Elterninitiative Jahrgangsstufe 10 an der Julius-Leber-Schule
Gesamtschule in Hamburg
An die
Senatorin der Behörde für Schule
Jugend und Berufsbildung
Hamburger Straße 31
22083 Hamburg
Hamburg, 16. Oktober 2000
- Reduzierung der Schülerzahlen an berufsbildenden Schulen
hier: Änderung des Berechnungsmodus der Durchschnittsnote des Abschlusszeugnisses der Gesamtschulen – Vorschlag Schulaufsicht und Schulberatung – S 23
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- Sehr geehrte Frau Senatorin,
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- mit Bestürzung haben Eltern der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 an unserer Schule von der Absicht Ihres Hauses erfahren, die Bedingungen für die Bildung und das Fortkommen unserer Kinder weiter zu verschlechtern.
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- Nicht nur, dass derzeit die erforderlichen Lehrerstellen aufgrund eines Rechenfehlers oder fehlender Übersicht der Behörde an unserer Schule nicht im gebotenen Umfang zur Verfügung stehen – jetzt verfolgen Ihre Planungen offensichtlich das Ziel, die Schülerzahlen an berufsbildenden Schulen drastisch zu reduzieren und so zu weiteren Einsparungen zu kommen. Durch einfache, willkürliche Rechentricks soll dieses politische Ziel erreicht werden, indem die Zugangsbarrieren zu den berufsbildenden Schulen für eben diese Vielzahl von Schülerinnen und Schüler durch schlichte Veränderungen der Berechnungsmethode zur Ermittlung der Durchschnittsnote erheblich erhöht werden.
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- Erst vor vier Jahren wurden die jetzt geltenden Bestimmungen doch wohl in der Überzeugung ihrer Richtigkeit erlassen. Weshalb wurden die angeblichen Ungerechtigkeiten eigentlich erst jetzt entdeckt? Geradezu scheinheilig mutet das Argument an, die geplante Maßnahme solle vermeiden, "bestehende Vorurteile gegenüber der Beurteilungs- und Abschlusspraxis an Gesamtschulen zu missbrauchen und die Qualität des ‚Realschulabschlusses‘ an Gesamtschulen in Frage zu stellen".
- Dieser Satz macht deutlich, dass gerade die angesprochenen Vorurteile verbal zwar zutreffend als solche charakterisiert wurden, tatsächlich jedoch von Ihrem Hause übernommen und zum Anlass der vorgestellten Planungen wurden.
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- Dass nur die angesprochenen Vorurteile handlungsführend sind, bestätigt die weitere Feststellung, von den 75% der Realschulabschlüsse, die die Notenschwelle 3,0 überspringen, also die Berechtigung zum Eintritt in die Vorstufe des Wirtschaftsgymnasiums und des technischen Gymnasiums beinhalten, werde kaum Gebrauch gemacht. Wo ist also das Problem? Die fehlende Kompetenz und Voreingenommenheit des Verfassers macht dieser selbst deutlich, indem er seine Begründung mit der Einschränkung einleitet: "Nach unserer Kenntnis ...". Fakten für diese einschneidenden Maßnahmen wurden demnach nach eigener Erkenntnis nicht, jedenfalls nicht ausreichend erhoben. Auf der Basis von erkannten Vorurteilen können und dürfen keine die Zukunft unserer Kinder beeinträchtigenden Entscheidungen getroffen werden!
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- Bezeichnenderweise sind Überlegungen über die vordergründigen Konsequenzen hinaus – die Reduzierung der Schülerzahlen an berufsbildenden Schulen – nicht Gegenstand des Papiers. Wo sollen die zurückgewiesenen bildungswilligen Schülerinnen und Schüler bleiben? Ist der Arbeits- und Ausbildungsmarkt in der jetzigen Zeit überhaupt entsprechend vorbereitet und für die plötzlich erhöhte Zahl aufnahmefähig, bzw. was könnte und müsste dazu unternommen werden, um zumindest dieses zu erreichen? Entspricht die beabsichtigte Maßnahme juristisch überhaupt dem Bildungsauftrag des Staates und ist nicht zumindest für die heute an den Gesamtschulen unterrichteten Schülerinnen und Schüler eine Übergangszeit für das Inkrafttreten der Maßnahmen vorzusehen, die ganz erheblich in die Lebensplanung der Kinder eingreifen würde. Bei früheren Änderungen gab es jedenfalls solche Übergangsfristen.
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- Die Eltern der 67 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 an unserer Schule haben sich bei einer Befragung ausweislich der beigefügten Abschnitte einstimmig bei zwei unentschiedenen Stimmen gegen Ihre Pläne ausgesprochen. Wir Eltern hoffen und erwarten, dass dieses wichtige Thema, nachdem eine Diskussion schon auf der letzten Schulleiterdienstbesprechung durch die in Ihrem Hause entworfene Tagesordnung erfolgreich vermieden werden konnte, nunmehr auf breiter Basis und jedenfalls mit uns direkt diskutiert wird.
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- Dazu laden wir Sie hiermit herzlich ein und bitten Sie, die Deputation und die Kammern von unseren Bedenken zu unterrichten. Gleichzeitig erlauben wir uns, unsere Einwände der Öffentlichkeit vorzutragen.
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- Für die Elterninitiative
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- Lothar Rieckenberg eMail:
hinze.rieckenberg.priess[at]t-online.de
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