen hierzulande bestellt? Genau dieser Frage widmet sich die vom "PISA-Schock" ausgelöste Debatte nicht.
Freerk Huisken untersucht ihren nationalistischen Kern und kommt zu dem Schluss: Auf dem Prüfstand steht nicht die Bildung, die der Jugend verpasst wird, sondern allein die Auswirkungen dieser Bildung auf das nationale Ansehen und auf die Konkurrenzfähigkeit der nationalen Ökonomie werden besorgt registriert.
Die PISA-Studien haben in Deutschland für Aufregung gesorgt. Das miserable Abschneiden 15-jähriger Schülerinnen und Schüler galt und gilt als Blamage einer Nation, die sich nicht nur zu den gehobenen "Wissensgesellschaften" zählt, die sich nicht nur auf ihre Kultur und ihre Geistesleistungen einiges zu Gute hält, sondern die sich bisher auch eines Bildungswesens zu rühmen wusste, dessen Absolventen sich als überzeugte deutsche Demokraten, als "mündige Staatsbürger" fleißig der Rechte und Pflichten annahmen, die das Nachkriegsdeutschland für sie vorgesehen hatte.
Aus dem in den PISA-Studien festgestellten Abstieg aus der 1. Liga im Bildungsvergleich wurde das gleiche Schicksal für die deutsche Nationalökonomie abgeleitet. Denn über eines sind sich Öffentlichkeit, Politik und Fachwelt sehr einig: Bildung ist ein Wachstumsfaktor, eine Ressource für den Standort, ist Humankapital, mit dem "wir" unsere Rohstoffknappheit substituieren können und müssen. Eine klare Auskunft darüber, dass Wissenschaft und Bildung ganz im Dienste am Kapital aufzugehen haben."
Freerk Huisken: Der "PISA-Schock" und seine Bewältigung, Wieviel Dummheit braucht / verträgt die Republik? 96 Seiten, VSA 2005, EUR 8.80 ISBN 3-89965-160-X

Quelle: www.vsa-verlag.de/books.php?kat=ap&isbn=3-89965-160-X

 

PISA-KritikerInnen: „Der zentrale PISA-Rechner in Australien sei falsch programmiert. Das führe zu ungenauen Berechnungen der Schülerleistungen, die durch PISA weltweit verglichen werden. Weil sich aber "die Projektpartner weltweit auf das Computerprogramm verlassen", so die Kritiker, sei "die aufwändigste Schulstudie aller Zeiten" fehlerhaft und nicht verwendbar.“ (taz, 9.11.06, Seite 6: Christian Füller: „PISA-Kritiker erheben massive Vorwürfe“)

Ein Buch zur Kritik an PISA: Th. Jahnke und W. Meyerhöfer (Hrsg.): „PISA & Co - Kritik eines Programms“, Hildesheim 2006, 349 Seiten, 9,90 €

Quelle: www.taz.de/pt/2006/11/09/a0142.1/textdruck

 

