Sitzenbleiber – Sitzenbleiben – Wiederholer – Wiederholen

 

„Och, lütt Hein mag nich mehr lewen. He is wedder backen blewen …“ (Gedicht von Hermann Claudius, gar nicht lustig, vollständiger Text am Ende dieser Seite)
In Hamburg wird Sitzenbleiben abgeschafft: Die Kosten für Klassenwiederholungen, Abschulungen und Schulformwechsel (21 Mio. € im Jahr) sollen in die Förderung der SchülerInnen gesteckt werden. Anreiz für die Schulen: Wiederholer werden nicht mehr auf die Gesamtschülerzahl angerechnet, aufgrund derer den Schulen Lehrerstellen zugewiesen werden. (Hamburger Abendblatt, 17.9.08, Seite 15)
Anzahl der Wiederholer in Hamburg: Stadtteilschule 2,6%, Gymnasium 2,2% (keine Änderung). Oberstufe: 11. Klasse 6,8%, 12. Klasse 8,1% (deutlicher Anstieg). (Hamburger Abendblatt, 18.01.12, Seite 1 und 7)

 

 

Sitzenbleiben lieber bleiben lassen?

Bildung: Fachministerin Schavan will an „Ehrenrunden“ festhalten. „Relikt aus der pädagogischen Mottenkiste“ nennen es die einen, notwendiges letztes Sanktionsmittel die anderen.

BERLIN/HAMBURG -

Welchen Sinn hat das Sitzenbleiben in der Schule? Der Streit um die Förderung und die Versetzung von schwachen Schülern in Deutschland geht quer durch die Kultusministerien und die Bildungslandschaft. Der neue Vorstoß von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), am althergebrachten Sitzenbleiben festzuhalten, erntet viel Kritik, aber auch Zustimmung. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) will das Sitzenbleiben durch mehr Schülerförderung „soweit es geht überflüssig machen“. Die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer kritisierte Schavan und sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wer wie sie das Sitzenbleiben als ,Disziplinierungsmittel' verteidigt, hat von der Schulpraxis keine Ahnung und vertritt pädagogische Ansichten aus der Zeit der Prügelpädagogik.“

Etwas weniger drastisch nannte die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz der Länder, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD), das Sitzenbleiben ein „Relikt aus der pädagogischen Mottenkiste“. Das sagte Erdsiek-Rave jüngst bei der Vorstellung des Bildungsberichtes.

Von der ersten bis zur 13. Klasse bleiben jährlich 252 000 Schüler sitzen. Das sind 2,8 Prozent aller neun Millionen Schüler in Deutschland - zuviel im internationalen Vergleich, meint Erdsiek-Rave. In Hamburg bleiben 2,4 Prozent (3887) aller Schüler sitzen. Die wenigsten Sitzenbleiber hat Baden-Württemberg (1,9 Prozent), die meisten Bayern (4,1).

Schavan sagte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, die Quote sei tatsächlich viel zu hoch. Trotzdem wolle sie am Sitzenbleiben festhalten: „Man kann Lehrern nicht dieses Sanktionsmittel nehmen, die Ultima ratio. Damit würde die Politik zum Autoritätsverfall der Lehrer beitragen.“

Auch Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider hält es „nicht für zielführend“, das Sitzenbleiben abzuschaffen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) sagte dagegen, durch das Wiederholen von Klassen „werden Anreize und Motivation genommen, weiterzulernen“. Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) glaubt, dass das Wiederholen einer Klasse die Ausnahme bleiben solle: „Wir werden es bestimmt nicht abschaffen. Aber wir müssen alles tun, um Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben“, sagte Wolff der „Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen“.

ryb, dpa

Hamburger Abendblatt, 12.06.06, Seite 2

 

 

 

Wer Selektion befürwortet, wird wohl auch das Sitzenbleiben für richtig und notwendig halten.
Ein entwickeltes integratives System kommt ohne Sitzenbleiben aus.
Als Sanktions- oder Disziplinierungsmittel ist Sitzenbleiben aber in jedem Fall ungeeignet, allein schon deshalb, weil es nur einmal im Jahr möglich ist. Auch darüber, ob Sanktionsmittel in der Schule überhaupt nötig sind, ließe sich streiten. Wer Sanktionsmittel befürwortet, muss sich fragen (lassen), ob sie geeignet sind, etwas zum Positiven zu wenden. Sanktionsmittel, die eine falsche Entwicklung begünstigen oder gar beschleunigen, sind sinnlos und sogar gefährlich. Die Schule ist ein Ort des Miteinander-Lernens und keine Strafkolonie.

