Rotstift 2004

Kürzungen bei den Lehr- und Lernmitteln

Alle Hamburger Schulen müssen nach den Sommerferien 14 Prozent (entspricht 1,25 Mio Euro) bei Schulbüchern und anderen Unterrichtsmitteln einsparen. Das hat die Bildungsbehörde den Schulen zwei Tage vor Ferienbeginn mitgeteilt. (Alexander Heinz, NDR 90,3, 23.6.04)
Weitere 2,5 Mio Euro (= 28%, insgesamt also 42%) der Lehr- und Lernmittel werden 2005 gestrichen. Die Aufhebung der Lernmittelfreiheit sei unumgänglich, sagt der Staatsrat der Bildungsbehörde Reiner Schmitz. "Unser Ziel ist, die Eltern an der Beschaffung der Schulbücher zu beteiligen." (Hamburger Abendblatt, 25.6.04, Seite 15: "Behörde bittet Eltern zur Kasse")

Kürzungen auf Kosten der Förderung "schwächerer" SchülerInnen

"... (es) sollen in diesem Bereich bis zum übernächsten Schuljahr rund 430 Stellen gekürzt werden. Das betrifft zum Beispiel die Bereiche Deutschunterricht für Ausländer, das Projekt Lesen und Schreiben für Grundschüler und den muttersprachlichen Unterricht für türkische Kinder. In einem ersten Schritt sollen im Bereich der schulischen Sonderbedarfe schon rund 160 Stellen zum nächsten Schuljahr gekürzt werden." (Alexander Heinz, NDR 90,2 Aktuell, 7.6.04)

Höhere Klassenfrequenzen - größere Lerngruppen

Schulform

Geplanter Abbau LehrerInnenstellen

Grundschule

92 LehrerInnenstellen

Gesamtschule 5-10

94 LehrerInnenstellen

Gymnasien 5-10

72 LehrerInnenstellen

Oberstufe von Gymnasien und Gesamtschulen

77 LehrerInnenstellen

Realschulen 7-10

32 LehrerInnenstellen

Sonderbedarfe (Sprachförderung, Vorbereitungs-klassen, Deutsch für Ausländer; Projekt Lesen und Schreiben, Förderung der Zweisprachigkeit)

431 LehrerInnenstelen

Die Klassen 5 und 6 der Hauptschulen erhalten ein Plus von 13 LehrerInnenstellen - auch nur ein Tropfen auf den ziemlich heißen Stein.
Alexander Heinz, NDR 90,2 Aktuell, 7.6.04, Hamburger Abendblatt, 9.4.04, Seite
 13

Geplante "1.019 Umschichtungen" (=Verschlechterungen der Qualität in den anderen Bereichen)

Bereich

LehrerInnenstellen

Schulzeitverkürzung an Gymnasien
(12 Jahre bis zum Abitur)

98 LehrerInnenstellen (können gegengerechnet werden zu den abgebauten 72 Stellen oben; für die damit verbundene Mehrarbeit aber wohl kaum ausreichend)

Ganztagsschulen

230 LehrerInnenstellen

Besserer AZM-Faktor für Grundschullehrerinnen

85 LehrerInnenstellen

Verbesserungen für Kunst-, Sport- und MusiklehrerInnen

44 LehrerInnenstellen

Als Beitrag zur Konsolidierung des Haushalts muss die Bildungsbehörde außerdem bis 2008 reale 81 Stellen streichen. Hamburger Abendblatt, 9.4.04, Seite 13

Die CDU fordert, Klassen auf maximal 20 bis 25 SchülerInnen herunterzufahren. (1981)
SPD: Die Größe der Lerngruppen habe kaum Einfluss auf den Lernerfolg. (1981) (Beides zitiert nach: Hamburger Abendblatt, 15./16.01.05, Seite 12)
Bildungssenatorin Dinges-Dierig "hält größere Klassen für unvermeidlich, aber auch vertretbar. 'Wir kommen darum nicht herum, weil wir uns die kleinsten Klassen bundesweit leisten.' ... (und) weil es wissenschaftlich gesehen keinen Zusammenhang zwischen der Klassengröße und dem Lernerfolg gebe." (Hamburger Abendblatt, 24./25.4.04, Seite 1)

"Die Klassen-Basisfrequenzen werden in allen anderen Schulformen außer in der Hauptschule bzw. in den 5. und 6 Klassen der Realschule ... leicht angehoben. Im Einzelnen entwickeln sich die Frequenzen folgendermaßen:
Primar-/Beobachtungsstufe:
- Grundschule: 24 statt bisher 23
- Gymnasium Kl. 5 - 6: 26 statt bisher 25
- Gesamtschule (inkl. kooperative) Kl.5 - 6: 24 statt bisher 22,5
Sekundarstufe I:
- Realschule Kl.7 - 10: 22,5 statt bisher 21
- Integrierte Haupt- und Realschule Kl. 7 - 10: 21 statt bisher 20
- Gymnasium Kl. 7 - 10: 25 statt bisher 24
- Gesamtschule Kl. 7 - 10: 21 statt bisher 19,5
Sekundarstufe II:
- Gymnasium/Gesamtschule Kl.11 - 13 (Inkl. Aufbau): 22 statt bisher 20,5
Integrierte Klassen:
- Kl. 1 - 4: 16 statt bisher 15
- Haupt- und Realschule Kl.5 - 6: 19 statt bisher 18
- Haupt- und Realschule: 17 statt bisher 16
- Gesamtschule Kl. 5 - 6: 19 statt bisher 18
- Gesamtschule: 16 statt bisher 15 "