PISA 2003: 50.000 Schülerinnen und Schüler werden bundesweit getestet. Schwerpunkt ist diesmal Mathematik. Die Zahl der teilnehmenden Schulen in Hamburg wurde um 50 erhöht, insgesamt sind es 159. Die Hälfte der Gymnasien, fast alle integrativen Gesamtschulen und ein großer Teil der Haupt- und Realschulen werden einbezogen. Der Lernstand von 15jährigen aus 40 Staaten wird erfasst. Die wissenschaftliche Leitung von PISA 2003 liegt in Deutschland beim Kieler Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften. Die Tests beginnen am 20. April 2003. Ergebnisse von PISA 2003 sind Ende 2004 zu erwarten. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 8.1.03)
3.11.2005: Veröffentlichung des vollständigen PISA-2003 Berichts:
PISA-Konsortium Deutschland (Hrsg):
PISA 2003. Der zweite Vergleich der Länder in Deutschland - Was wissen und können Jugendliche?
Münster: Waxmann-Verlag, ISBN: 3-8309-1560-8, ca. 400 Seiten, Preis: 19,90 €.
„‚Die Schulformen in Deutschland sind mit Ausnahme der Gymnasien so unterschiedlich strukturiert, dass ein seriöser Vergleich nicht möglich ist,’ sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. In manchen Bundesländern wie Sachsen gebe es keine Haupt- und Realschulen mehr. In anderen faktisch keine Gesamtschulen - etwa in Bayern und Baden-Württemberg. Zudem variieren die Schüleranteile an Hauptschulen zwischen knapp 40 Prozent eines Jahrgangs in Bayern und zehn Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. ‚Schulformbezogene Mittelwerte ... sagen weder etwas über die pädagogischen Anstrengungen der einzelnen Schule noch über die Leistung einzelner Schüler aus’, betonte Demmer. Sie zeigten lediglich, wie hoch der Schüleranteil in den Schulformen ist bzw. welchen Anteil schwache Schüler ausmachen. Die Veröffentlichung der Daten führe dazu, Schülerinnen und Schüler zu etikettieren - unabhängig davon, welche Leistung sie tatsächlich und individuell erbringen.“ (Erziehung & Wissenschaft 10/2005, Seite 4)

PISA 2006/2007: Die deutschen SchülerInnen liegen beim Umweltwissen und den Naturwissenschaften deutlich vorn. Die 15-Jährigen landeten auf Rang 13 von 57 Staaten (2003: Platz 18 von 40). PISA-Gewinner Finnland behauptet seinen Spitzenplatz. Dahinter liegen Hongkong, Kanada und Taiwan. Schweden landet nur noch auf Platz 22 [welches sind die Ursachen? Welche Abhilfen werden vorgeschlagen?]. Zu den Verlierern gehören ferner Frankreich, Korea und Macao. Laut OECD-Bericht seien die Tests aber wegen einer geänderten Aufgabenstruktur nicht vergleichbar. (Kabel-eins-Videotext, 28.11.07, Seite 111, Hamburger Abendblatt, 29.11.07, Seite 4)
Im Fach Mathematik und beim Lesen zeigten die deutschen SchülerInnen nur mittelmäßige Leistungen. Vorn landeten erneut Finnland und Korea. Im Vergleich zu 2003 hat sich der Abstand zur Spitzengruppe sogar noch vergrößert und entspricht einem Lernrückstand von ein bis zwei Schuljahren. (NDR Text, 01.12.07, Seite 160, Hamburger Abendblatt, 03.12.07, Seite 2)
Es wird einfach so getan, als ob es die PISA-kritische Diskussion nicht gäbe.
PISA 2006 (auf englisch)