 

Die CDU in Hamburg will das Sitzenbleiben im dreigliedrigen System (wo sonst – im integrierten System gibt es das ja auch nicht) durch mehr LehrerInnenstellen verhindern. (Hamburger Abendblatt, 28.9.05, Seite 14)

„Der CDU-Schulexperte Robert Heinemann weist auf das Missverhältnis zwischen „Aufstieg“ und „Abstieg“ zwischen den Schulformen hin. Sehr viel häufiger würden Schüler vom Gymnasium auf die Realschule und die Hauptschule wechseln als umgekehrt. … Nach dem Willen der CDU sollen leistungsstarke Realschüler auf ein reguläres achtstufiges Gymnasium in ihrer Nähe wechseln können. … Ein besonderes Problem stellt die Schulzeitverkürzung an Gymnasien dar. (Deshalb sollen)  Realschüler , die nach der zehnten Klasse auf das Gymnasium wechseln, die zehnte Klasse dort wiederholen. Sie würden dann wie die Gesamtschüler ihr Abitur nach 13 Jahren ablegen. [Warum nicht gleich zur Gesamtschule – in Ruhe lernen und dabei keine Zeit verlieren] (…) Die Zahl der Sitzenbleiber ist im dreigliedrigen Schulsystem bereits von 3126 im Jahr 2000 auf 2769 im Jahr 2003 gesunken.“ [Das sind 3,8% im Jahr. Falls sich das so fortsetzt, haben wir spätestens 2032 keine Sitzenbleiber mehr.] (Hamburger Abendblatt, 27.9.2005, Seite 12)

Laut GAL/Grüne kostet Hamburg das Sitzenbleiben jährlich 20.000.000,00 €.
Das Schulsystem zwingt viel zu viele Schülerinnen und Schüler in den leidvollen Kreislauf von Wiederholungsschleifen und produziert zu viele Abbrecher und zu wenig Abiturienten. In Hamburg herrscht eine hohe Durchlässigkeit nach unten: Über 5000 SchülerInnen werden jährlich aussortiert, ohne erkennbaren pädagogischen Erfolg.“ (Infos aus der GAL-Bürgerschaftsfraktion, 27.9.05)

 

 

Umfang der Klassenwiederholung in allgemein bildenden Schulen*
pro Bundesland und damit verbundenen Kosten in Euro

 

Anzahl
Wiederholer

In Prozent der
Schülerzahl

Kosten pro Jahr
pro Schüler

Gesamtkosten der
Klassenwiederholung

 

 

 

Euro

Euro

Baden-Württemberg

25.189

2,1

4.900

123.426.100

Bayern

56.342

4,0

5.100

287.344.200

Berlin

8.061

2,8

5.700

45.947.700

Brandenburg

2.914

1,6

4.400

12.821.600

Bremen

2.767

4,4

5.200

14.388.400

Hamburg

2.882

2,2

6.600

19.021.200

Hessen

21.292

3,6

4.700

100.072.400

Mecklenburg-Vorpommern

6.054

3,7

4.400

26.637.600

Niedersachsen

20.848

2,3

4.800

100.070.400

Nordrhein-Westfalen

59.082

3,0

4.800

283.593.600

Rheinland-Pfalz

10.556

2,3

4.600

48.557.600

Saarland

3.604

3,5

4.300

15.497.200

Sachsen

9.280

2,6

4.800

44.544.000

Sachsen-Anhalt

8.856

3,9

5.100

45.165.600

Schleswig-Holstein

10.034

3,3

4.700

47.159.800

Thüringen

4.798

2,4

5.700

27.348.600

Deutschland

252.559

2,9

4.900

1.237.539.100

 

Angaben: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 1, 2003/04

*) Der Nachweis erfolgt ohne die Schularten – Integrierte Gesamt-, Freie Waldorf- und Sonderschulen.

