Rauchen

Wortbedeutung: "Rauchen" von indoeuropäisch reug Wolke, Dampf, Hauch, Rauch, althd. riohhan, mittelhd. riechen, engl. reek, angels. hraecan räuspern, hraca Husten, verwandt mit Rachen, röcheln, rauh, roh, lat. raucus heiser
Der Satz 'Auf dem gesamten Schulgelände ist allen Personen das Rauchen ausnahmslos untersagt' wurde in Hamburgs Schulen ab August 2005 nach dem Willen der damaligen Hamburger Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig (CDU) Wirklichkeit.
Dazu sind hier Beiträge des Hamburger Senders 90,3 wiedergegeben sowie, aus dem Archiv der ARGE, ein Merkblatt eines Hamburger Krankenhauses von 1994, das eine Vielzahl von Informationen enthält.

 

Reportage

Thema: Rauchfreie Schule Christianeum
Anmoderationsvorschlag

Was in Flughäfen und auf Bahnhöfen Wirklichkeit ist, soll bald auch für Schulen gelten. Ab August wird an allen Hamburger Schulen absolutes Rauchverbot herrschen. Eine entsprechende Gesetzesänderung wird die Bürgerschaft heute voraussichtlich beschließen. Rauchen in der Schule wird dann für Schüler und Lehrer verboten sein. Das Christianeum in Othmarschen hat das Rauchverbot schon freiwillig eingeführt. Und es funktioniert – mit kleinen Ausnahmen. Alexander Heinz. Beitrag:

Atmo: Schulgong/Pausenhalle

Große Pause im Gymnasium Christianeum in Othmarschen. An dieser Schule herrscht seit Sommer 2003 Rauchverbot. In dem großzügigen Foyer der Schule steht Mutter Anja Reidel hinter dem Tresen und verkauft Brötchen. Sie hat das Rauchverbot unterstützt.

O-TON Reidel:
"Ich finde das deshalb gut, weil die Kinder doch heute schon relativ früh anfangen mit dem Rauchen. Wenn sie hier nicht dürfen, werden sie immerhin abgehalten, während sie in der Schule sind zu rauchen. Das ist ja schon eine relativ lange Zeit am Tag."
Und auch die Sechstklässler, die in einer Traube vor dem Verkaufstresen stehen, sind strikt auf Nichtraucher-Kurs.

O-TON Schüler 6. Klasse:
"Das ist super. Das ist sonst ungesund. Wir atmen immer den Rauch ein. Das ist gut, dass die Großen das kapieren, dass sie nicht rauchen dürfen."
"Ich finde das genauso gut, weil das stinkt sonst."

Vom Schulgelände sind die Raucher vertrieben, wissen die jungen Schüler. Doch geraucht wird dennoch:

O-TON Schüler 6. Klasse:
"Die rauchen noch vorne beim Parkplatz. Vor den Fahrrädern. Weil man auf dem Schulgelände nicht rauchen darf. Deswegen machen sie es da vorne. Das ist nicht so schön."
Atmo: Menschengruppe vor der Schule
Dort, vor der Schule auf dem Gehweg, wo sonst die Raucher stehen, wird jetzt nur vereinzelt geraucht. Nur Maria aus der Oberstufe zieht trotzig an ihrer Filterzigarette.

O-TON Maria:
"Normalerweise stehen hier 50 Leute und rauchen. Mir ist es egal, ob Herr Andersen sagt, ich darf hier nicht rauchen. Das ist kein Schulgebiet, und ich darf hier rauchen. Ich bin 19 Jahre alt, und das ist mein Recht".

Herr Andersen ist der Schulleiter. Nur ungern hat er es gesehen, dass seine Schülerin Maria und andere an diesem Vormittag rauchend vor die Fernsehkameras treten. Aber er weiß auch, dass er auf dem Weg zur rauchfreien Schule schon eine lange Strecke zurückgelegt und eine lange Strecke vor sich hat.

O-TON Andersen:
"Als ich vor 28 Jahren anfing, war in der Pausenhalle eine einzige Raucherzone. Es war fürchterlich. Alle Schüler dürften in der Schule rauchen. Es war so eine Art Selbstverwirklichung. Aber wenn sie das heute sehen. hat sich sehr viel geändert."

