Chronik der Wiedervereinigung Deutschlands
Ende des Eisernen Vorhangs, Ende der Blöcke, Glasnost (russ. Transparenz, Offenheit), Perestroika (russ. Umbau, Umgestaltung), Umsturzbewegungen in Mittel- und Osteuropa, Zusammenbruch der DDR, Fall der Berliner Mauer, „Friedliche Revolution“ (Neues Forum), „Wende“ (Egon Krenz), Wendezeit, Wendehälse, „Wind of Change“ (das Lied der Band „Scorpions“, eigentlich eine Heavy-Metal-Truppe, wurde im September 1989 geschrieben, nach den Erfahrungen der Gruppe auf dem Moscow Music Peace Festival, das am 12. und 13. August 1989 im Moskauer Olympia-Stadion stattfand. Veröffentlicht wurde die Ballade erst 1990 auf dem Album „Crazy World“.)
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1989 |
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Frühjahr 1989 |
Michail Gorbatschow verkündet das Ende der Breschnew-Doktrin. Diese Doktrin besagte, dass alle Ostblock-Staaten notfalls auch mit Gewalt in den Warschauer Vertrag einzubinden seien. |
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2. Mai |
Ungarn beginnt mit dem Abbau des Grenzzauns zu Österreich. In den folgenden Wochen versuchen viele DDR-Bürger, trotz fortbestehender Grenzkontrollen über Ungarn in die Bundesrepublik zu fliehen. In den Botschaften der Bundesrepublik in Prag und Warschau sammeln sich DDR-Bürger, die ihre Ausreise erzwingen wollen. |
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27. Juni |
Österreichs Außenminister Alois Mock und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn durchtrennen gemeinsam den Grenzzaun zwischen ihren Ländern. Das Bild geht um die Welt und wird zum Symbol für das Ende des Eisernen Vorhangs. |
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19./20. August |
Sopron,
Ungarn: Ungarische Oppositionelle wollen im Grenzgebiet zu Österreich ein
Fest des Friedens feiern, das „Paneuropäische Picknick“, das Grenztor
an der alten Pressburger Landstraße zwischen St. Margarethen im Burgenland
und dem ungarischen Sopronkohida wird symbolisch für drei Stunden geöffnet. |
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21./22. August
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österreichisch-ungarische
Grenze: |
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31. August |
Berlin,
Hauptstadt der DDR: |
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August/September |
ČSSR,
Polen: |
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4. September |
Leipzig
(die »Heldenstadt«): |
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10. September |
Ungarn: |
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11. September |
Ungarn öffnet die Grenze zu Österreich für alle DDR-Bürger. Innerhalb von drei Tagen reisen 15 000 DDR-Bürger aus. |
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25. September |
In Leipzig findet eine große „Montagsdemonstration“ für Meinungsfreiheit und Reformen statt (5 000 Teilnehmer). |
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30. September |
18.58
Uhr, Gelände der Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland: |
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3. Oktober |
Die DDR schließt die Grenze zur Tschechoslowakei. In Dresden werden 800 DDR-BürgerInnen aus dem Zug nach Prag geholt. Es kommt in mehreren Städten der DDR zu Besetzungen/Blockaden von Gleisen und Bahnsteigen. Am nächsten Tag fliegen in Dresden Pflastersteine gegen das Bahnhofsgebäude. Die Proteste werden durch massiven Einsatz von Ordnungskräften beendet. |
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7. Oktober |
Berlin: Die Regierenden in der DDR feiern den „Tag der Republik“ und den »40. Jahrestag« des ostdeutschen Staates. Michail Gorbatschow ist Ehrengast. |
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7. Oktober |
Berlin-Alexanderplatz: Gegen 17 Uhr versammeln sich junge Leute am Rande des großen Volksfestes in Berlin-Mitte. Sie rufen „Neues Forum, Neues Forum“, immer wieder „Wir bleiben hier!“, „Demokratie - jetzt oder nie!“, „Freiheit für die Inhaftierten!“, „Gorbi, hilf uns! Gorbi, hilf uns!“, „Gorbi! Gorbi! Gorbi!“ Am Abend kommt es dann zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. |
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7. Oktober |