Als Wiederholer/innen (freiwillig oder nicht versetzt) werden die Schüler/innen gezählt, die im vorangegangenen Schuljahr dieselbe Klassen-/Jahrgangsstufe besucht haben. Wenn das Wiederholen außerdem mit einem Schulwechsel verbunden ist, werden die Schüler/innen bei der aufnehmenden Schule gezählt, d.h. Schüler/innen, die im Gymnasium nicht versetzt werden und dieselbe Klassenstufe in der Realschule z.B. wiederholen, erscheinen in der Realschule als Wiederholer/innen.

 

 

 

Quelle: Erziehung und Wissenschaft (E&W), 7-8/2005, Seite 7

 

 

 

 

 

Anteil Wiederholer
nach Schulformen in Prozent
Schuljahr 2003/2004

 

 

 

Die Wiederholerquote in den allgemein bildenden Schulformen lag in Deutschland zwischen 1,2% in schulformunabhängigen Orientierungsstufen und 5,5% in Realschulen. Ist die Klassenwiederholung mit einem Schulformwechsel verbunden, so wird der Wiederholer in der aufnehmenden Schulform gezählt. Damit erklärt sich die vergleichsweise niedrigere Quote der Gymnasien. Nicht erfasst durch das Statistische Bundesamt wurden Integrierte Gesamtschulen und Sonderschulen.

 

Insgesamt blieben 252.559 junge Leute im Schuljahr 2003/2004 sitzen.

 

1.237.539.100 Euro hätten für vorbeugende Fördermaßnahmen ausgegeben werden können, wenn auf Klassenwiederholungen verzichtet worden wäre.

 

Angaben: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 1, 2003/04

 

Abkürzungen:
Grund = Grundschule;
OS = Schulformunabhängige Orientierungsstufe;
HS = Hauptschule;
RS = Realschule;
GY = Gymnasium (SI+SII);
SmB = Schule mit mehreren Bildungsgängen

 

 

 

Beziehungskultur in der Schule

 

Wertschätzung

Vertrauen

Verantwortung

Anerkennung

 

 

 

Heterogenität:

Welche Unterschiede gibt es?

 

·         Kognitive Lernvoraussetzungen

·         Sprache/Herkunft(ssprache)

·         Soziale Kompetenz/psychische Entwicklung

·         Interessen, Neigungen, Motivation, Erwartungen

·         Physis, Gesundheit

·         Alter

·         Traditionen, Wertmuster, Normen

·         Geschlechtsspezifische Sozialisation

 

 

Prinzip „Individuelle Förderung“

 

Prinzip „Auslese und Aussonderung“

 

Schule muss für Kinder „passen“

 

 

Kinder müssen für Schule „passen“

 

alle Potentiale entwickeln,
keine/n „zurücklassen“

 

 

nach „Begabung“ sortieren,
Versagen in Kaufnehmen

 

Benachteiligung ausgleichen

 

 

Benachteiligung durch das System in Kauf nehmen

 

Lernfortschritte erreichen

 

 

Klassenziel erreichen

 

Heterogenität akzeptieren
„jede/r hat Stärken und Schwächen“

 

 

homogene Lerngruppen anstreben
in „besser“ / „schlechter“ sortieren

 

langes gemeinsames Lernen
späte Selektion

 

 

frühe und andauernde Auslese und Aussonderung

 

wenige Prüfungssituationen
Lernentwicklungsberichte

 

 

häufige Prüfungssituationen
Sitzenbleiben/Notenzeugnisse

 

Kooperation / Kommunikation

 

 

 