Wer beim Rauchen auf dem Schulgelände des Christianeums erwischt wird, muss schon mal den Schulhof fegen. Doch auf drakonische Strafen setzt das Christianeum nicht. Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig will den Schulen keine Vorschriften machen, wie sie das Rauchverbot umsetzen. Nur dass es gilt, müsse klar sein.

O-TON Dinges-Dierig:
"Ich hoffe damit, dass wir mit der Zeit die Schüler und die Lehrer dahin bekommen zu sagen, dass das Nichtrauchen wirklich ein Wert an sich ist und unserer Gesundheit mehr dient, als wir heute wissen."

Erste Erfahrungen von Schulleitern zeigen, dass zumindest die Schüler in den unteren Klassen weniger rauchen. Auch das könnte schon ein Erfolg sein. Denn bei einer Hamburger Untersuchung gaben die Raucher an, dass sie im Schnitt noch keine 13 Jahre alt waren, als sie anfingen zu rauchen.

NDR 90,3
Magazin
Alexander Heinz
Datum: 27.4.05
Sendung: 27.4.05, 16.40 Uhr

 

Information

Thema: Rauchfreie Schule

Anmoderationsvorschlag

Die Hamburger Bildungsbehörde will das geplante Rauchverbot an Schulen durch zahlreiche Unterstützungsmaßnahmen begleiten. Hierzu zählen Lehrerfortbildungen, Elternveranstaltungen und Nichtraucherkurse. Entsprechende Pläne stellte Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig heute vor. Das Rauchverbot soll ab dem kommenden Schuljahr in den Hamburger Schulen gelten und wird heute voraussichtlich von der Bürgerschaft verabschiedet. Alexander Heinz mit Informationen.

 

Beitrag:
Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig setzt nach eigenen Worten große Hoffnungen in das Projekt rauchfreie Schule. Neben Hessen und Berlin sei Hamburg eines der ersten Bundesländer, das diesen Schritt tue. Die Schulen sollen von der Behörde Unterstützung erhalten.

O-TON Dinges-Dierig:
"Wir geben ganz viel Unterstützung durch das Suchtpräventionszentrum. Wir werden eine Leitfaden entwickeln und jede Schule wird ihren Weg finden, eine rauchfreien Schule zu werden."

Der Anspruch rauchfreie Schule zu sein, müsse mit schulischem Leben gefüllt werden. Wirksam ist ein Rauchverbot nach Erfahrung von Präventionsexperten nur, wenn es neben Sanktionen bei Regelverstößen auch eine gute Aufklärung zum Thema Nikotin gibt und wenn zudem jenen Schülern geholfen wird, die aufhören wollen zu rauchen. Die Erfahrungen aus Schulen, die das Rauchverbot schon praktizieren, zeigen zudem: Erfolge sind vor allem bei den jüngeren Schülern zu sehen, von denen deutlich weniger mit dem Rauchen beginnen. Auch stieg die Zahl der Schulklassen, die sich in einem Wettbewerb freiwillig entschließen, nicht zu rauchen, auf 400 – eine Steigerung von 65 Prozent.

NDR 90,3
Aktuell
Alexander Heinz
Datum: 27.4.05
Sendung: 27.04.05, 15.00 Uhr

 

Rauchen schadet Ihrem Heilungsverlauf !

"In Deutschland rauchen 35% aller Männer und 20% aller Frauen. Tabak ist neben Alkohol das am weitesten verbreitete Genuss- und Suchtmittel.

Die durch Tabakrauch verursachten Krankheiten werden für den vorzeitigen Tod von weltweit drei Millionen Menschen im Jahr verantwortlich gemacht. Tabakrauchen erhöht das Risiko, an Lungen-, Kehlkopf-, Mundhöhlen- und Speisehöhlenkrebs zu erkranken um ein Vielfaches. So sind zum Beispiel 80-90% der an Lungenkrebs erkrankten Mitbürger Raucher. (G. Buchkremer et al., "Tabakabhängigkeit", DHS, 11/94)

Bei den zuvor erwähnten "Eigenschaften" des Rauchens handelt es sich um Tatsachen, die Ihnen sicherlich bereits bekannt waren – und Sie rauchen trotzdem, denn die genannten Erkrankungen bedrohen Sie zur Zeit noch nicht.

