Schulreform in Hamburg (2008-2012)
Informationen der Behörde für
Schule und Berufsbildung (Schulbehörde)
Warum brauchen wir eine Schuloffensive?
Dafür gibt es drei wesentliche Gründe. Erstens: Der Schulerfolg hängt immer noch zu sehr von der sozialen Herkunft der Eltern ab. Das ist nicht gerecht und ein Verlust für Hamburg. Zweitens: 30 Prozent der Hamburger Schülerinnen und Schüler sind laut PISA so genannte „Risikoschüler“ mit wenig Chancen auf Ausbildung und Arbeit. Drittens: Hamburgs Kinder sind genauso talentiert wie Kinder in Finnland, Kanada oder der Schweiz. Trotzdem sind die Lernerfolge dort größer. Uns gehen Talente und Potenziale verloren.
Warum brauchen wir ein längeres gemeinsames Lernen?
Früher anfangen, später trennen – das machen uns Schulen in fast allen europäischen Ländern erfolgreich vor. In Deutschland beginnen die Bildungsangebote spät und legen Schülerinnen und Schüler früh auf einen Weg fest. Bei vielen Kindern lässt sich am Ende der vierten Klasse kaum vorhersagen, wie sich ihre Leistungen entwickeln werden. Die Prognosen sind oft falsch. Längeres gemeinsames Lernen hat Vorteile: „Spätentwickler“ profitieren und Schnellstarter haben keine Nachteile. Verborgene Stärken bekommen Zeit, sich zu entwickeln. Alle erhalten die Chance, möglichst hohe Abschlüsse zu erzielen.
Wie wählen Eltern die Primarschule aus?
Bei der Anmeldung zur Primarschule gilt wie bisher: „Kurze Beine – kurze Wege“. Die Eltern wählen eine Primarschule in der Nähe ihres Wohnortes („regionaler Verbund“). Wenn es mehr Anmeldungen als Plätze an einer Schule gibt, entscheidet die Länge des Schulweges. Das Elternwahlrecht bleibt erhalten.
Wer entscheidet, auf welche weiterführende Schule die Kinder kommen?
Am Ende der sechsten Klasse entscheidet die Lehrerkonferenz der Primarschule, nach intensiver Beratung mit den Eltern, ob die Kinder künftig auf eine Stadtteilschule oder ein Gymnasium gehen. Bislang konnten Eltern nach der vierten Klasse ihre Kinder auch ohne Empfehlung am Gymnasium anmelden. Am Ende der sechsten Klasse haben aber auch bisher immer die Leistungen über den Verbleib auf dem Gymnasium entschieden. Die Wahl der Schule nach der sechsten Klasse ist unabhängig von der zuvor besuchten Primarschule. Alle Eltern können aus dem vielfältigen Angebot der Stadtteilschulen wählen.
Wie werden die Primarschulen organisiert?
Die Primarschulen sind eigenständig in ihrer organisatorischen und pädagogischen Leitung sowie in ihren Mitwirkungsgremien. Möglichst viele der Primarschulen sollen alle Angebote an einem Ort bündeln. Wenn dies nicht möglich ist, werden die Schülerinnen und Schüler ab der vierten Klasse in einem anderen Gebäude unterrichtet, das auch auf dem Gelände eines Gymnasiums oder einer Stadtteilschule liegen kann. Möglich ist auch, dass alle Klassen einer Primarschule im Sinne einer „Langform“ an einem Standort mit einer weiterführenden Schule untergebracht sind. In allen Fällen bleiben die Kinder Schülerinnen und Schüler der Primarschule und werden bis zur sechsten Klasse gemeinsam unterrichtet.
Wie wird die Leistung gefördert?
Alle Kinder optimal zu fördern, ist eine Leitidee der Schuloffensive. Deshalb soll insbesondere die individuelle Förderung im Unterricht verbessert werden. Dafür lernen auch die Lehrerinnen und Lehrer dazu: Eine Fortbildungsoffensive vermittelt die Methoden des individualisierten Unterrichts. Viele Untersuchungen zeigen, dass weniger leistungsstarke Kinder besser vorankommen, wenn sie mit leistungsstärkeren zusammen lernen. Umgekehrt profitieren leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler davon, wenn sie anderen die Lerninhalte erklären. Damit die Leistungsstarken genügend Stoff bekommen, werden auch Gymnasiallehrer in der Primarschule unterrichten. Wie gut das funktioniert, zeigen Erfahrungen aus der Schweiz.
Was wird aus dem Fremdsprachenunterricht?
