Erwartungen der Eltern
„Ich kenne die Weise, ich kenne den Text
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.“
Heinrich Heine 1844
Die WasserpredigerInnen hatten im Bildungsbereich in den vergangenen Jahren Hochkonjunktur. Daran, so sieht es aus, wird sich auch in Zukunft nichts ändern.
Es sei denn; eine Bewegung von unten macht den WeintrinkerInnen Beine. Wer wäre besser dazu in der Lage als die Eltern unserer Kinder? Lässt sich eine solche Bewegung bewerkstelligen?
Viele Eltern haben resigniert und konzentrieren sich nur noch auf den Schulerfolg ihres Kindes.
Angesichts der fehlenden Ausbildungsstellen beginnt der Konkurrenzkampf schon in der Grundschule.
Da weht der kalte Globalisierungswind und PolitikerInnen raten einem, sich warm anzuziehen.
Da müssen die Schulen herhalten. Sie seien kein Schonraum mehr. Sie müssen effektiver werden. Leistung muss sich wieder lohnen und so weiter.
Regionale und internationale Leistungstests heizen den Konkurrenzkampf an (PISA, LAU usw.). Kinder werden immer mehr in diesen Konkurrenzkampf gezwungen. Eltern quälen ihre Kinder mit zahlreichen Nachhilfestunden. LehrerInnen sind gezwungen, Unterricht vermehrt nach Leistungskriterien zu gestalten.
Unterrichtsausfall, zu hohe Klassenfrequenzen, überlastete LehrerInnen, Kürzung der Förder- und Beratungsstunden, Kürzung der Lehr- und Lernmittel prägen die Bildungseinrichtungen. Gleichzeitig sollen Schulprogramme erstellt und weiterentwickelt, das Lernen mit Neuen Medien ermöglicht werden, ohne dass die personelle Ausstattung entsprechend vorhanden ist.
Schule verträgt kein Sparprogramm. Schule braucht zusätzliche, ausreichende finanzielle Mittel, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Aus Sicht der Eltern bedeutet dies
Das gegliederte Schulwesen kann auch im internationalen Vergleich diesen Ansprüchen nicht immer gerecht werden. Neben der besseren finanziellen, personellen und Sachausstattung muss der Ausbau von Gesamtschulen zur Überwindung des gegliederten Schulwesens Priorität genießen.
Die genannten Bildungsziele, insbesondere auch die Chancengleichheit lassen sich so am ehesten erreichen.
In den Elternräten müssen wir für diese Ziele werben und überzeugen. Nur so können wir den WeintrinkerInnen das Wasser abgraben.
Für die veröffentlichten Medien gilt immer noch
"Über die neuen Antennen verbreiten sie die alten Unwahrheiten, die Wahrheit geht von Mund zu Mund." (Bert Brecht)
Lothar Hüneke, Elternratsmitglied der Gesamtschule Bergstedt und Mitglied des Leitungsteams im Vorstand der ARGE ("Arbeitsgemeinschaft der Elternräte der Gesamtschulen in Hamburg"), im Mai 2001
(Text 5.4 im Schwarz-Weiß-Buch 2001 der GEW Hamburg, "Bildung in Not – Bildung in Hamburg", Seite 15)