PISA 2009
Pisa: Deutsche Schulen leicht verbessert

Berlin (sist/dpa) - Die deutschen Schulen sind seit dem ersten Pisa- Test vor zehn Jahren etwas besser geworden. In Mathematik und Naturwissenschaften erzielen 15-jährige Schüler hierzulande jetzt Leistungen, die oberhalb des Durchschnitts der 34 wichtigsten Industrienationen der Welt liegen.
Die Ergebnisse sind jedoch durchwachsen: Im Lesen und beim Verstehen von Texten, auf der der Fokus der aktuellen Untersuchung lag, sind deutsche Schüler weiter nur Mittelmaß. Dies zeigt der am Dienstag in Berlin vorgestellte neue Pisa-Schultest der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Absolute Spitzenwerte in allen Disziplinen erreichen die Schüler aus der Region Shanghai (China), die erstmals an dem weltweiten Schultest teilnahmen. Erneut ganz vorn liegen Korea, Finnland, die Region Hongkong, Singapur und Kanada. Die 15-Jährigen aus diesen Ländern sind Gleichaltrigen aus Deutschland in ihrem Wissen und Können zum Teil ein bis zwei Schuljahre voraus. [ARGE/GEST-Delegierte hatten aufgrund eigener Erfahrungen in diesen Ländern, z.B. Kanada, bereits früher Zweifel an den Ergebnissen angemeldet.]
Auffällig ist erneut die hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland. Die Zahl der 15-jährigen Risikoschüler, die beim Eintritt ins Berufsleben nur auf Grundschulniveau Texte verstehen können, ist in der Bundesrepublik allerdings in den vergangenen zehn Jahren von 22,6 Prozent auf 18,5 Prozent eines Jahrganges zurückgegangen. Nach Aussage der Pisa- Forscher ist diese Zahl nach wie vor zu hoch.
Die Veröffentlichung des ersten Tests hatte in der deutschen Öffentlichkeit einen Schock ausgelöst. In allen Disziplinen erreichten die Schüler aus der Bundesrepublik nur Werte unterhalb des Durchschnitts der Industrienationen. Diesmal wurden beim Leseverständnis 497 Leistungspunkte gemessen - 13 mehr als noch vor zehn Jahren. 40 Punkte der Pisa-Skala entsprechen in etwa dem Lernfortschritt von einem Schuljahr. Der aktuelle OECD-Schnitt beträgt beim Lesen 493 Punkte.
Ins Auge springt allerdings, dass die Steigerung der Leseleistung vor allem in den ersten drei Jahren nach dem deutschen Pisa-Schock erzielt wurde. Zwischen dem vorletzten Test 2006 und der jetzt vorgestellten Untersuchung aus 2009 beträgt der Leistungszuwachs nur zwei Punkte, was statistisch als unbedeutsam gilt. In den Bundesländern gibt es inzwischen 17 Programme zur Leseförderung. Wegen der stagnierenden Leseleistung hatte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Vortag ein weiteres Programm für Kinder aus sozialen Brennpunkten angekündigt.
In Mathematik kommt Deutschland auf 513 Punkte (2000: 490 Punkte). Pisa-Sieger Shanghai erzielt dabei den absoluten Spitzenwert von 600 Punkten - bei einem OECD-Schnitt von 496. In den Naturwissenschaften erzielte Deutschland den größten Fortschritt und kommt jetzt auf 520 Punkte (2000: 487 Punkte) - bei einem OECD-Schnitt von 501 Punkten.
Verbessert hat sich die Schulsituation für Migrantenkinder in Deutschland. Doch noch immer schneiden Schüler aus Familien, deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, im Schnitt um 56 Pisa- Punkte schlechter ab als gleichaltrige Einheimische. 2000 betrug dieser Abstand allerdings noch 84 Pisa-Punkte, also mehr als zwei Schuljahre.
An dem weltweit größten Schultest der OECD haben diesmal 65 Staaten und Regionen teilgenommen. Untersucht wurden die Leistungen von 470 000 Heranwachsenden. In Deutschland machten diesmal 4970 Schüler aus 223 Schulen mit. Schwerpunkt der Untersuchung war diesmal - wie schon beim ersten Test 2000 - Lesen und Textverständnis. Dies gilt als wichtigste Schlüsselkompetenz für das Lernen.
Quelle: http://www.gmx.net/themen/beruf/bildung/10702gu-pisa-deutsche-nur-mittelmaessig (07.12.2010)

PISA 2012:
Goethe-Institut: 10 Jahre PISA-Test – eine Bilanz

Mittelmäßige Leistungen und eine viel zu geringe soziale Durchlässigkeit bescheinigte die erste PISA-Studie 2001 dem Deutschen Bildungssystem. Der Beitrag des freien Journalisten Andreas Himmelrath auf der Internetseite des Goethe Instituts reflektiert 10 Jahre PISA-Studien und die Folgen und Wirkungen. Kritisch wird gefragt, wie lehrreich die Ergebnisse tatsächlich waren. In dem Artikel kommen namhafte Akteure rund um die PISA-Studien zu Wort. U.a. Bundesbildungsministerin Annette Schavan, Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands (DL), Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, Bildungsforscher Eckhard Klieme vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und Andreas Schleicher, der OECD PISA-Chefkoordinator äußert sich in einem Vidcast zu PISA und den Resultaten.
www.goethe.de/wis/fut/sul/de8729860.htm
6250 Schüler wurden im Frühjahr 2012 schwerpunktmäßig in Mathematik getestet. 68 Länder nahmen teil, darunter alle OECD-Staaten. Das 2004 gegründete Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) überprüft jährlich, ob die Bildungsstandards eingehalten werden. 2012 nahmen 50.000 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe aus 1300 Schulen teil. (E&W, 7-8/2012, Seite 7)