Wettbewerb/Konkurrenz

 

 

„Das können wir doch auch!“

 

Film: Schule in Finnland

Wie Schulen in Deutschland mit Heterogenität umgehen

 

 

Nach PISA richtete sich der Blick häufig auf die skandinavischen Schulen, die zugleich sehr gute Leistungen erbringen und professionell mit der Verschiedenheit (Heterogenität) ihrer SchülerInnen umgehen. Aber in Deutschland gibt es zahlreiche Schulen, welche die kulturelle Vielfalt oder unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen produktiv in ihrer täglichen Arbeit nutzen und den Weg individueller Förderung gehen. Dies dokumentiert der 45-minütige Firm, den der Journalist und Filmemacher Paul Schwarz im Auftrag der GEW gedreht hat. Vom Kindergarten bis zur Berufsbildenden Schule und zur Lehrerbildung zeigt er anregende Beispiele des Umgangs mit Heterogenität.

Der Film ist als VHS-Kassette für 15 Euro plus Porto und Versandkosten im GEW-Shop erhältlich: CALL A GIFT Service, Schafgasse 23, 63225 Langen, Fax 0180/50 50 401 oder 06103/20 45 84, gew-shop@callagift.de.

Mehr zum Thema Heterogenität:

www.netzwerk-heterogenitaet.de

 

 

 

Schule in Finnland. Individualisierendes Lernen in heterogenen Lerngruppen (2005)

Entstanden im Rahmen des EU-Mail-Projekts. Der Film kostet 15 Euro und kann als DVD online bestellt werden unter:

www.fernuni-hagen.de/ZFE/Programme/zverz.shtml

 

 

 

 

 

Quelle (bundesweite Statistik und Folgendes): E&W, 7-8/2005, Seite 6-17, unter anderem auf Seite 14-15: Artikel: „Individuelle Förderung als Etikettenschwindel (Selektive Grundphilosophie wird bloß neu kostümiert)“ von Marianne Demmer

 

 

 

Gibt es „Wiederholer“ an Gesamtschulen?
(dazu ein kleiner Auszug aus einer Analyse aus der Schulbehörde Hamburg)

„Eine weitere … interessante Aufschlüsselung der 240 Wiederholer in integrierten Gesamtschulen zeigt die folgende Tabelle von V 121, die die Wiederholungen für die Jahrgangssufen ausweist und die Schulform benennt, in der die Wiederholung stattfand.  

Zahl der Schülerinnen und Schüler, die eine Klassenstufe wiederholen

Klassenstufe 5 bis 10

Stand 29.8.2003

SAB 33-1 bis SAB 33-4

5

6

7

8

9

10

insgesamt

Schülerinnen und Schüler insgesamt

3816

3882

3951

3912

3934

3673

23168

darunter Wiederholer insgesamt

37

14

15

12

25

137

240

..... davon vorher an einer Beo H/R

8

1

 

 

 

 

9

..... davon vorher an einer Hauptschule

 

 

1

0

4

0

5

..... davon vorher an einer Realschule

 

 

0

0

1

0

1

..... davon vorher an einer Integrierten   Haupt/Realschule

 

 

0

0

1

0

1

..... davon vorher an einem Gymnasium

4

6

2

1

5

13

31

..... davon aus der eigenen oder einer anderen Gesamtschule 

25

7

12

11

14

124

193

 

Von den 240 gezählten Wiederholern in den Jgst. 5 – 10 in integrierten Gesamtschulen haben nur 193 Jgst. der integrierten Gesamtschule wiederholt (ca. 0,83 %), 124 haben nach den Bestimmungen § 9 (3) der APO-iGS die Jgst. 10 wiederholt mit dem Ziel, den knapp verpassten Realschulabschluss bzw. die Versetzung in die gymnasiale Oberstufe doch noch zu erreichen.

