Zwei-Säulen-Modell

besteht aus dem Nebeneinander aus Stadtteilschulen und Gymnasien (in Hamburg in der Diskussion seit 2006; nach dem Willen des schwarz-grünen Hamburger Senats startet es zum Schuljahr 2010/11.).
Das erste Zwei-Wege-Modell stammt angeblich vom Bielefelder Erziehungswissenschaftler Klaus Hurrelmann (1991).
Das Zwei-Säulen-Modell (ZSM) gehört zu den gegliederten Schulsystemen, Einige nennen es auch ein Etagen-Modell. Im Gegensatz dazu ist die Gesamtschule ein integriertes Schulsystem - ohne Hierarchie (das heißt ohne ein Oben-Unten auf einer Stufe oder in einem Bereich).
Gymnasien führen im Zwei-Säulen-Modell in 12 Jahren, die Stadtteilschulen in 13 Jahren zum Abitur.
Die Stadtteilschule bietet auch den ersten und den mittleren Abschluss an, nach 12 Jahren soll es an ihr die Möglichkeit des Erwerbs der Fachhochschulreife geben.
Da das Gymnasium nach Klasse 6 nicht mehr abschulen kann, wird es neben dem Abitur auch andere Abschlüsse anbieten müssen. Sackgassen darf es nicht geben.
Allem Anschein nach handelt es sich beim ZSM wohl eher um ein dreigliedriges als um ein zweigliedriges Schulsystem (wenn der Förderbereich hinzugezählt wird). Durch das Inklusionsprojekt wird der Förderbereich in Hamburg jedoch mittelfristig abgebaut.

 

Schulversuch
Wichtige Entwicklungsarbeit für die Hamburger Schulen und für diese Schulreform (Stadtteilschule, Zwei-Säulen-Modell, 6-jährige Primarschule) übernehmen ab Schuljahr 2008/09 54 Hamburger Schulen, die an dem Schulversuch „Moderne Kompetenzmessung und -beschreibung“ teilnehmen. (Hamburger Abendblatt, 28.8.08, Seite 17)

 

Die Enquetekommission „Konsequenzen der neuen PISA-Studie für Hamburgs Schulentwicklung“ hat der Hamburgischen Bürgerschaft im März 2007 mit CDU-SPD-Mehrheit die Einführung eines Zwei-Wege-Modells zum Abitur empfohlen. Nicht nachvollziehbar ist, warum aus den Ergebnissen der PISA-Studie diese „Konsequenzen“ geschlussfolgert wurden. Die Gesamtschuleltern-Vertretung wurde nicht angehört.

Befürworter des Zwei-Säulen-Modells erläutern im Folgenden in 17 Punkten dieses Modell, die Stadtteilschule und deren Besonderheiten:

Hamburgs neue Schulstruktur – zwei Wege führen zum Abitur

1.            Mit der Zweisäulenstruktur wird die Zersplitterung des Hamburgischen Schulwesens deutlich verringert: Haupt-, Real und Gesamtschulen (integrierte wie kooperative) sowie berufliche und Aufbau-Gymnasien wachsen zum Bildungsangebot der neuen Stadtteilschule zusammen. 

2.            Mit der Gründung von Stadtteilschulen und dem Erhalt der Gymnasien wird das Wahlrecht der Eltern ernst genommen.  

3.            Die neue Stadtteilschule führt in 9 bzw. 10 Jahren zum ersten und zum mittleren Abschluss, in 12 Jahren zur vollwertigen Fachhochschulreife (mit Praxisanteil!) sowie in 13 Jahren zum Abitur. Auf dem Gymnasium können die Schülerinnen und Schüler nach insgesamt 12 Jahren das Abitur erlangen. 

4.            Eine Zweisäulenstruktur mit Stadtteilschule und Gymnasium bietet den Kindern (und ihren Eltern) in der Sekundarstufe zwei gute Wege, ohne Schulwechsel das Abitur, aber auch andere Schulabschlüsse  zu erreichen. 

5.            Jede Stadtteilschule und jedes Gymnasium beschreibt das vorhandene schulische Bildungsangebot von Jahrgang 5 bis 13 bzw. 5 bis 12 und stellt diese Information den Eltern und Schülerinnen und Schülern in geeigneter Weise zur Verfügung  Aus dem Bildungsangebot werden die charakteristischen Eckpunkte der einzelnen Schule im unterrichterlichen und im außerunterrichtlichen Bereich deutlich.

6.            Die neue Schulstruktur trägt mit dazu bei, die Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder zu fördern.

