Höhere Leistungsanforderungen bei schlechterer Unterrichtsqualität

 

543 Lehrer weniger bei 7000 Schülern mehr - die Folgen bekommen alle zu spüren

 

Der Lehrermangel in Hamburg bedeutet eine massive Einschränkung der Chancengleichheit!

 

-     Überfüllte Klassen mit über 30 Schülern und Schülerinnen in viel zu kleinen Klassenräumen

-          Lehrer und Lehrerinnen, die unter Zeitdruck den Unterrichtsstoff nur noch durchpauken oder schnell streifen können - von individueller Förderung keine Rede.

-          Unterrichtsausfall, der vor allem bei Fachlehrermangel manchmal wochenlang nicht aufgefangen werden kann.

-          Wachsende Aggressivität sowohl bei Schüler/innen als auch bei Lehrer/innen steht einem guten Lernklima entgegen.

-          Dringend notwendige Ganztagsschulen mit zu geringer Ausstattung, die mit Honorarkräften "über Wasser gehalten" werden statt mit pädagogischen Konzepten und ausreichenden Lehrkräften richtungweisend eine bessere Bildung einzuläuten und dabei vor allem die sozialen Herkunftsunterschiede ausgleichen könnten.

 

Jede/r muss selbst sehen, wie sie/er klar kommt. Wie passt das mit den hochgesteckten PISA-Zielen zusammen?

 


 

Viel haben sie sich vorgenommen, die Teilnehmer der Kultusministerkonferenz (KMK), um Deutschland bei PISA weiter nach vorn zu bringen.
"Bildungsstandards sichern" ist so ein Zauberwort, um junge Menschen besser auf Prüfungen vorzubereiten. Das aber reicht bei weitem nicht. Die Anforderungen der Wirtschaft wachsen immer weiter, Schülerinnen müssen darauf vorbereitet werden selbständig zu arbeiten, sich immer weiter fort zu bilden, im Team zu arbeiten, Freude daran zu haben, ihr Wissen zu erweitern. Das sind die Erwartungen des 21. Jahrhunderts, und wir sind dringend auf die Fähigkeiten dieser jungen Menschen angewiesen, wenn wir im Wissensland Deutschland wirtschaftlich nicht auf der Strecke bleiben wollen.

 

Wir können es uns auch nicht leisten, nach "deutsch" und "nicht deutsch" zu unterscheiden und das nicht nur aus ethischen Gründen.
Wir brauchen ein ausgewogenes Gleichgewicht in unserer Gesellschaft, dafür benötigen die Menschen Arbeit, umgekehrt benötigt die Wirtschaft qualifizierte Arbeitskräfte.

 

Der Grundstein hierfür liegt in der Bildung und zwar schon bei den Kleinsten. Das haben viele erkannt, auch die Minister der KMK machen sich ständig Gedanken darüber und haben einige Maßnahmen für die nächsten Jahre festgelegt.
Erschreckend aber, wenn man diese Vorhaben mit der Realität  hier in Hamburg  vergleicht. Leben wir auf einem anderen Stern oder nimmt Hamburg nicht an den Treffen der KMK teil? Man könnte es meinen, wenn man die Forderungen der KMK mit der Hamburger Realität vergleicht: Auf folgende Maßnahmen hat sich die KMK 2001 geeinigt, um die Bildung deutscher Schülerinnen und Schüler zu verbessern:

 

-          Die Verbesserung der Sprachkompetenz bereits im vorschulischen Bereich.

-          Die bessere Verzahnung von vorschulischem Bereich und Grundschule mit dem Ziel einer frühen Einschulung.

-          Die Förderung bildungsbenachteiligter Kinder, insbesondere der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund.

 

Die Hamburger Wirklichkeit: Sprachförderung wurde gekürzt. Nicht deutschsprachige Schüler mit einem deutschen Paß gelten als "Deutsche" und fallen in der Statistik nicht auf. Ihnen steht keine zusätzliche Sprachförderung zu. Sie können dem Unterricht aber oft nicht folgen, was sich gerade bei steigenden Klassenfrequenzen als Störfaktor für die ganze Klasse auswirkt.
Auch Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern können den wachsenden Anforderungen nicht in gleichem Maße folgen, wie diejenigen, die von den Eltern zusätzlich gefördert werden.
Die Qualität des Unterrichts in Hamburger Schulen sinkt durch die gekürzten Lehrerstellen  immer weiter, so dass Schüler/innen das Leistungsziel ohne zusätzliche Förderung außerhalb des Schulalltages oft nicht mehr erreichen können.

