Schul-TÜV (Qualitätsmanagement an Schulen)

(seit 2006/07 an Hamburger Schulen eingesetzt)
2006/07 wurden 32 ausgeloste Schulen untersucht, danach sollten es 110 Schulen im Jahr sein. In einem 4-Jahre-Rhythmus werden so alle Hamburger Schulen begutachtet.
Die untersuchten Schulen sollen ihre Stärken und Schwächen erkennen. Unter die Lupe kommen: Zufriedenheit von SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen, die Arbeit der Schulleitungen, Förderangebote und deren Ergebnisse, Quote erfolgreicher Abschlüsse, Noten.

2010 startete die Hamburger Schulbehörde ein Pilotprojekt: Ziel ist die Einbeziehung der Eltern bei der Entwicklung der Schulqualität. Sie sollen die Schulinspektoren des Schul-TÜV bei deren Schulbesuchen begleiten sowie ein Format für ihre eigene Stellungnahme entwickeln. (Hamburger Abendblatt, 13.1.10, Seite 15)

Jahresbericht 2009/2010 der Hamburger Schulinspektion: Seit dem Start 2006 wurden 223 Hamburger Schulen inspiziert, im Berichtszeitraum waren es 82. Die LehrerInnen würden die individuellen Lernvoraussetzungen der Schüler stärker berücksichtigen. Der Unterricht sei dort gut, wo es Qualitätsmanagement und Evaluation gebe. Die allgemeinbildenden Schulen hätten hier Nachholbedarf. Den beruflichen Schulen fehle ein systematisches Qualitätsmanagement. Die Schulinspektion empfiehlt dem Landesinstitut für Lehrerbildung (LI), Leitungskräfte klarer für die Steuerung der Qualitätsentwicklung zu qualifizieren. Die Schulbehörde will die Anregungen aufnehmen. Ein Gesamtkonzept zur Einführung von Qualitätsmanagement an allgemeinbildenden Schulen soll zum Schuljahr 2011/12 vorliegen. (Hamburger Abendblatt, 27.01.11, Seite 9)

November 2011: Die Schulbehörde unter Senator Ties Rabe (SPD) plant, die Ergebnisse der Schulinspektion im Internet zu veröffentlichen. Die Reaktionen sind kontrovers: Ranking, ein öffentlicher Pranger und ein gnadenloser Schulkampf um Schulplätze wird befürchtet. Der Schul-TÜV sei ein ungeeignetes Mittel und daher abzuschaffen. Auf den Widerspruch zwischen Transparenz einerseits und An- und Auswahl der Schüler nur nach dem „Wohnortprinzip“ andererseits wird hingewiesen. Befürworter des Plans versprechen sich davon eine stetige Verbesserung aller Schulen. (Hamburger Abendblatt, 18.11.11, Seite 8)

Der Leiter einer Förderschule spricht sich in einem Leserbrief gegen die Veröffentlichung aus: „Die Schulinspektion ist ein sich entwickelndes und etablierendes Instrument der externen Evaluation. Dies ist ein Hilfsmittel für die fachlich-professionelle Auseinandersetzung in der Schule. Die Aussagen sind stets vor einem besonderen Erhebungs- und Auswertungshintergrund zu interpretieren und für Außenstehende nicht leicht nachzuvollziehen. Es wäre ein Missbrauch dieser Daten, sie in einem Ranking zu platzieren.“
Eine Schulleiterin weist in einem weiteren Leserbrief darauf hin, dass die Schulinspektion nur für selbst gesteuertes Lernen das höchste Prädikat verleihe. Diese Qualitätsdefinition sei umstritten. (Hamburger Abendblatt, 21.11.11, Seite 2)

TÜV < Technischer Überwachungsverein: zuständig für Hauptuntersuchung, HU, nach § 29 StVZO, runde Prüfplakette, für Abgasuntersuchung, AU, nach § 47a StVZO in Verbindung mit Anlage XIa StVZO, sechseckige Prüfplakette bei Fahrzeugen sowie Plaketten nach Überprüfung von sicherheitsrelevanten Anlagen/Geräten