7.            Die durchschnittlichen Wochenstunden werden in der Stadtteilschule voraussichtlich bei etwa 30 Stunden, im Gymnasium bei etwa 34 Stunden liegen. Mit dieser geringeren zeitlichen Belastung pro Schulwoche in der Stadtteilschule können die Schülerinnen und Schüler auch verstärkt außerunterrichtliche Aktivitäten wahrnehmen. Damit wird entsprechenden Wünschen aus der Hamburgischen Elternschaft Rechnung getragen. 

8.            Die Stadtteilschule bietet Eltern bessere Rahmenbedingungen, um berufliche und familiäre Aufgaben gut miteinander zu vereinbaren, z. B durch Hausaufgabenbetreuung. Jede Stadtteilschule ist Ganztagsschule oder bietet mindestens verlässliche Betreuungsangebote am Nachmittag. Entsprechend der Nachfrage wird es ein über das Stadtgebiet verteiltes Netz von Stadtteilschulen in Ganztagsform geben.

9.            In der Stadtteilschule wird durch niedrigere Frequenzen in Klassen oder Lerngruppen und durch zusätzliche Förderangebote für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Schülerinnen und Schüler mit (zeitweiligen) Leistungsproblemen zu eigenverantwortlichem, selbständigem Lernen geführt. In den Gymnasien wird die Fähigkeit zu eigenverantwortlichem und selbständigem Lernen vorausgesetzt.    

10.        Die Stadtteilschule wird verstärkt außerschulische Lernorte nutzen und so den Schülerinnen und Schülern Erfahrungen in verbindlichen Lernsituationen auch außerhalb der Schule ermöglichen. Schulisches und außerschulisches Lernen wird gezielt in unterschiedlicher Intensität verknüpft.

11.        In der Stadtteilschule und im Gymnasium wird die Wiederholung eines Jahrgangs durch geeignete Maßnahmen deutlich reduziert

12.        An der Stadtteilschule werden Lehrerinnen und Lehrer mit Lehrbefähigung für Haupt- und Realschulen, Gymnasien und berufliche Schulen arbeiten. Sozialpädagogen, Psychologen, Erzieher und weitere Berufsgruppen werden die unterrichtliche Arbeit unterstützen. Der von der Enquetekommission geforderte Personalmix aus Lehrkräften aller Schulformen und sonstigen Fachkräften ermöglicht gegenseitigen Inspirieren, Ergänzen und Kooperieren unterschiedlicher Ansätze von Lernen und Lehrern und eine intensivere pädagogische Begleitung.  

13.        Die Stadtteilschulen entscheiden im Rahmen ihrer pädagogischen Selbstverantwortung und unter Berücksichtigung der KMK-Richtlinien über die Form der Differenzierung. „Formen der dauerhaften äußeren Differenzierung sollen“, so die Enquetekommission, „zugunsten innerer Differenzierung und Individualisierung zurücktreten.“ Dies erfordert in einer Stadtteilschule eine große Breite unterschiedlicher Lern- und Lehrformen mit dem Ziel des individuellen Förderns und Forderns jeder Schülerin und jedes Schülers. Aus Sicht der BBS können sich diese pädagogischen Möglichkeiten und das Zusammenwirken der unterschiedlichen Professionen in Jahrgangsbreiten von 100 bis 150 am besten entwickeln.

14.        Durch die Gründung von Stadtteilschulen mit veränderter Zusammensetzung der Kollegien kommt es zu einem neuen gemeinsamen Dialog über individuelles Fördern und Fordern. Integriert werden in der Stadtteilschule die ermutigende Entwicklung einiger Hauptschulen beispielsweise in Richtung stärkerer Praxisorientierung wie auch die guten Erfahrungen einiger Gesamtschulen mit veränderten Formen des miteinander Lernens auch über Jahrgänge hinweg, die guten Erfahrungen aus dem Gymnasium mit dem Auslandsaufenthalt und die der beruflichen Schulen aus der Arbeitswelt.

15.        Die Weiterentwicklung der Gymnasien basiert in Analogie zu anderen Bundesländern auf einer flexibleren Kontingentstundentafel mit einem starken Akzent auf veränderte Lernformen. Durchgehende Methodencurriula, fächerverbindendes und –übergreifendes Unterrichten sowie auch jahrgangsübergreifendes Lernen sollen an jedem Gymnasium mit dem Ziel der Bildung einer breiten Spitze verbindlich umgesetzt werden.

