Rotstift 2002
3882 Lehrerwochenstunden an den Gesamtschulen in Hamburg weggekürzt

"Der Gesamtschulbereich hat bereits in der letzten Legislaturperiode mit den anteilsmäßigen umfangreichsten Sparleistungen zur Konsolidierung des Hamburger Haushaltes beigetragen (118 Stellen), unsere Schulform erbringt darüber hinaus eine Sparleistung von rd. 150 Lehrerstellen, weil Gesamtschüler ohne Sitzenbleiben und fast ohne Wiederholungen die Schule schneller durchlaufen als Schüler des gegliederten Schulwesens." (Erklärung der Schulleiter und Schulleiterinnen der Hamburger Gesamtschulen, 7. Juni 2002)
"Ich nicht und auch sonst niemand in der Koalition hat die Absicht, die Gesamtschulen abzuschaffen ... (ob minus 10,3% an die Substanz der Gesamtschulen geht,) wird sich herausstellen." (Schulsenator Rudolf Lange am 7. Juni 2002 im Hamburger Abendblatt, Seite 12)
"Die neue Leiterin des Amtes für Schule, Ingeborg Knipper (CDU), hatte unlängst erklärt, sie halte die Zahl der integrierten Gesamtschulen für zu hoch. Mit Bildungssenator Rudolf Lange (FDP) ist sie der Auffassung, die Gesamtschulen seien unverhältnismäßig gut ausgestattet." (Hamburger Abendblatt 23.7.2002, Seite 9)
"Wenn Gesamtschulen billiger sind, können wir sie auch nicht kaputtsparen." (Ingeborg Knipper, Leiterin des Amtes für Schule, auf der Veranstaltung des Elternvereins Hamburg "Das neue Schulgesetz - Die Schullandschaft in Hamburg wird sich verändern" am 19.11.2002)
"Es ist nicht so, dass die Gesamtschule mir nicht am Herzen liegen würde." Er "weiß um den Wert und die Bedeutung der integrierten Gesamtschulen". (Hamburgs Schulsenator Rudolf Lange auf einer Veranstaltung des Elternverein Hamburg e.V. am 4. Februar 2002
"Die Gesamtschule hat bei mir einen sehr hohen Stellenwert." "Die Gesamtschulen werden nicht kaputtgespart. Ihre Integrationsleistung ist hoch zu loben." (Hamburgs Schulsenator Rudolf Lange auf einer Veranstaltung des Elternverein Hamburg e.V. am 2. Juli 2002)

"3882 Stunden fallen weg
GESAMTSCHULEN
müssen den Abbau der Lehrerstellen selbst organisieren. Es gibt massive Proteste gegen die umfangreiche Streichliste. Die Auseinandersetzung um die Zukunft der Gesamtschulen ist in der Ferienzeit neu entbrannt. Dafür hat der Senat mit seiner Mitteilung gesorgt, wie viele Unterrichtsstunden bei dieser Schulform konkret eingespart werden sollen. Genau 3882 Lehrerwochenstunden werden es im neuen Schuljahr sein, antwortete der Senat auf eine parlamentarische Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Wolf-Gerhard Wehnert (SPD). Dabei hat die Bildungsbehörde genau aufgelistet, was jede einzelne der 40 Hamburger Gesamtschulen streichen muss." (Hamburger Abendblatt 23.7.2002, Seite 9)
Folgen der Kürzungspolitik: Mehrbelastung der LehrerInnen, Erhöhung der Krankenquote und der Frühpensionierungen (Burn-Out), deswegen und wegen der standardmäßigen Unterversorgung vermehrt Unterrichtsausfall, größere Klassen, Abbau von Angeboten, Einbußen bei der Qualität und den Standards.

