„Die Wahlverwandtschaften“,
Roman von Johann Wolfgang Goethe,Affinität < lat. affinitas < affinis angrenzend, benachbart, verschwägert < ad-, zu + finis Grenze, Ende, Ziel, Zweck
Definition 1: „Affinität oder Verwandtschaftskraft, auch Wahlverwandtschaft, nennt man in der Chemie die Fähigkeit zweier verschiedenartiger Stoffe, bei inniger gegenseitiger Durchdringung einen neuen Stoff zu bilden, der in seinen Eigenschaften von den beiden Stoffen, aus denen er zusammengesetzt ist, mehr oder weniger abweicht.“
Definition 2: „Schwägerschaft oder Affinität heißt das Verhältnis zwischen dem einen Ehegatten und den Blutsverwandten des andern.“
Beide Definitionen aus: Brockhaus’ Conversations-Lexikon, Leipzig 1886, s.v. Affinität, Schwägerschaft
Allgemeine Bemerkung
Zitate aus den Wahlverwandtschaften
Es gibt, sagt man, für den Kammerdiener keinen Helden. Das kommt aber bloß daher, weil der Held nur von Helden anerkannt werden kann. (5. Kapitel)
Es gehört schon ein buntes, geräuschvolles Leben dazu, um Affen, Papageien und Mohren um sich zu ertragen. (Kapitel 7, Ottilies Tagebuch)
Wie humanistisch war der Humanist Goethe?
Inhaltsangabe
Interpretation, Inhaltsangabe, Erläuterung von Klassikern der Weltliteratur nicht nur für Referate: weitere Quelle:
http://www.klassiker-der-weltliteratur.de/wahlverwandtschaften.htmInhaltangabe (Zitat)
Was zu zeigen versucht wurde: Wenn der Vereinigung eines Paares allgemeine sittliche Gesetze oder Normen (andere "Bindungen") entgegenstehen, bleibt nur die Alternative Verzicht („Entsagung“) oder Untergang.
Zitate aus einer Zusammenfassung einer Ringvorlesung zum Thema
Ursprünglich als Novelleneinlage zu Wilhelm Meisters Wanderjahre gedacht, wurde der Roman Die Wahlverwandtschaften (Titelblatt: siehe zugehörige Folie 4, im Folgenden lediglich Foliennummer in Klammern) von Goethe (3) im Oktober 1809 veröffentlicht. Der Erfolg war groß, ebenso jedoch auch die Empörung vieler Kritiker: War einigen (etwa Friedrich H. Jacobi) der Roman zu anstößig, so bemängelten andere (etwa Christoph M. Wieland) seine Moralität.
Diese widersprüchliche Rezeption steht paradigmatisch für die Komplexität des Romans, der uns vier Personen in einer Art experimentellen Anordnung zeigt, die zu Ehebruch und letztlich zum Tode dreier Menschen führt. Thema des Romans ist damit das Verhältnis von Freiheit und Notwendigkeit: Hätte die Katastrophe in Zeitlupe, die sich vor den Augen des Lesers abspielt, von den Protagonisten in freier Selbstbestimmung verhindert werden können, oder unterliegen die Figuren – und damit die Menschen allgemein – dem Zwang des Naturgesetzes und somit Mächten, die nicht steuerbar sind?
Schon der Schauplatz des Geschehens fragt nach der Möglichkeit der Naturbeherrschung und dem Verhältnis von Natur und Kultur: Die Gartengestaltung, der sich das Ehepaar Eduard und Charlotte auf ihrem Landsitz widmet, erfolgt im Rahmen der zeitgenössischen sog. ›Garten-Revolution‹ (Anreger: Christian C. L. Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst: 7, er entwarf den Park der Forstbaumschule in Kiel: 8). Der alte, französisch-barocke Garten des Absolutismus, der die Natur einem strengen, kulturellen Muster unterwirft (5), wird vom aufgeklärten Garten englischen Vorbilds abgelöst, der das harmonische Ineinander von Kultur und Natur umzusetzen sucht (6). Insofern Natur hier halb gebändigt, halb in freier Entfaltung belassen wird, steht diese Gartengestaltung in Analogie und Kontrast zum epochalen Ereignis der Französischen Revolution: Der ›Garten‹-Roman Die Wahlverwandtschaften lässt sich als politische Parabel auf die Suche nach einer Ordnung zwischen Absolutismus und Anarchie lesen. Damit stellt er zugleich generell die Frage nach der inneren Triebnatur des Menschen und weiter, wie mit dieser auf der Skala zwischen Entfesselung und Beherrschung umgegangen werden kann – als Frage nach der (Willens-)Freiheit der einzelnen Subjekte.
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Schon der Titel des Romans benutzt die Chemie als Gleichnis menschlicher Beziehungen, wie Naturphänomene dem intensiv naturwissenschaftlich tätigen Goethe (Stücke aus Goethes Sammlung: 15-17; Goethes Farbenlehre: 18) immer wieder als Anschauungsbeispiele und Modelle menschlichen Handelns gedient haben. Der Begriff ›Wahlverwandtschaft‹ wurde 1718 durch den französischen Chemiker Etienne F. Geoffroy Saint-Hilaire geprägt und in Torbern O. Bergmanns De attractionibus electivis (1775) titelgebend (19); er bezeichnet die wechselseitige Anziehung verschiedener Elemente, durch die eine bestehende Verbindung aufgelöst wird (›Formel‹: 20) und die paradoxerweise zugleich als ›Wahl‹, d.h. als freie Willensentscheidung, und als ›Verwandtschaft‹, d.h. als Naturnotwendigkeit, erscheint.
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Quelle:
http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/veranstaltungen/ringvorlesungen/romane_antike_19jh/Goethe_Wahlverwandtschaften.pdfHier finden sich auch Betrachtungen zu den Namen CharlOTTe, OTTilie, OTTo (der Name des angeblichen Kindes von Eduard und Charlotte sowie der Name des Hauptmanns).
Zitat
Bei manchem, womit wir unsere Schülerinnen in der Pension ausstatten, wird mir bange, weil die Erfahrung mir sagt, von wie geringem Gebrauch es künftig sein werde. (7. Kapitel)