16.        Durch die Einführung der Zwei-Säulen-Struktur wird es wichtige neue Impulse für die Weiterentwicklung der Schulen geben. Sowohl in der Stadtteilschule als auch in den Gymnasien wird durch Neuanfang und klare Profilierung der Säulen das individuelle Fordern und Fördern in den Vordergrund gestellt mit dem Ziel einer besseren Bildung für alle Schülerinnen und Schüler.

17.        Schule ist mehr als Unterricht. Sowohl die Stadtteilschule, als auch das Gymnasium sollen Lern- und Lebensraum für Schülerinnen und Schüler sein und zugleich Treffpunkt für jung und alt.

 

Zwei Säulen wohnen, ach! in meiner Brust (Alexandra Dinges-Dierig frei nach J.W. Goethe, Faust I)

Quelle: http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/bildung-sport/aktuelles/stadtteilschule-gymnasium.html

Neuigkeiten – Informationen – Meldungen – Kritik

 

a)       Die AfB der SPD Hamburg: Der SPD-Parteitag vom 2.12.06 habe sich nicht für das Zwei-Säulen-Modell ausgesprochen. Vielmehr habe er Schritte aufgezeigt, wie die Vielgliedrigkeit der Schulstruktur überwunden und das Ziel einer Schule für alle erreicht werden könne. (AfB-Flugblatt, Dezember 2006)

b)      Haupt- und Realschulen, integrierte Haupt- und Realschulen, kooperative und integrierte Gesamtschulen, Aufbaugymnasien und berufliche Gymnasien sollen nach einem Vorschlag der Hamburger CDU ab Schuljahr 2010/11 zu Stadtteilschulen zwangszusammengeschlossen werden, die Gymnasien erhalten dagegen wie erwartet Bestandsgarantie. Ein Wechsel zwischen beiden Schulformen (das ist in der Regel stets die Abschulung vom Gymnasium) ist bis zum Ende von Klasse 6 möglich. Diese Norm würde die Stadtteilschulen zu Restschulen machen. „Zum Ende von Klasse 6 treffen die Schulen die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn“ (damit wäre inhaltlich die eigentliche Abschaffung der integrierten Gesamtschule beschlossen, an der die Abschlüsse ja so lange wie möglich offen gehalten werden). Die Gymnasien führen wie schon jetzt in 12 Jahren zum Abitur, die Stadtteilschulen nach 13 Jahren. Die Stadtteilschulen sollen dreizügig sein, ihre Klassengrößen „deutlich“ unter denen der Gymnasien liegen. Das Elternwahlrecht bleibt bestehen, zur Grundschulempfehlung kommt noch ein Kompetenztest in Klasse 4 hinzu. (Hamburger Abendblatt, 12.1.07, Seite 12: Peter Ulrich Meyer: Kommt in drei Jahren die Stadtteilschule?)

c)       „Die CDU und die SPD wollen in Hamburg gemeinsam das zweigliedrige Schulsystem einführen. Das ist das Ergebnis einer Anhörung in der Enquete-Kommission zur Hamburger Schulentwicklung, wie NDR 90,3 am Sonntag berichtete. Den Plänen zufolge sollen die bisherigen Haupt-, Real- und Gesamtschulen aufgelöst und zu so genannten Stadtteilschulen zusammengefasst werden. Als zweite Schulform soll es nur noch Gymnasien geben. Die GAL befürwortet stattdessen eine Schule für alle Kinder bis zur 9. Klasse.“ (NDR3-Videotext, 14.1.07, Seite 140)

d)      „Mit der Zweigliedrigkeit können wir die breite Unterstützung der Eltern erreichen“, sagte der von der SPD benannte Experte Prof. Reiner Lehberger.
Dieter Wunder, SPD-Experte und für das Zwei-Säulen-Modell: Er plädierte für eine große Bandbreite von Stadtteilschulen: „Einige gute Gesamtschulen arbeiten schon heute wie Stadtteilschulen.“
Gerd Lein (SPD, Bürgerschaftsabgeordneter): „Warum kann man die Gymnasien nicht abschaffen? In Klasse 7 besucht nur noch ein Drittel der Schüler ein Gymnasium.“ „Auf unserem Parteitag haben wir uns deutlich gegen das Zwei-Säulen-Modell ausgesprochen.“
„Das Zwei-Säulen-Modell führt in die Sackgasse“, sagte GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch. Es bleibe dabei, dass Schüler nach Klasse vier „sortiert“ würden.“ (Hamburger Abendblatt Sonntags 14. Januar 2007, gekürzt, ausgewählte Zitate: Mehrheit für Stadtteilschule)

