Der Weg zu einer Schulempfehlung gliedert sich wie folgt: Zunächst gibt es während der Primarschulzeit zweimal im Jahr so genannte „Lernentwicklungsgespräche“. Dabei beraten Lehrer und Eltern, gegebenenfalls gemeinsam mit dem Kind, dessen schulisches Vorankommen. Dazu sagt Annegret Witt-Barthel, Pressesprecherin der Behörde für Schule und Berufsbildung: „Neu an diesen Lehrer-Eltern-Gesprächen ist die Intensität des gegenseitigen Austausches. Deswegen sind Eltern und Schüler auch schon langfristig auf die Richtung der späteren Schulempfehlung vorbereitet.“
Zum Ende der Primarschulzeit bestimmen schließlich die Zeugniskonferenzen, an denen das jeweilige Lehrerkollegium teilnimmt, über die individuellen Schulempfehlungen. Die Konferenzen stützen sich auf drei Hauptaspekte:
· den „Lernentwicklungsbericht“ (ein ausführliches Zeugnis) aus dem ersten Halbjahr der Stufe sechs,
· das individuell angelegte „Kompetenzfeststellungsverfahren“ in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch sowie
· die Lehrer-Einschätzung jedes Schülers, was dessen „überfachliche und soziale Kompetenzen“ angeht.
cb
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2009/02/14/1048624.html
Eltern können versuchen, die Schulempfehlung zu kippen – es gibt drei Möglichkeiten:
· Sie können sie gemeinsam mit der Primarschule überprüfen. Fällt die Überprüfung positiv ausfällt, ist der Weg frei.
·
Sie können ihr
Kind an einem Privatgymnasium anmelden, denn die Empfehlung gilt nur für
staatliche Schulen. Allerdings: Auch solche Schulen stellen „Aufnahmehürden“
auf (z.B. gute Zeugnisnoten). Und: sie kosten Geld, legen vielleicht sogar Wert
auf hohen Leistungsdruck und können auch keine Garantie auf einen hohen
Bildungsabschluss geben.
Ein Ausweichen auf ein Gymnasium in einem anderen Bundesland ist nicht möglich.
· Die Empfehlung ist ein „Verwaltungsakt“, dagegen können Eltern juristisch vorgehen (Klage erheben).
Hamburger
Abendblatt, 16.02.09, Seite 18
Quelle: http://www.abendblatt.de/daten/2009/02/16/1050131.html
Eltern sollten sich bei all dem die Fragen stellen: Fühlt sich mein Kind auf der Schule wohl? Kommt es mit den Anforderungen gut zurecht? Macht ihm das Lernen Spaß (ohne Freude am Lernen wird die Anstrengung zur Qual)? Hat es noch genügend (Frei-)Zeit für seine Hobbys, seine Freunde und seine sonstigen Interessen?
In der
Vergangenheit ist es Gesamtschulen immer wieder gelungen, auch SchülerInnen ohne
Gymnasialempfehlung an den höchsten Abschluss heranzuführen und gleichzeitig auch
leistungsstarke SchülerInnen zu fordern (zum Beleg siehe die vielen bei
Wettbewerben erfolgreichen Gesamtschulen). Erste Wahl sollte deshalb eine integrierte
Schule mit Reformprofil sein. Hier wird sowohl gemeinsam gelernt, die
Abschlüsse werden möglichst lange offen gehalten, und es wird eben auch individuell
gefordert und gefördert.
Leider hat es sich noch nicht bei allen herumgesprochen, aber Gesamtschulen
können seit langem belegen: Es ist nicht sinnvoll, „homogene“ Lerngruppen zu bilden,
leistungsstarke und -schwache SchülerInnen können voneinander lernen, und es
ist sinnvoll, individuelle Leistungsprofile zu ermöglichen.
Die Schulempfehlung und die Statistik (2009)
Im Hamburger Durchschnitt besuchen 21% aller Gymnasiasten und Gymnasiastinnen diese Schulform ohne entsprechende Empfehlung der Grundschule. Ihr Anteil in der Schülerschaft ist in sozialen Brennpunkten hoch, in bildungsnahen Regionen niedrig. Da von 50% Anmeldungen im Jahrgang 5 nur ca. 28% am Gymnasium das Abitur ablegen, sind zuvor rund 40% wieder abgegangen (worden). Dem Gymnasium gelingt es also nicht einmal, allen Schülern und Schülerinnen mit entsprechender Perspektive die Hochschulreife zu verschaffen. (Hamburger Abendblatt, 16.4.09, S. 1, S. 2, S. 14)
Siehe
Integrierte Gesamtschule
Primarschule