Kreisstadt Plauen an der deutsch-deutschen Grenze: Mit maschinengeschriebenen Zetteln und Mundpropaganda wird zu einer Demonstration in der Innenstadt aufgerufen. Gegen 15 Uhr versammeln sich Menschen auf dem Theaterplatz und dem Otto-Grotewohl-Platz. Die Polizei versucht mit Wasserwerfern und einem Hubschrauber, die Menge aufzulösen, was misslingt. Etwa 15.000 demonstrieren, und es werden Transparente mit Losungen wie „Wir brauchen Reformen“, „Für Reformen und Reisefreiheit gegen Massenflucht - vor allem Frieden“ oder „Reisefreiheit - Meinungsfreiheit - Pressefreiheit“ mitgeführt. Die Demonstration bleibt friedlich und löst sich mit dem Ruf „Wir kommen wieder“ gegen 18 Uhr auf, nachdem beschlossen worden ist, am nächsten Sonnabend erneut zu demonstrieren und dass es außerdem Gespräche zwischen Plauener Bürgern und dem Oberbürgermeister geben sollt. Von diesem Zeitpunkt an bis zu den ersten freien Wahlen in der DDR am 18. März 1990 finden in Plauen an jedem Sonnabend Demonstrationen statt. |
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8. Oktober |
Staatschef Erich Honecker weist per Fernschreiben die 15 SED-Bezirksleitungen an, „weitere Krawalle von vornherein zu unterbinden“. Die „konterrevolutionären Aktionen“ sollen durch entsprechende Maßnahmen von Armee, Bereitschaftspolizei, Volkspolizei und „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ (einer paramilitärischen Miliz) unterbunden werden. |
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9. Oktober |
Leipzig: 18 Uhr: Der „Aufruf der Sechs“/„Leipziger Sechs“ (von Kurt Masur, dem Chefdirigenten des Gewandhauses, verlesen und über Rundfunk und öffentliche Lautsprecher verbreitet) ruft zu Gewaltlosigkeit auf. Unter den Unterzeichnern befinden sich drei hohe Funktionäre, es sind Sekretäre der SED-Bezirksleitung. |
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9. Oktober |
Leipzig:
„Friedliche Revolution“: Nach den Friedensgebet in der Nikolaikirche ziehen
70 000 friedliche DemonstrantInnen über den Innenstadtring und rufen
„Schließt euch an, reiht euch ein“, „Wir sind keine Rowdys“, „Wir sind das
Volk“ und „Keine Gewalt“. „Bewaffnete Staatsorgane“ (Polizei, Nationale
Volksarmee und Betriebskampfgruppen) haben sich mit Lastwagen, Wasserwerfern
und Panzern rund ums Stadtzentrum postiert. Die SED-Führung verwirft die
„Pekinger Lösung“, die Demonstration wird nicht gewaltsam beendet. Um
18.35 Uhr ordnet der Leipziger SED-Chef Helmut Hackenberg den Rückzug der
Einsatzkräfte an. |
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11. Oktober |
Nach Abschluss einer zweitägigen Krisensitzung des Politbüros wird auf Initiative von Krenz und Co. gegen erhebliche Widerstände eine Erklärung verabschiedet, die die Gründe für die Ausreisewelle in der DDR selbst sucht und die Bevölkerung zu einem offenen Dialog einlädt – für Honecker eine „Kapitulations-Erklärung“. |
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16. Oktober |
Leipzig: 120.000 demonstrieren |
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23. Oktober |
Leipzig: 320.000 demonstrieren |
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24. Oktober |
Die Volkskammer wählt Egon Krenz zum Vorsitzenden des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates; dabei gibt es erstmals Gegenstimmen und Stimmenthaltungen, und es gibt Demos gegen die Wahl. Slogans: „Egon Krenz – keine Lizenz“, „Wir sind keine Fans von Egon Krenz“, „Bonzen raus – Arbeiter rein“ |
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30. Oktober |
Die Agitprop-Sendung „Der schwarze Kanal“ des DDR-Fernsehens (zum ersten Mal ausgestrahlt am 21. März 1960) mit Karl-Eduard von Schnitzler (der West-Berliner RIAS-Sender prägte den Schmähnamen „Sudel-Ede”, der Osten bezeichnete RIAS seinerseits als „Hetzsender“) wird abgesetzt. |
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4. November |
Berlin-Alexanderplatz: |
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5. November |
Der Massenexodus von
DDR-Bürgern über die tschechoslowakische Grenze hält unvermindert an. Die
Aufnahmelager in Westdeutschland sind überfüllt. |
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6. November |
Die DDR-Führung veröffentlicht einen Entwurf für ein Reisegesetz; die maximale Reisedauer soll dreißig Tage betragen, und es soll „Versagungsgründe“ geben. Auf der Leipziger Montagsdemo am gleichen Tag skandieren die Menschen: „Wir brauchen keine neuen Gesetze – die Mauer muss weg!“ |