e)       „... Eine Mehrheit der Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis sprach sich für das Zwei-Säulen- oder Zwei-Wege-Modell aus: das Nebeneinander von Gymnasium und Stadtteilschule, die sich aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Aufbau- und technischen Gymnasien entwickeln soll.
Doch ob der Bildungszug jemals die neue Strecke befahren wird, ist sehr fraglich. Die mit knapper absoluter Mehrheit regierende CDU hat zwar einen Fahrplan ... vorgelegt. Zugleich betonen die Christdemokraten aber, dass eine derart grundsätzliche Entscheidung nur mit einer breiten Mehrheit beschlossen werden sollte. Und hier liegt das Problem: Die SPD ist in dieser Frage tief gespalten, die GAL lehnt das Zwei-Säulen-Modell völlig ab und propagiert die Schule für alle.
"Wir müssen der hohen Akzeptanz der Gymnasien Rechnung tragen", sagte Ernst in der Sitzung ...
"Die SPD hat sich auf ihrem Parteitag deutlich gegen das Zwei-Säulen-Modell ausgesprochen", setzte Ernsts Parteifreund Gerd Lein dagegen. Das Ziel der SPD ist die Schule für alle nach skandinavischem Vorbild. Lein und eine Reihe weiterer SPD-Bildungsexperten wollen keine Umwege, sondern die Schule für alle direkt ansteuern - Elternwille hin oder her.
Einen Tag nach der Enquete-Sitzung machten die Unterzeichner der "Hamburger Erklärung" für die Einheitsschule Front gegen das Zwei-Säulen-Modell: "Wir warnen die Parteien vor dem faulen Kompromiss des Zwei-Säulen-Modells, das die soziale Auslese des Schulsystems fortschreiben würde." ...
... Das Schlagwort von der "regionalisierten Schulentwicklungsplanung" macht die Runde. Es ist so unbestimmt, dass jeder sich darunter vorstellt, was er will. ...
Die Gegner des Zwei-Säulen-Modells sind für die regionalisierte Planung, weil sie auf diesem Weg hoffen, auch Gymnasien in das Konzept Stadtteilschule einbinden zu können. Letztlich würden sich die Schulen dann nicht mehr nicht mehr besonders unterscheiden - die Schule für alle wäre da. Doch genau das ist mit der CDU nicht zu machen.“ (Hamburger Abendblatt, 15. Januar 2007, Seite 12, gekürzt, Peter Ulrich Meyer: Zwei-Säulen-Modell - Die SPD ist gespalten)

f)        Hamburgs Schulsenatorin Dinges-Dierig (CDU) redet Klartext: Beim Zwei-Säulen-Modell geht es hauptsächlich um die Abschaffung der Gesamtschule. „Wir wissen heute, dass die Gesamtschule … ein Etikettenschwindel war und ist.“ Sowohl die Leistungen der SchülerInnen als auch die Abbrecherquoten belegten, dass die Gesamtschule nicht erfolgreich gewesen sei. Dass die Gewinnerschulen des Deutschen Schulpreises 2006 vor kurzem gerade das Gegenteil bewiesen, ficht sie nicht an. Dinges-Dierig regt an, das Zwei-Säulen-Modell bundesweit einzurichten. (Hamburger Abendblatt, 31.1.07, Seite 14)

g)      Werden die Gymnasien in die Entwicklung zur Stadtteilschule eingebunden? Reiner Lehberger (SPD-Bildungsexperte): „Man kann die Augen nicht davor verschließen, dass das Gymnasium die akzeptierteste Schulform ist.“ Gerhard Lein (SPD-Bürgerschaftsabgeordneter, SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildung): „Wenn die CDU Stadtteilschule sagt, dann meint sie eine Schule neben dem Gymnasium, und dies auf Dauer. Wenn wir dasselbe Wort verwenden, dann in einem Verständnis, diese neue Schule als Zwischenschritt zu setzen auf dem Weg zu einer Schule für alle.“ (Hamburger Abendblatt, 14.1.07, Seite 12)

h)       Christa Goetsch (GAL): „Es wird Entscheidungen geben, die für das Hamburger Schulsystem unumkehrbar sein werden ... leider zeichnet sich ab, dass der Kommission in ihrer Mehrheit der Mut fehlen wird, bei der Schulstruktur einen entscheidenden Schritt hin zur Schule der Zukunft zu gehen.“ Alle namhaften Wissenschaftler/innen hätten sich gegen eine Trennung der Kinder nach Klasse vier ausgesprochen. (Hamburger Abendblatt, 21.2.07, Seite 18)