In den Jahrgangsstufen 5 bis 9 haben nur 69 von 19.495 (ca. 0,35 %) eine Jahrgangsstufe 5 bis 9 an der integrierten Gesamtschule wiederholt.“

(BBS, Hamburg, „Mitteilungen 18. Oktober 2005“, B 33, Seite 2)

 

 

Aufstieg im Schulsystem

Gesamtschulen erfolgreich

Die SPD-Schulpolitikerin Britta Ernst fordert die Abschaffung der Grundschulempfehlung nach Klasse 4. Statt den neunjährigen Kindern einen Stempel mit „Gymnasialempfehlung“ oder nicht zu verpassen, sollten die Lehrer einen „individuellen Förderplan“ für jedes Kind erstellen, der den weiterführenden Schulen Hinweise gibt.

Zahlreiche Studien wie zuletzt die Kess-Untersuchung haben ergeben, dass die Empfehlungen oft falsch sind und stark vom Status der Eltern abhängen. Beeindruckende Daten liefern die 1998 eingeschulten Gesamtschülern, die im Mai erstmals an den zentralen Prüfungen für 10. Klassen teilnahmen. Von denen, die dort die Oberstufe erreichten, hatte 72 Prozent in Klasse 5 keine Gymnasial-Empfehlung. Da für alle Schulformen die gleichen Aufgaben gestellt wurden, sei dies ein objektiver Wert, erklärte Ernst.

Die Politikerin hatte eine Große Anfrage zur „Durchlässigkeit des Schulsystems“ gestellt, deren 80-seitige Antwort sie als „weitgehend ernüchternd“ bezeichnete. Das „prägende“ an Hamburgs Bildungssystem sei der „Abstieg nach unten“. 40 Prozent der Schüler machten im Laufe ihrer Biografie die Erfahrung des „Schulversagens“. Besonders erschreckend sei, dass dies bereits jeden siebten Grundschüler treffe. Von 15.554 Kindern wurden im Schuljahr 2003/04 allein 466 vom Schulbesuch zurückgestellt und 542 gleich an einer Sonderschule eingeschult, 812 blieben sitzen und 458 wurden in den Klassen 1 bis 4 zur Sonderschule überwiesen. Da es dort einen „diskriminierend hohen Jungenanteil“ gebe und nur 20 Prozent einen Abschluss schaffen, sieht Ernst hier „Handlungsbedarf“. Sie fordert eine Zusammenführung von Grund- und Sonderschulen zu Förderzentren. kaj

taz Hamburg Nr. 7803 vom 26.10.2005, Seite 21, 56 Zeilen (TAZ-Bericht), kaj

Quelle: http://www.taz.de/pt/2005/10/26/a0240.nf/text.ges,1

 

 

 

 


Backen blewen!


Och, lütt Hein mag nich mehr lewen.
He is wedder backen blewen.
Scheef de Böker ünnern Arm
steit he mank den Kinnerswarm:
Backen blewen!

Swor dat Hart, so swor vun Truern
slikt he lurig lank de Muern,
sett he langsam Been vör Been,
fangt he lisen an to ween’n.

Man mit eenmal mutt he denken:
Vadder wull em n Trummel schenken,
Trummel un en Scheetgewehr,
wenn he röberkamen weer.

Mudder köp em wull en Säbel.
Un mit sine Kremperstebel
as en richtigen Suldat
exerzeer he lank de Strat.

Jungedi! Wat weert för n Lewen!
Weer he bloot,
weer he bloot
nich backen blewen!

 

Hermann Claudius: Mank Muern, Alfred Janssen Verlag, Hamburg 1912, Seite 77

 

 

Artikel
„Faktencheck: Hilft Sitzenbleiben? Bildungspolitik. Soll das Sitzenbleiben abgeschafft werden? Ein Streifzug durch Untersuchungen aus der Bildungsforschung, die helfen könnten, die Frage zu beantworten …“ (der Freitag, 11.3.2013)
www.freitag.de/autoren/ralf-groetker/faktencheck-hilft-sitzenbleiben

 

 

Siehe auch die Stichwörter
Fördern
Noten
Sprachförderung
Strafen gegen Schüler

 

Zurück zur vorigen Seite