Vorschule / Vorschulklassen (VSK)
In der Primarschule wäre die Vorschule ein Teil der Grundstufe gewesen, die die Klassen 0 bis 3 umfasst hätte.
Nach dem Volksentscheid ist sie weiterhin ein Teil der Grundschule.
Den Unterricht in der Vorschule erteilen Sozialpädagog/innen, im so genannten Eingangsstufenmodell
unterrichten Lehrer/innen und Sozialpädagogen/innen gleichberechtigt in der
Vorschule und in Klasse 1.
In der Vorschule
aufgegangen ist der Schulkindergarten, in den jene Kinder kamen, die
noch nicht schulreif waren.
„Hamburg ist das einzige Bundesland, das noch Vorschulklassen anbietet. Das Angebot an den Grundschulen ist für Eltern wieder kostenlos. Das war nicht immer so. Vom 1. August 2005 bis zum 1. September 2009 mussten Eltern für einen Platz in der Vorschule bis zu 192 Euro im Monat bezahlen – den gleichen Satz wie für einen fünfstündigen Kita-Platz. Den Unterricht in den Vorschulklassen machen in der Regel Sozialpädagogen, die eine Hochschulausbildung haben. Im aktuellen Schuljahr 2009/10 besuchen 6403 Kinder die 328 Klassen an insgesamt 209 Hamburger Schulen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Vorschüler um 15,5 Prozent.
Das Angebot in der Vorschulklasse umfasst fünf Stunden bis 13 Uhr an fünf Wochentagen, in den Schulferien ist kein Unterricht. (jes/mik)“
(Hamburger Abendblatt, 5.2.10, Seite 16)
Zu Beginn des Jahres 2010 gibt es in der Schulbehörde (wieder einmal - dieser Streit ist nicht neu) Überlegungen, die Vorschule abzuschaffen, damit es künftig „nur noch einen Ort für die vorschulische Erziehung“ gebe, die Kitas. Bereits Anfang November 2009 hatten sich die großen Träger der Hamburger Kitas in einer gemeinsamen Erklärung dafür ausgesprochen, die Vorschulen, die sie in Verkennung der Fakten als Konkurrenz ansehen, abzuschaffen.
Ende Februar 2010 soll eine behördenübergreifende Arbeitsgruppe dazu ihre Ergebnisse vorlegen. Als Hauptargument für eine Abschaffung werden wohl die Kosten herhalten müssen. Die Vorschule kostet im Jahr 27 Millionen Euro, außerdem brauchen die Primarschulen für die neuen fünften und sechsten Klassen mehr Platz.
Dagegen die
Erfahrung einer Mutter: „In der Vorschule wird mehr gefördert und gefordert.“
Die Gründe dafür dürften nicht zuletzt in der besseren personellen,
organisatorischen, materiellen und räumlichen Ausstattung der Vorschulen
liegen. In den Kitas sind meist nur Erzieher/innen ohne Hochschulausbildung
tätig. (Quelle: Hamburger Abendblatt, 5.2.10, Seite 16)
Die Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten ist für „die Aufgabe der Vorschule“
(gemeint ist hier nicht die Aufgabe, die die Vorschule erfüllt, sondern ihre
Abschaffung). Ein Verbleib in der Kita im Vorschuljahr habe viele Vorteile:
kein Wechsel der Bezugspersonen, Betreuung auch in den Ferien und am
Nachmittag, weniger Verwaltungsaufwand. Und die Kita will besser werden: In
allen Kitas soll es gezielte Sprachförderung, mathematisch-naturwissenschaftliche
Grunderfahrungen, vielfältige Bewegungsmöglichkeiten und Förderung im
musisch-kreativen Bereich geben. (Hamburger Abendblatt, 4.3.2010, Seite 21)
Übersehen wird dabei, dass beide Einrichtungen verschiedene Aufgaben haben,
Vorschule ist kein Ersatz für die Kita, viele der betroffenen Kinder besuchen
beide Einrichtungen zu verschiedene Zeiten und um unterschiedliche Ziele zu
erreichen.
Erfahrene Grundschullehrer/innen berichten, dass die Kinder, die eine
Vorschulklasse besucht haben, wesentlich besser auf die Schule vorbereitet in
die 1. Klassen kommen. Konkret: Es gebe Kinder, die in ihren Kitas nicht gelernt hätten, mit Schere und Klebstoff umzugehen, einen Stift zu halten oder stillzusitzen, um zuzuhören oder strukturiert etwas miteinander zu tun.
Einige Grundschulen leiten auch Förderkontingente in die Vorschulen, um dort
frühzeitig Kinder mit besonderem Förderbedarf zu unterstützen.
Der GEW-Fachkreis VSK schreibt: „Kann es sein, dass ein Bildungsangebot, das es
seit 40 Jahren an vielen Grundschulen gibt, mit einem Federstrich aus der
Hamburger Schullandschaft verschwindet? [... und das von Eltern sehr geschätzt
wird:] Die steigende Nachfrage nach VSK-Plätzen (in diesem Schuljahr ein Plus
von 15,5%) macht dies deutlich ... [bei Kita und VSK handelt es] sich nicht
um ein paralleles, konkurrierendes, sondern um ein sinnvolles Gesamtangebot für
5-Jährige. Es kann doch nicht sein, dass aus Haushaltsgründen wieder das
Konkurrenzgeschäft belebt wird ...“ (hlz 1-2/2010, Seite 14-15)
Siehe das Stichwort (auf
dieser Website)
Kitas (dort u.a.: Kita oder Vorschule?)