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7. November |
Der DDR-Ministerrat unter Willi Stoph tritt geschlossen zurück. Vorher hatte der Ministerrat in einer letzten Entscheidung den Wehrkunde-Unterricht an den Schulen abgeschafft. Der Rechtsausschuss der Volkskammer weist das neue Reisegesetz als unzureichend zurück. |
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8. November |
Das SED-Politbüro tritt
geschlossen zurück. Dem neuen vom Zentralkomitee (ZK) auf einer dreitägigen
Tagung gewählten Politbüro gehören nur noch 11 Mitglieder an (statt bisher
21), darunter Hans Modrow. Krenz wird als Generalsekretär bestätigt. - Das
„Neue Forum“ wird vom DDR-Innenministerium als Vereinigung anerkannt. |
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9. November |
Berlin: Günter
Schabowski, Mitglied des Politbüros der SED, hält in Ostberlin eine
Pressekonferenz vor Journalisten aus aller Welt, die vom Fernsehen der DDR
live übertragen wird. |
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9. November |
Berlin: Nach der
Pressekonferenz erscheinen um 20.15 Uhr die ersten Passanten an den
Grenzübergangsstellen in Berlin und fordern, durchgelassen zu werden. Ohne
Erfolg versuchen die Grenzkontrolleure, die anschwellende Menschenmenge zur
Rückkehr zu überreden. Um 21.00 Uhr beginnen die Kontrolleure am
Übergang Bornholmer Straße mit der Abfertigung lediglich einiger Passanten,
doch dies steigert die Ungeduld der wartenden Menschen. Um 23.30 Uhr
können die Grenzer den Ansturm nicht mehr halten. Der diensthabende Offizier
meldet: „Wir fluten jetzt! Wir machen alles auf!“ Der Schlagbaum öffnet sich
und zehntausende Menschen drängen nach Westberlin. Meistgebrauchte Vokabel:
„Wahnsinn!“ |
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10. November |
Berlin: Mit den Worten „Wir Deutschen sind heute das glücklichste Volk der Welt“ beglückwünscht Walter Momper (Regierender Bürgermeister von Westberlin, SPD) die DDR-Bürger und -Bürgerinnen zu ihrer „friedlichen und demokratischen Revolution“. |
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10. November |
„Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.“ (Willy Brandt zugeschrieben). Tatsächlich gesagt hat er: „(Es sei) noch ne Menge zusätzlich zu tun, damit das wieder zusammengefügt wird, was zusammengehört.“ |
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13. November |
Erich Mielke, Minister
für Staatssicherheit der DDR, hält zum ersten Mal eine Rede in der
Volkskammer. Sie wird unterbrochen durch Zwischenrufe. Er sagt daraufhin „Ich
liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setzte
mich doch dafür ein“. Die Volkskammer quittiert dies mit Gelächter. Mielkes
Worte werden gern in der falschen Fassung zitiert „Ich liebe euch doch alle“. |
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19. November |
Krenz und Modrow erklären in Interviews, eine Wiedervereinigung Deutschlands stehe nicht zur Diskussion. |
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20. November |
DT64 und SFB strahlen die erste deutsch-deutsche Radio-Gemeinschaftssendung aus. |
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20. November |
Bei der Leipziger Montagsdemonstration fordern erstmals größere Teilnehmergruppen die Wiedervereinigung Deutschlands: „Deutschland - einig Vaterland“ (Zeile der Nationalhymne der DDR von Johannes R. Becher - nach einigen Quellen war der Slogan schon am 30. Oktober und am 13. November auf der Montagsdemo in Leipzig zu hören), „Keine Experimente mehr, Wiedervereinigung jetzt“ und „Wir sind ein Volk!“ |
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28. November |
Bundeskanzler Helmut Kohl legt dem Bundestag einen Stufenplan (10-Punkte-Plan) zur Deutschlandpolitik vor. Sein Endziel (ohne zeitliche Festlegung) ist die Herstellung einer bundesstaatlichen Ordnung, d. h. die staatliche Einheit Deutschlands. Dieser Plan bleibt in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und hat auf den nachfolgenden Ablauf der Ereignisse kaum Einfluss. |
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1. Dezember |
Die DDR schafft die Zensur ab. |
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4. Dezember |
Torschlusspanik: Die staatstragenden DDR-„Blockparteien“ CDU und LDPD, deren Mitglieder auch „Blockflöten“ genannt wurden, wollen es nun nicht mehr gewesen sein und erklären ihren Austritt aus dem „Demokratischen Block der Parteien und Massenorganisationen“ der DDR. |