i)         Das Zwei-Säulen-Modell sei „der falsche Weg, weil das Modell keine Ansätze zur Verringerung der sozialen Selektion in der Schule bietet“, sagt der Hamburger GEW-Vorsitzende Klaus Bullan. „Nirgendwo auf der Welt außer in Deutschland glauben die Verantwortlichen, dass es sinnvoll ist, Zehnjährige schon nach der vierten Klasse nach Begabungen auf die Schulformen aufteilen zu können.“ (Hamburger Abendblatt, 23.2.07, Seite 12)

j)         Kleiner CDU-Parteitag beschließt einstimmig die Einrichtung des Zwei-Säulen-Modells. Die Gesamtschule von heute, so der schulpolitische Sprecher Robert Heinemann, könne mit ihren Leistungen an vielen Standorten nicht überzeugen und den selbst gestellten Anforderungen an individuelle Förderung zu oft nicht gerecht werden.
Das zeige sich auch in einer UNO-Schulabbrecherquote. (Hamburger Abendblatt, 23.2.07, Seite 12)

k)       Die CDU-SPD-Mehrheit in der Enquete-Kommission hat sich für die Abschaffung der Gesamtschule ausgesprochen. Nach ihrer Empfehlung soll es in Hamburg in Zukunft ein Nebeneinander von Gymnasien und Stadteilschulen (Restschulen) geben. Das hieße, die Vorteile des integrierten Systems werden abgeschafft, die Nachteile des gegliederten Systems (Selektion, Durchlässigkeit nur nach unten) bleiben erhalten. (Videotext Hamburg1, 25.2.07, Seite 112, Hamburger Abendblatt, 26.2.07, Seite 14)

l)         Bildungskongress in Hamburg: Das ... Zwei-Säulen-Modell mit Stadtteilschulen und Gymnasien mache wenig Sinn, sagt der Hamburger Bildungsexperte Reinhard Kahl. Er sieht die Gefahr, dass es trotz guter Konzepte künftig Schulen erster und zweiter Wahl gibt. Auch die Unterscheidung zwischen dem theoretisch orientierten Lernen auf dem Gymnasium und dem praktisch orientierten Lernen auf der Stadtteilschule sei nicht kindgerecht.
Reinhard Kahl: „Schulen sollen Kinder nicht demütigen. Schulen sollen Kinder nicht beschämen. Und wir haben überhaupt kein Recht zu wissen, welcher 10-Jährige später mal an die Uni geht und welcher ins Handwerk geht.“ (NDR 90,3 Aktuell, Alexander Heinz, 24.9.07)

m)     Die Wochenzeitung „DIE ZEIT“ veröffentlicht einen Aufruf prominenter PädagogInnen und BildungspolitikerInnen für das Zwei-Säulen-Modell. Die UnterzeichnerInnen versprechen sich davon, dass mehr SchülerInnen an höhere Abschlüsse herangeführt würden. Ferner werde einem sich abzeichnenden Akademikermangel entgegengewirkt. (Hamburger Abendblatt, 23.11.07, Seite 14)

n)       Die bildungspolitische Konferenz der LINKEN im November 2007: „Zweigliedrigkeit im Schulsystem ist eine Mogelpackung, die in ihrer Konsequenz nicht zu mehr Chancengleichheit in der Bildung führen wird.“ Das gegliederte System und Privatisierung führten dazu, dass immer mehr Menschen vom Zugang zu Bildung ausgeschlossen blieben. Die LINKE fordert „mehr Geld für die Bildung, Maßnahmen gegen Kinderarmut und eine Gemeinschaftsschule, die alle Kinder individuell fördert“. (Hamburger Abendblatt, 26.11.07, Seite 14)

o)      GAL-Fraktionschefin Christa Goetsch wirft dem CDU-Senat vor, Eltern, SchülerInnen und LehrerInnen bei der Einführung des Zwei-Säulen-Modells in Hamburg nicht ausreichend zu beteiligen. Nur sechs Wochen haben die Schulen Zeit, über die Frage zu beraten, welche Schulen zusammengelegt und welche geschlossen werden. Das sei viel zu wenig. (Hamburger Abendblatt, 20.12.07, Seite 14)

