Hamburg, 29.02.2000

Gestern Abend berieten die VertreterInnen der benachbarten Max-Brauer-Gesamtschule, der Schulaufsicht Gesamtschulen, der GGG, des Elternvereins Hamburg, der Arbeitsgemeinschaft der Elternräte der Gesamtschulen in Hamburg (ARGE), der Fachgruppe Gesamtschulen der GEW, des Projekts "Stabilisierung und Weiterentwicklung von Gesamtschulen durch Lehrerkooperation", Prof. Barbara Schenk und Prof. Dr. Carl-Ludwig Furck von der Universität Hamburg mit dem Kollegium und Eltern der Bruno-Tesch-Gesamtschule die in der letzten Anmelderunde entstandene Situation: Die Bruno-Tesch-Gesamtschule hatte im Schuljahr 1999/2000 42 Anmeldungen für den 5. Jahrgang. Zum augenblicklichen Zeitpunkt haben 51 Eltern ihre Kinder für den zukünftigen 5. Jahrgang angemeldet.

Die Beratung hatte ein eindeutiges Ergebnis: Der Gesamtschulstandort "Bruno-Tesch" ist regional unverzichtbar. Dass nicht alle Kinder, die im unmittelbaren Einzugsbereich der Bruno-Tesch-Gesamtschule wohnen, auf diese Schule gehen, ist aus der Stadtteilflucht zu erklären, die für alle sozialen Brennpunkte gilt. "Bei uns sind dieses Jahr 21 Kinder aus dem Bereich der Bruno-Tesch angemeldet worden", erklärte die Schulleiterin der Max-Brauer-Schule, Barbara Riekmann. "Aus unserer Region werden wiederum Kinder an das Gymnasium Hochrad und das Gymnasium Othmarschen angemeldet. Es gibt eine Wanderung von SchülerInnengruppen nach Westen." In einer solchen Situation eine gut arbeitende Gesamtschule, die von Kindern und Jugendlichen akzeptiert wird und eine Heimat für sie ist, auslaufen zu lassen, ist nicht vertretbar. Die Probleme des Stadtteils dürfen nicht noch dadurch verschärft werden, dass stadtteilstrukturelle Probleme als Probleme einzelner Schulen uminterpretiert werden und ihr Auslaufen in Kauf genommen wird. Das Gegenteil ist notwendig: Eine Schule wie die Bruno-Tesch-Gesamtschule muss besonders gut ausgestattet werden. Sie muss mehr Sachmittel erhalten als andere Schulen. Die Politik muss ein eindeutiges Zeichen setzen, dass diese Schule erwünscht ist und unterstützt wird.

Gründe genug dafür gibt es. KollegInnen der BTG formulierten es gestern spontan so "Es gibt keinen pädagogischen Grund für eine Schließung. Es gibt zahlreiche Gründe gegen eine Schließung: ... unsere Schule (macht) den Kindern unseres Stadtteils angemessene Angebote für

  1. ihr Lernen und ihre Förderung
  2. ihre Erziehung und Bildung
  3. ihre Freizeitgestaltung

zu 1.: Viele SchülerInnen erreichen trotz H/R- Prognose bei uns eine VS-Berechtigung, wir haben relativ wenige "Schulflüchtige". Dafür sind die Förder- und Differenzierungsmöglichkeiten der Gesamtschule eine unentbehrliche Voraussetzung.

Zu 2.: Ein sozialer Brennpunkt fordert eine Gesamtschule, die aufgrund ihrer Ausstattung (z.B. Beratungsabteilung, TutorInnenstunden) besser auf die Problemlagen der SchülerInnen eingehen kann. Erfolgreich angewandte (und laufend weiterentwickelte) Modelle der Erziehung würden dem Stadtteil fehlen.

Zu 3.: Die besonderen Angebote der Offenen Ganztagsschule (Band, Chor, Sport, Schach, Klettern, informationstechnische Bildung und viele mehr) würden den SchülerInnen des Stadtteils nicht mehr zugute kommen.

Die SchülerInnen unserer Schule sind im Übrigen über die Idee der Schließung empört - ein Zeichen für ihre Identifikation mit einer Schule, die offensichtlich ihren Bedürfnissen entsprechend arbeitet!"

 

Arbeitsgemeinschaft der Elternräte der Gesamtschulen in Hamburg (ARGE)

Marion Lewes

Elternverein Hamburg e.V.

Karen Medrow

Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule e.V. (GGG)

Andreas Baumgarten

Fachgruppe Gesamtschulen der GEW

Martin Reichert

Projekt "Stabilisierung und Weiterentwicklung
von Gesamtschulen durch Lehrerkooperation"

Dorothee Fricke

 

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