 

( Jede/r vierte Schüler/in in Deutschland erhält Nachhilfeunterricht!)

 

Erforderliche Maßnahmen: Zusätzliche Sprachförderung und eine Verringerung der Klassenfrequenz. In Fördermaßnahmen sollten Schüler/innen ihre Defizite aufarbeiten und/oder ihre speziellen Fertigkeiten vertiefen und erweitern können. In kleinen Klassen kann unter kompetenter pädagogischer  Anleitung besser gelernt werden, in Gruppenarbeit können Schüler/innen auch voneinander lernen.
Ganztagsschulen mit gut ausgebildeten Fachkräften müssen die Schüler/innen über den normalen Schulalltag hinaus fördern und zum motivierten Lernen beitragen.

 

Forderung KMK:

-          Die konsequente Weiterentwicklung und Sicherung der Qualität von Unterricht und Schule auf der Grundlage von verbindlichen Standards sowie ergebnisorientierte Evaluation.

-          Die Verbesserung der Professionalität der Lehrertätigkeit, insbesondere im Hinblick auf diagnostische und methodische Kompetenz als Bestandteil systematischer Schulentwicklung.

 

Hamburger Wirklichkeit: In Hamburg wurden seit 2001 543 Lehrerstellen eingespart bei 7000 zusätzlichen Schülern und Schülernnen. Es wird zunehmend auf Honorarkräfte gesetzt. Eine Verbesserung der Professionalität ist nicht zu erwarten, da durch das Arbeitszeitmodell, steigende Klassenfrequenzen und ständigen Unterrichtsausfall, der im Eiltempo nachgeholt werden muss, um die Rahmenpläne zu erfüllen,  keine Zeit mehr bleibt, sich dem/r einzelnen Schüler/in individuell zu widmen. Der Lernstoff muss "durchgepaukt" werden, die Pädagogik bleibt zunehmend auf der Strecke. Lehrer/innen und Schüler/innen sind frustriert und ständig gehetzt.
In naturwissenschaftlichem Unterricht (Physik, Chemie, Biologie) können oft keine praxisorientierten Versuche mehr durchgeführt werden, weil die Lerngruppen mit über 30 Schüler/innen zu voll sind und ein Experimentieren zu gefährlich wäre.

 

Auf so einem Boden können keine neuen Ideen gedeihen. Notwendige Bildungsreformen verkommen zu "Dienstanweisungen", Schulentwicklung wird aus Zeitmangel oft im Keim erstickt. Manche Schule sieht sich nur noch in der Lage den Schultag "abzuwickeln", obwohl in den Kollegien der Wille und Wunsch zu pädagogischer Weiterentwicklung durchaus vorhanden ist - oft fehlt jedoch die Kraft, dies auch umzusetzen.
Wer das als Schwarzmalerei abtut, sollte sich die Praxis in den Schulen ansehen. Welche
Bedürfnisse seitens der Schülerschaft vorhanden sind und wie unbefriedigend sie oft nur erfüllt werden können.

 

Schulen fürchten sich vor "Langzeitkranken" oder auch Lehrkräften, die immer wieder tageweise fehlen und nicht ersetzt werden können.
Sowohl Ganztagsschulen als auch die Schulzeitverkürzung an den Gymnasien wurden ohne zusätzliche Lehrerstellen finanziert.    
Hamburger Eltern erleben am Schulalltag ihrer Kinder eine Bildungspolitik, die kurz vor einem Kollaps steht, vor dem die verantwortlichen Politiker jedoch die Augen verschließen
und ihre eigenen Entscheidungen lobpreisen.

 

Eltern schauen machtlos zu und sehen keine Möglichkeit etwas zu ändern. Schulen schweigen, um nicht  in Verruf zu geraten, wenn sie die Folgen des Lehrermangels öffentlich beklagen.
Eine Entwicklung, die zu Lasten der Schülerinnen und Schüler geht, Bildungschancen
verringert und in wenigen Jahren der Stadt Hamburg weitere soziale und wirtschaftliche Probleme beschert.

 

Von einem guten PISA Ergebnis, einer ausgewogenen Chancengerechtigkeit und den Vorstellungen der KMK ist Hamburg meilenweit entfernt.

 

 

WIR BRAUCHEN ENDLICH MEHR LEHRER und LEHRERINNEN !

 

Pressemitteilung
im September 2005
Text erstellt von Eltern des Elterrates der Gesamtschule Süderelbe (Hamburg)

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