Wenn Sie als Patient ... behandelt werden, sollten Sie jedoch über weitere Auswirkungen des Tabakrauchens informiert sein, die Ihren aktuellen Heilverlauf beeinflussen.

Nach neuesten Untersuchungen (P. Silverstone, D.S. Handlin et al., The American Journal of Medicine; J. Lind, Clinical Orthopaedics and Related Research und L.N.A. van Adrichem, British Journal of Plastic Surgery) hat der Konsum von Tabakrauch in der prae- und postoperativen Phase viele direkte Nachteile für den generellen Heilverlauf und insbesondere für die Knochen und Wundheilung.

Neben dem Nikotin sind die wichtigsten Schadstoffe Kohlenmonoxid, Cyanwasserstoff, Benzol, Nitrosamine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Arylamine, freie Radikale, Cadmium und Polonium 210.

Betrachten wir lediglich die Auswirkungen von drei dieser 10 Schadstoffe.

Das Nikotin ist ein Gift (das in sechs Zigaretten enthaltene Nikotin reicht aus – wenn verschluckt – einen Menschen zu töten), welches im Gefäßsystem als "Vasokonstriktor" (Gefäßverenger) durch die Ausschüttung so genannter Stresshormone (Adrenalin / Noradrenalin) wirkt.
Neben erhöhter Herzfrequenz und Bluthochdruck führt bereits eine gerauchte Zigarette zu einer 30%igen Verringerung der peripheren Blutversorgung (Haut- und Weichteile). Hierdurch kommt es zu einer so genannten "Weichteilischämie", das heißt zur Minderversorgung des in Heilung begriffenen Gewebes mit Sauerstoff und anderen wichtigen Nährstoffen.
Zusätzlich wird die Klebrigkeit der Blutplättchen erhöht. Dies führt zu einer unerwünschten Aktivierung des Gerinnungssystems, hierdurch erhöht sich das Risiko, dass kleine, für die Wundheilung wichtige Blutgefäße durch Gerinnsel verstopfen.
Nikotin verringert die Neubildung von roten Blutkörperchen (Sauerstoffträger) und tötet wichtige Zellbestandteile, zum Beispiel die "Makrophagen" und "Fibroblasten", ab. Diese Zellen sind verantwortlich für den Abtransport von Heilsubstanzen zur Wunde, verursachen durch die Ablagerung von Kollagen eine gesunde Narbenbildung und wehren Bakterien ab. Kohlenmonoxid ist ebenfalls ein hochpotentes Gift, welches sich in der Blutbahn mit dem Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) verbindet und somit die Anzahl der freien Sauerstoffträger vermindert (Haldane-Effekt). Das bedeutet, es wird nicht nur weniger Sauerstoff aus der Lunge in die peropheren Gewebe transportiert, auch die Abgabe des Sauerstoffs aus dem Blut in die Gewebe ist beeinträchtigt. Die Folge ist eine zusätzliche Minderversorgung der gewebe mit Sauerstoff. Die kohlenmonoxidbedingte Sauerstoffarmut des Organismus löst einen Adaptionsmechanismus des Körpers aus. Dieser versucht nun vermehrt rote Blutkörperchen permanent zu bilden, um die Anzahl der Sauerstoffträger zu erhöhen. Diese "jungen" Blutkörperchen können jedoch noch keinen Sauerstoff transportieren, erhöhen aber die Zellzahl im Blut und damit die Zähigkeit (Viskosität). Damit fließt das Blut verlangsamt im Blutkreislauf und erreicht verzögert die Wund- und OP-Bezirke.

Cyanwasserstoffen blockiert das zelluläre Enzymsystem. Hierdurch werden wichtige Reparaturprozesse auf Zellebene behindert.