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4. Dezember |
Leipzig: Das Neue Forum besetzt bei der Montagsdemonstration die Bezirksverwaltung der Stasi/MfS an der Runden Ecke. Ebendort wird ab Mai 1990 ein Museum entstehen, das die Arbeit der Stasi dokumentiert (ständige Ausstellung „Stasi - Macht und Banalität“). |
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7. Dezember |
In Ostberlin tagt erstmals der „Runde Tisch“, ein Gesprächskreis aus Vertretern der etablierten Parteien und der neuen oppositionellen Bewegungen. |
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11. Dezember |
Montagsdemonstration:
Slogan „Wir sind ein Volk“ statt der ursprünglichen Parole „Wir sind das
Volk“, doch gibt es auch Transparente mit Parolen wie „Wir wollen keinen Kohl
auf dem sauberen Mittagstisch“ oder „Kein Ausverkauf der DDR“ und „Wir lassen
uns nicht BRDigen“. |
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16. Dezember |
Die SED versieht ihren Parteinamen mit dem Zusatz „Partei des demokratischen Sozialismus“ (PDS). |
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19. Dezember |
Bundeskanzler Kohl führt in Dresden Gespräche mit Ministerpräsident Modrow. Eine Vertragsgemeinschaft der beiden deutschen Staaten wird in Aussicht genommen. Am nächsten Tag spricht Kohl auf einer Massenversammlung zur Dresdner Bevölkerung. |
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22. Dezember |
Das Brandenburger Tor in Berlin wird nach 28 Jahren wieder geöffnet. |
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24. Dezember |
Bundesbürger und Westberliner dürfen ohne Visum und Zwangsumtausch in die DDR und nach Ostberlin reisen. |
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1990 |
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8. Januar |
Bei den Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten überwiegen Parolen für die Wiedervereinigung und gegen die SED-PDS. |
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12. Januar |
Die am 7.10.1989 in der Illegalität gegründete SPD der DDR hält ihre erste Landesdelegiertenkonferenz ab. |
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15. Januar |
Demonstranten stürmen das Gebäude des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin. |
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21. Januar |
Krenz und weitere 13 prominente Funktionäre werden aus der SED-PDS ausgeschlossen. |
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1. Februar |
Modrow schlägt die schrittweise Vereinigung der beiden deutschen Staaten vor. Als Vorbedingung nennt er ihre militärische Neutralität. |
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4. Februar |
Die SED-PDS nennt sich nur noch PDS. |
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10. Februar |
Der russische Präsident Gorbatschow erklärt, dass es Sache der Deutschen sei, den Zeitpunkt und den Weg der Einigung selbst zu bestimmen. |
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11. Februar |
Die britische Premierministerin Margaret Thatcher erklärt, Deutschland könne nur mit Zustimmung aller 35 Signatarstaaten der KSZE-Schlussakte von Helsinki vereinigt werden. |
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14. Februar |
Die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und die beiden deutschen Staaten vereinbaren die Aufnahme von Verhandlungen über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit („Zwei plus vier“). |
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20. Februar |
Erfurt, Domplatz: Die „Allianz für Deutschland“, bestehend aus der ehemaligen DDR-Blockpartei CDU, dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU) startet den Wahlkampf zur ersten freien Volkskammer-Wahl. Vor rund 100.000 Menschen spricht Helmut Kohl auf der größten politischen Veranstaltung, die es in Erfurt je gegeben hat. Der westdeutsche Bundeskanzler sagt seinen Zuhörern; sie hätten die Chance, mit ihrer Hände Arbeit „blühende Landschaften“ (an anderer Stelle auch: „blühende Gemeinwesen“) zu schaffen. |
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1. März |
Die DDR-Regierung beschließt die Gründung einer Treuhandanstalt zur Verwaltung des Volkseigentums. |