Links ("URLs") zu PISA:
PISA 2000 www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/
PISA 2003 http://pisa.ipn.uni-kiel.de/pisa2003/index.html
PISA 2006 Ergebnisse (Hamburger Schulbehörde) www.hamburg.de/pressearchiv/862118/2008-11-18-bsb-pisa-2006.html
PISA 2006 (Universität Kiel) http://pisa.ipn.uni-kiel.de/pisa2006/index.html
PISA 2006 Ergebnisse (Universität Kiel) http://pisa.ipn.uni-kiel.de/Zusfsg_PISA2006_national.pdf
PISA 2006 (Versuch einer Perzentil-Gewichtung) www.ps-rs.de/L-Tern/PISA2006-PerzentilbandAusschnitte.pdf
PISA 2009 www.bildungsserver.de/innovationsportal/bildungplus.html?artid=767
PISA 2012 www.oecd.org/berlin/themen/pisa-internationaleschulleistungsstudiederoecd.htm
PISA in der Presse (Bildungsportal - Eğitim ve Dil Portalı) www.turkischweb.com/D-PISA-Presse/
PISA Teilnehmerstaaten www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/teilnehmerlaender.html
Deutscher Bildungsserver: Themenfolder zur PISA-Studie www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=940
Deutscher Bildungsserver: PISA-E –Vergleich der Bundesländer www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=1307
Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF): Pressereaktionen – eine Liste (mit Acrobat Reader aufzurufen) www.dipf.de/datenbanken/zeitdok_thema.pdf
Diskussionsforum zu PISA-E www.schulweb.de/forum//messages/401/401.html?Montagden1Juli20021038
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin www.mpib-berlin.mpg.de/PISA/
GGG zu TIMSS, BiJu und PISA www.ggg-NRW.de/Lager/TIMSS.html
OECD (Organization for Economic Cooperation and Development) www.pisa.oecd.org/
PISA (Hamburger Schulbehörde) http://lbs.hh.schule.de/bsjb/pisa.htm
PISA (Universität Flensburg) www.uni-flensburg.de/mathe/homepg/neubrand/bzmpisa.htm
GGG-NRW "Leistungsuntersuchungen" www.ggg-nrw.de/LMU
GGG-NRW,
Presse-Echo www.ggg-nrw.de/Presse
Infos zu PISA www.learn-line.nrw.de/angebote/pisa
Kritik an PISA http://bipomat.de/pisafake/pisafake.html
Pressemitteilung der GGG Hamburg www.ggg-hamburg.de/Inhalt/GGG-PrErkl-PISA.html

Johannes Rau, ehemaliger Bundespräsident: "Ich warne davor, die Studie überzubewerten und jetzt allein aus statistischen Sachverhalten heraus falsche Schlüsse zu ziehen." (SAT1-Text, Seite 123, 29.6.2002)

Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D.: "Zwar hat meine Lichtwark-Schule ... mich wahrscheinlich nicht besonders PISA-tauglich gemacht, wohl aber hat sie mich für das Leben gelehrt, kritisch zu denken und selbständig zu arbeiten." (Hamburger Abendblatt, 28.9.05, Seite 16)

Albert Einstein, Physiker: "Meine Hauptschwäche war ein schlechtes Gedächtnis für Worte und Texte."
"Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt."

 

Siehe auch die Stichwörter
DESI
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OECD
PIAAC - PISA für Erwachsene
PISA für Lehrer
PISA und Hamburg
PISA-Testaufgaben
PISA-Zahlen der Bundesländer
Tests

 

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