Schul-TÜV = Qualitätskontrolle von Schulen durch SchulinspektorInnen (BehördenmitarbeiterInnen, SchullleiterInnen, außerschulische ExpertInnen). Schulen sollen dadurch Stärken und Schwächen erkennen. In Hamburg beginnt am 1.1.06 die Vorbereitungsphase.
Untersucht werden: Zufriedenheit von SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen, die Arbeit der Schulleitungen, Förderangebote und deren Ergebnisse, Quote erfolgreicher Abschlüsse, Noten. Es wird keine Rankinglisten, aber möglicherweise "Bestenlisten" geben. (u.a. Hamburger Abendblatt, 11./12.6.05, Seite 10)
Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern: Ranking: Abschlüsse (2007)
Auf der Basis des „Orientierungsrahmens Schulqualität“, der seit August 2006 für alle Schulen verbindlich ist, wird geprüft, ob es in folgenden Bereichen „Verbesserungspotentiale“ gibt:
- „Führung und Management“
- „Unterricht und Erziehung“ („Unterrichtskultur“)
- „Ergebnisse“. (Hamburger Abendblatt, 6.2.07, Seite 14)
Schul-TÜV-Inspektion erfolgt durch vier Teams, jedes Team besteht aus drei Mitgliedern, von denen eines nicht aus dem Bildungsmilieu stammt, sie dauert zwei Tage. 2006/07 werden 32 ausgeloste Schulen untersucht, später sollen es 110 Schulen im Jahr sein. In einem 4-Jahre-Rhythmus werden so alle Hamburger Schulen begutachtet.
Nach dem Willen der Senatorin sollen die Schulen auf der Grundlage der Ergebnisse ihre Profile verbessern.
Zur Information erhalten alle Schulen die Schrift „Schulqualität“ (Hamburger Abendblatt, 2. November 2005, Seite 14, Infos aus der GAL-Bürgerschaftsfraktion, 01-11-2005)
§ 85, Abs. 2 HmbSG: „Die Schulinspektion untersucht die Qualität des schulischen Bildungs- und Erziehungsprozesses und berichtet darüber den Schulen und der Schulaufsicht. Schulinspektorinnen und Schulinspektoren sind in der Bewertung der Qualität einzelner Schulen an Weisungen nicht gebunden. Durch die Schulinspektion wird schulübergreifend und vergleichend der Erfolg der pädagogischen Arbeit geprüft.“

Institut für Bildungsmonitoring (ehem. Schule Beltgens Garten), Beltgens Garten 25, 20537 Hamburg:
„Schulinspektion“
• Ende 10/06 Anschreiben an die Schulen
• Ende 12/06 Erarbeitung eines Inspektionshandbuchs (Beteiligung der Schulen, LehrerInnen, Eltern)
• Ende 01/07 Ausbildung der InspektorInnen
• Ende 01/07 Veröffentlichung der Instrumente
• 01.02.2007 Start der Inspektionen in den ersten 30 (gern freiwilligen!) Schulen

Die Rolle der Eltern:
• 01/2007 Informationsveranstaltung für Eltern
• Beratung der Schulgremien vor der Inspektion
• Befragung der Eltern (schriftliche Fragebögen, Gespräche) durch die Inspektionsteams
• Information und Beratung über die Inspektionsergebnisse in den Schulgremien
Das Inspektionsergebnis liefert ein nachvollziehbares Qualitätsurteil; bei der Auswertung wird der jeweilige Sozialindex der Schule berücksichtigt. Die Jahresberichte der Inspektionen werden veröffentlicht.
Informationsveranstaltungen für Schulen sind geplant. Fragen können an schulinspektion@schule.hamburg.de gestellt werden.
Weitere Informationen unter: www.schulqualitaet-svs.hamburg.de

Hamburger Bildungsserver: http://www.hamburger-bildungsserver.de/schulentwicklung/lernen/index.htm

mit den Gesamtschulen Bahrenfeld, Harburg, Max-Brauer-Schule, Öjendorf und Winterhude

 

 

Behörden-Mitteilung

1. November 2005 / bbs01 SCHULE

Aufbau der Schulinspektion in Hamburg beginnt

Bildungssenatorin stellt Eckpunkte vor

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig hat dem Senat heute Eckpunkte für den Aufbau einer Schulinspektion in Hamburg vorgestellt, der bis zum Schuljahr 2006/2007 abgeschlossen sein soll. Aufgabe der Inspektionsteams wird die regelmäßige externe Evaluation aller staatlichen Hamburger Schulen anhand ausgewiesener Verfahren und Kriterien und die Berichterstattung über die Inspektionstätigkeit sein.