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6. März |
Anlässlich eines Moskau-Besuchs von Modrow erklären die Regierungen der UdSSR und der DDR übereinstimmend, die Vereinigung der beiden deutschen Staaten dürfe nicht durch Beitritt der DDR nach Artikel 23 erfolgen, sondern müsse in Etappen vor sich gehen, und Gesamtdeutschland dürfe nicht Mitglied der NATO sein. |
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8. März |
Die DDR-Regierung „entpflichtet“ die 109 000 ehemaligen „inoffiziellen Mitarbeiter“ der Staatssicherheit. |
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12. März |
Letzte Sitzung des Runden Tisches |
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13. März |
An der letzten Montagsdemonstration in Leipzig nehmen „nur“ noch zirka 30.000 bis 50.000 Menschen teil. |
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18. März |
Erste freie demokratische Wahl zur Volkskammer in der DDR. Stärkste Partei wird die ehemals mitregierende DDR-Blockpartei CDU, als weitaus größte Partei des Bündnisses „Allianz für Deutschland“, an zweiter Stelle steht die neu gegründete SPD der DDR, an dritter Stelle die PDS als Nachfolgepartei der SED. Die Bürgerrechtler von Bündnis 90 erreichen keinen Platz im Parlament. |
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1. April |
Die Deutsche Bundesbank schlägt vor, bei einer Währungsunion Einkommen und Renten in der DDR im Verhältnis 2:1 umzustellen. Dies führt zu heftigen Protesten in der DDR. |
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5. April |
Die neu gewählte Volkskammer der DDR konstituiert sich. Sabine Bergmann-Pohl (CDU) wird zur Präsidentin gewählt. Lothar de Maizière (CDU) wird mit der Regierungsbildung beauftragt. Der Staatsrat wird abgeschafft; die Volkskammerpräsidentin nimmt provisorisch die Aufgaben des Staatsoberhauptes wahr. Die Präambel der Verfassung, in der die DDR als „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“ bezeichnet wird, wird gestrichen. |
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12. April |
Die Volkskammer wählt Lothar de Maizière (CDU der DDR) zum Ministerpräsidenten und bestätigt die von ihm gebildete Regierung der großen Koalition. |
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19. April |
DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière gibt seine Regierungserklärung ab. Als Ziel nennt er die rasche Herstellung der Einheit über einen vertraglich zu vereinbarenden Weg gemäß Artikel 23 des westdeutschen Grundgesetzes. |
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23. April |
Die BRD-Regierung schlägt der DDR eine Währungsunion mit einem Umtauschkurs von 1:1 für Löhne, Gehälter und Renten sowie für Bargeld und Sparguthaben bis 4 000 Mark pro Kopf vor. |
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28. April |
Eine Gipfelkonferenz der EG stimmt einmütig der Vereinigung Deutschlands zu. |
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5. Mai |
In Bonn beginnen die „Zwei-plus-vier“-Gespräche der Außenminister der beiden deutschen Staaten und der vier Siegermächte. |
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16. Mai |
Bund und Länder einigen sich auf die Schaffung eines Fonds „Deutsche Einheit“ in Höhe von 115 Milliarden DM zur Unterstützung der DDR. Das Geld soll größtenteils am Kapitalmarkt aufgenommen werden. |
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18. Mai |
In Bonn unterzeichnen die Finanzminister Theo Waigel (Bundesrepublik) und Walter Romberg (DDR) den Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion. |
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13. Juni |
Berlin, offizieller Beginn des Abrisses der Berliner Mauer |
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21. Juni |
Der Bundestag und die Volkskammer verabschieden eine gleichlautende Erklärung über die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze. |
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1. Juli
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Währungsunion: Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft. Damit ist die D-Mark alleiniges Zahlungsmittel in beiden deutschen Staaten. Alle Personenkontrollen an der innerdeutschen Grenze fallen weg. Das Notaufnahmeverfahren für Übersiedler aus der DDR wird abgeschafft. Seit Jahresbeginn sind 238 384 Personen aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt. |
