Gründungspapier des "Komitees: Eine Integrierte Gesamtschule für Altona-Altstadt"
Hamburg, 13.07.2000
Komitee: Eine Integrierte Gesamtschule für Altona-Altstadt
Die Mitglieder des Komitees "Eine Integrierte Gesamtschule für Altona-Altstadt" sind der Überzeugung, dass der Gesamtschulstandort "Bruno-Tesch-Gesamtschule" für den Stadtteil Altona-Altstadt von ganz besonderer Bedeutung ist:
- Gesamtschulen sortieren ihre SchülerInnen nicht nach HauptschülerInnen, RealschülerInnen und GymnasiastInnen. Sie drücken ihnen in der Sekundarstufe I keinen Stempel auf. Erst am Ende der Sekundarstufe I wird der Bildungsgang definiert. Diese offenen Entwicklungsperspektiven sind für einen Stadtteil, in dem viele Menschen leben, die sich selbst abgestempelt fühlen, von besonderer bildungs- und sozialpolitischer Bedeutung.
- Gesamtschulen stellen das Konzept der Förderung in den Mittelpunkt ihrer Pädagogik. In einem Stadtteil, in dem viele Menschen leben, die selbst über keine hohen Bildungsabschlüsse verfügen und deshalb ihre Kinder im Bereich der schulischen Bildung kaum unterstützen können, ist die Gesamtschule ein wichtiges kompensatorisches Angebot.
- Die Bruno-Tesch-Gesamtschule wird von SchülerInnen besucht, deren Eltern von der Idee der Gesamtschule überzeugt sind, und von Eltern, die diese Schule wählen, weil sie die nächste Schule am Wohnort ist. Sie wird von deutschen Familien und Migrantenfamilien angewählt. Sie wird von SchülerInnen aus unterschiedlichen sozialen Schichten besucht. Für den Stadtteil Altstadt Altona hat diese Schule eine besondere Integrationsfunktion. Sie leistet einen hohen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt (Kohäsion).
- Die Bruno-Tesch-Gesamtschule ist eine Partnerin in der außerschulischen Jugendarbeit. Sie ist beteiligt an den Initiativen zur Verbesserung der Lebenssituation von Jugendlichen im Stadtteil. Sie ist eine der Anlaufstellen und eins der organisatorischen Zentren dieser Arbeit. Die außerschulische Jugendarbeit ist für die Region von großer Bedeutung, weil Jugendliche in dieser Region über weniger Chancen verfügen als die Jugendlichen in Stadtteilen ohne entsprechend hohe Jugendarbeitslosigkeit.
Die Entwicklung der SchülerInnenzahlen an der BTG und die Zusammensetzung der SchülerInnenschaft in der BTG (erhöhter Prozentsatz von Kindern aus Migrantenfamilien gegenüber ihrem Anteil in den Grundschulen des Stadtteils) sind ein deutliches Zeichen für das soziale Auseinanderdriften (Segregatationsbestrebungen) in der Region. Diese Probleme können nicht von einzelnen Schulen aufgefangen werden. Sie bedürfen größerer gesellschaftlicher Aufmerksamkeit und des Zusammenwirkens von Bildungs-, Sozial- und Stadtteilpolitik.
Aber auch unterhalb dieser allgemeineren Ebene sind unterstützende Maßnahmen möglich:
- Für die BTG wäre eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Realisierung ihrer auf den Standort zugeschnittenen erweiterten Projektarbeit und ihres Medienkonzepts sinnvoll. Es würde der Schule zusätzliche Attraktivität verleihen und damit Probleme der Stadtteilflucht in der Sekundarstufe I entschärfen.
- Die Mitglieder des Komitees "Eine Integrierte Gesamtschule für Altona-Altstadt" sind der Ansicht, dass diese Schule auch zweizügig weitergeführt werden sollte, ohne sie auf diese Zweizügigkeit als Konzept festzulegen. Die BTG hat bereits Erfahrung mit der Arbeit in zweizügigen Jahrgängen. Es ist der Schulleitung und dem Kollegium an diesem Standort bislang sehr gut gelungen, Zweizügigkeit, Dreizügigkeit und Vierzügigkeit miteinander zu verbinden und ein überzeugendes Schulkonzept für diese Situation zu entwickeln.
Wir bitten Senatorin Pape und den Hamburger Senat, als ersten über die regelhaften Verfahren hinausgehenden Schritt zur Unterstützung des integrierten Angebots im Stadtteil Altona-Altstadt der BTG eine Ausnahmegenehmigung nach Hamburger Schulgesetz als zweizügige Gesamtschule zu erteilen.
(Beschluss des Komitees "Eine integrierte Gesamtschule für Altona Altstadt" am 13.07.2000)
Ansprechpartnerin für das Komitee (bis auf Weiteres): S. Gondermann E-Mail
s.gondermann[at]t-online.de
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