Zusammenfassend bewirkt somit das Tabakrauchen eine erhebliche Störung der angestrebten optimalen Wund- und Knochenheilung.
Wir können Ihnen diese Verantwortung nicht abnehmen, aber wenn Sie trotzdem in dieser für Sie bestehenden "Ausnahmesituation" weiter rauchen, sind alle Versuche unsererseits, durch Einsatz optimaler operativer Verfahren, durch Anwendung neuester Nachbehandlungskonzepte und durch bestmögliche pflegerische und ärztliche Therapie Ihren Heilverlauf günstig zu beeinflussen, behindert.

Abschließend noch einige informative Zahlen aus der aktuellen Forschung:
    1. Bei einer klinischen Studie in der plastischen Chirurgie wurde n ach einem Punktesystem die Narbenheilung nach plastischen Eingriffen bei 69 Rauchern und bei 51 Nichtrauchern untersucht. Bei 25% der Raucher verlief die Narbenheilung unbefriedigend. Bei keinem Nichtraucher trat eine Narbenheilungsstörung auf. (Siana JE, Rex S, Gottrup F, The effect of cigarette smoking on wound healing. Scan. J. Plast. Reconstr. Surg. 1989; 23:207-9)
    2. Bei der Abschlussuntersuchung von 1186 Patienten nach plastischen Haut-Weichteileingriffen im Gesicht wurde festgestellt, dass 74% aller aufgetretenen Wundheilungsstörungen durch Tabakrauchen entstanden waren. Das Risiko für das Auftreten von Wundheilungsstörungen lag bei den Rauchern dreimal höher als bei den Nichtrauchern. (Rees TD, Liverett DM, Guy CL, The effect of cigarette smoking on skin-flap survival in the face lift patient. Plast. Reconstr. Surg. 1984; 73:911-5)
    3. Die Nachuntersuchung von 165 oberschenkel- und unterschenkelamputierten Patienten ergab, dass das Risiko für Infektion und Nachamputation bei den Rauchern 20% größer war als bei den Nichtrauchern. (Lind J, Kramhoft M, Bodtker S, The Influence of Smoking on Complications After Primary Amputations of the Lower Extremity. Clinical Orthopaedics and Related Research 1991; 267:211-16)"

 

Internet
Nichtraucherschutz Hamburg: www.nrs-hh.de
Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e. V. (HLS), Tel. 284 99 18 - 17,
www.rauschbarometer.de
Büro für Suchtprävention
www.suchthh.de
Be Smart - Don't Start
www.besmart.info
Für ein rauchfreies Leben www.help-eu.com
»Prävention der Nikotinsucht bei Kindern und Jugendlichen
in Hamburg und Umgebung«
www.nichtrauchen-ist-cool.de
Viele Informationen zu Pro und Contra Rauchen
(mit der Betonung auf Pro) unter
www.geschichte-des-rauchens.de/Rauchen.htm

 

Ab 1. Januar 2008, Hamburg:
Das Rauchen ist ab sofort nicht erlaubt

  • in Krankenhäusern sowie Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen;
  • in Heimen;
  • in allen Schulen einschließlich des Schulgeländes.
  • in Hochschulen, Volkshochschulen und allen anderen Bildungseinrichtungen;
  • in Sporthallen, Hallenbädern und sonstigen Räumen, in denen Sport ausgeübt wird;
  • in allen öffentlichen Kultureinrichtungen, zum Beispiel Museen, Theatern und Kinos;
  • in allen Gaststätten einschließlich Diskotheken;
  • in Einzelhandelsgeschäften, in denen Lebensmittel, Speisen oder Getränke angeboten werden;
  • in Einkaufszentren, sofern sie sich in geschlossenen Gebäuden befinden;
  • in Justizvollzugsanstalten und Einrichtungen des Maßregelvollzugs.
  • (Hamburger Abendblatt, 5.7.07, Seite 14)

     

    Zitat
    „Wer Tabak raucht, riecht wie ein Schwein, wer Tabak schnupft, sieht aus wie ein Schwein, wer Tabak kaut, ist ein Schwein.“ Anne Louise Germaine de Staël-Holstein (Madame de Staël), französische Schriftstellerin (1766-1817)

     

    First Warning: The Surgeon General Has Determined That Smoking Is Dangerous to Your Health.
    Second Warning: Abuse of Alcohol Is Dangerous for Your Health.
    Third Warning: The OECD Has Determined That 'Membered' School Systems Are Dangerous to Your Education.

     

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