(BBS 14, 14.05.04, Seite 2: "Hauptschulen stärken, Grundschullehrer entlasten, Sprachförderung neu positionieren")
Zur Erklärung: Basisfrequenz ist die Größe, die eine Klasse erreichen muss, um den Grundunterricht zu erhalten. Da diese niedrig ist, wirkt die Erhöhung optisch nicht so drastisch, wie sie tatsächlich ist. Die Organisationsobergrenze, die so genannte Organisationsfrequenz, steigt zum Beispiel auf 30 SchülerInnen pro Klasse bei einer Erhöhung der Basisfrequenz in Grundschulen von 23 auf 24.

Schulschließungen - "Schulschleifen"

"Die Hamburger Bildungsbehörde erwägt aufgrund der geringen Anmeldezahlen 16 Schulen zu schließen oder zusammenzulegen. Entsprechende Vorschläge ... wurden jetzt an die Schulen versandt. Bis Anfang Mai (2004) haben Schulen und die Kammern von Lehrern, Eltern und Schülern Zeit, Stellung zu den Vorschlägen zu nehmen. ... Vor den Sommerferien wird sich dann die Deputation der Bildungsbehörde damit befassen." (Alexander Heinz, NDR 90,3, 14.4.04)
"Alle Maßnahmen sollen in einen langfristigen Schulentwicklungsplan eingebettet werden." (BBS-Sprecher Hendrik Lange im Hamburger Abendblatt, 15.4.04, Seite 14)
Wie bekannt wurde, "sollen noch vier weitere berufliche Schulen und zwei Grundschulen zusammengelegt werden .... Insgesamt sollen ... zwölf Schulen auslaufen und zehn Schulen zusammengelegt werden". (Alexander Heinz, NDR 90,3, 16.4.04)
"Insgesamt hält die Senatorin ein Drittel aller 430 Schulstandorte für zu klein." (taz Hamburg Nr. 7359 vom 15.5.2004, Seite 25, 144 TAZ-Bericht Kaija Kutter)
"Eine große Koalition der Bürgerschaft hat den Senat aufgefordert, bei der Schulentwicklungsplanung Eltern, Lehrer und Schüler von Anfang an zu beteiligen. Mit den Stimmen von CDU und SPD beschlossen die Abgeordneten einen Unions-Antrag, der Schulkonferenzen, Kreiselternräte, die Kammern, Sportvereine und Gewerkschaften in die Entscheidung über Schulstandorte frühzeitig [wie frühzeitig ist "frühzeitig"?] einbezieht." (Hamburger Abendblatt, 27.05.04, Seite 12: "Schulstandorte: Mehr Mitsprache für die Betroffenen")
Schließung/Zusammenlegung von Schulen: Alexander Luckow (BBS): "Es gilt die Maxime der Senatorin: Wenn es gute Argumente für den Erhalt einer Schule gibt, trifft es automatisch eine andere." (taz Hamburg, 8.12.04)

Schule

Schulform

Stadtteil

Geplante Maßnahme

Bei der Katharinenkirche

Grundschule

Altona-Altstadt

Schließung (Schule bleibt erhalten, soll aber später komplett in die HafenCity umziehen.)

Schierenberg

Grundschule

Berne

Schließung
(Schule bleibt)

Langenfort

Grundschule

Barmbek-Nord

Schließung
(ausgesetzt)

Beltgens Garten

Grundschule

Borgfelde

Schließung
(ausgesetzt)

Laeiszstraße

Grundschule

St. Pauli/Karolinenviertel

Schließung
(bestätigt)

 

 

 

 

Berne

HR-Schule

Berne

Schließung

Sengelmannstraße

HR-Schule

Alsterdorf

Schließung

Mendelstraße

HR-Schule

Lohbrügge

Schließung

Heinrich-Helbing-Straße

HR-Schule

Bramfeld/Barmbek

Schließung

Buddestraße

HR-Schule

Wilhelmsburg

Schließung

An den Teichwiesen

IHR-Schule

Volksdorf

Schließung

 

 

 

 

Gym. Langenhorn

Gymnasium

Langenhorn

Schließung
(bestätigt)

 

 

 

 

Moorburg +
Arp-Schnitger-Stieg

Grundschule
Grundschule

Moorburg
Neuenfelde

Zusammenlegung (Schule Moorburg bleibt erhalten.)

Bornheide +
Am Barls

HR-Schule
HR-Schule

Osdorfer Born/Lurup

Zusammenlegung

Meiendorf +
Islandstraße

HR-Schule
Grundschule

Meiendorf/Rahlstedt

Zusammenlegung

 

 

 

 

Bruno-Tesch-GS *

Gesamtschule

Altona-Altstadt

Schließung
(bestätigt)

 

 

 

 

Quellental

Schule für Verhaltensgestörte

Nienstedten

Schließung
(bestätigt)

 

 

 

 

* Komitee Eine Integrierte Gesamtschule für Altona-Altstadt (Gründungspapier)
* Dokumente Eine Integrierte Gesamtschule für Altona-Altstadt

Siehe Rotstift 2002
Siehe Rotstift 2003
Siehe Rotstift 2005

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