Notwendig ist die Etablierung der Schulinspektion nach Ansicht der Senatorin unter anderem, weil
* die Sicherung der Erreichung von Mindeststandards in zentralen Fächern bisher nur unzureichend gewährleistet ist.
* die Situation an Hamburger Schulen bisher gekennzeichnet ist von extrem heterogenen Ausgangslagen mit problematischen Konsequenzen insbesondere im Bereich der Lernleistungen im unteren Bereich.
* auf allen Leistungsniveaus deutliche Streuungen zwischen sehr günstigen und sehr ungünstigen Entwicklungen einzelner Schulstandorte existieren, trotz vergleichbarer Ausgangslagen.
* das Wissen über Leistungsergebnisse zwar schul- und auch klassenbezogen vorliegt, aber zu wenig Wissen darüber verfügbar ist, was in den Schulen aufgrund welcher interner Bedingungen konkret gelingt oder misslingt.
Entsprechend dem vorliegenden Konzept sollen
* gut ein Dutzend Stellen für Voll- und Teilzeitzeitinspektoren und -inspektorinnen sowie weiteres Personal der Geschäftsstelle (wissenschaftliche Angestellte und Sachbearbeitung) verwandt werden. Die Stellen werden aus dem Stellenbestand der Behörde erbracht.
* diese Stellen, die in den nächsten Wochen öffentlich ausgeschrieben werden, können mittel und langfristig auch extern besetzt werden. Bewerbungen sind dann ausdrücklich auch von Personen erwünscht, die nicht aus dem Schulbereich kommen.
* Qualifizierungsprogramme für das neue Personal in Verantwortung des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung ab Frühjahr 2006 durchgeführt werden.

Der Einstieg in die Inspektionen im Schuljahr 2006/07 soll mit 30 Schulen aller Schulformen beginnen. Im Ausbauzustand wird die Inspektion jährlich ca. 110 Schulen aller Schulformen besuchen, um einen 4-Jahres-Zyklus sicherstellen zu können.

Vorläufig wird die Schulinspektion als eine Dienststelle der Behörde für Bildung und Sport eingerichtet mit dem Ziel einer künftigen rechtlichen Verselbständigung. Noch im Herbst wird allen Schulen ein Orientierungsrahmen "Schulqualität" zur Beratung zugesandt. Der Orientierungsrahmen wird anhand ausgewiesener Qualitätsbereiche, -merkmale und -indikatoren die Entwicklungsarbeit der Schulen verbindlich orientieren und damit auch konzeptioneller Bezugsrahmen für Inspektionen sein.

Wichtige Inspektionsverfahren und -schritte sind weiterhin
* transparente Verfahren der Auswahl der Schulen, rechtzeitige Ankündigung
* vorgängige Aufbereitung und Zusammenschau interner/externer "Daten" zum Schulstandort (schulbezogene statistische Grunddaten, Daten der internen Evaluation, Daten von Lernstandserhebungen [KESS, Vergleichsarbeiten, zentrale Prüfungen], Befragungen von Schülern, Eltern, Lehrkräften usw.)
* Kontaktaufnahme mit der Schule: Information, Festlegung der Inspektionsschwerpunkte, Verfahrensabsprachen
* Schulbesuch mit Gesprächen, Unterrichtsbeobachtungen und Schulbegehung
* Datenanalyse und -bewertung mit Rückkopplungsverfahren
* Berichterstattung an Schule und Schulaufsicht

Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig:
"Die Schulinspektion wird im System der selbstverantworteten Schule den wichtigen Part der unabhängigen Qualitätskontrolle übernehmen. Auf der Grundlage der Ergebnisse können die Schulen dann an der Verbesserung ihrer Qualitätsprofile arbeiten: Herausstellen der jeweils Besten, voneinander Lernen durch "best practice" oder mit Hilfe der Schulaufsichten und des Landesinstituts für Lehrerfortbildung - sie werden auf der Grundlage der Berichte der Schulinspektion beraten und unterstützen.

Das übergeordnete Ziel ist klar: Wir wollen die Lernergebnisse der Schülerinnen und Schüler verbessern und sie in ihrer Persönlichkeitsbildung noch stärker fördern. "

 

(mitgeteilt durch die Infos aus der GAL-Bürgerschaftsfraktion, 01-11-2005)

 

 

 

Kritik am Schul-TÜV (von der GAL - Bündnis90/Grüne)

„Schulinspektion: Schulsenatorin macht den letzten Schritt vor dem ersten

Mit den heute vorgestellten Eckpunkten zur Schulinspektion bringt die Schulsenatorin erneut eine gute Idee noch vor der Umsetzung in Misskredit. „Nach dem Motto ‚Erst Handeln - dann denken' macht die Senatorin mal wieder den letzten Schritt vor dem ersten“, kritisiert die Vorsitzende der GAL-Bürgerschaftsfraktion Christa Goetsch. Bereits in zehn  Monaten sollen die ersten Schulen Besuch von Inspektoren bekommen. Doch dort weiß man bis heute noch nicht, welche Kriterien die Schulinspektion unter die Lupe nehmen werden. Wie - fragt sich jeder vernünftig denkende Mensch - soll sich eine Schule innerhalb so kurzer Zeit darauf einstellen? „Wer so etwas fordert, hat keine Ahnung von erfolgreicher Schulentwicklung“, so Goetsch.