p)      Das real existierende Zwei-Säulen-Modell auf Finkenwerder belegt eindrucksvoll, dass es einer Sortierung der Schülerschaft nach sozialer Herkunft und Leistung nichts entgegensetzen kann.“ (Rosemarie Raab, in ihrem Vortrag „Hamburg braucht eine Schule für alle Kinder“ am 30.10.07)
Das ZSM verfestigt gesellschaftliche Spaltungen. Änderungen gibt es nur durch entsprechende politische Entscheidungen. Von allein ändert sich nichts. (Referentin aus Finkenwerder auf der GGG-Mitgliederversammlung am 3.3.08)

q)      Die Stadtteilschule orientiert sich an den schwachen Lernern. Durch diese Orientierung läuft sie Gefahr, zur „Restschule“ zu werden. Das Zwei-Säulen-Modell selektiert schon früh und willkürlich (nach Klasse 4) nach praxisorientierten und wissenschaftsorientierten SchülerInnen.
Die Gesamtschule strebt dagegen für jede/n individuell einen möglichst hohen Abschluss an (fördern und fordern). Ein integriertes Schulsystem lehnt eine Vorauswahl (Selektion) nach fragwürdigen Kriterien ab. Optimal gelernt wird nicht in homogenen, sondern in heterogenen Lerngruppen (siehe PISA), in denen alle möglichst lange miteinander und voneinander lernen können (Stichwörter Binnendifferenzierung, Lerngruppen, „Lernbüro“). (Referenten auf der GGG- Mitgliederversammlung am 3.3.08, Diskussion in der ARGE-Sitzung am 4.3.08)

r)     

 

 

Zwei-Säulen-Modell ein Flop?

 

Die Partei Die Linke wirft dem Hamburger Senat vor, das Zwei-Säulen-Schulsystem sei gescheitert. Das Nebeneinander von Stadtteilschulen und Gymnasium habe die soziale Spaltung im Bildungswesen der Hansestadt nicht verringert, sondern vergrößert. Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn: „Die Stadtteilschulen entwickeln sich zurück zu Haupt-, Real- und Sonderschulen.“ Fast alle Schüler und Schülerinnen mit Gymnasialempfehlung würden im kommenden Schuljahr ein Gymnasium besuchen, lediglich sieben Prozent dieser Kinder eine Stadtteilschule. Die sozialpädagogische Förderung würde ausschließlich an den Stadtteilschulen erfolgen, die Integration von Kindern mit Förderbedarf allein diesen Schulen aufgebürdet. (Hamburger Abendblatt, 23.04.12, Seite 8)
Elf von 52 Hamburger Stadtteilschulen haben in der fünften Klasse gar keine Kinder mit einer Gymnasial-Empfehlung. So werden in jeder Klasse nur ein oder zwei leistungsstarke Kinder sitzen. Nur eine Handvoll renommierter ehemaliger Gesamtschulen in gut situierten Regionen wie Blankenese, Walddörfer, Bergedorf und Winterhude haben mehr Kinder mit Empfehlung fürs Gymnasium. Aber auch bei ihnen bewegt sich die Zahl dieser Kinder bei höchstens 20 Prozent. Ausnahme ist die Max-Brauer-Schule mit mehr als 30 Prozent. Nur eine Handvoll Stadtteilschulen werden überhaupt genügend Schüler für eine Oberstufe zusammenbekommen. Eltern melden ihre Kinder lieber am Gymnasium an. Zwar haben nur 40 Prozent eine Empfehlung für die Oberschule, aber 53 Prozent werden dort angemeldet. 2000 Schüler und Schülerinnen ohne Empfehlung besuchen im Herbst trotzdem ein Gymnasium. (Hamburger Morgenpost, http://m.mopo.de/;s=ggYzCXw0H-WzswHdN2TenQ03/http%3amobilbeta.mopo.de/panorama/kaum-schueler-mit-gymnasial-empfehlung-die-stadtteil-schule-ist-ein-flop-,5076452,14963204,view,asFitMl.html)

 

Siehe auch die Stichwörter
Eine Schule für Alle
Inklusion

Primarschule (sechs Jahre Grundschule, längeres gemeinsames Lernen)
Regionale Schulentwicklungskonferenz
Schulreform
Stadtteilschule
Stellungnahme der ARGE zur Zweigliedrigkeit

Die Elternkammer Hamburg
hat ein Diskussionsforum zur Schuldebatte eingerichtet unter
www.schulbildungsforum.de

Anne Ratzki: Eine Antwort an Hurrelmann
Kann die Zweigliedrigkeit ein tragbares Konzept für die Schulreform sein?
http://bildungsserver.spd-hamburg.de/index.php?id=93

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