In der Primarschule sollen die Kinder früher an das Lernen von Fremdsprachen herangeführt werden. Englisch wird ab der ersten Klasse angeboten. Spätestens in der fünften Klasse erhalten alle Kinder die Möglichkeit, sich in einer zweiten Fremdsprache zu erproben. Dies wird schon heute in den beiden bestehenden Hamburger sechsjährigen Grundschulen praktiziert. In Zukunft sind die Schulen einer Region gemeinsam verantwortlich dafür, die Bildungsangebote zu entwickeln und vorzuhalten, die von den Eltern und ihren Kindern nachgefragt werden. Das bedeutet: Wenn die Nachfrage vorhanden ist, lernen möglicherweise künftig mehr Schülerinnen und Schüler Latein als heute.
Wird es einen verstärkten Wechsel auf die Privatschulen geben?
Einen Trend zu Schulen in freier Trägerschaft gab es schon lange vor der Hamburger Schuloffensive. Nicht zuletzt, weil sie häufig die Kinder nicht nach der vierten Klasse trennen, eine moderne Reformpädagogik, kleinere Klassen und Ganztagsbetreuung anbieten. Dies möchten wir für die staatlichen Schulen auch erreichen. Übrigens: Das Schulgeld dieser Schulen darf eine bestimmte finanzielle Höhe nicht überschreiten. Auch Eltern mit geringeren Einkommen müssen ihre Kinder an diesen Schulen anmelden können, z. B. durch sozial gestaffelte finanzielle Gebühren, Stipendien oder einen Gebührenerlass.
Wie wird 2010 die neue Primarschule eingeführt?
Die Primarschule startet zum Schuljahr 2010/11 mit der fünften Klassenstufe. Das heißt: Alle Kinder, die im Schuljahr 2008/09 in die dritte Klasse gehen, kommen als erster Jahrgang in die Primarschule und werden in der fünften Klasse weiter gemeinsam unterrichtet. Die Eltern dieser Kinder können eine andere Primarschule als die bisherige Grundschule wählen. Die Kinder, die sich momentan in der vierten Klassen befinden, wechseln wie gehabt im Anschluss in eine weiterführende Schule.
Die Schuloffensive im Dialog
Von September 2008 bis Mai 2009 finden regelmäßig Regionale Schulentwicklungskonferenzen statt, in denen sich Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern direkt an der Schulentwicklung in ihrer Region beteiligen.
· Sie erarbeiten Empfehlungen für geeignete Standorte der Primar- und Stadtteilschulen sowie der Gymnasien.
· Sie entwickeln vielfältige an der Nachfrage von Eltern und Kindern orientierte Bildungsangebote in der Region. Die Empfehlungen der Konferenzen bilden die Grundlage für die weiteren Planungen der Behörde.
Im Überblick:
· Eine Region besteht in der Regel aus 15 bis 18 Schulen.
· Teilnehmen können Schulleitungen, Vertreter der Eltern und der Lehrerinnen und Lehrer sowie bei weiterführenden Schulen Vertreter der Schülerinnen und Schüler von allen Schulen der Region, Schulleitungen der Sonderschulen und der Sprachheil- und Förderschulen sowie der beruflichen Schulen der Region, Vertreter der Bezirke.
· Leitung: Regionale Schulaufsicht mit Unterstützung von externer Moderation.
Die Schuloffensive im Überblick
Wir möchten Hamburgs Schülerinnen und Schüler besser fördern und fordern und die Schulen auf europäischen Standard bringen. Deshalb verbinden wir die Verbesserung des Unterrichts mit einem längeren gemeinsamen Lernen. Ab 2010 starten in Hamburg die sechsjährige Primarschule und die Stadtteilschule sowie das sechsjährige Gymnasium.