An die großen Schulen wird die Axt gelegt

Name der Gesamtschule
Integrierte Gesamtschule, wenn nichts anderes vermerkt

Kürzung um ... Lehrerwochenstunden

Albert-Schweitzer-Schule

48

Gesamtschule Allermöhe

76

Gesamtschule Alter Teichweg

94

Gesamtschule Bahrenfeld

67

KGS Benzenbergweg
(kooperative Gesamtschule)

49

Gesamtschule Bergedorf

153

Gesamtschule Bergstedt

74

Gesamtschule Blankenese

124

Bruno-Tesch-Gesamtschule

40

Gesamtschule Eidelstedt

94

Gesamtschule Eppendorf

85

Erich-Kästner-Gesamtschule

129

Gesamtschule Fährbuernfleet

83

Gesamtschule Finkenwerder

84

Gesamtschule Fischbek

59

Fritz-Schumacher-Schule

101

Geschwister-Scholl-Gesamtschule

88

Gesamtschule Grellkamp

20

Gesamtschule Harburg

167

Gesamtschule Am Heidberg

97

Heinrich-Hertz-Schule
(kooperative Gesamtschule)
Anmerkung: Wohl wegen der Einführung des Abiturs nach zwölf Jahren fällt die Kürzung an dieser großen Schule relativ niedrig aus.

68

Gesamtschule Horn

121

Ida Ehre Gesamtschule

156

Julius-Leber-Schule

159

Gesamtschule Kirchdorf

98

Gesamtschule Lohbrügge

92

Max-Brauer-Gesamtschule

119

Gesamtschule Mümmelmannsberg

191

Gesamtschule Niendorf

100

Gesamtschule Öjendorf

89

Otto-Hahn-Schule

110

Peter-Petersen-Schule

109

Gesamtschule Poppenbüttel

80

Rudolf-Roß-Gesamtschule

71

Gesamtschule Steilshoop

79

Gesamtschule Stellingen

95

Gesamtschule Süderelbe

105

Gesamtschule Walddörfer

116

Gesamtschule Wilhelmsburg

119

Gesamtschule Winterhude

73

Summa summarum

3882

 

 

Kürzung im Durchschnitt pro Schule

97,05

 

"Bedarfsabsenkungen vom quantitativen Bedarf" (Zahlen aus einem Papier der Behörde für Bildung und Sport, Mai 2002)

Schulform

Grund-schule

Beo-HR-Real-schule

Haupt- und Real-schule

Sonder-schule

Gymna-sium (7-10)

Gymna-sium (Sek. II)

Gesamt-schule (5-10)

Gesamt-schule (Sek. II)

Beruf-liche Schulen

Gesamt

Absenkung in Stellen

0

0

0

0

35

27

143

6

134

345

in %

0

0

0

0

3,0

3,0

10,3

3,0

4,0

3,0

... und kein Ende in Sicht ... die nächste Kürzungsrunde: Im Bericht der Arbeitszeitkommission heißt es:: "‘Nach der im Sommer 2002 vorgenommenen Absenkung (siehe oben) werden die allgemein bildenden Schulen nunmehr proportional zu den bestehenden Bedarfsgrundlagen versorgt (d. h. um weitere 3% abgesenkt).‘ Will sagen: Was vorher 97 Prozent Unterrichtsversorgung waren, wird jetzt einfach zu 100 Prozent." (Kaija Kutter, "Doch kein Wunder - Klassen werden größer und seltener geteilt", taz Hamburg Nr. 6957 vom 18.1.2003, Seite 26)

 

Veränderungen bei den Ausgaben pro SchülerIn in Bezug auf die Schulform

Schulform

Ausgaben pro SchülerIn bisher

Ausgabe pro SchülerIn ab 2003

=Abbau um ... %

Hauptschule

6.264 Euro

5.954 Euro

5%

Realschule

5.471 Euro

5.220 Euro

4,6%

Gymnasium

?

?

4,4%

Gesamtschule

6.271 Euro

5.788 Euro

7,7%

Quelle: Britta Ernst, SPD-Fraktion, 306 / 23. August 2002

Siehe Rotstift 2003
Siehe Rotstift 2004

Siehe auch LehrerInnenmangel und Arbeitszeit

 

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