Die Idee der Behörde - Schule würde besser, wenn man nur ordentlich kontrolliert, welche Ergebnisse erbracht werden - missachtet zudem die Idee der Selbständigkeit oder Autonomie der Schule. Schulentwicklung muss von vielen Menschen in jeder einzelnen Schule mitgetragen werden. Diese wollen und sollen im Rahmen der staatlichen Verantwortung eigene Wege und Ziele festlegen - das braucht ausreichend Zeit, wenn es gut werden soll.

Richtig wäre folgendes Vorgehen:
1. Die Schulen analysieren ihre Lage und formulieren in einem Schulprogramm ihre Ziele.
2. Die Schulen erarbeiten Instrumente und Maßnahmen, mit denen die Ziele erreicht werden sollen.
3. Die Schule entwickelt Evaluationsinstumente und überprüft die Wirkung der Maßnahmen und das Erreichen der Ziele.
4. Vereinbarung von Ziel und Leitungsvereinbarungen mit der Schulbehörde
5. Evaluation durch eine Schulinspektion

Für die Entwicklung dieser Schritte sind in der Regel 3-4 Jahre vorgesehen. Dies wird im Übrigen in den Schulversuchen in anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt auch so gemacht. Auch der Schulversuch „Selbstverantwortete Schule“ ist in Hamburg nach einem Jahr Arbeit gerade im Stadium, gemeinsam mit der Schulbehörde Ziele zu formulieren - aber noch nicht beim Abschluss von Ziel- und Leitungsvereinbarungen! „Die Auswertung von Pilotphasen oder Schulversuchen interessiert Schulsenatorin Dinges-Dierig hier genauso wenig wie bei den beruflichen Schulen. Damit startet die Senatorin ihr nächstes Chaos-Projekt.“ “

(Infos aus der GAL-Bürgerschaftsfraktion, 01-11-2005)

 

 

 

Radiobeitrag

Thema: Schul-Inspektion
Anmoderationsvorschlag
Schul-TÜV für Hamburg. Die Qualität der Hamburger Schulen soll ab August 2006 systematisch untersucht werden. Das kündigte Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig während einer CDU-Veranstaltung an ["1. bildungspolitisches Gespräch" am 8.6.05 im Café Ole, Alsterarkaden]. Durch die Begutachtung sollen die Schulen ihre Stärken und Schwächen besser kennen lernen. Alexander Heinz mit Informationen.


Beitrag:

Jedes Jahr sollen 100 Hamburger Schulen unter die Lupe genommen werden, jede Schule muss sich alle drei bis vier Jahre der Überprüfung unterziehen. Das soll Pflicht werden. Das sagte Bildungssenatorin Alexandra Dinges-Dierig während des bildungspolitischen Gesprächs der CDU-Bürgerschaftsfraktion.
Untersucht werden sollen insgesamt neun Qualitätsbereiche: Wie gut arbeitet die Schulleitung, wie zufrieden sind Schüler, Eltern und Lehrer, welche Förderkonzepte hat die Schule und wie wirksam sind sie? Das sind Beispiele für Fragestellungen aus den verschiedenen Bereichen. Auch Daten beispielsweise über den Unterrichtsausfall einer Schule sollen in den Bericht mit einfließen. "Eltern sollen sich darauf verlassen können, dass ihre Schule gut arbeitet", sagt die Bildungssenatorin.
Um ihre Problembereiche anzugehen, sollen sich die Schulen auch Beratung von außen holen können.
Mit dem Aufbau der Schulinspektion soll schon im Januar 2006 begonnen werden. Sie soll unabhängig von der Schulaufsicht arbeiten.
Ein sogenanntes Ranking, also eine Rangliste aller Schulen, forderte Handelskammerpräses Karl-Joachim Dreyer während der Veranstaltung. Dieser Forderung schloss sich die Bildungssenatorin nicht an. Allerdings will sie Schulen, die besonders gute Ergebnisse bei der Inspektion zeigen, öffentlich herausstellen.

NDR 90,3
Aktuell
Alexander Heinz
Datum: 9.6.05
Sendung: 10.6.05, 7.00 Uhr

 

 

Links
www.schulinspektion.hamburg.de
www.schulinspektion.hamburg.de/jahresbericht
www.bildungsmonitoring.hamburg.de
Zwei Jahre Schulinspektion – Eine Zwischenbilanz www.li-hamburg.de/li.ueberuns/li.newsarchiv/news-li.201001.2/index.html

Siehe auch
Anmeldemodus
Leistung

Neue Steuerungsmodelle
PISA
Privatisierung
Qualitätssicherung
Sozialindex

Zurück zur vorigen Seite