Den Unterricht verbessern
· mehr Kompetenzorientierung im Unterricht
· kleinere Klassen
· mehr Ganztagsschulen
· mehr Sprachförderung
· mehr Integration
· Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte
Neue Schulstruktur
· flexible Grundstufe der Primarschule (jahrgangsübergreifende Lerngruppen)
· Primarschule bis zur 6. Klasse
· Stadtteilschule bis zum Abitur nach 13 Jahren
· Gymnasium bis zum Abitur nach 12 Jahren
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Vorschule |
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Stadtteilschule _______________________ |
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Gymnasiale Oberstufe |
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Oberstufe |
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Gymnasiale Oberstufe |
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Zeittafel
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August |
Keine Einrichtung von Hauptschulklassen in Jahrgang 7. 60 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer für Grundschulen. Einrichtung neuer und bessere Ausstattung bestehender Ganztagschulen. |
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September |
Start der Regionalen Schulentwicklungskonferenzen. |
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2009 |
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Februar |
Fortbildungsoffensive für Lehrerinnen und Lehrer. |
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Mai |
Empfehlungen der Regionalen Schulentwicklungskonferenzen. |
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Juli |
Entscheidung der
Schulbehörde über künftige Schulstandorte. |
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August |
Vorschuljahr wird kostenfrei, Start neuer Ganztagsschulen, zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer in die Grundschulen. |
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Ende September |
Stellungnahme der Schulkonferenzen, Kreiselternräte, Kreisschülerräte und Bezirke zum Entwurf des Schulentwicklungsplans |
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Oktober |
7. Oktober: Hamburger
Bürgerschaft beschließt Schulreform - |
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Anfang November |
Stellungnahme der Eltern- und der Schülerkammer sowie des Landesschulbeirats zum Entwurf des Schulentwicklungsplans |
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Ende November |
Unter Berücksichtigung der Stellungnahmen beschließt die Schuldeputation über den endgültigen Schulentwicklungsplan und legt damit die neuen Schulstandorte verbindlich fest. |
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2010 |
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Februar |
Anmelderunde für das Schuljahr 2010/11 |
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2. Phase: Die RSK-Konferenzen, nun „Regionale Bildungskonferenzen“ genannt, werden zu einer mittleren Steuerungsebene, zu der auch andere regionale Bildungsträger hinzukommen. Dies können zum Beispiel Kitas, Allgemeiner Sozialer Dienst, Jugendmusikschule, Öffentliche Bücherhallen, Sportvereine und Jugendhilfe sein. Ziel ist es, dann für die Region ein Bildungs-Gesamtangebot zu entwickeln, u.a. in Form von so genannten Bildungshäusern. |
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August |
Start der sechsjährigen Primarschule, der Stadtteilschule
und des sechsstufigen Gymnasiums |
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August |
Starterschulen: 24 Primarschulen fangen gleichzeitig mit der 4. und 5. Klasse an |
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2011 |
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August |
An allen Primarschulen starten regulär die 5. Klassen |
Kontakt:
Hotline Schulreform montags bis freitags von 9-16 Uhr:
Hotline 040 / 428 99 77 33
hotline-schulreform@bsb.hamburg.de
Links
www.li-hamburg.de/fortbildungsoffensive
www.hamburg.de/schulreform
www.schulreform.hamburg.de
www.schulreform.hamburg.de/schritt-fuer-schritt/
www.hamburg.de/auf-einen-blick/
Broschüre Fortbildungsoffensive
für Lehrer/innen: www.li-hamburg.de/fix/files/doc/09-01-28-Fortbildungsoffensive1-09.pdf
Rahmenkonzept (Februar 2009):
www.hamburg.de/contentblob/1131284/data/rahmenkonzept.pdf
Rahmenkonzept - Übergang
Beruf: www.schulreform.hamburg.de/contentblob/1546270/data/bsb-rahmenkonzept-uebergang-schule-beruf.pdf
Hamburger Bildungsbericht
(lang) (Juli 2009): http://schulreform.hamburg.de/contentblob/1601636/data/hr-bildungsbericht-langfassung.pdf
Hamburger Bildungsbericht
(kurz): http://schulreform.hamburg.de/contentblob/1600242/data/hr-bildungsbericht-zusammenfassung.pdf
Unterstützer/innen, Befürworter/innen
www.proschulreformhh.de
www.vkjhh.de "Wir
wollen gemeinsam lernen! Für mehr Bildungs- und
Chancengerechtigkeit"
www.chancen-fuer-alle.org Verein „Chancen für alle - Hamburger Allianz für Bildung“
www.gemeinsamfuer.de (E-Mail: info[at]gemeinsamfuer.de)
Gegner/innen
WWL
Foren
http://wir-wollen-auch-lernen.blogspot.com/
www.schulbildungsforum.de
Zitate:
„Was hat man auch für’n Plus davon, wie’s kommt, das weiß man nie.
Da lern’ sie heut die Schulreform und all so’n Quatsch von die Hygenie.“
(Hamburger Liedgut: Lied von der Seilerstraße)
„Dat löppt sik allens trecht.“ (Ole von Beust, Hamburgs Erster Bürgermeister,
22.4.09)
„Nun dürfen sich die Bürger ihren Schulfrieden wählen.“ (Jürgen Heuer, NDR Hamburg Journal, Hamburger Abendblatt, 13./14.2.10, Seite 14)
„Ein Volksentscheid ist keine Katastrophe, sondern ein in der Verfassung verankertes Recht.“ (Herbert Schalthoff, Hamburg1, Hamburger Abendblatt, 13./14.2.10, Seite 14)
„Wenn der Volksentscheid für die Primarschule scheitert, ist Hamburg zu dumm für eine kluge Schulpolitik.“ (Kaija Kutter, taz, Hamburger Abendblatt, 13./14.2.10, Seite 14)
Siehe
auch
Abitur
- Zentralabitur
Abschlüsse
Arbeitszeitmodell
13
Jahre
Eine Schule für alle
Gesamtschule
Primarschule
Regionale
Schulentwicklungskonferenzen
Schulgesetz
Stadtteilschule
Vorschule
Zwei-Säulen-Modell
Stellungnahme der ARGE/GEST zur Schulreform
Stellungnahme der ARGE zur Zweigliedrigkeit