Zeugnisse: Noten oder Berichte
Eine wissenschaftliche Studie:
"Die Berichtszeugnisse an Hamburger Grundschulen stoßen allgemein auf eine hohe Zustimmung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die noch der alte Senat in Auftrag gegeben hat, und die jetzt von der Schulbehörde veröffentlicht worden ist. Kritik äußern die Jenaer und Bielefelder Wissenschaftler an den Plänen der neuen Regierungskoalition, Notenzeugnisse ab Klasse drei bindend einzuführen. Alexander Heinz mit Informationen. Wissenschaftlich ist die generelle Einführung von Notenzeugnissen ab Klasse 3 nicht zu untermauern. Das sagt der Erziehungswissenschaftler Prof. Will Lütgert von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seine Befragung von über 3.000 Hamburger Schülern, Eltern und Lehrern aller Schulformen zeigt, dass das reine Notenzeugnis als nicht mehr zeitgemäß empfunden wird. Insbesondere Eltern und Schüler wünschen sich zusätzlich zur Note einen Kommentar, der erklärt, wie die Note zustande gekommen ist und was die Lernenden verbessern können. Diese Form des Zeugnisses ist in Hamburg zur Zeit nur an einem Teil der Gesamtschulen Praxis. Für die Grundschulen zeigt die Untersuchung, dass das Elternwahlrecht, sich ab Klasse 3 für Berichts- oder Notenzeugnisse entscheiden zu können, auf große Zustimmung stößt. Unter den befragten Grundschülern wurden Berichtszeugnisse sogar deutlich häufiger gewünscht, als reine Notenzeugnisse. Die Eltern zeigten einen hohen Grad an Zufriedenheit mit der jeweils von ihnen gewählten Zeugnisform. Dies deutet daraufhin, dass der Plan, das Elternwahlrecht in diesem Bereich abzuschaffen, wohl bei einem Teil der Elternschaft auf Widerstand stoßen wird." (Alexander Heinz, 90.3 Aktuell, 19.11.01)
Link im Internet: http://fhh.hamburg.de/stadt/Aktuell/behoerden/bildung-sport/service/veroeffentlichungen/handreichung/leistungsbeurteilung-02-pdf,property=source.pdf
Die Vorsitzenden der Eltern- und LehrerInnenkammer
protestieren gegen die Abschaffung des Elternwahlrechts über die Form des Zeugnisses in den Klassen 3 und 4 der Grundschulen. Sabine Bick (Elternkammer): "Wenn ich ein Berichtszeugnis als Eltern bekomme, dann ist das ja ein Anlass mit meinem Kind über die schulische Entwicklung zu reden. Und wenn dieses nicht mehr möglich ist, dann kann ich nicht damit einverstanden sein." Margarete Eisele-Becker: "Die Grundschulkolleginnen und -kollegen wehren sich vehement gegen diese neue Regelung. Sie möchten das individuelle Kind mit seinen Möglichkeiten beschreiben und fördern. Und sie möchten nicht, dass über Zensuren Konkurrenz einzieht in die Klassenzimmer." Lernentwicklungsberichte fördern den Dialog zwischen Eltern, Kindern und Lehrkräften. (Alexander Heinz NDR 90,3 Aktuell 18.3.02)