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3. Juli |
Die Regierung der DDR stimmt der Abhaltung gesamtdeutscher Wahlen am 2.12. zu. |
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16. Juli |
Durchbruch in Richtung Wiedervereinigung: Gespräche zwischen Gorbatschow, Kohl und Genscher in Moskau und im Kaukasus werden mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass die UdSSR einer NATO-Mitgliedschaft des künftigen Gesamtdeutschlands zustimmt. Die sowjetischen Truppen sollen innerhalb von 3 bis 4 Jahren aus Deutschland abgezogen werden. |
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22. Juli |
Die Volkskammer beschließt ein Gesetz über die Wiederherstellung der 1952 aufgelösten Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Landtagswahlen werden auf den 14.10. angesetzt. |
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23. August |
„Die Volkskammer erklärt den
Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik
Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit Wirkung vom
3. Oktober 1990. (...). Abgegeben wurden 363 Stimmen, davon ist
keine ungültige Stimme abgegeben worden. Mit Ja haben 294 Abgeordnete
gestimmt [starker Beifall], mit Nein haben 62 Abgeordnete gestimmt und sieben
Abgeordnete haben sich der Stimme enthalten. Meine Damen und Herren, ich
glaube, dass ist ein wirklich historisches Ereignis. Wir haben uns die
Entscheidung alle sicher nicht leicht gemacht, aber wir haben sie heute in
Verantwortung vor den Bürgern der DDR in der Folge ihres Wählerwillens
getroffen.“ |
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31. August |
Bundesinnenminister
Wolfgang Schäuble (BRD) und Staatssekretär Günther Krause (DDR) unterzeichnen
den Einigungsvertrag. Bundestag und Volkskammer stimmen dem Vertrag am
20. September zu. |
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12. September |
Die Außenminister der vier Siegermächte und der beiden deutschen Staaten unterzeichnen in Moskau den Zwei-plus-vier-Vertrag (Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland). Nach seiner Ratifizierung erlöschen alle Rechte der vier Mächte in Bezug auf Deutschland. |
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20. September |
Die Volkskammer und der Bundestag ratifizieren den Einigungsvertrag. Am folgenden Tag stimmt auch der Bundesrat zu. |
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24. September |
Die DDR tritt aus dem Warschauer Vertrag aus. |
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1. Oktober |
Die vier Siegermächte suspendieren ihre Vorbehaltsrechte in Bezug auf Deutschland bis zum Inkrafttreten des Zwei-plus-vier-Vertrages, der noch von den Parlamenten ratifiziert werden muss. Damit hat Deutschland bereits jetzt seine volle Souveränität zurückerlangt. |
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2. Oktober |
Die Nationale Volksarmee löst sich auf. Zuvor hatte es den ersten und einzigen Streik von DDR-Soldaten gegeben. |
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3. Oktober |
Mit Anbruch des 3. Oktober 1990 ist die Teilung Deutschlands beendet. Überall finden Volksfeste statt. Der 3. Oktober wird Nationalfeiertag. |
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4. Oktober |
Im Berliner Reichstag tritt der nunmehr gesamtdeutsche Bundestag, der um 144 von ihren Fraktionen delegierte Volkskammerabgeordnete erweitert worden ist, zu seiner ersten Sitzung zusammen. |
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14. Oktober |
Landtagswahlen in den Ländern der ehemaligen DDR. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird die CDU stärkste Partei, in Brandenburg die SPD. |
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30. November |
Der Abriss der Berliner Mauer ist beendet. Drei Teilstücke bleiben als historische Denkmäler erhalten. |
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2. Dezember |
Erste gesamtdeutsche Bundestagswahl - Sieger sind wie erwartet die Koalitionsparteien CDU, CSU und FDP. |
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20. Dezember |
Der neu gewählte Bundestag tritt im Berliner Reichstag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Alterspräsident ist Willy Brandt (SPD). |
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Im Internet Chronik der Wiedervereinigung