Leistungsuntersuchungen
"Kinder sind keine Fässer, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden sollen." (Rabelais)
TIMSS (siehe weiter unten auf dieser Seite) behauptete in Bezug auf die Oberstufen: Der Grundkurs Mathematik am Gymnasium läge höher in den Anforderungen als der Leistungskurs der Gesamtschule, im Vergleich erhielte eine Gymnasiastin, ein Gymnasiast für das Gleiche weniger Punkte als in der Gesamtschule. Schwache Schülerinnen und Schüler würden an Gymnasien besser gefördert. (Daraus müssen wir wohl schließen: schickt alle eure schwachen Schülerinnen und Schüler wegen der besseren Förderung aufs Gymnasium.)
Diese Aussagen, so wird gesagt, würden von Gesamtschulfreunden und -freundinnen als unfaire politische Attacke erlebt, und sie würden den Forschern und Forscherinnen daraufhin ideologische Voreingenommenheit vorwerfen. Was ist dran an solchen Behauptungen?
Die integrierten Gesamtschulen fordern Leistung ab. Soziale Kompetenz, eine gesamtschulspezifische Qualifikation, wird in Ausbildungsplätzen gesucht.
Leistung verteilt sich nach sozialen Aspekten. Das Gymnasium hat eine andere Heterogenität als die Gesamtschule. Die Leistung der Gesamtschule besteht unter anderem darin, Integration auf ganzer Bandbreite zu leisten.
Vor jeder Untersuchung müsste erst einmal eine Definition dessen stehen, was die UntersucherInnen unter Leistung verstehen. Das ist weitgehend unterblieben. Statt dessen wird gern betont, dass es nur Aspekte wären, die untersucht würden. Die späteren Verallgemeinerungen durch die Medien werden aber nur allzu gern in Kauf genommen.
Die Macher sind sehr zurückhaltend in dem, was sie der Öffentlichkeit zugänglich machen. Es gibt Äußerungen aus dem Kreis der Untersucher, die Anlass zu der Feststellung geben, dass sowohl in den Prämissen der Untersuchungen als auch in den Einstellungen der Untersucher einseitige Orientierungen vorliegen.
Wenn wir uns mit den Untersuchungen näher beschäftigen, werden wir schnell mit der Tatsache konfrontiert, dass die Form der Erhebung der Daten, auf deren Grundlage später die statistischen Ergebnisse berechnet und Aussagen gemacht werden, sehr zu wünschen übrig lässt:
Da werden in multiple-choice-Verfahren anzukreuzende Antworten auf Fachfragen vorgegeben, die inhaltlich baren Unsinn darstellen (und die insbesondere die SchülerInnen verunsichern, benachteiligen und zu "falschen" Antworten führen können, die sich mit dem Sachverhalt schon einmal auseinandergesetzt haben); willkürlich gefüllte Kriterien werden hierarchisch so angeordnet, dass sie sprachlich gewandte Mittelschichtkinder begünstigen oder besser dass sie auf sie zugeschnitten sind; mathematische Fragestellungen werden so verklausuliert, dass sie wiederum nur über ein gutes Sprachverständnis zu bewältigen sind; Fragen nach soziologischen Hintergründen halten einer seriösen wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand u.a.m.
Die Erhebung der Sozialdaten der Eltern bei PISA (siehe weiter unten auf der Seite) führt dazu, dass sie (bis zur Androhung von Bußgeldern) gezwungen werden können, der Schullaufbahn ihrer eigenen Kinder zu schaden. Außerdem zeigt PISA wie andere Vergleichsstudien die Tendenz, die Selektion des selektiven dreigliedrigen Systems zu verschärfen, an dessen Spitze das Gymnasium steht.
Und in der Praxis sehen wir uns z.B. bei den mündlichen Überprüfungen in Klasse 10 (wie von LAU - siehe weiter unten - gefordert) einer völligen Uneinheitlichkeit (d.h. Unvergleichbarkeit) gegenüber, wie dies die einzelnen Schulen umsetzen. Ob so die Leistungsfähigkeit einer Schulform oder einer Schule im Vergleich öffentlich präsentiert werden kann, ist daher stark zu bezweifeln.
Gleiches gilt für die Validität (Gültigkeit) der Ergebnisse der Untersuchungen.
Durch LAU, so Baumert, sei erwiesen, dass das gegliederte System die SchülerInnen nicht begabungsgerecht platziere: Bei den Leistungen gebe es eine so breite Überschneidung zwischen den Schulformen, dass man an der Effizienz dieses Systems erheblich zweifeln müsse. Nur ein offenes Schulsystem werde den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler gerecht. (Quelle: Erziehung&Wissenschaft 4/2000, Seite 25-26: Karl-Heinz Heinemann, "Die Mühsal mit PISA")
Zitate zum Thema
(zusammengestellt aus Aufzeichnungen von Gesamtschulveranstaltungen 1999/2000 und Tischvorlagen der
ARGE. K.P.S.)
Siehe auch
Was ist Leistung?
BiJu: siehe weiter unten und GGG in NRW
LAU (allgemeine Informationen)
LAU im Hamburger Bildungsserver
LAU7
LAU9 (Info auf dieser Website)
Lernstandserhebungen (Info auf dieser Website)
PISA -Infos der ARGE
Potest gegen Test
TIMSS
PISA
TIMMS: GGG in NRW
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Kleines Glossar bekannter Untersuchungen
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BIJU / BiJu |
Bildungsverläufe und psychosoziale Entwicklung im Jugendalter, eine Untersuchung (1999) des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, Berlin |
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LAU 5, 6, ... |
Lernausgangslagenuntersuchung im Auftrag der Schulbehörde Hamburg (Prof. Dr. Dr. Rainer H. Lehmann, Humboldt-Universität zu Berlin) |
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PISA |
Program for International Student Assessment (etwa: "Programm zur Leistungsbeurteilung von SchülerInnen"), Studie im Auftrag der OECD, soll Fähigkeiten und Fertigkeiten im Leseverständnis, in Mathematik und Naturwissenschaften sowie fächerübergreifende Kompetenzen (Cross Curricular Competencies - CCC) bei 15-jährigen SchülerInnen vergleichen. PISA wird um einen Bundesländervergleich "angereichert". |
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TIMSS |
Third International Mathematics and Science Studies, ("Dritte internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie") im Auftrag der IEA (International Association for the Evaluation of Educational Achievement) durchgeführte Untersuchung der Leistung in Mathematik und Naturwissenschaften der 7. und 8. sowie der 12./13. Jahrgangsstufe |
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USUS |
Schul- und klassenbezogene Leistungserhebung in Bremen |